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Themenportal Wiedergutmachung
nationalsozialistischen Unrechts

Podcast

Die hier vorgestellten Podcasts „The German Wiedergutmachung“, „Sprechende Akten: NS-Opfer und ihr Ringen um Entschädigung“ und "2x(Un)Recht?" beschäftigen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit der Geschichte der Wiedergutmachung. Sie sind auch über die gängigen Podcastplattformen abrufbar. Unter „Weitere Podcasts“ sind Links zu anderen Podcasts zu finden, die sich ebenfalls mit der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts beschäftigen.

Über den Podcast

Der Podcast „The German Wiedergutmachung“ lässt die Geschichte der Wiedergutmachung lebendig werden. Mit Hilfe von Interviewpartnern aus Wissenschaft und Gesellschaft sowie anhand spannender Dokumente des Bundesarchivs werden die vielfältigen Facetten der Wiedergutmachung deutlich und die Schicksale der Betroffenen erfahrbar. 

In den ersten drei Folgen gibt es Geschichte und Geschichten rund um die Rückerstattung von geraubtem Eigentum, die Entschädigung von NS-Verfolgten in Westeuropa und die Wiedergutmachung ehemals verfolgter Sinti*zze und Rom*nja.

Der Podcast „The German Wiedergutmachung“ ist eine Produktion für das Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ – der Online-Plattform für Wiedergutmachungsakten, konzipiert und in Auftrag gegeben vom Bundesarchiv. Die Umsetzung gestaltete Escucha – Kultur fürs Ohr. Die Finanzierung erfolgte durch das Bundesministerium der Finanzen.

Podcast bei Podigee, Spotify, ApplePodcast, Deezer, Castbox, PodcastAddict, PodcastRepublic, PocketCasts.

Folge 1: Eine Frage des Eigentums – Zwischen Raub und Recht

Cover Podcast "The German Wiedergutmachung"
Moderation: Nora Hespers, Redaktion: Lukas Fleischmann, Jörn Petrick, Ralph Würschinger und Mirjam Sprau. Skript und Produktion: Escucha - Kultur fürs Ohr. Cover: Kreativagentur Atelier Hauer+Dörfler GmbH. Coverbild: Antragsteller bei der URO (© bpk) | Bundesarchiv |

Wem gehört eigentlich was nach dem Untergang eines Terrorregimes? Dieser Frage gehen wir in der ersten Folge von „The German Wiedergutmachung“ nach. 

Dazu schauen wir uns vor allem an, warum die Rückerstattung von Häusern und sonstigen Gütern an Betroffene nationalsozialistischer Verbrechen essenziell war, um aus einer Diktatur eine rechtsstaatliche Demokratie zu machen. Und wir blicken natürlich auch auf die damit einhergehenden Herausforderungen und Unzulänglichkeiten. Die Rückerstattung war in dieser Dimension bis dahin einmalig in der Geschichte und mit vielfältigen Hürden und Problemen verbunden. 

Wir schlagen dazu Akten aus dem Bundesarchiv auf, sprechen mit dem Historiker Jürgen Lillteicher über den Beginn der Wiedergutmachung und schauen mit dem Juristen Benjamin Lahusen in die damaligen Gerichtssäle. Von den Provenienzforscherinnen Susanne Kiel und Kathrin Kleibl erfahren wir, was mit dem Umzugsgut von Verfolgten geschah, das bei Kriegsausbruch in deutschen Häfen beschlagnahmt wurde.

The German Wiedergutmachung - Transkript Folge 1 (97.93 KB) „Eine Frage des Eigentums – Zwischen Raub und Recht“ | Bundesarchiv

Interviewpartner

Dr. Sebastian Gleixner, Leiter der Edition „Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung“ im Bundesarchiv

Dr. Jürgen Lillteicher, Direktor des AlliiertenMuseums in Berlin 

Prof. Dr. Benjamin Lahusen, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt an der Oder, Leiter des EVZ-Projektes „Recht ohne Recht. Geschichte und Gegenwart der Rückerstattung von NS-Raubgut“

Susanne Kiel, Projektleiterin des Bremer Teils der „LostLift-Datenbank“ am Deutschen Schifffahrtsmuseum Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven

Dr. Kathrin Kleibl, Projektleiterin des Hamburger Teils der „LostLift-Datenbank“ am Deutschen Schifffahrtsmuseum Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven 

 

Ereignisse und Personen

Zur Kabinettssitzung am 21. Dezember 1949

Zu Familie Kloppstock 

 

Dokumente zur Kabinettssitzung am 21. Dezember 1949

Kurzprotokoll über die 32. Kabinettssitzung der Bundesregierung am 21. Dezember 1949, 22. Dezember 1949 (BArch, B 136/36088 PDF)

Note des Bundesministers der Justiz, Thomas Dehler, zum Tagungsordnungspunkt 6 der Sitzung des Bundeskabinetts am 21. Dezember 1949, 21. Dezember 1949 (BArch, B 141/407, Bl. 19 PDF)

Schreiben des Bundesministers der Justiz, Thomas Dehler, an den Staatssekretär des Innern im Bundeskanzleramt, 1. Mai 1950 (BArch, B 141/408, Bl. 19–22 PDF)

 

Gesetze

Alliierte Rückerstattungsregelungen in den drei westlichen Besatzungszonen und in Berlin (West)

  • Amerikanische Besatzungszone: Gesetz Nr. 59 „Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer der nationalsozialistischen Unterdrückungsmaßnahmen“ (USREG) vom 10. November 1947 (ABl. Am MilReg 1947 G, S. 1–25 PDF)
  • Britische Besatzungszone: Gesetz Nr. 59 „Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer der nationalsozialistischen Unterdrückungsmaßnahmen“ (BREG) vom 12. Mai 1949 (Abl. Brit MilReg 1949, S. 1169–1187 PDF)
  • Französische Besatzungszone und mit Abweichungen im Saarland: Verordnung Nr. 120 „Über die Rückerstattung geraubter Vermögensobjekte“ (RüVO) vom 10. November 1947 (Journal officiel 1947, S. 1219–1221 PDF)
  • Westsektoren von Berlin: BK/O (49) 180 „Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer der nationalsozialistischen Unterdrückungsmaßnahmen“ (REAO) vom 26. Juli 1949 (VOBl. Berlin [West], 1949 I, S. 221–231 PDF)

