Urfehde Nr. 236
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A 2 e (Urfehden u.a.) Nr. A 2 e (Urfehden u.a.) Nr. 7376
A 2 e (Urfehden u.a.) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 19, 21-22, 26)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 19, 21-22, 26) >> Bd. 19 Urfehden
1584 April 4, Samatag
Regest: Conrad Seewürckher der jüngere, Bürger zu Reuttlingen, bekennt, dass er im Jahre (15)82 geschworen hat, seine Gläubiger zu Schwäbisch Hall ganz klaglos zu machen und, ehe sie befriedigt sind, nicht nach Reutlingen zu kommen laut Urfehde. Dem ist er nicht nachgekommen. Denn er ist zu Hall noch 5 fl schuldig. Ferner ist er vor ungefähr 1 Jahr ohne redliche Ursache und ohne Erlaubnis der Herren hinterrücks und heimlich von seiner Ehefrau weggezogen. Weiter hat er sich vor 24 Wochen mit Leonora Dieffstetter zu München ehelich verlobt und Stuhlfest (= Eheverlöbnis) gehalten, die genannte Witib und ihre Befreundte (= Verwandten) schändlich betrogen, sich mit ihr gleich darauf vielfach in fleischlichem Verkehr vergangen und so einen doppelten, Leib- und Lebensstraf verdienenden Ehebruch begangen. Deshalb ist er abermals von Bürgermeister und Rat zu Reuttlingen in Haft genommen und etliche Zeit darin behalten worden. Sie wären befugt gewesen, insbesondere nach Kaiser Karls V. peinlicher Halsgerichtsordnung gegen ihn zu verfahren. Es wurde ihm denn auch das Recht (= Gerichtsverfahren) anerboten. Er aber bat, ihm als einem jungen Mann, der die Sache anfangs nicht so wie jetzt eigentlich (= genau) erwogen habe, Gnade zu erweisen, das Recht (= Gerichtsverfahren) fallen zu lassen, seine Eltern und seine ehrliche Freundschaft (= Verwandtschaft) anzusehen (= zu berücksichtigen). Darauf entliessen ihn Bürgermeister und Rat aus dem Gefängnis. Er schwor einen Eid, wegen des Gefängnisses und der Turmstraf und was sich darunter verloffen (= dabei ereignet) hat, sich weder an Bürgermeister und Rat noch an scnst jemand zu rächen. Wenn er künftig eine Sache gegen die Herren oder die Bürger hätte, will er sie mit ihnen nur vor inländischem Gericht durch seinen bevollmächtigten Anwalt austragen und sich daran jederzeit genügen lassen. Er nimmt ausserdem inseinen Eid, sich ohne Verzug aus der Stadt Reutlingen, ihrem Gebiet sowie ihren ausserhalb gelegenen Flecken und deren Gebiet zu begeben, darein und darauf bei ...(?) 10 Meilen Wegs rings um die Stadt Reutlingen ohne vorherige Begnadigung nicht zu kommen. Würde er diese Punkte nicht halten, so haben Bürgermeister und Rat das Recht, mit seinem Leib und Gut als mit dem eines treulosen, meineidigen, verurteilten Mannes zu verfahren, wo sie ihn betreten (= erreichen).
Beschreibstoff: Pg.
Archivale
Zeugen / Siegler / Unterschriften: Siegler: Eustachius Vietz, Bürger zu Reutlingen
Siegel (Erhaltung): Siegel in Holzkapsel vorhanden, sehr deutliches Gepräge
Genetisches Stadium: Or.
Siegel (Erhaltung): Siegel in Holzkapsel vorhanden, sehr deutliches Gepräge
Genetisches Stadium: Or.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
20.03.2025, 11:14 AM CET