Militärischer Nachlass Dr. Werner Landerer, *1893 +1984 (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 660/288
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Militärische Bestände 1871-ca. 1920 >> Nachlässe und Sammlungen >> Nachlässe
1914-1984
Vorwort: Am 27. Dezember 1893 wurde Dr. Werner Landerer als Sohn des Geheimen Sanitätsrats Dr. Gustav Landerer und dessen zweiter Ehegattin Amalie Magdalene Landerer, geb. Blumar in Göppingen geboren. Sanitätsrat Dr. Gustav Landerer war Mitbestitzer und ärztlicher Leiter der Heilanstalt Christophsbad Dr. Landerer Löhne, Göppingen. Nach Ablegung der Reifeprüfung am Realgymnasium Göppingen im Juni 1912 trat Werner Landerer ab Oktober 1912 den Dienst als Einjährig-Freiwilliger im Feldartillerie-Regiment "König Karl" (1. Württ.) Nr. 13 in Ulm an. Dort zum Gefreiten befördert, wurde er bereits auf den 1. April 1913 zur Sanität beurlaubt und studierte ab diesem Zeitpunkt drei Semester Medizin in Tübingen. Am 5. August 1914 erfolgte auf Grund der Mobilmachung die Einziehung als Sanitätsgerfreiter; zunächst zum Nachschub in Ludwigsburg, dann zum Festungslazarett in Ulm. Auf Werner Landerers eigenes Betreiben hin trat er Anfang September 1914 zur aktiven Truppe des Feldartillerie-Regiments "König Karl" über, in welchem er als Munitionsreiter der Munitionskolonne und später als Unteroffizier einer Batterie an der Westfront eingesetzt war. Die Zuteilung seines Artillerie-Regiments zur 25. (hessischen) Reservedivison brachte Landerer die Versetzung an die Ostfront. Dort erlebte er den Stellungskrieg an der Bzuva vor Warschau im Winter 1914/15, bevor ihn eine erneute Versetzung im Frühjahr 1915 nach Ungarn führte. Nach der Beförderung zum Leutnant d.R. im Oktober 1915 endete für Landerer der Einsatz an der Ostfront. Sein Artillerie-Regiment unterstand wieder dem XIII. (württ.) Generalkommando, und wurde daraufhin an die Westfront in Flandern verlegt. Bis Ende September 1916 war er abwechselnd als Batterie- und Beobachtungsoffizier während des Stellungskrieges vor Ypern und während der Sommeschlacht im Dienst. Im Februar 1917 wurde Werner Landerer Adjutant der neu entstandenen III. Abteilung des Feldartillerie-Regiments "König Karl". Das Kriegsende erlebte er schließlich kurz vor Sedan mit. Nach der Demobilmachung schlug Werner Landerer neue berufliche Wege ein. Ab Februar 1919 war er zunächst als landwirtschaftlicher Praktikant und als Volontär bei der württ. Vereinsbank tätig, daran anschließend bis März 1921 als "Volontärverwalter" in Menselwitz, Thüringen. Danach nahm er das Studium der Land- und Volkswirtschaft in Halle auf, das er nach landwirtschaftlichem Examen im Frühjahr 1923 mit der Promotion abschloss. Im Herbst 1923 kehrte er nach Göppingen zurück, und übernahm die Leitung der Gutsverwaltung der Heilanstalt Dr. Landerer Söhne KG und später die gesamte wirtschaftliche Leitung. Werner Landerer heiratete am 2. Mai 1935 Marie-Luise Waltraut geb. Bieling. Die Ehe blieb kinderlos. Schon im Vorfeld des 2. Weltkrieges, Werner Lander war Stadtrat in Göppingen und NSDAP-Mitglied, wurde er zu Reserveübungen einberufen. Noch vor Ausbruch des Krieges wurde er zum Oberleutnant und zum Hauptmann d.R. befördert. Auf den 21. August 1939 erfolgte die Einberufung in die Ludendorff-Kaserne in Ulm und die Zuteilung zum Artillerie-Regiments 5, das kurze Zeit später an den Rhein südlich von Straßburg verlegt wurde. In Vorbereitung des Einmarsches nach Frankreich gelangte das Artillerie-Regiment 5 im Mai 1940 an den Mittelrhein bei Neuwied. Der Waffenstillstand mit Frankreich brachte Landerer die Entlassung aus dem Dienst, bevor er erneut im Mai 1941 als Abteilungskommandeur des Artillerie-Regiments 323 der 323. Infanterie-Division in die Normandie und Flandern einberufen wurde.