Das Rückerstattungsgesetz auf Bundesebene

„Bundesgesetz zur Regelung der rückerstattungsrechtlichen Geldverbindlichkeiten des Deutschen Reichs und gleichgestellter Rechtsträger (Bundesrückerstattungsgesetz)“ vom 19. Juli 1957 (BGBl. 1957 I, S. 734–742 PDF)

 

Links

AlliiertenMuseum

Bundesarchiv 

EVZ-Projekt „Recht ohne Raub. Geschichte und Gegenwart der Rückerstattung von NS-Raubgut“

LostLift-Datenbank 

Online Edition „Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 

 

Verwendete Akten des Bundesarchivs

BArch, B 136/36088 (Kabinettsprotokolle 20. bis 39. Sitzung (8. November 1949 bis 27. Januar 1950)

BArch, B 141/407 (Akte des Bundesministeriums der Justiz „Entschädigung ausländischer Staatsangehöriger wegen nationalsozialistischer Verfolgungsmaßnahmen“ 1949–1950)

BArch, B 141/408 (Akte des Bundesministeriums der Justiz zur „Entschädigung ausländischer Staatsangehöriger wegen nationalsozialistischer Verfolgungsmaßnahmen“ 1950–1951)

 

Literatur

Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Kalendarium zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht. Gesetzliche und außergesetzliche Regelungen sowie Richtlinien im Bereich der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts. Stand 1. August 2022, Berlin 2022. Online-Version

Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Wiedergutmachung. Regelungen zur Entschädigung. Stand 2. Juni 2023, Berlin 2023. Online-Version

Goschler, Constantin / Lillteicher, Jürgen (Hg.): „Arisierung“ und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Deutschland und Österreich nach 1945 und 1989, Göttingen 2002.

Leisner, Hans-Dieter: Von Entrechteten zu Berechtigten? Die Restitution des Juden in Bremen entzogenen Umzugsguts aus der Perspektive der Opfer, in: Osterloh, Jörg / Wixforth, Harald (Hg.): Unternehmer und NS-Verbrechen. Wirtschaftseliten im „Dritten Reich“ und in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt / New York 2014, S. 87–107.

Lillteicher, Jürgen: Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Studie über Verfolgungserfahrung, Rechtsstaatlichkeit und Vergangenheitspolitik 1945–1971. Dissertation Universität Freiburg Wintersemester 2002/2003. Online-Version

Lillteicher, Jürgen: Raub, Recht und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in der frühen Bundesrepublik, Göttingen 2007.

Schleier, Bettina: Das Umzugsgut jüdischer Auswanderer – von der Enteignung zur Rückerstattung, in: Bremisches Jahrbuch 77 (1998), S. 247–265. Online-Version

Folge 2: Eine Frage des Territoriums – Der Blick nach Westen

Cover Podcast "The German Wiedergutmachung"
Moderation: Nora Hespers, Redaktion: Lukas Fleischmann, Jörn Petrick, Ralph Würschinger und Mirjam Sprau. Skript und Produktion: Escucha - Kultur fürs Ohr. Cover: Kreativagentur Atelier Hauer+Dörfler GmbH. Coverbild: Antragsteller bei der URO (© bpk) | Bundesarchiv |

In dieser Folge schauen wir auf die internationale Seite der Wiedergutmachung und nehmen die westlichen Staaten in den Blick. Wir fragen, wie die Menschen in diesen Ländern – als direkt Verfolgte oder später Hinzugezogene – die deutsche Wiedergutmachungspolitik erlebten. 

Dazu öffnen wir wieder eine Akte aus dem Bundesarchiv, sprechen mit dem Historiker Tim Geiger über die außenpolitische Geschichte der Wiedergutmachung und erfahren von Nicole Immler aus Utrecht in den Niederlanden, wie die Wiedergutmachung im Ausland wahrgenommen wurde. 

Außerdem berichtet uns Britta Weizenegger aus Saarburg, wie heute noch ein Amt für Wiedergutmachung arbeitet und wie die deutsche Bürokratie und die Betroffenen jeweils die Wiedergutmachungsverfahren erlebten.

The German Wiedergutmachung - Transkript Folge 2 (103.42 KB) „Eine Frage des Territoriums – Der Blick nach Westen“ | Bundesarchiv

Interviewpartner

Britta Weizenegger, Dezernentin des Landesamts für Finanzen Rheinland-Pfalz und Leiterin des Amtes für Wiedergutmachung in Saarburg

Dr. Elke Hammer, Referatsleiterin im Bundesarchiv

Dr. Tim Geiger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, Abteilung Auswärtiges Amt Berlin, Edition „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD)“

Prof. Dr. Nicole Immler, Professorin für Historical Memory und Transformative Justice an der University of Humanistic Studies in Utrecht

 

Ereignisse und Personen

Zum Luxemburger Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel vom 10. September 1952

Zur Rede Herbert Wehners im Bundestag am 11. März 1960 

 

Dokumente zum Notenwechsel

Verbalnote Dänemarks an die Bundesregierung, 21. Juni 1956 (BArch, B 136/3306, Bl. 8–9 PDF)

Schreiben des Auswärtigen Amts an das Bundeskanzleramt, 4. September 1957 (BArch, B 136/3306, Bl. 39–50 PDF)

Vermerk des Unterabteilungsleiters V B im Bundesministerium der Finanzen, Ernst Féaux de la Croix, über das Gespräch des Bundesminister der Finanzen, Franz Etzel, mit dem Bundesministers des Auswärtigen, Heinrich von Brentano, am 28. Oktober 1958 in Bonn, 28. Oktober 1958 (BArch, B 126/3306, Bl. 116–118 PDF)

Vorlage des Leiters der Unterabteilung C, Kriele, an Bundeskanzler Adenauer (Durchschlag), 3. November 1958 (BArch, B 136/3306, Bl. 119–123 PDF)

Kabinettsvorlage des Auswärtigen Amts zur Antwort der Bundesregierung auf die Demarche der Weststaaten zur Frage der Entschädigung der vom Bundesentschädigungsgesetz nicht erfassten Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, 27. November 1958 (BArch, B 126/117664, Bl. 145–150 PDF)

Ergänzung des Auswärtigen Amts zu seiner Kabinettsvorlage zur Antwort der Bundesregierung auf die Demarche der Weststaaten zur Frage der Entschädigung der vom Bundesentschädigungsgesetz nicht erfassten Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung vom 27. November 1958, 2. Dezember 1958 (BArch, B 126/117664, Bl. 159–161 PDF)

