Einzelakten (Bestand)
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I Bund
Stadtarchiv Jülich (Archivtektonik) >> Archivgut amtlicher Herkunft >> Stadt Jülich 1366-1815
01.01.1416-31.12.1900
Die Geschichte der Überlieferung der Stadt Jülich ist eng verknüpft mit der Geschichte des gleichnamigen Herzogtums. Jülich wurde 1234 durch Graf Wilhelm IV. von Jülich (unrechtmäßig) zur Stadt erhoben. Damit verbunden war eine „wenn auch bescheidene Selbstverwaltungsmöglichkeit für die Einwohner“, die sicherlich in eine erste Überlieferung amtlichen Schriftgutes mündete. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Stadt mehrmals im Zuge von Konflikten zwischen dem Jülicher Grafen und dem Erzbischof von Köln zerstört (1239 und 1278). Seit dem Späten Mittelalter hatte das aus dem Gericht der Grafen von Jülich hervorgegangene „Haupt- und Kriminalgericht“ seinen Sitz in Jülich. Es fungierte bis zur Einrichtung des Jülich-Bergischen Appellationsgerichtshofes in Düsseldorf (1769) als Berufungsinstanz für zahlreiche Untergerichte im Herzogtum. Die Gerichtsakten wurden im Rathaus der Stadt aufbewahrt. Grund hierfür waren enge Verflechtungen zwischen den Juristen des Haupt- und Kriminalgerichts und des Stadtgerichtes: Meist waren die Schöffen am Stadtgericht in Personalunion auch Schöffen des Haupt- und Kriminalgerichts des Herzogtums Jülich und Ratsmitglieder. Sie stellten im 17./18. Jahrhundert in der Regel zudem auch den Bürgermeister. Erste Belege für die Existenz eines Archivs finden sich in den Ratsprotokollen der 1680er Jahre. Die Bestände wurden immer wieder durch Kriegsereignisse beschädigt. Überliefert sind Beschädigungen für die Zeit der spanischen Besatzung in den Jahren 1622-1660, als das Rathaus zeitweilig als Kaserne genutzt wurde, und für die Zeit der Blockade 1813/1814, in denen das Archivgebäude von den Soldaten als Wachstube genutzt wurde. Bereits vorher, 1798, hatte die französische Besatzung die kommunale Selbstverwaltung der Stadt beseitigt. Die Stadtrechnungen und Ratsprotokolle enden mit dem Jahr 1798. Von 1801-1814 wurde Jülich zu einem Teil des französischen Staates. Die Aktenüberlieferung für diese Zeit ist sehr spärlich. Der heute vorliegende Bestand wurde 1868 erstmals durch den damaligen Leiter des Staatsarchivs Düsseldorf, Woldemar Harleß, geordnet und durch Anton Hegert verzeichnet (Original LAV NRW R, Findbuch 130.22). Eine Abschrift aus dem Jahr 1925 hat sich im Stadtarchiv erhalten (Bestand III 49). Hegert nahm bei der Verzeichnung eine Trennung zwischen 1. Urkunden, 2. dem Lagerbuch der Stadt, enthaltend u. a. zahlreiche Abschriften mittelalterlicher Urkunden und 3. Akten vor. Sie wurden von ihm fortlaufend durchnummeriert. Die Akten wurden nach Betreffen, also nach dem Pertinenzprinzip, geordnet und in später „Bund“ genannte Themenblöcke zusammengefasst. Eine erneute Inventarisierung der Archivalien erfolgte im Jahr 1901 durch Anton Miebach, Oberlehrer am Städtischen Gymnasium Jülichs. Bei der Überführung der Archivalien in neue Archivräume im Jahr 1929 wurde von Alexander Stollenwerk eine Revision der Akten und Urkunden begonnen. Er orientierte sich dabei am Repertorium von Anton Hegert. Die Urkunden wurden in Umschläge und Kästen gelegt, die Akten neu geordnet und verzeichnet und ein neues Findbuch angelegt. Dabei wurden die in „Bunde“ zusammengefassten Archivalien einzelner Verzeichnungseinheiten jeweils mit einer fortlaufenden Nummer und mit Kurztitel und meist mit Datierung versehen. Die Arbeiten konnten von Stollenwerk allerdings nicht fertig gestellt werden, da er 1930 Bürgermeister von Hachenburg wurde. Bis 1935 wurde kein geeigneter Bearbeiter für die Fortführung der Arbeiten gefunden. Erst dann wurde Thomas Vietor, Studienrat am Städtischen Gymnasium, von der Kreisleitung mit der Verwaltung des Stadtarchivs beauftragt. Teile der Verzeichnung übernahm Friedrich Mahlert (Bund 88aNachdem zu Beginn des Jahres 1944 die Bombenangriffe auf Jülich zunahmen, veranlasste Bürgermeister Johannes Kintzen, den historischen Altbestand (Bestand I) in Kisten zu verpacken und in den napoleonischen Brückenkopf auf der anderen Rurseite zu verlagern. Bei einem Fliegerangriff im Herbst 1944 erhielt allerdings auch der Brückenkopf einen Bombenvolltreffer, deshalb wurden die Kisten in den Keller des städtischen Krankenhauses gebracht, wohl in der Hoffnung, dass dieses nicht bombardiert würde. Nach der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt bei einer Bombardierung am 16. November 1944 wurden die Kisten in eine Ausweichstelle der Verwaltung im Stadtteil Güsten und von dort Ende Januar 1945 zunächst nach Brauweiler, dann im Februar 1945 in das Staatsarchiv Düsseldorf verlagert. Sie wurden dann mit dem Bestand des Staatsarchivs in den Schacht des Bergwerks Grasleben bei Helmstedt eingelagert. Die Rückführung erfolgte im Sommer 1946. Da die Stadt noch nicht über geeignete Räumlichkeiten verfügte, wurden die Kisten zum Schloss Gymnich gebracht und durch den Landesarchivrat Karl Wilkes betreut. Im Frühjahr 1954 wurden die Akten von Schloss Gymnich nach Jülich zurückgeführt. Das alte Repertorium zu Bestand I wurde durch Heinz Kräling, Studiendirektor am Staatlichen Gymnasium, ergänzt. Die Arbeiten an der Verzeichnung des Bestands I kam damit 1955 zunächst zu einem Ende. 1991 wurde von Martina Freialdenhoven ein Sach-, Personen- und Ortsregister für den Bestand erstellt. Im Rahmen der Retrodigitalisierung des Findbuches 2022 wurden die Einzelakten und der Bestand I-Dep.neu klassifiziert, um die Recherche zu erleichtern. Die Signaturen des Altbestandes wurden beibehalten.
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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05.11.2025, 1:59 PM CET