Politische und dienstliche Nachlässe: Domäne Welschneudorf (Rückerhof) (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
1249
Hessisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Gliederung >> Bestände nichtstaatlicher Herkunft >> Familienarchive und Nachlässe >> Politische und dienstliche Nachlässe
1926-1978
Enthält: Der Bestand enthält vorwiegend Akten, aber auch zahlreiche Lagepläne und Skizzen. Auch einige Fotografien sind vorhanden, die allerdings den geschichtlich weniger bedeutenden Umbau der Kläranlage dokumentieren. Inhaltlich finden sich im Bestand vorwiegend Materialien zum Pachtverhältnis, zu einzelnen Bauvorhaben (insb. aber zum Umbau Kuhstalles), ferner zur Unterhaltung des wirtschaftlichen Betriebes, hier vorwiegend der Milchwirtschaft. Einen beträchtlichen Umfang stellen auch die Dokumente zu den Streitigkeiten mit dem Milchwirtschaftsverband, dem Milchversorgungsverband, dem Reichsnährstand und der Deutschen milchwirtschaftlichen Vereinigung über die Milchpreisfestlegungen infolge der Einführung der 'Reichsmilchordnung' im Jahre 1933 dar.
Bestandsgeschichte: Die Aktenüberlieferung setzt 1928 (wobei ein Lageplan bereits auf das Jahr 1926 datiert ist) mit der Pachtübernahme der Domäne Welschneudorf durch Curt Rücker ein und reicht bis zum Jahre 1978. Sämtliches Schriftgut wurde daher unter dem Domänenpächter Curt Rücker gebildet, der zeitliche Schwerpunkt liegt etwa zwischen 1930 und 1960. Die Übergabe des Schriftgutes durch Herrn Carl Rücker an das Hauptstaatsarchiv erfolgte am 22. November 2006. Die inhaltliche Unordnung des Zugangs machte größtenteils eine komplette Neueinteilung und Neubildung von Akten notwendig. So entstanden bei der Erschließung im August 2007 insgesamt 22 Aktenbände (Signaturen 1 bis 22), von denen sämtliche entmetallisiert und neu verpackt bzw. geheftet eingeschlagen wurden.
Geschichte des Bestandsbildners: Der Ort Welschneudorf ist topografisch mittig zwischen Bad Ems und Montabaur gelegen. Er gehörte im Alten Reich zum kurtrierischen Territorium. Die Domäne Welschneudorf entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Welschneudorf bestand seit 1816 auch eine 'Herzogliche Oberförsterei' mit größeren Ländereien, welche die Pferde- und Viehzüchter Welschneudorfs als Weideflächen nutzten. Auch davor sind insbesondere Jagd- und Forstwesen nachweisbar, insoweit haben Jagd- und Landwirtschaft im Ort eine längere Tradition. 1803 gingen besagte Ländereien sowie nahezu alle rechtsrheinischen Besitztümer kurtrierischen Ursprungs infolge des Reichsdeputationshauptschlusses an das Herzogtum Nassau über. Die Verpachtung der Weideflächen oblag der Herzoglichen Rezeptur in Montabaur als Eigentümerin. Nach 1866 wurde das Herzogtum Nassau annektiert und als neue Provinz Hessen-Nassau dem Lande Preußen zugeschlagen.
Um 1900 ging dann der Unterwesterwaldkreis ein Pachtverhältnis mit der 'Königlichen Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten zu Wiesbaden' ein. Die Unterpächter wechselten in der Folgezeit stetig. Zu dieser Zeit beschränkte sich der Wirtschaftsbetrieb neben Ackerbau von Kartoffeln, Korn und Hafer auf die 'Pensionsviehhaltung'. Der Unterwesterwaldkreis schied dann 1916 aus dem Pachtverhältnis aus. Die Folgepächter gingen das Pachtverhältnis nunmehr unmittelbar mit der königlichen Regierung, Abteilung III B für Domänen und Forsten in Wiesbaden, in Vertretung des 'Königlichen Domänenfiskus' ein.
Das bedeutendste weil längste Pachtverhältnis begründete schließlich mit dem 1. Juni 1928 Curt Rücker. Er war nun gezwungen, sich auch neue Einnahmequellen zu erschließen. Ins Auge gefasst hatte man den Aufbau einer Selbstvermarktung für Milch, wofür zunächst ein großer Kuhstall errichtet werden musste. In der Folge konnte sich der Betrieb in der Region durch den Direktabsatz von Milch profilieren. Einen enormen Einschnitt brachte die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 eingeführte 'Reichsmilchordnung', welche die Selbstvermarktung von Milch untersagte, wogegen vonseiten Curt Rückers intensive Gegenanstrengungen unternommen wurden, die jedoch erfolglos blieben. Dieses abgesprochene Recht erhielt er erst im Jahre 1951 im Zuge der Gesetzesneuordnung zurück.
Die Privatisierung der ehemaligen 'Domäne' erfolgte 1962/63, Eigentümer wurde schlussendlich Curt Rücker. Als Name wählte man schlicht 'Rückerhof'. Die Produktion von 'Vorzugsmilch' für Kunden aus Welschneudorf, Nassau, Bad Ems, Nieder- und Oberlahnstein sowie Koblenz konnte noch bis 1982 aufrechterhalten werden. Dann ging die Immobilie mitsamt Liegenschaften erbgemäß an Sohn Carl Rücker, der den ehemals als Domäne bewirtschafteten Anteil des Gutes verkaufte, während er mit den übrigen Bestandteilen eine Landwirtschaft mit Reit-, Fahr- und Zuchtstall aufbaute und ferner einen Fremdenverkehrsbetrieb 'Rückerhof' gründete.