Rundschreiben des Bundeskanzleramtes an die Bundesministerien zum Beschluss der Kabinettsvorlage des Auswärtigen Amts vom 27. November und 2. Dezember 1958, 8. Dezember 1958 (BArch, B 126/117664, Bl. 163 PDF

 

Abkommen und Gesetze

Luxemburger Abkommen 

Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staate Israel vom 10. September 1952 (BGBl. 1953 II, S. 35–97 PDF)

Londoner Schuldenabkommen

Abkommen über deutsche Auslandsschulden vom 27. Februar 1953 (BGBl. 1953 II, S. 331–485 PDF)

Globalabkommen

  • mit Luxemburg vom 11. Juli 1959 (BGBl. 1960 II, S. 2077–2108 PDF)
  • mit Norwegen vom 7. August 1959 (BGBl. 1960 II, S. 1336–1338 PDF)
  • mit Dänemark vom 24. August 1959 (BGBl. 1960 II, S. 1233–1335 PDF)
  • mit Griechenland vom 18. März 1960 (BGBl. 1961 II, S. 1596–1598 PDF)
  • mit den Niederlanden vom 8. April 1960, (BGBl. 1963 II, S. 629–645 PDF; BGBl. 1963 II, S. 663–665 PDF)
  • mit Frankreich vom 15. Juli 1960 (BGBl. 1961 II, S. 1029–1033 PDF)
  • mit Belgien vom 28. September 1960 (BGBl. 1961 II, S. 1037–1039 PDF)
  • mit Italien vom 2. Juni 1961 (BGBl. 1963 II, S. 791–797 PDF)
  • mit der Schweiz vom 29. Juni 1961, (BGBl. 1963 II, S. 155 f. PDF)
  • mit Österreich vom 27. November 1961 (BGBl. 1962 II, S. 1041–1063 PDF)
  • mit Großbritannien vom 9. Juni 1964 (BGBl. 1964 II, S. 1032–1036 PDF)
  • mit Schweden vom 3. August 1964 (BGBl. 1964 II, S. 1402–1404 PDF)

Zwei-plus-Vier-Vertrag

Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12. September 1990 (BGBl. 1990 II, S. 1317–1329 PDF, Faksimile)

Bundesentschädigungsgesetz

Die Gesetzgebung erfolgte in drei Stufen: 

  • Bundesergänzungsgesetz 1953 (Bundesergänzungsgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung (BEG), 18. September 1953, in: BGBl. 1953 I, S. 1387–1408 PDF)
  • Bundesentschädigungsgesetz 1956 (Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung (= Drittes Gesetz zur Änderung des Bundesergänzungsgesetzes; Bundesentschädigungsgesetz), 29. Juni 1956, in: BGBl. 1956 I, S. 559–596 PDF)
  • Bundesentschädigungs-Schlussgesetz 1965 (Zweites Gesetz zur Änderung des Bundesentschädigungsgesetzes (BEG-Schlussgesetz), 14. September 1965, in: BGBl. 1965 I, S. 1315–1340 PDF).

 

Links

Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD)

Amt für Wiedergutmachung in Saarburg

Bundesarchiv

Zeitzeugenprojekt „Zwangsarbeit 1939-45“ 

 

Verwendete Akten des Bundesarchivs

BArch, B 136/3306 (Akte des Bundeskanzleramtes „Wiedergutmachung im Ausland - Allgemeines“ 1957–1965)

BArch, B 126/117664 (Akte des Bundesministeriums der Finanzen „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts - Demarche der Weststaaten zur Frage der Entschädigung der durch das Bundesentschädigungsgesetz nicht erfassten ausländischen Opfer des Nationalsozialismus“ 1958–1961)

 

Literatur

Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Kalendarium zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht. Gesetzliche und außergesetzliche Regelungen sowie Richtlinien im Bereich der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts. Stand 1. August 2022, Berlin 2022. Online-Version

Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Leistungen der öffentlichen Hand auf dem Gebiet der Wiedergutmachung. Stand: 31. Dezember 2022. Online-Version

Bundesministerium der Finanzen (Hg.): Wiedergutmachung. Regelungen zur Entschädigung. Stand 2. Juni 2023, Berlin 2023. Online-Version

Evans, Eva: Once a Refugee – Always a Refugee, Oxford 2023.

Hockerts, Hans Günter / Moisel, Claudia / Winstel, Tobias (Hg.): Grenzen der Wiedergutmachung. Die Entschädigung für NS-Verfolgte in West- und Osteuropa 1945–2000, Göttingen 2006.

Müller, Rudolf: Das Amt für Wiedergutmachung. Seit 20 Jahren in Saarburg ansässig, in: Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg (1995), S. 193–198.

Pauly, Jürgen: Die Verwaltungsakten beim Amt für Wiedergutmachung in Saarburg als historische Quelle, in: Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz (Hg.): 80. Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften, Mainz 2014, S. 132–144.

Reuveni, Gideon: The Phantom Giant, the No-Key Gate, and the Beauty Salon of History. The German-Jewish Reparation Settlement and the Holocaust, in: S:I.M.O.N. Shoah: Intervention. Methods. Documentation 10 (2023) 3, S. 86–103. Online-Version

Schrafstetter, Susanna: The Diplomacy of Wiedergutmachung: Memory, the Cold War, and the Western European Victims of Nazism, 1956–1964, in: Holocaust and Genocide Studies 17 (2003) 3, S. 459–479. Online-Version

Folge 3: Kampf um Anerkennung

Cover Podcast "The German Wiedergutmachung"
Moderation: Nora Hespers, Redaktion: Lukas Fleischmann, Jörn Petrick, Ralph Würschinger und Mirjam Sprau. Skript und Produktion: Escucha - Kultur fürs Ohr. Cover: Kreativagentur Atelier Hauer+Dörfler GmbH. Coverbild: Antragsteller bei der URO (© bpk) | Bundesarchiv |

In der dritten Folge von „The German Wiedergutmachung“ wollen wir herausfinden, wie in der Bundesrepublik Deutschland mit der Verfolgung der Sinti*zze und Rom*nja in der NS-Zeit umgegangen wurde. Sinti*zze und Rom*nja stehen dabei stellvertretend für die sogenannten „Vergessenen Opfer“, deren Leid gesellschaftlich und politisch erst Jahrzehnte nach dem Nazi-Terror Anerkennung und Entschädigung erfuhr. Bis diese Verfolgtengruppen Entschädigungen erhielten zu ihnen zählten zum Beispiel Homosexuelle oder damals sogenannte „Asoziale“, „Berufsverbrecher“ oder „Wehrkraftzersetzer“ –, war es ein langer und steiniger Weg.

