Justizvollzugsanstalt Lingen - Gefangenenpersonalakten (Bestand)
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NLA OS, Rep 947 Lin II
Nds. Landesarchiv, Abt. Osnabrück (Archivtektonik) >> Gliederung >> 1 Behörden des Staates und der kommunalen Verwaltung >> 1.3 Justiz >> 1.3.3 Hannoversche, preußische und niedersächsische Zeit >> 1.3.3.3 Strafvollzugsanstalten, Körperschaften, Rechtspflege
1903-1996
Beschreibung: Inhalt und Quellenwert der Gefangenenpersonalakte
Die Gefangenenpersonalakten (GPA) konzentrieren sich vor allem auf das Leben eines Menschen während seiner Haftzeit, geben aber ebenso Aufschluss über Lebenslauf und Verurteilung. Eng verbunden mit den Personalakten sind die Gefangenenkarteien und Gefangenenbücher, die sehr verdichtete Daten enthalten. Diese finden sich im Bestand NLA OS, Rep 947 Lin I.
Der Aufbau der GPA ist über Jahrzehnte gleich geblieben und überschneidet sich zum Teil mit den Strafvollstreckungs- und Gnadenheften aus den Strafprozessakten.
Vorhanden sind immer der Personal- und Einweisungsbogen mit Angaben zu Person und Straftat sowie zu eventuellen Vorstrafen.
Darüber hinaus gibt es auch vielfach einen (handgeschriebenen) Lebenslauf, Begutachtungen durch den Anstaltsarzt, Beurteilungen der Gefangenen durch Mitarbeiter der JVA; die Akte endet mit dem Entlassungsschein. Neben diesen „normalen“ Dokumenten können auch eine Reihe ungewöhnlicher Schriftstücke auftreten: u.a. Transportzettel, Unterlagen betr. Arbeitseinsatz, Schreiben oder persönliche Briefe der Inhaftierten oder von deren Angehörigen, Besuchsgenehmigungen, Urlaubs- und Gnadengesuche, Berichte des JVA-Personals über Vergehen oder erfolgte Bestrafungen. Darüber hinaus enthalten die Akten gelegentlich auch Fotos der Gefangenen.
Geschichte des Bestandsbildners: Vgl. das Vorwort zu NLA OS, Rep 947 Lin I Strafanstalt Lingen
Bestandsgeschichte
Die Justizvollzugsanstalt in Lingen gab 1985 etwa 160 lfd. m Schriftgut der ehemaligen Emslandlager an den Standort Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs ab. Bis dahin verwahrte das Landesarchiv in Osnabrück lediglich einen kleinen Bestand von 92 Nummern, der 1906 übernommen wurde und den Lingener Gefängnisbetrieb des 19. Jahrhunderts seit 1834 dokumentiert.
Die große Menge an Material konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Überlieferung der berüchtigten nationalsozialistischen Moorlager ausgesprochen lückenhaft war. So hat sich auch nur ein Teil der Gefangenenpersonalakten überliefert; wo sich der Rest befindet ist unbekannt. Aus der Zeit der Konzentrationslager (bis ca. 1935) liegen kaum Akten vor. Vielmehr setzen die Akten erst verstärkt 1938 ein.
Die trotz Kriegseinwirkung, gezielter Vernichtung bei Kriegsende und Verluste in den Wirren der Nachkriegsjahre erhalten gebliebenen umfänglichen Karteien, Akten, Gefängnisbücher, Gefangenenlisten und sonstigen Unterlagen der Emslandlager sowie der Justizvollzugsanstalt Lingen wurden in zwei Teilbestände gegliedert, nämlich in Sachakten (vgl. NLA OS, Rep 947 Lin I), zu denen auch die Personalakten der Wachtmannschaften gelegt wurden, und Gefangenenpersonalakten (der vorliegende Bestand: NLA OS, Rep 947 Lin II).
Im Jahre 1985 wurden von der Justizvollzugsanstalt weitere 7000 Gefangenenpersonalakten abgeliefert, zumeist von Gefangenen aus der Nachkriegszeit, aber gelegentlich auch von ehemaligen Gefangenen der Emslandlager. Dieser Zugang findet sich unter der Signatur Rep 947 Lin II ab Nr. 10.000.
Eine unerwartete Ergänzung erhielten diese Bestände nach der Wiedervereinigung. Im November 1993 übergab das Bundesarchiv, Abt. Zwischenarchiv-Hoppegarten, dem Standort Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs zur Bestandsergänzung über 500 Akten der ehemaligen Strafanstalten Emsland, nämlich 119 Sachakten, 120 Gefangenpersonalakten und über 290 Feldgerichtsurteile. Die Sachakten stammten aus den Lagern Börgermoor, Esterwegen und Walchum sowie aus der Kommandantur in Papenburg. Sie bieten eine Fülle von Informationen, die in den im Jahre 1985 von den Strafanstalten Emsland in das Osnabrücker Staatsarchiv übernommenen 160 lfm Akten nicht enthalten waren, wie z.B. Sterbeurkunden, Fluchtbücher, Gnadengesuche oder auch Anweisungen zum Arbeitseinsatz der Gefangenen in verschiedenen Kommandos im Raum Weser-Ems.