Findmittel: Online-Datenbank (Arcinsys)
Bearbeiter: Clemens Uhlig, 2007
Bestandsgeschichte: Die Aktenüberlieferung setzt 1928 (wobei ein Lageplan bereits auf das Jahr 1926 datiert ist) mit der Pachtübernahme der Domäne Welschneudorf durch Curt Rücker ein und reicht bis zum Jahre 1978. Sämtliches Schriftgut wurde daher unter dem Domänenpächter Curt Rücker gebildet, der zeitliche Schwerpunkt liegt etwa zwischen 1930 und 1960. Die Übergabe des Schriftgutes durch Herrn Carl Rücker an das Hauptstaatsarchiv erfolgte am 22. November 2006. Die inhaltliche Unordnung des Zugangs machte größtenteils eine komplette Neueinteilung und Neubildung von Akten notwendig. So entstanden bei der Erschließung im August 2007 insgesamt 22 Aktenbände (Signaturen 1 bis 22), von denen sämtliche entmetallisiert und neu verpackt bzw. geheftet eingeschlagen wurden.
Geschichte des Bestandsbildners: Der Ort Welschneudorf ist topografisch mittig zwischen Bad Ems und Montabaur gelegen. Er gehörte im Alten Reich zum kurtrierischen Territorium. Die Domäne Welschneudorf entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Welschneudorf bestand seit 1816 auch eine 'Herzogliche Oberförsterei' mit größeren Ländereien, welche die Pferde- und Viehzüchter Welschneudorfs als Weideflächen nutzten. Auch davor sind insbesondere Jagd- und Forstwesen nachweisbar, insoweit haben Jagd- und Landwirtschaft im Ort eine längere Tradition. 1803 gingen besagte Ländereien sowie nahezu alle rechtsrheinischen Besitztümer kurtrierischen Ursprungs infolge des Reichsdeputationshauptschlusses an das Herzogtum Nassau über. Die Verpachtung der Weideflächen oblag der Herzoglichen Rezeptur in Montabaur als Eigentümerin. Nach 1866 wurde das Herzogtum Nassau annektiert und als neue Provinz Hessen-Nassau dem Lande Preußen zugeschlagen.
Um 1900 ging dann der Unterwesterwaldkreis ein Pachtverhältnis mit der 'Königlichen Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten zu Wiesbaden' ein. Die Unterpächter wechselten in der Folgezeit stetig. Zu dieser Zeit beschränkte sich der Wirtschaftsbetrieb neben Ackerbau von Kartoffeln, Korn und Hafer auf die 'Pensionsviehhaltung'. Der Unterwesterwaldkreis schied dann 1916 aus dem Pachtverhältnis aus. Die Folgepächter gingen das Pachtverhältnis nunmehr unmittelbar mit der königlichen Regierung, Abteilung III B für Domänen und Forsten in Wiesbaden, in Vertretung des 'Königlichen Domänenfiskus' ein.
Das bedeutendste weil längste Pachtverhältnis begründete schließlich mit dem 1. Juni 1928 Curt Rücker. Er war nun gezwungen, sich auch neue Einnahmequellen zu erschließen. Ins Auge gefasst hatte man den Aufbau einer Selbstvermarktung für Milch, wofür zunächst ein großer Kuhstall errichtet werden musste. In der Folge konnte sich der Betrieb in der Region durch den Direktabsatz von Milch profilieren. Einen enormen Einschnitt brachte die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 eingeführte 'Reichsmilchordnung', welche die Selbstvermarktung von Milch untersagte, wogegen vonseiten Curt Rückers intensive Gegenanstrengungen unternommen wurden, die jedoch erfolglos blieben. Dieses abgesprochene Recht erhielt er erst im Jahre 1951 im Zuge der Gesetzesneuordnung zurück.
Die Privatisierung der ehemaligen 'Domäne' erfolgte 1962/63, Eigentümer wurde schlussendlich Curt Rücker. Als Name wählte man schlicht 'Rückerhof'. Die Produktion von 'Vorzugsmilch' für Kunden aus Welschneudorf, Nassau, Bad Ems, Nieder- und Oberlahnstein sowie Koblenz konnte noch bis 1982 aufrechterhalten werden. Dann ging die Immobilie mitsamt Liegenschaften erbgemäß an Sohn Carl Rücker, der den ehemals als Domäne bewirtschafteten Anteil des Gutes verkaufte, während er mit den übrigen Bestandteilen eine Landwirtschaft mit Reit-, Fahr- und Zuchtstall aufbaute und ferner einen Fremdenverkehrsbetrieb 'Rückerhof' gründete.
Findmittel: Online-Datenbank (Arcinsys)
Bearbeiter: Clemens Uhlig, 2007
0,325 Meter; 22 Nummern
Bestand
Literatur: Rücker, Carl: Die Domäne: Zur Geschichte des heutigen Rückerhofes. In: Ortsgemeinde Welschneudorf (Hrsg.): Heimatbuch Welschneudorf. Welschneudorf: Ortsgemeinde Welschneudorf, 1997; S. 119 ff.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen der Staatsarchive in Hessen.
17.06.2025, 12:53 MESZ