Wir fragen den Vorsitzenden des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma, Romani Rose, nach seinem Gespräch mit Helmut Schmidt 1982, in dem der Bundeskanzler den Völkermord an den Sinti*zze und Rom*nja anerkannte. Wir sprechen mit der Präsidentin des Bundesgerichtshofes, Bettina Limperg, über ein Skandalurteil aus den 1950er Jahren, und Markus Metz vom bayerischen Landesverband der Sinti und Roma berichtet uns über die Erfahrungen der Sinti*zze und Rom*nja mit den deutschen Behörden in den Wiedergutmachungsverfahren.

The German Wiedergutmachung - Transkript Folge 3 (121.71 KB) „Kampf um Anerkennung“ | Bundesarchiv

Interviewpartner

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofes

Markus Metz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern e.V.

Dr. Annette Mertens, Referentin im Bundesarchiv

 

Musik

Duo Z: LP „Ganz Anders – Deutsche Zigeunerlieder“, Text und Musik: Duo Z (Tornado Rosenberg, Rudko Kawczynski), im Verlag „pläne“ GmbH, Dortmund 1981.

 

Ereignisse und Personen

Die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Januar 1956 sind abgedruckt in: Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs / Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): Doppeltes Unrecht – eine späte Entschuldigung. Gemeinsames Symposium des Bundesgerichtshofs und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zu den Urteilen vom 7. Januar 1956. Vorträge gehalten am 17. Februar 2016 im Foyer der Bibliothek des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe, Eggenstein 2016, S. 25–40. Online-Version

Der Aufsatz „Die rassische Verfolgung der Zigeuner vor dem 1. März 1943“ von Franz Calvelli-Adorno, Richter am OLG Frankfurt, ist zu finden in: Rechtsprechung zum Wiedergutmachungsrecht 12 (1961) 12, S. 529–537.

Der nicht überlieferte Erlass des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, („Auschwitz-Erlass“) erging am 16. Dezember 1942, dessen Umsetzung erfolgte mit Schnellbrief des Reichssicherheitshauptamts vom 29. Januar 1943, Faksimile in: Stiftung niedersächsische Gedenkstätten (Hg.): Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus – Materialien aus Niedersachsen. Erlasse: 1943. Auschwitzerlass Schnellbrief. Einführung und Bearbeitungsmöglichkeiten, www.geschichte-bewusst-sein.de. PDF

 

Dokumente

Vorlage des Leiters der Gruppe 32 im Bundesdeskanzleramt, Melzer, für das Gespräch von Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Vertretern des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma im Bundeskanzleramt in Bonn am 17. März 1982, 10. März 1982 (BArch, B 136/28311 PDF)

Protokoll des Leiters der Gruppe 32 im Bundesdeskanzleramt, Melzer, über das Gespräch von Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Vertretern des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma im Bundeskanzleramt in Bonn am 17. März 1982 (BArch, B 136/28311 PDF)

Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung zum Gespräch von Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 17. März 1982, 17. März 1982 (BArch, B 136/28310 PDF)

Presseerklärung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma zum Gespräch von Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 17. März 1982, 18. März 1982 (BArch, B 136/28310 PDF)

 

Gesetze

Landfahrerordnung, 22. Dezember 1953 (BayGVBl. 1953, S. 197–198 PDF)

 

Links

Bundesarchiv

Bundesgerichtshof

Social-Media-Kampagne #ZumFeindGemacht

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

 

Verwendete Akten des Bundesarchivs

BArch, R 165 (Bestand „Rassenhygienische und kriminalbiologische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes“ mit den sogenannten „NS-Rasseakten“ 1936–1944) 

BArch, B 136/28310 (Akte des Bundeskanzleramtes „Wiedergutmachung für Sinti und Roma Forderungen des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma sowie der Rom und Cinti Union e.V.“ 1981–1982)

BArch, B 136/28311 (Akte des Bundeskanzleramtes „Wiedergutmachung für Sinti und Roma - Forderungen des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma sowie der Rom und Cinti Union e.V.“ 1982–1985)

 

Literatur

Deutscher Bundestag (Hg.): Bericht der Bundesregierung über die Wiedergutmachung und Entschädigung nationalsozialistischen Unrechts sowie über die Lage der Sinti und Roma und verwandter Gruppen. BT-Drucksache 10/6287, Bonn 1986. PDF

Deutscher Bundestag (Hg.): Unterrichtung durch die Bundesregierung. Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus. Perspektivwechsel – Nachholende Gerechtigkeit – Partizipation. BT-Drucksache 19/30310, Berlin 2021. PDF

Deutscher Bundestag (Hg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Andrej Hunko, Żaklin Nastić, Petra Pau und der Fraktion DIE LINKE „Entschädigung ausländischer Roma und Sinti als Opfer des Genozids während des Zweiten Weltkrieges“. BT-Drucksache 20/5471, Berlin 2023. PDF

Henke, Josef: Quellenschicksale und Bewertungsfragen. Archivische Probleme bei der Überlieferungsbildung zur Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 41 (1993) 1, S. 61–77. PDF

Katalog zur Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma“. Herausgegeben vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg 2017. PDF

von dem Knesebeck, Julia: The Roma Struggle for Compensation in Post-war Germany, Hatfield 2011. Online-Version

Lotto-Kusche, Sebastian: Der Völkermord an den Sinti und Roma und die Bundesrepublik. Der lange Weg zur Anerkennung 1949–1990, Berlin / München / Boston 2022.

Reimesch, Christian: Vergessene Opfer des Nationalsozialismus? Zur Entschädigung von Homosexuellen, Kriegsdienstverweigerern, Sinti und Roma und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin 2003.

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Entschädigungsleistungen für während des Nationalsozialismus verfolgte Sinti und Roma. Ausarbeitung. WD 1 – 3000-023/11, 21. März 2011. PDF

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Regelungen zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht. Entschädigungsleistungen für NS-Opfer nicht jüdischer Abstammung. Sachstand. WD 7-3000-032/16, 26. Februar 2016. PDF

Über den Podcast

Für die Podcast-Reihe „Sprechende Akten: NS-Opfer und ihr Ringen um Entschädigung“ wurden Entschädigungsakten aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg ausgesucht, die die Geschichten und Schicksale hinter den Verfahren lebendig werden lassen. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Behörden über die Zahlungen entschieden und wie widersprüchlich die Ergebnisse waren – bei dem Versuch eines Landes, auf das gerade erst verursachte Leid eine (materielle) Antwort zu finden.

