Nachlässe regierender Grafen und Fürsten der Linie Hohenlohe-Schillingsfürst (Bestand)
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Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, Wa 75
Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Archivtektonik) >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Archiv Waldenburg >> Linie Hohenlohe-Schillingsfürst
1651-1796
Inhalt und Bewertung
Nachlassunterlagen von regierenden Grafen bzw. Fürsten sind im 17. und 18. Jahrhundert noch sehr eng mit 'offiziellen' Unterlagen der zentralen Behörden, also der Kanzlei bzw. Regierung und später dem Kabinett verbunden. Sie sind oft kaum oder nur schwer von amtlichen Unterlagen zu unerscheiden. Damals unterschied man noch nicht zwischen dem Regenten als Staatsmann und als Privatperson.
Die vorliegenden Unterlagen erwiesen sich eindeutig als Nachlassschriftgut. Die Unterlagen des Grafen Ludwig Gustav, die fast die Hälfte des Bestandes ausmachen, sind alle in Sonderfunktionen des Grafen entstanden. Sie erklären sich nicht aus seiner Stellung als Landesherr. Die Anlage und Führung dieser Akten erfolgte aufgrund von Aufgaben im Dienst des Reiches und des Fränkischen Reichskreises. Hierfür wirkte Ludwig Gustav nicht in Schillingsfürst - er teilte die Herrschaft Hohenlohe-Schillingsfürst mit seinem Bruder Christian - sondern in Wien, Frankfurt und vor allem Würzburg. Die Regierungskanzlei in Schillingsfürst war höchstens geringfügig an der Bildung der Unterlagen beteiligt. Soweit Dritte an ihnen überhaupt mitwirkten, waren es die Privatsekretäre Ludwigs Gustavs. Neben aktenartigen Unterlagen sind Korrespondenzen der Regenten mit Verwandten und Freunden, also klassisches Nachlassschriftgut enthalten. Weiterhin birgt der Bestand persönliche Unterlagen zur Person und zum Werdegang des Nachlassers.
Weitere Nachlässe von Mitgliedern des Hauses, die nicht als Grafen oder Fürsten eine herausgehobenen Stellung genossen, finden sich im Bestand 'Kleinere Nachlässe' (Wa 270).
Gliederung: 1. Graf Ludwig Gustav (1634-1697); 2. Nachlass des Grafen Christian (1627-1675); 3. Briefe an sonstige Verwandte Graf Ludwig Gustavs; 4. Fürst Philipp Ernst (1663-1759); 5. Fürst Karl Albrecht I. (1719-1793); 6. Fürst Karl Albrecht II. (1742-1796).
Nachlassunterlagen von regierenden Grafen bzw. Fürsten sind im 17. und 18. Jahrhundert noch sehr eng mit den "offiziellen" Unterlagen der zentralen Behörden, also der Kanzlei bzw. Regierung und später dem Kabinett verbunden. Sie sind oft kaum oder nur schwer von diesen amtlichen Unterlagen zu trennen. Damals unterschied man noch nicht zwischen dem Regenten als Staatsmann und dem Regenten als Privatperson. Daher wurde zunächst eine Eingliederung der vorliegenden Nachlassunterlagen in die Bestände Regierung Schillingsfürst und Kabinett erwogen. Allerdings erwies sich das Material im vorliegenden Fall bei genauerer Analyse doch als Schriftgut eigener Art und als eindeutiges Nachlassschriftgut. Die Unterlagen des Grafen Ludwig Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, die fast die Hälfte des Bestandes ausmachen, sind nämlich alle in Sonderfunktionen des Grafen entstanden. Sie erklären sich nicht aus seiner Stellung als Landesherr von Hohenlohe-Schillingsfürst. Die Anlage und Führung dieser Akten erfolgte aufgrund von Aufgaben Ludwig Gustavs im Dienst des Reiches und im Dienst des Fränkischen Reichskreises. Hierfür wirkte er nicht in Schillingsfürst - er teilte die Herrschaft Hohenlohe-Schillingsfürst mit seinem Bruder Christian - sondern in Wien, Frankfurt und vor allem Würzburg. Die Regierungskanzlei in Schillingsfürst war nicht oder höchstens geringfügig an der Bildung der Unterlagen beteiligt. Soweit Dritte an ihnen überhaupt mitwirkten, waren es die Privatsekretäre Ludwigs Gustavs, Biegner und Vesnich. Neben diesen "aktenartigen" Unterlagen enthält der Bestand hauptsächlich Korrespondenzen der Regenten mit Verwandten und Freunden, also klassisches Nachlassschriftgut. Diese wurden nach dem Korrespondenzpartnerprinzip formiert, wenn sie nicht schon so strukturiert vorlagen. Weiterhin birgt der Bestand noch "persönliche Unterlagen" zur Person und zum Werdegang des Nachlassers. Bei der Bestandsbildung der vorliegenden Bestandes war der Bestand Wa 270 "Kleinere Nachlässe" bereits abgeschlossen. Eine Eingliederung in diesen Bestand war nicht mehr möglich. Da auch die ursprünglich vorgesehene Eingliederung in die zentralen Behörden der Herrschaft Hohenlohe-Schillingsfürst nicht mehr sinnvoll erschien, wurde ein eigener Bestand formiert. Von der Wichtigkeit der Nachlasser her dürfte ein wichtiger Unterschied zu denen der kleineren Nachlässen bestehen, die die Fürstinnen und nachrangigere Familienmitglieder des Hauses Hohenlohe-Schillingsfürst bzw. ab 1807 Hohenlohe-Waldenburg umfassen. Nachlassschriftgut von Regenten setzt im Hause Hohenlohe-Schillingsfürst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit den reichhaltigen Unterlagen Ludwig Gustavs ein. Enthalten sind weiterhin einige Unterlagen seines Bruders und Mitregenten Christian, seines Sohnes Philipp Ernst, des ersten Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, seines Enkels Fürst Karl Albrecht I. und - in geringerem Maße - seines Urenkel Fürst Karl Albrecht II. Dessen Sohn und Nachfolger Karl Albrecht III. war der Begründer der (jüngeren) Linie Hohenlohe-Waldenburg, die von der Linie Hohenlohe-Schillingsfürst abgehoben wird. Seine Unterlagen wurden deshalb nicht in den vorliegenden Bestand eingegliedert, sondern finden sich ebenfalls in den "Kleineren Nachlässen". Der vorliegende Bestand wurde im Rahmen eines von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg geförderten Erschließungsprojektes der Unterlagen des Archivs Waldenburg vor 1806 gebildet und erschlossen. Diese verzeichnete der Archivangestellte Wolfgang Stetter zwischen 1999 und 2002 und bestimme für jede einzelne Verzeichnungseinheit die Provenienz. Ziel war, das ältere Archiv Waldenburg provenienzgerecht umzustrukturieren. Seine Arbeit war die Grundlage für die Formierung des vorliegenden Bestandes durch den Unterzeichnenden nach Ende des Projektzeitraumes. Zu diesen abschließenden Arbeiten gehörte die Abgrenzung der Nachlaßunterlagen von den Akten der Regierung Schillingsfürst und des Kabinetts Schillingsfürst. Etwa ein halber Meter Schriftgut lag noch unformiert vor. DerBestand enthielt damit vergleichsweise viele unformiert vorgefundene Unterlagen. Die Waldenburger Überlieferung ist vergleichsweise stark gestört. Die nicht mehr im ursprünglichen Aktenzusammenhang befindlichen Unterlagen wurden durch den Unterzeichnenden entweder bestehenden Büscheln zugeordnet oder mit Unterlagen zum gleichen Thema zu neuen Aktenfaszikel formiert. Diese nachträglich gebildeten Akten sind daran erkennbar, dass für sie keine Vorsignatur genannt ist. Weiterhin besorgte der Unterzeichnende im Rahmen seiner abschließenden Arbeiten die Klassifikation des Bestandes, die Durchnummerierung der Akten entsprechend der Findbuchordnung und ihre Separierung im Magazin sowie die Endredaktion des Findbuches einschließlich der Abfassung des Vorwortes. Der vorliegende Bestand erhielt die Bezeichnung "Wa 75 Nachlässe regierender Grafen und Fürsten der Linie Hohenlohe-Schillingsfürst". Sachliche Zusammenhänge sind in den Beständen zu den Zentralbehörden der Herrschaft Hohenlohe-Schillingsfürst in den Archiven Waldenburg wie auch Schillingsfürst zu erwarten. Der Bestand umfasst 277 Bü in 5,5 lfd.m. Die Laufzeit der Unterlagen reicht von 1651 bis 1796. Neuenstein im Juli 2003 Dr. Schiffer
277 Bü (5,5 lfd.m)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