Anfang Mai 1942 erfolgte die Verlegung der Division an die Ostfront bei Woronesch. Während des Kriegsfeldzuges im Osten wurde Landerer zum Major d.R. ernannt. Bis Februar 1944 erlebte er die Rückzüge der deutschen Linien und den Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkkzssy mit. Nach einem Regimentsführerlehrgang in Meißen (Sachsen) und unter Ernennung zum Regiments- und Artilleriekommandeur der 36. aktiven Infanterie-Division wurde Landerer wieder an die Ostfront bei Bobrnisk und Bzritschi abkommandiert. Am 3. Juli 1944 fiel Werner Landerer in russische Kriegsgefangenschaft, die nach mehreren Lageraufenthalten im November 1948 endete. Nach Göppingen heimgekehrt, übernahm er wieder die Leitung des Unternehmens Dr. Landerer Söhne. Sein besonderes Engagement gehörte in der Folgezeit der Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus in Göppingen und der Organisation von Regimentstreffen. Noch im Todesjahr Werner Landerers - er verstarb am 1. April 1984 - erschien eine 184seitige Autobiographie in Privatdruck. Der Geschäftsführer des Christophsbad Göppingen, Dr. Landerer Söhne GmbH & Co., Prof. Dr. Paul Krauß, übergab im Juli 1984 den militärischen Nachlass Dr. Werner Landerers dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart zur dauernden Verwahrung. Der Umfang des Nachlasses, der in den Bestand M 660 des Militärarchivs eingereiht wurde, beträgt ohne die der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs eingegliederten nachgelassenen Bücher und Druckschriften militärgeschichtlichen Inhalts ca. 1,3 lfd. m. Für die militärgeschichtliche Forschung dürften insbesondere die Kriegstagebücher, vor allem aus dem 1. Weltkrieg, mit ihren Anlagen und Karten von einigem Belang sein. Ein Großteil des Nachlasses besteht aus einzelnen Karten, Skizzen und Luftaufnahmen von der West- und Ostfront beider Weltkriege, die anschaulich von Fotomaterial (darunter ein Album) ergänzt werden. Neben den Regimentstagebüchern beinhaltet der Nachlass auch persönliche Aufzeichnungen Werner Landerers von seinen Erlebnissen im 1. Weltkrieg. Darüber hinaus finden sich einige interessante Einzelschriftstücke wie z.B. das original übersetzte Tagebuch eines gefallenen französischen Unteroffiziers aus dem 2. Weltkrieg; des weiteren Zeitungsausschnitte, Kriegsberichte des Altenvereins der Tübinger Verbindung Igel und einige kunstgewerbliche Drucke und Postkarten verschiedener Herkunft. Aus der Nachkriegszeit sind Unterlagen und Fotos zu den Veteranentreffen des Feldartillerie-Regiments "König Karl" (1. Württ.) Nr. 13 und der 88. und 323. Infanterie-Division erhalten. Besonders erwähnenswert ist schließlich eine Stellungnahme Dr. Werner Landerers zu Äußerungen über seine Person in den ebenfalls im Hauptstaatsarchiv hinterlegten Erinnerungen Dr. Konrad Göttigs (J 168 Nr. 4), da sie Einblicke in die Verhältnisse während der russischen Kriegsgefangenschaft Landerers und seiner Kameraden gewährt. Die überkommene Ordnung wurde weitgehend belassen. Lediglich einige geringfügige Korrekturen in chronologischer Hinsicht wurden der besseren Übersichtlichkeit wegen vorgenommen. Die Archivalien sind in 6 überkommenen Archivkisten und einer Archivbox untergebracht. Übergrößen wurden separat gelagert. Im März 1997 wurde der Nachlass Dr. Werner Landerers im Rahmen der Ausbildung des Archivinspektoranwärters Alexander Rantasa unter Anleitung des Unterzeichners verzeichnet, der auch die abschließende Redaktion besorgte, v.a. im Hinblick auf ein Gesamtregister für die militärischen Nachlässe. Der nach Maßgabe der Benutzungsordnung für die Baden-Württembergische Archivverwaltung benutzbare Bestand umfasst nunmehr 54 Archivalieneinheiten bzw. 1,3 Regalmeter. Stuttgart, im November 1998 Franz Moegle-Hofacker