Sprechende Akten ist eine Produktion des Landesarchivs Baden-Württemberg. Umgesetzt von WE ARE PRODUCERS in Zusammenarbeit mit POOL ARTISTS. Finanziert vom Bundesministerium der Finanzen.

Podcast bei Podigee, Spotify, ApplePodcast, Deezer, Podimo.

Folge 1: Fortdauernde Diskriminierung? Der lange Kampf der Martha B. um ihre Anerkennung als NS-Verfolgte

Titelbild des Podcast Sprechende Akten
Buch: Nilz Bokelberg; Redaktion: Lisa Victoria Hertwig; Aufnahme, Sounddesign & Mischung: Michael Viol; Musik: Falk Andreas; Erzählerin: Ulrike Kapfer; In den weiteren Rollen: Elke Appelt, Sungur Bentürk, Anne Düe, Roman Kern, Stefan Lehnen, Christian Olah, Sebastian Pahl, Lisa Marie Sauerbrey, Bernhard Schütz, Sven Sommer | Landesarchiv Baden-Württemberg

Martha B., geboren am 6. Januar 1919 in Stuttgart, war im Sinne der NS-Rassenideologie zu einem Viertel Sintiza, gehörte also zur Minderheit der Sinti und Roma, die von den Nationalsozialisten schikaniert und verfolgt wurde. Sie und eine ihrer Töchter wurden im März 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Martha B. überlebte die Haft in drei Konzentrationslagern mit bleibenden körperlichen Schäden. Ihre Tochter starb in Auschwitz.

Im Mai 1946 kehrte Martha B. wieder nach Stuttgart zurück und beantragte Wiedergutmachungsleistungen. Die Bearbeitung ihrer Anträge zog sich bis in die 1960er Jahre hin. Für Sinti und Roma war es auch wegen ihrer fortdauernden gesellschaftlichen Diskriminierung in der frühen Bundesrepublik besonders schwer, ihre Entschädigungsansprüche erfolgreich geltend zu machen. Martha B. verstarb 2007 im Alter von 88 Jahren.

Sprechende Akten - Transkript Folge 1 (284.81 KB) Fortdauernde Diskriminierung? Der lange Kampf der Martha B. um ihre Anerkennung als NS-Verfolgte | Landesarchiv Baden-Württemberg

Folge 2: Eine gestohlene Jugend. Der kommunistische Widerstandskämpfer Hans Gasparitsch

Titelbild Podcast "Sprechende Akten"
Buch: Nilz Bokelberg; Redaktion: Lisa Victoria Hertwig; Aufnahme, Sounddesign & Mischung: Michael Viol; Musik: Falk Andreas; Erzählerin: Ulrike Kapfer; In den weiteren Rollen: Elke Appelt, Gerald Blomeyer, Jennifer Günther, Nora Jokhosha, Arne Kapfer, Roman Kern, Bjoern Krass-Koenitz, Sebastian Pahl, Bernhard Schütz, Sven Sommer, Michael Viol | Landesarchiv Baden-Württemberg

Hans Gasparitsch (*30. März 1918 in Stuttgart), sozialisiert im Umfeld der Arbeiter-Jugendbewegung, gründete nach dem Verbot der Arbeiterorganisationen durch die Nationalsozialisten eine Wiederstandsgruppe. Im März 1935 wurde er – siebzehnjährig – beim Anbringen von Parolen „Rot Front“ und „Hitler = Krieg“ im Stuttgarter Schlossgarten verhaftet. Nach einjähriger Untersuchungshaft in der Stuttgarter Zentrale der Gestapo wurde er zu einer zweieinhalbjährigen Strafe wegen Hochverrat verurteilt und ins KZ Dachau gebracht. Das Kriegsende erlebte er im KZ Buchenwald, wo er an der Selbstbefreiung der Häftlinge beteiligt war.

Hans Gasparitsch beantragte 1946 in Stuttgart Entschädigungszahlungen für die erlittene 10-jährige Haftzeit, die ihm auch zügig gewährt wurden. Probleme bekam er erst, nachdem er sich zu Studienzwecken vorübergehend in der DDR aufgehalten hatte. Seine Wiedergutmachungsverfahren zogen sich bis Anfang der 1990er Jahre hin. Hans Gasparitsch verstarb 2002 im Alter von 84 Jahren.

Sprechende Akten - Transkript Folge 2 (311.74 KB) Eine gestohlene Jugend. Der kommunistische Widerstandskämpfer Hans Gasparitsch | Landesarchiv Baden-Württemberg

Folge 3: Suse Rosen und Hermann Horner. Eine Tänzerin und ein Opernsänger im Visier der Nationalsozialisten

Titelbild Podcast "Sprechende Akten"
Buch: Nilz Bokelberg; Redaktion: Lisa Victoria Hertwig; Aufnahme, Sounddesign & Mischung: Michael Viol; Musik: Falk Andreas; Erzählerin: Ulrike Kapfer; In den weiteren Rollen: Frederic Böhle, Djamila Brauer, Rita Feldmeier, Nora Jokhosha, Bjoern Krass-Koenitz, Christian Olah | Landesarchiv Baden-Württemberg

Suse Rosen, geboren am 7. März 1910 in Dresden, war seit 1927 als Tänzerin und ihr 1892 im polnischen Rzeszów geborener Kollege Hermann Horner seit 1929 als Bassbariton am Stuttgarter Theater engagiert. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 beendete ihre Karrieren. Sie wurden wie viele andere jüdische Beschäftigte entlassen.

Hermann Horner kehrte nach Rzeszów zurück. Nach der deutschen Besetzung Polens 1939 wurden er und seine Familie deportiert und schließlich im Vernichtungslager Belzec ermordet. Horners Nichte stellte als nächste Hinterbliebene 1958 einen Antrag auf Wiedergutmachung. Aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs erhielt sie 1963 eine einmalige Entschädigungszahlung. Für Suse Rosen begann nach ihrer Entlassung in Stuttgart eine Odyssee durch Europa, ohne eine neue berufliche Perspektive. Sie verbrachte – gesundheitlich angeschlagen – einige Jahre in der Schweiz, bevor sie 1955 in die USA auswanderte. 1963 kehrte sie für ihr Wiedergutmachungsverfahren eigens nach Deutschland zurück. Sie erhielt für den erlittenen Schaden im beruflichen Fortkommen Entschädigung. Sie starb 1968 in Locarno.

