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Eberhard Karls Universität Tübingen, UB - Universitätsarchiv
Archival holding
UAT 702/
Universitätsarchiv Tübingen (Archivtektonik) >> N Nachlässe und kleinere Erwerbungen >> Np Nachlässe W >> Ellen West (1887-1921)
1911-1966
Bestandsbeschreibung: Übernommen: 2001 und 2012 aus Privatbesitz.
Vorwort:
1944/45 publizierte der Schweizer Psychiater Ludwig Binswanger (1881-1966) den Fall einer von ihm 1921 erfolglos behandelten Patientin, der er den Decknamen "Ellen West" gab. Die Veröffentlichung war entscheidend für die Rezeption seiner "daseinsanalytischen" Methodik und gilt als Binswangers "Modellfall" wie der "Wolfsmann" für Sigmund Freud (Vgl. Herzog, Weltentwürfe, S. 226f.). Achtzig Jahre nach dem Tod von "Ellen West" übergaben die Angehörigen den Nachlass "Ellen West" dem Universitätsarchiv Tübingen, um seine wissenschaftliche Auswertung in Tübingen zu ermöglichen, dem Ort, wo auch der wissenschaftliche Nachlass Binswangers und das Archiv seiner Klinik "Bellevue" verwahrt werden. Damit ist der Fall "Ellen West" in einmalig dichter Weise nicht nur aus ärztlicher Sicht, sondern darüber hinaus auch aus der Sicht der Patientin und ihrer Angehörigen selbst dokumentiert. Für diese in jeder Beziehung außergewöhnliche Ergänzung seines "Binswanger-Archivs" hat das Universitätsarchiv nächst den bisherigen Eigentümern besonders auch Herrn Prof. Dr. Albrecht Hirschmüller, Institut für Geschichte der Medizin, zu danken. Er hat die Dokumente im Zuge seiner eigenen Forschungen zu "Ellen West" aufgespürt und die Übergabe an das Universitätsarchiv vermittelt.
Tübingen, den 20.7.2001
Dr. Michael Wischnath
Einleitung:
1. Zum Fall "Ellen West"
Wegen der gebotenen Diskretion muss hier auf Angaben zur Biographie und zur Krankheits- und Behandlungsgeschichte von "Ellen West" verzichtet werden. Die unten angegebene Literatur enthält dazu das Nötige. Doch schon bereits 1934 hat Alfred E. Hoche, der neben Ernst Bleuler von Binswanger zugezogen wurde, über die "seltsamste Konsultation", an der er je teilgenommen habe, folgendes berichtet: "In einem ausländischen Sanatorium wurde eine junge Frau behandelt, hochbegabt, feinfühlend, erfüllt von geistigen Interessen jeder Art, aber dem Schicksal ausgeliefert, in kurzen Abständen immer wieder an schweren Depressionen mit Angstzuständen zu erkranken, sie selbst und ihr Mann, der mit ihr in innigster Seelengemeinschaft lebte, wurden sich darüber einig, dass es besser sei, dem gequälten Dasein der Frau ein Ziel zu setzen. Die Beratung der zugezogenen Ärzte galt der Frage, ob das noch ein lebenswertes Leben sei, d. h. ob in absehbarer Zeit eine Änderung in der Krankheitskurve zu erwarten sei; wir mussten die Frage verneinen. Die Frau, die sich gerade in einem leidlich gesunden Intervall befand, reiste mit dem Manne noch im Genusse einiger ungetrübter Tage; dann nahm sie das Gift, das er ihr verschafft hatte, und schlief friedlich ein; seine Beihilfe war nicht strafbar, da die Selbsttötung nicht unter Strafandrohung steht." (Alfred Hoche, Jahresringe, München 1934, S. 242).