Anfang Mai 1942 erfolgte die Verlegung der Division an die Ostfront bei Woronesch. Während des Kriegsfeldzuges im Osten wurde Landerer zum Major d.R. ernannt. Bis Februar 1944 erlebte er die Rückzüge der deutschen Linien und den Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkkzssy mit. Nach einem Regimentsführerlehrgang in Meißen (Sachsen) und unter Ernennung zum Regiments- und Artilleriekommandeur der 36. aktiven Infanterie-Division wurde Landerer wieder an die Ostfront bei Bobrnisk und Bzritschi abkommandiert. Am 3. Juli 1944 fiel Werner Landerer in russische Kriegsgefangenschaft, die nach mehreren Lageraufenthalten im November 1948 endete. Nach Göppingen heimgekehrt, übernahm er wieder die Leitung des Unternehmens Dr. Landerer Söhne. Sein besonderes Engagement gehörte in der Folgezeit der Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus in Göppingen und der Organisation von Regimentstreffen. Noch im Todesjahr Werner Landerers - er verstarb am 1. April 1984 - erschien eine 184seitige Autobiographie in Privatdruck. Der Geschäftsführer des Christophsbad Göppingen, Dr. Landerer Söhne GmbH & Co., Prof. Dr. Paul Krauß, übergab im Juli 1984 den militärischen Nachlass Dr. Werner Landerers dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart zur dauernden Verwahrung. Der Umfang des Nachlasses, der in den Bestand M 660 des Militärarchivs eingereiht wurde, beträgt ohne die der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs eingegliederten nachgelassenen Bücher und Druckschriften militärgeschichtlichen Inhalts ca. 1,3 lfd. m. Für die militärgeschichtliche Forschung dürften insbesondere die Kriegstagebücher, vor allem aus dem 1. Weltkrieg, mit ihren Anlagen und Karten von einigem Belang sein. Ein Großteil des Nachlasses besteht aus einzelnen Karten, Skizzen und Luftaufnahmen von der West- und Ostfront beider Weltkriege, die anschaulich von Fotomaterial (darunter ein Album) ergänzt werden. Neben den Regimentstagebüchern beinhaltet der Nachlass auch persönliche Aufzeichnungen Werner Landerers von seinen Erlebnissen im 1. Weltkrieg. Darüber hinaus finden sich einige interessante Einzelschriftstücke wie z.B. das original übersetzte Tagebuch eines gefallenen französischen Unteroffiziers aus dem 2. Weltkrieg; des weiteren Zeitungsausschnitte, Kriegsberichte des Altenvereins der Tübinger Verbindung Igel und einige kunstgewerbliche Drucke und Postkarten verschiedener Herkunft. Aus der Nachkriegszeit sind Unterlagen und Fotos zu den Veteranentreffen des Feldartillerie-Regiments "König Karl" (1. Württ.) Nr. 13 und der 88. und 323. Infanterie-Division erhalten. Besonders erwähnenswert ist schließlich eine Stellungnahme Dr. Werner Landerers zu Äußerungen über seine Person in den ebenfalls im Hauptstaatsarchiv hinterlegten Erinnerungen Dr. Konrad Göttigs (J 168 Nr. 4), da sie Einblicke in die Verhältnisse während der russischen Kriegsgefangenschaft Landerers und seiner Kameraden gewährt. Die überkommene Ordnung wurde weitgehend belassen. Lediglich einige geringfügige Korrekturen in chronologischer Hinsicht wurden der besseren Übersichtlichkeit wegen vorgenommen. Die Archivalien sind in 6 überkommenen Archivkisten und einer Archivbox untergebracht. Übergrößen wurden separat gelagert. Im März 1997 wurde der Nachlass Dr. Werner Landerers im Rahmen der Ausbildung des Archivinspektoranwärters Alexander Rantasa unter Anleitung des Unterzeichners verzeichnet, der auch die abschließende Redaktion besorgte, v.a. im Hinblick auf ein Gesamtregister für die militärischen Nachlässe. Der nach Maßgabe der Benutzungsordnung für die Baden-Württembergische Archivverwaltung benutzbare Bestand umfasst nunmehr 54 Archivalieneinheiten bzw. 1,3 Regalmeter. Stuttgart, im November 1998 Franz Moegle-Hofacker
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