Sprechende Akten - Transkript Folge 3 (167.62 KB) Suse Rosen und Hermann Horner. Eine Tänzerin und ein Opernsänger im Visier der Nationalsozialisten | Landesarchiv Baden-Württemberg

Folge 4: Wilhelm Adami. Tödliches Ende einer Zufallsbekanntschaft

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Buch: Nilz Bokelberg; Redaktion: Lisa Victoria Hertwig; Aufnahme, Sounddesign & Mischung: Michael Viol; Musik: Falk Andreas; Erzählerin: Ulrike Kapfer; In den weiteren Rollen: Elke Appelt, Frederic Böhle, Elmar Börger, Robert Frank, Jessica Goetz, Jennifer Günther, Nora Jokhosha, Bjoern Krass-Koenitz | Landesarchiv Baden-Württemberg

Im März 1944 begegneten sich Wilhelm Adami (* 5. Mai 1887) und Artur Ebert (* 16. März 1906) rein zufällig in der Wohnung des Ehepaars Dümmig in Karlsruhe. Wilhelm war damals als selbständiger Steuerberater tätig – beim Finanzamt war er aufgrund seiner politischen Einstellung bereits 1933 entlassen worden und danach zur Vermeidung weiterer beruflicher Nachteile in die NSDAP eingetreten. Wegen abfälliger Äußerungen über die deutsche Kriegsführung und deren mangelnde Erfolgsaussichten denunzierte ihn Ebert. Adami wurde verhaftet und zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Er starb am 4. April 1945 im Gefängnis Coswig in Sachsen unter ungeklärten Umständen.

Wilhelms Frau Maria beantragte für ihren verstorbenen Mann Wiedergutmachungsleistungen. Für Verzögerungen sorgte Wilhelms Mitgliedschaft in der NSDAP, deren opportunistischer Charakter aber am Ende anerkannt wurde. Frau Adami erhielt neben sachbezogenen Beihilfen ab Mitte der 1950er Jahre Entschädigungszahlungen. Artur Ebert wurde wegen der Denunziation 1949 zu zwei Jahren Haft und zu Entschädigungszahlungen verurteilt.

Sprechende Akten - Transkript Folge 4 (196.45 KB) Wilhelm Adami. Tödliches Ende einer Zufallsbekanntschaft | Landesarchiv Baden-Württemberg

Folge 5: Jette Frankfurter. Eine jüdische Rentnerin und die Debatte um ihre Haftentschädigung

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Buch: Nilz Bokelberg; Redaktion: Lisa Victoria Hertwig; Aufnahme, Sounddesign & Mischung: Michael Viol; Musik: Falk Andreas; Erzählerin: Ulrike Kapfer; In den weiteren Rollen: Christa Andreas, Elke Appelt, Gerald Blomeyer, Frederic Böhle, Elmar Börger, Rita Feldmeier, Renate Fleischhauer, Robert Frank, Christian Olah, Sven Sommer | Landesarchiv Baden-Württemberg

Jette Frankfurter, geboren am 15. Mai 1875, betrieb einen Verkaufsstand mit Blumen, Spielwaren und Süßigkeiten im Mannheimer Rosengarten. Im Februar 1936 wurde sie von konkurrierenden Verkäufern als Jüdin denunziert. Daraufhin entzog man ihr die Erlaubnis zum Betreiben des Verkaufsstandes. Am 22. Oktober 1940 wurde Jette Frankfurter zusammen mit über 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden und der südlichen Pfalz in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Nach ihrer altersbedingten Entlassung aus dem KZ Noé am 19. August 1943 verbrachte man sie zwangsweise in ein jüdisches Altenheim, wo sie bis zu ihrer Rückkehr nach Mannheim im September 1946 verblieb.

Aufgrund ihrer finanziellen Notlage erhielt Jette Frankfurter ab 1947 für knapp zwei Jahre monatliche Beihilfe-Zahlungen und nach einem längeren Verfahren ab 1951 Entschädigung, jedoch – trotz der haftähnlichen Bedingungen im Altenheim – nur für die Haftzeit im KZ. Jette Frankfurter verstarb 1968 im Alter von 92 Jahren in Mannheim.

Sprechende Akten - Transkript Folge 5 (196.32 KB) Jette Frankfurter. Eine jüdische Rentnerin und die Debatte um ihre Haftentschädigung | Landesarchiv Baden-Württemberg

Über den Podcast

Die im Nationalsozialismus inhaftierten und hingerichteten Justizverurteilten sind eine in der Erinnerungskultur oft vernachlässigte Verfolgtengruppe. Ihre Geschichten stehen im Fokus des Pilotprojektes „2x (Un)Recht?“ der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel. Es untersucht anhand ausgewählter Biografien von ehemaligen Inhaftierten des Strafgefängnisses Wolfenbüttel, welche Entschädigungsleistungen es für diese marginalisierte Gruppe vergleichend für die Bundesrepublik und die DDR gab. Dabei stehen die Angehörigen der NS-Justizverurteilten als Betroffene und Zeitzeug*innen im Mittelpunkt. 

Das Projekt wurde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert und hatte eine Laufzeit von Oktober 2024 bis Dezember 2025. 

Gemeinsam mit Kursteilnehmer*innen des Kooperationspartners Arbeit und Leben Niedersachen sowie Angehörigen ehemaliger NS-Justizverurteilter entstand im Projekt „2x (Un)Recht?“ das interaktive Graphic Novel-Spiel „Gegen Mauern. Vier Leben, vier Kämpfe“ mit Zeichnungen von Jörn Jakob Peper. 

In der ersten Folge des Podcast werden das Projekt und sein Team vorgestellt. In der zweiten und dritten Folge berichten Angehörige von Biografien der in Wolfenbüttel inhaftierten NS-Justizverurteilten im Zeitzeug*innengespräch. Die vierte und abschließende Folge präsentiert Interviews mit Angehörigen sowie Ausschnitte aus der Veranstaltung zur Gedenkfeier am 11. April 2025 zum 80. Jahrestag der Befreiung des Strafgefängnisses Wolfenbüttel.