2. Zum Bestand
Vermittelt durch Professor Albrecht Hirschmüller, Institut für Geschichte der Medizin der Universität Tübingen, wurde der Bestand im Dezember 2000 von den Angehörigen der "Ellen West vertraglich übereignet. Die Übergabe erfolgte im März 2001, die Verzeichnung im Juli des gleichen Jahres. Bei den Unterlagen im Umfang von 0,25 lfm handelt es sich um die auf Krankheit und Behandlung bezogenen Teile des Nachlasses des Ehemannes der "Ellen West", "Karl West", insbesondere Briefe und Tagebücher der Ehegatten (1914-1921) sowie nach ihrem Tod vom Ehemann verfertigte dokumentarischen Auszüge aus diesen und anderen Dokumenten. Weitere, nicht auf seine verstorbene Ehefrau "Ellen West" bezügliche Nachlassteile sind einem anderen öffentlichen Archiv übergeben worden.
Im Februar 2023 übergab Prof. Albrecht Hirschmüller Kopien von sich noch in Privatbesitz befindlichen Dokumenten sowie Transkriptionen aus der Krankengeschichte und der Korrespondespondenz des Ehemanns (R. Keyler)
3. Zur Benutzung
Die Benutzung des Bestandes sowie Veröffentlichungen aus den Briefen und Dokumenten sind bis zum 31. Dezember 2066 nur mit schriftlicher Zustimmung eines wissenschaftlichen Fachberaters zulässig. Diese Aufgabe wird für die Dauer seiner Zugehörigkeit zur Universität Tübingen von Herrn Prof. Albrecht Hirschmüller wahrgenommen. Nutzer müssen die Gewähr für die Beachtung der ärztlichen Schweigepflicht bieten und sich schriftlich verpflichten, alles zu unterlassen, was zu einer Identifizierung des Nachlassers, seiner Ehefrau und anderer betroffener Personen führen könnte. Reproduktionen jeder Art sind nicht zulässig. Aus dem gleichen Grund sind im vorliegenden Repertorium Personen- und Ortsnamen mit wenigen Ausnahmen anonymisiert worden.
5. Ergänzende Überlieferung
UAT 441 Binswanger-Archiv: Patientenakte "Ellen West" des Sanatoriums "Bellevue", Kreuzlingen.
UAT 442 Binswanger-Archiv: Verwaltungsakten des Sanatoriums "Bellevue", Kreuzlingen
UAT 443 Binswanger-Archiv: Nachlass Ludwig Binswanger (1881-1966)
6. Literatur
Binswanger, Ludwig: Der Fall "Ellen West". Eine anthropologisch-klinische Studie. In: Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 53 (1944, S. 255-277; 54 (1944), S. 69-117 und S. 330-350; 55 (1945), S. 16-40). Wiederabdruck: Schizophrenie, Pfullingen 1957, S. 57-188.
Binswanger, Ludwig: Ausgewählte Werke in vier Bänden. Bd. 4: Der Mensch in der Psychiatrie, hg. von A. Holzhey-Kunz, Heidelberg 1994.
[Ellen West]: Gedichte, Prosatexte, Tagebücher, Krankengeschichte. Hrsg. v. Naamah Akavia und Albrecht Hirschmüller. Kröning: Asanger, 2007.
Inhalt:
Briefe an den Ehemann (UAT 702/1-7, 17-18: 7 Nrn, 1911-1920).
Briefe der Ellen West und des Ehemannes an Freunde und Verwandte (UAT 202/15-16, 19: 3 Nrn, 1911-1921).
Tagebücher der Eheleute (UAT 702/9,1-5, 10,1-9:14 UNrn, 1920-1921).
Korrespondenz des Ehemannes (UAT 702/11,1-17; 11,19; 11,21:19 UNrn, 1921-1971).
Materialien und Dokumente zur Krankheitsgeschichte der "Ellen West" (UAT 702/11,18; 11,20; 12-14: 5 Nrn/Unrn, 1920-1922).
Bildnis der "Ellen West" auf dem Totenbett (UAT 702/14: 1 Nr., 1921).
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.