Bestandsgeschichte: Erschließung
Der gesamte Gefangenenpersonalaktenbestand wurde detailliert verzeichnet. Aufgrund von personenbezogenen Schutzfristen ist nach wie vor ein Teil der Akten für die Benutzung gesperrt; zum Teil sind Datensätze auch nicht sichtbar. Bitte wenden Sie sich im Falle eines negativen Rechercheergebnisses auch immer an den Standort in Osnabrück.
Verzeichnet wurden die Akten von Dr. Peter Erlen, Dr. Wolf-Dieter Mohrmann und Dr. Herbert Reyer. Die Ablieferung aus dem Bundesarchiv hat Dr. Bernhard Parisius verzeichnet. Im Jahr 2017 und 2018 wurde eine umfassende Überprüfung der Schutzfristen des Bestandes vorgenommen.
Die Gefangenenakten sind unterteilt in die drei Klassifikationsgruppen "01. Häftlinge der Strafanstalt Lingen und der Emslandlager ", "02. Die von den Englischen Militärbehörden internierten Häftlinge" und "03. Justizvollzug in der Bundesrepublik (nach 1950)".
Jeder Datensatz gliedert sich in folgende acht Punkte:
1. Name, Vorname
2. Geburtsdatum und -ort
3. Beruf
4. Wohnort, Straße, Hausnummer
5. Lager der letzten Inhaftierung, Datum der Einweisung
6. Delikt, Strafmaß
7. Todesdatum, Todesort, Bestattungsort
8. Ergänzende Strafen, Anmerkungen
(vgl. auch das Vorwort zu NLA OS, Rep 947 Lin I Strafanstalt Lingen)
Bestandsgeschichte: Quellenwert
Gefangenenpersonalakten sind viefältig lesbar. Sie geben Aufschluss über die Person der Gefangenen selbst wie über den Umgang des Gefängnispersonals mit ihnen. Im Gegensatz zu normativen Texten spiegeln sie die tatsächliche Strafpraxis in einem Staat bzw. in einer Strafanstalt. Aufgrund der Überlieferung von Gerichtsurteilen sind sie auch eine Ersatzüberlieferung für die vielfach verloren gegangene Überlieferung der Gerichte in der NS-Zeit.
Bearbeiter: Dr. Peter Erlen, Dr. Wolf-Dieter Mohrmann, Dr. Herbert Reyer, Dr. Bernhard Parisius, Eike Knehans, Dr. Thomas Brakmann
Die Gefangenenpersonalakten (GPA) konzentrieren sich vor allem auf das Leben eines Menschen während seiner Haftzeit, geben aber ebenso Aufschluss über Lebenslauf und Verurteilung. Eng verbunden mit den Personalakten sind die Gefangenenkarteien und Gefangenenbücher, die sehr verdichtete Daten enthalten. Diese finden sich im Bestand NLA OS, Rep 947 Lin I.
Der Aufbau der GPA ist über Jahrzehnte gleich geblieben und überschneidet sich zum Teil mit den Strafvollstreckungs- und Gnadenheften aus den Strafprozessakten.
Vorhanden sind immer der Personal- und Einweisungsbogen mit Angaben zu Person und Straftat sowie zu eventuellen Vorstrafen.
Darüber hinaus gibt es auch vielfach einen (handgeschriebenen) Lebenslauf, Begutachtungen durch den Anstaltsarzt, Beurteilungen der Gefangenen durch Mitarbeiter der JVA; die Akte endet mit dem Entlassungsschein. Neben diesen „normalen“ Dokumenten können auch eine Reihe ungewöhnlicher Schriftstücke auftreten: u.a. Transportzettel, Unterlagen betr. Arbeitseinsatz, Schreiben oder persönliche Briefe der Inhaftierten oder von deren Angehörigen, Besuchsgenehmigungen, Urlaubs- und Gnadengesuche, Berichte des JVA-Personals über Vergehen oder erfolgte Bestrafungen. Darüber hinaus enthalten die Akten gelegentlich auch Fotos der Gefangenen.
Geschichte des Bestandsbildners: Vgl. das Vorwort zu NLA OS, Rep 947 Lin I Strafanstalt Lingen
Bestandsgeschichte
Die Justizvollzugsanstalt in Lingen gab 1985 etwa 160 lfd. m Schriftgut der ehemaligen Emslandlager an den Standort Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs ab. Bis dahin verwahrte das Landesarchiv in Osnabrück lediglich einen kleinen Bestand von 92 Nummern, der 1906 übernommen wurde und den Lingener Gefängnisbetrieb des 19. Jahrhunderts seit 1834 dokumentiert.