Podcast bei Spotify –  YouTube

Kostenloser Download „Gegen Mauern. Vier Leben, vier Kämpfe“: Play StoreApp Store

Die Projekt-Website bietet weiterführende Informationen über die beiden Forschungs- und Bildungsprojekte „2x (Un)Recht?“ und „Ewige Zuchthäusler?!“ an der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel: https://projekt-ezu.de/ 

TikTok-Kanal des Projekts „2x (Un)Recht?“:  TikTok 

Instagram-Kanal der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel: Instagram

Für weitere Informationen über die Stiftung EVZ und das Projekt: https://www.stiftung-evz.de/was-wir-foerdern/drittmittel-programme/bildungsagenda-ns-unrecht/projekte/2xunrecht/?utm_medium=social&utm_source=heylink.me

Für mehr Informationen zur Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel: https://www.gedenkstaette-wolfenbuettel.de/

2x (Un)Recht? - Folge 1

Podcast 2x (Un)Recht? - Folge 1 - Cover
Komposition und finale Mischung: Ingo Bednarek
Regie und Producer: Riccardo Narciso
Redaktion: Dr. des. Friederike Apelt, Riccardo Narciso, David Paul, Martina Staats
Mitgewirkt haben: Dr. des. Friederike Apelt, Dr. Johann Custodis, Fiona Lehné, Riccardo Narciso, David Paul und Martina Staats

In dieser ersten Folge wird das Projekt „2x (Un)Recht? Partizipative App-Entwicklung zu den Folgen von Entschädigung für NS-Justizverurteilte“ vorgestellt. Die Folge bietet einen Einblick in das Projekt, insbesondere die Forschungs- und Vermittlungsansätze sowie die Kooperationspartner*innen, und stellt die Gedenkstätte und die Projektmitarbeitenden vor. 

Insgesamt stehen bei diesem Projekt die Angehörigen der Justizverurteilten und deren Schicksal im Vordergrund. Das Projekt fokussiert Biografien von NS-Justizverurteilten, die im Strafgefängnis Wolfenbüttel inhaftiert waren und nach der Befreiung auf den Gebieten der Bundesrepublik bzw. DDR lebten. Dabei werden ihre Bemühungen (bzw. die ihrer Angehörigen) um Entschädigung und Anerkennung systemvergleichend betrachtet.

Zeichner Jörn Peper bei der Arbeit und eine Kursteilnehmerin beim Testen des Spiels.
Zeichner Jörn Peper bei der Arbeit und eine Kursteilnehmerin beim Testen des Spiels.

Das Besondere am Projekt ist die Einbindung von Kursteilnehmer*innen des Kooperationspartners Arbeit und Leben Niedersachen auf dem zweiten Bildungsweg bei der Konzeption eines Serious Game, das mit Graphic Novel-Elementen vier Biografien von NS-Justizverurteilten vermittelt.

2x (Un)Recht? - Folge 2: „Erinnern heißt kämpfen“

Abbildung einer Frau vor kreisrundem grünen Hintergrund
Komposition und finale Mischung: Ingo Bednarek
Regie und Producer: Riccardo Narciso
Redaktion: Dr. des. Friederike Apelt, Riccardo Narciso, David Paul, Martina Staats
Mitgewirkt haben: Dr. des. Friederike Apelt, Fiona Lehné, David Paul, Martina Staats und Bea Trampenau

In dieser zweiten Folge erzählt die Zeitzeugin und Angehörige Bea Trampenau im Interview mit Martina Staats die eindrucksvolle Geschichte ihres Vaters Richard Trampenau. 1933, im Alter von 23 Jahren, wurde der junge Kommunist aus Hamburg vom Sondergericht Hannover wegen eines angeblichen Attentats auf Angehörige des rechtsnationalen Stahlhelmbundes zum Tode verurteilt. 1934 wurde das Urteil durch ein Gnadengesuch in lebenslange Haft umgewandelt. Fast elf Jahre war Richard Trampenau im Zuchthaus Celle inhaftiert. Am 6. April 1945 wurde Richard Trampenau zusammen mit vielen weiteren Inhaftierten aus dem Zuchthaus Celle in das Strafgefängnis Wolfenbüttel verlegt. Viele Gefangene starben während dieses Transports; die genaue Zahl ist nicht bekannt. Richard Trampenau wurde dabei schwer verletzt. Am 11. April 1945 befreite die US-Armee das Strafgefängnis Wolfenbüttel. Statt auf seine Entlassungspapiere zu warten, kletterte Richard Trampenau mit einer Leiter über die Gefängnismauer – seine Selbstbefreiung. Danach konnte er nach Hamburg zurückkehren.

Doch auch nach dem Krieg kämpfte er weiter: um Gerechtigkeit und gegen das Vergessen, um Anerkennung und Entschädigung für seine Inhaftierung und Verletzung. Dies prägte auch das Leben seiner Tochter Bea Trampenau. Für sie bedeutet daher Erinnern auch Kämpfen: „Man muss drum kämpfen, dass man gehört wird und dass es nicht vergessen wird“.

Unser besonderer Dank gilt Bea Trampenau für ihre Mitwirkung.

2x (Un)Recht? - Folge 2: „Erinnern heißt kämpfen“ - Bild 1
Bea Trampenau bei der Zukunftswerkstatt im Gespräch mit Gedenkstättenleiterin Martina Staats.

Für die ausführliche Biografie von Richard Trampenau siehe

https://projekt-ezu.de/richard-trampenau/

Für eine allgemeine Übersicht zu Entschädigung in der BRD siehe 

  • Entschädigung in der Bundesrepublik ab 1945 auf der Projekt-Website:

https://projekt-ezu.de/entschaedigung/entschaedigung-fuer-ns-verfolgte-in-der-brd/

  • Themenportal Wiedergutmachung: 

https://www.archivportal-d.de/content/themenportale/wiedergutmachung/geschichte

Für eine allgemeine Übersicht zu Entschädigung in der DDR siehe

  • Entschädigung für NS-Verfolgte in der DDR auf der Projekt-Website: 

https://projekt-ezu.de/entschaedigung/entschaedigung-fuer-ns-verfolgte-in-ddr/

  • Themenportal Wiedergutmachung: 

https://www.archivportal-d.de/content/themenportale/wiedergutmachung/geschichte

2x (Un)Recht? - Folge 3: “[...] das hat meinem Vater sehr geholfen”

Abbildung einer Frau vor kreisrundem grünen Hintergrund
Komposition und finale Mischung: Ingo Bednarek
Regie und Producer: Riccardo Narciso
Redaktion: Dr. des. Friederike Apelt, Riccardo Narciso, David Paul, Martina Staats
Mitgewirkt haben: Dr. des. Friederike Apelt, Fiona Lehné, David Paul, Jörn Peper, Janna Lölke und Andrea Mattes

Im Fokus der dritten Folge steht das Interview zwischen der Angehörigen und Zeitzeugin Andrea Mattes, Enkelin des NS-Justizverurteilten Ernst Harloff, und Janna Lölke, stellvertretender Leiterin der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel. 

