Interview mit Otto Ross (Rosenfelder) über seine Kindheit, Jugend und frühe Erwachsenenzeit in Nürnberg bis zu seiner Emigration
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E 10/208 Nr. 1
E 10/208 NL Familie Rosenfelder
NL Familie Rosenfelder
1912 - 2011
1. Familienhintergrund (bis ca. Min 2:00):
Otto Rosenfelder wurde am 13. November 1912 in Nürnberg als jüngstes von drei Kindern geboren. Vater: Karl Rosenfelder, Mutter: Käthe Rosenfelder, geb. Köhler. Der Vater war Geschäftsmann, der "Tempo" mitbegründete und es später an seine Brüder verkaufte. Ein weiteres, allerdings erfolgloses Projekt war die Gründung der Firma "Okra" für Motorräder.
2. Erinnerungen an die Schul- und Jugendzeit (ca. Min. 2:00 bis 4:40):
Otto Rosenfelder besuchte die 4-klassige Volksschule und 6 Klassen des Realgymnasiums Nürnberg. Seine Schulzeit bezeichnet er als sehr schön und erinnert sich an seinen jüdischen Religionsunterricht in einem kleinen Raum und an seinen Lehrer, einen Kantor. In der Familie seines besten Freundes, Edgar Strauß, lernte er Englisch und Bridge. In seiner Gymnasialzeit widerfuhr ihm kein Antisemitismus, die Klasse bestand aus 30 Schülern, von denen 15 Juden waren. Nach der Schule wollte Otto Rosenfelder Geschäftsmann werden und arbeitete im Exportbusiness.
3. Antisemitismus und Emigration (ca. Min. 4:40-6:30):
Otto Rosenfelder erinnert sich an den Antisemitismus des "Stürmer" und bezeichnet Julius Streicher als die Person, "who started the whole thing". Rosenfelder wusste auch von den Reichsparteitagen, da er in der Nähe des Geländes wohnte. Viele hatten damals den Eindruck, dass die Bewegung des Nationalsozialismus und der Antisemitismus nur temporär sein könnten, wenige verließen das Land.
1932 reiste Otto Rosenfelder geschäftlich in die USA, und als er zurückkehren wollte, telegrafierte sein Vater nur ein Wort: "Bleib". Rosenfelder blieb und konnte 1936 seine Schwester Alice, 1938 seine Eltern in die USA holen und so vor der Verfolgung und möglichen Ermordung durch die Nationalsozialisten bewahren.
4. Ausblick (ca. Min. 6:30-6:55):
Otto Rosenfelder, der sich dann "Ross" nannte, heiratete in New York, diente drei Jahre in der US-Army und bekam eine Tochter. 1948 zog er nach Kalifornien, seine Eltern kehrten zu ihrem ältesten Sohn Franz nach Nürnberg zurück. Otto Ross ging 1992 in den Ruhestand.
Das Interview entstand im Juni 2011 in der Wohnung von Otto Ross in Seal Beach, Kalifornien. Durchgeführt wurde es von Ottos Tocher Dena Ross und ihrem Ehemann Dan Warner.
Otto Rosenfelder wurde am 13. November 1912 in Nürnberg als jüngstes von drei Kindern geboren. Vater: Karl Rosenfelder, Mutter: Käthe Rosenfelder, geb. Köhler. Der Vater war Geschäftsmann, der "Tempo" mitbegründete und es später an seine Brüder verkaufte. Ein weiteres, allerdings erfolgloses Projekt war die Gründung der Firma "Okra" für Motorräder.
2. Erinnerungen an die Schul- und Jugendzeit (ca. Min. 2:00 bis 4:40):
Otto Rosenfelder besuchte die 4-klassige Volksschule und 6 Klassen des Realgymnasiums Nürnberg. Seine Schulzeit bezeichnet er als sehr schön und erinnert sich an seinen jüdischen Religionsunterricht in einem kleinen Raum und an seinen Lehrer, einen Kantor. In der Familie seines besten Freundes, Edgar Strauß, lernte er Englisch und Bridge. In seiner Gymnasialzeit widerfuhr ihm kein Antisemitismus, die Klasse bestand aus 30 Schülern, von denen 15 Juden waren. Nach der Schule wollte Otto Rosenfelder Geschäftsmann werden und arbeitete im Exportbusiness.
3. Antisemitismus und Emigration (ca. Min. 4:40-6:30):
Otto Rosenfelder erinnert sich an den Antisemitismus des "Stürmer" und bezeichnet Julius Streicher als die Person, "who started the whole thing". Rosenfelder wusste auch von den Reichsparteitagen, da er in der Nähe des Geländes wohnte. Viele hatten damals den Eindruck, dass die Bewegung des Nationalsozialismus und der Antisemitismus nur temporär sein könnten, wenige verließen das Land.
1932 reiste Otto Rosenfelder geschäftlich in die USA, und als er zurückkehren wollte, telegrafierte sein Vater nur ein Wort: "Bleib". Rosenfelder blieb und konnte 1936 seine Schwester Alice, 1938 seine Eltern in die USA holen und so vor der Verfolgung und möglichen Ermordung durch die Nationalsozialisten bewahren.
4. Ausblick (ca. Min. 6:30-6:55):
Otto Rosenfelder, der sich dann "Ross" nannte, heiratete in New York, diente drei Jahre in der US-Army und bekam eine Tochter. 1948 zog er nach Kalifornien, seine Eltern kehrten zu ihrem ältesten Sohn Franz nach Nürnberg zurück. Otto Ross ging 1992 in den Ruhestand.
Das Interview entstand im Juni 2011 in der Wohnung von Otto Ross in Seal Beach, Kalifornien. Durchgeführt wurde es von Ottos Tocher Dena Ross und ihrem Ehemann Dan Warner.
Umfang/Beschreibung: mp4, 6:55 Minuten
Archivale
Indexbegriff Person: Köhler, Käthe (MN)
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Alice
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Franz
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Käthe
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Karl
Indexbegriff Person: Ross, Otto
Indexbegriff Person: Strauß, Edgar
Indexbegriff Person: Streicher, Julius
Indexbegriff Person: Warner, Dan
Indexbegriff Sache: Klassifikation A-Bestände: Filme - Dokumentar
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Alice
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Franz
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Käthe
Indexbegriff Person: Rosenfelder, Karl
Indexbegriff Person: Ross, Otto
Indexbegriff Person: Strauß, Edgar
Indexbegriff Person: Streicher, Julius
Indexbegriff Person: Warner, Dan
Indexbegriff Sache: Klassifikation A-Bestände: Filme - Dokumentar
Seal Beach, Kalifornien
USA
Kindheitserinnerungen
Jugenderinnerungen
Interview
Antisemitismus
Nationalsozialismus
Reichsparteitage
Kindheit, jüdische
Tempo (Papiertaschentücher)
Emigration
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.06.2025, 1:00 PM CEST