Die große Menge an Material konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Überlieferung der berüchtigten nationalsozialistischen Moorlager ausgesprochen lückenhaft war. So hat sich auch nur ein Teil der Gefangenenpersonalakten überliefert; wo sich der Rest befindet ist unbekannt. Aus der Zeit der Konzentrationslager (bis ca. 1935) liegen kaum Akten vor. Vielmehr setzen die Akten erst verstärkt 1938 ein.
Die trotz Kriegseinwirkung, gezielter Vernichtung bei Kriegsende und Verluste in den Wirren der Nachkriegsjahre erhalten gebliebenen umfänglichen Karteien, Akten, Gefängnisbücher, Gefangenenlisten und sonstigen Unterlagen der Emslandlager sowie der Justizvollzugsanstalt Lingen wurden in zwei Teilbestände gegliedert, nämlich in Sachakten (vgl. NLA OS, Rep 947 Lin I), zu denen auch die Personalakten der Wachtmannschaften gelegt wurden, und Gefangenenpersonalakten (der vorliegende Bestand: NLA OS, Rep 947 Lin II).
Im Jahre 1985 wurden von der Justizvollzugsanstalt weitere 7000 Gefangenenpersonalakten abgeliefert, zumeist von Gefangenen aus der Nachkriegszeit, aber gelegentlich auch von ehemaligen Gefangenen der Emslandlager. Dieser Zugang findet sich unter der Signatur Rep 947 Lin II ab Nr. 10.000.
Eine unerwartete Ergänzung erhielten diese Bestände nach der Wiedervereinigung. Im November 1993 übergab das Bundesarchiv, Abt. Zwischenarchiv-Hoppegarten, dem Standort Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs zur Bestandsergänzung über 500 Akten der ehemaligen Strafanstalten Emsland, nämlich 119 Sachakten, 120 Gefangenpersonalakten und über 290 Feldgerichtsurteile. Die Sachakten stammten aus den Lagern Börgermoor, Esterwegen und Walchum sowie aus der Kommandantur in Papenburg. Sie bieten eine Fülle von Informationen, die in den im Jahre 1985 von den Strafanstalten Emsland in das Osnabrücker Staatsarchiv übernommenen 160 lfm Akten nicht enthalten waren, wie z.B. Sterbeurkunden, Fluchtbücher, Gnadengesuche oder auch Anweisungen zum Arbeitseinsatz der Gefangenen in verschiedenen Kommandos im Raum Weser-Ems.
Bestandsgeschichte: Erschließung
Der gesamte Gefangenenpersonalaktenbestand wurde detailliert verzeichnet. Aufgrund von personenbezogenen Schutzfristen ist nach wie vor ein Teil der Akten für die Benutzung gesperrt; zum Teil sind Datensätze auch nicht sichtbar. Bitte wenden Sie sich im Falle eines negativen Rechercheergebnisses auch immer an den Standort in Osnabrück.
Verzeichnet wurden die Akten von Dr. Peter Erlen, Dr. Wolf-Dieter Mohrmann und Dr. Herbert Reyer. Die Ablieferung aus dem Bundesarchiv hat Dr. Bernhard Parisius verzeichnet. Im Jahr 2017 und 2018 wurde eine umfassende Überprüfung der Schutzfristen des Bestandes vorgenommen.
Die Gefangenenakten sind unterteilt in die drei Klassifikationsgruppen "01. Häftlinge der Strafanstalt Lingen und der Emslandlager ", "02. Die von den Englischen Militärbehörden internierten Häftlinge" und "03. Justizvollzug in der Bundesrepublik (nach 1950)".
Jeder Datensatz gliedert sich in folgende acht Punkte:
1. Name, Vorname
2. Geburtsdatum und -ort
3. Beruf
4. Wohnort, Straße, Hausnummer
5. Lager der letzten Inhaftierung, Datum der Einweisung
6. Delikt, Strafmaß
7. Todesdatum, Todesort, Bestattungsort
8. Ergänzende Strafen, Anmerkungen
(vgl. auch das Vorwort zu NLA OS, Rep 947 Lin I Strafanstalt Lingen)
Bestandsgeschichte: Quellenwert
Gefangenenpersonalakten sind viefältig lesbar. Sie geben Aufschluss über die Person der Gefangenen selbst wie über den Umgang des Gefängnispersonals mit ihnen. Im Gegensatz zu normativen Texten spiegeln sie die tatsächliche Strafpraxis in einem Staat bzw. in einer Strafanstalt. Aufgrund der Überlieferung von Gerichtsurteilen sind sie auch eine Ersatzüberlieferung für die vielfach verloren gegangene Überlieferung der Gerichte in der NS-Zeit.
Bearbeiter: Dr. Peter Erlen, Dr. Wolf-Dieter Mohrmann, Dr. Herbert Reyer, Dr. Bernhard Parisius, Eike Knehans, Dr. Thomas Brakmann
78,6 lfd m (ca. 18.000 VZE)
Bestand
Literatur: Hölle im Moor. Die Emslandlager 1933-1945, hrsg. v. Bernd Faulenbach und Andrea Kaltofen, Göttingen 2017.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
16.06.2025, 10:42 AM CEST
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