In der Familie von Andrea Mattes wurde lange nicht über ihren Großvater Ernst Harloff gesprochen. 2020 erfuhr sie von seiner Hinrichtung während der NS-Zeit. Gemeinsam mit der Gedenkstätte Wolfenbüttel deckte sie Informationen über seine Verurteilung auf. Sie erhielt eine Bestätigung über die Aufhebung des Urteils und erhielt Entschädigung. 

Zudem erhalten die Zuhörer*innen Einblicke in den Ablauf unserer Zukunftswerkstätten, in denen Kursteilnehmer*innen des Kooperationspartners Arbeit und Leben Niedersachsen aus Braunschweig mit Angehörigen von NS-Justizverurteilten und dem Illustrator Jörn Jakob Peper ins Gespräch kamen und partizipativ an der Entwicklung des Serious Game „Gegen Mauern. Vier Leben, vier Kämpfe“ mitwirkten. 

 Unser besonderer Dank gilt Andrea Mattes für ihre Mitwirkung.

2x (Un)Recht? - Folge 3 - Bild 1
Andrea Mattes (rechts) bei der Zukunftswerkstatt mit Kursteilnehmer*innen.

Die Beispielzeichnungen von Jörn Peper zu Ernst Harloff und Richard Trampenau finden Sie zudem hier auf Instagram.

Für die ausführliche Biografie von Ernst Harloff siehe 

https://projekt-ezu.de/ernst-harloff/

Für eine allgemeine Übersicht zu Entschädigung in der BRD siehe 

  • Entschädigung in der Bundesrepublik ab 1945 auf der Projekt-Website:

https://projekt-ezu.de/entschaedigung/entschaedigung-fuer-ns-verfolgte-in-der-brd/

  • Themenportal Wiedergutmachung: 

https://www.archivportal-d.de/content/themenportale/wiedergutmachung/geschichte

Für eine allgemeine Übersicht zu Entschädigung in der DDR siehe

  • Entschädigung für NS-Verfolgte in der DDR auf der Projekt-Website:

https://projekt-ezu.de/entschaedigung/entschaedigung-fuer-ns-verfolgte-in-ddr/

  • Themenportal Wiedergutmachung: 

https://www.archivportal-d.de/content/themenportale/wiedergutmachung/geschichte

2x (Un)Recht? - Folge 4: 80 Jahre Erinnern sind nicht genug!

Alternatives Cover des Podcasts "2x(Un)Recht"
Komposition und finale Mischung: Ingo Bednarek
Regie und Producer: Riccardo Narciso
Redaktion: Dr. des. Friederike Apelt, Riccardo Narciso, David Paul, Martina Staats
Mitgewirkt haben: Dr. des. Friederike Apelt, Dr. Johann Custodis, Dr. Elke Gryglewski, Fiona Lehné, Larissa Ornat, David Paul, Martina Staats.

In der vierten Folge widmen wir uns dem 80. Jahrestag der Befreiung des Strafgefängnisses Wolfenbüttel am 11. April 2025. In der Folge kommen verschiedene Personen zu Wort, die zu diesem Anlass in Wolfenbüttel waren, vor allem die Angehörigen von im NS im Strafgefängnis Wolfenbüttel Inhaftierten.

Was bedeutet es für diese Familien, nach 80 Jahren an das erlittene Unrecht zu erinnern? Welche Geschichten wurden über Generationen hinweg bewahrt – welche mussten erst mühsam wiederentdeckt werden? Und welche Verantwortung tragen wir heute, damit dieses Erinnern lebendig bleibt?

Unser besonderer Dank gilt allen, die durch ihre Teilnahme an den Interviews oder ihre Beiträge diese Folge bereichert haben.

Links zu weiteren Podcasts

BR-Retro-Podcast „Das Wiedergutmachungsabkommen - Beginn einer Annäherung“

Die Sendung des Bayerischen Rundfunks wurde erstmals am 10. September 2012 im zweiten Programm des Senders im Rahmen der Reihe Radiowissen ausgestrahlt. Sie beschäftigt sich mit dem auch als Luxemburger Abkommen bezeichneten Wiedergutmachungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel von 1952.

Deutschlandfunk-Podcast „Hannovers dunkles Erbe“

Der zweiteilige Podcast des Deutschlandfunks berichtet im „Tatort Kunst“ über das spannende Schicksal eines Bildes von Lovis Corinth, das im Namen der ehemaligen Besitzer von der Stadt Hannover zurückgefordert wird. Teil 1, Teil 2.

NS-Medizinverbrechen zwischen Verdrängung und Anerkennung

Der Podcast „NS-Medizinverbrechen zwischen Verdrängung und Anerkennung“ beschäftigt sich insbesondere in der sechsten Folge „Verweigerte Anerkennung – Das Ringen um die Entschädigung der Opfer“ mit dem jahrzehntelangen Kampf der Überlebenden um Wiedergutmachung. Der Podcast ist ein gemeinsames Projekt der Lehrstühle für Geschichte der Medizin sowie für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Podcast rbb Retro „Wiedergutmachung“

Die beiden Folgen „Wiedergutmachung“ im Podcast „rbb Retro Programm nach Ansage“ geben eine zweiteilige Sendung des Sender Freies Berlin vom 1. April bzw. 15. Dezember 1964 wieder. Sie setzten sich intensiv mit den Problemen bei der Handhabung der Entschädigungsverfahren auseinander. Teil 1, Teil 2.

#ZumFeindGemacht-Podcast

Im Podcast der Social-Media-Kampagne #ZumFeindGemacht des Bundesverbandes Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. werden verschiedene Verfolgtenfälle nachgezeichnet und mit Hilfe von Expertinnen und Experten eingeordnet. Dabei werden auch Fragen der Wiedergutmachung thematisiert.

Zugehört!

In der Folge „Restitution von NS-Raubgut“ des Podcasts „Zugehört! – Militärhistorische und -soziologische Themen im Interview mit Expertinnen und Experten“  des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr berichtet Dr. Heiner Möllers im Dialog mit Birgit Schulte von der Recherche nach NS-Raubgut in den Bibliotheken der Bundeswehr.

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