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Amalie Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg, geb. Herzogin in Bayern (1865-1912) (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Archiv der Herzöge von Urach
(1844-) 1865-1912 (-1916) und o. J.
Inhalt und Bewertung
Erste Gemahlin von Wilhelm (II.) Herzog von Urach (GU 117), Tochter von Karl Theodor Herzog in Bayern und Sophie Herzogin in Bayern geb. Prinzessin von Sachsen, geb. 24. Dezember 1865 in München, seit 4. Juli 1892 vermählt, gest. 26. Mai 1912 in Stuttgart
Für die Einsichtnahme in den Bestand ist die Genehmigung des Chefs des Hauses Urach erforderlich. Die Benutzer sind zur Wahrung der Personenrechte verpflichtet.
Weitere Unterlagen über Amalie Herzogin von Urach verwahrt das Hauptstaatsarchiv in den Beständen E 55, GU 117 und J 191.
1. Biografie: Amalie (Amelie) Maria Herzogin in Bayern wurde am 24. Dezember 1865 in München als Tochter des Arztes und Generals Karl Theodor Herzog in Bayern (1839-1909) und der Sophie Herzogin in Bayern geb. Prinzessin von Sachsen (1845-1867) geboren. Sie war das einzige Kind, das aus dieser Ehe hervorging. Herzogin Amalies Mutter starb bereits im Jahre 1867. Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin heiratete Karl Theodor im Jahre 1874 Maria Josepha Herzogin von Braganca Infantin von Portugal (1857-1943). Dieser Ehe entstammten drei Töchter und zwei Söhne. Herzogin Amalie gehörte der herzoglichen Linie des Hauses Bayern (Wittelsbach) an, die mit den führenden katholischen Herrscherfamilien Europas eng verwandt oder verschwägert war. Elisabeth Kaiserin von Österreich Königin von Ungarn, Gemahlin Kaiser Franz Josephs I. (1830-1916), und Marie Königin beider Sizilien (1841-1925), Gemahlin König Franz II. (1836-1894), waren Schwestern von Amalies Vater. Die Könige Albert (1828-1902) und Georg von Sachsen (1832-1904) waren Brüder ihrer Mutter. Amalies Halbschwester Elisabeth (1876-1965) wurde später als Gemahlin Alberts I. (1875-1934) Königin der Belgier. Außerdem bestanden enge verwandtschaftliche Beziehungen zu den Häuser Orléans, zur herzoglichen Linie des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha und natürlich zur königlichen Linie des Hauses Bayern. Über die Kindheit und Jugend der Herzogin Amalie, die übrigens in den an sie gerichteten Briefen von Verwandten fast ausschließlich mit Amélie bzw. Amelie angeredet wird und die ihre Briefe ihrerseits ebenso mit Amélie bzw. Amelie unterzeichnete, finden sich in dem vorliegenden Bestand fast keine Unterlagen, so dass über diese Lebensphase keine Auskunft gegeben werden kann. Am 4. Juli 1892 heiratete Amalie Herzogin in Bayern in der Klosterkirche zu Tegernsee Wilhelm (II.) Herzog von Urach Graf von Württemberg. Herzogin Amalie gebar ihrem Mann insgesamt neun Kinder: die Söhne Wilhelm (III.) (1897-1957), Karl Gero (1899-1981), Albrecht (1903-1969) und Eberhard (1907-1969) und die Töchter Maria Gabriela (1893-1908), Elisabeth (1894-1962), Carola Hilda (1896-1980), Margarethe (1901-1974) und Mechthilde (1912-2001). Die Herzogin übernahm nach ihrer Eheschließung einzelne Ehrenämter: Sie war Protektorin der Katholischen Höheren Töchterschule in Stuttgart (vgl. dazu Büschel 4), des Württembergischen Hilfsvereins e. V. in München (vgl. Büschel 51), des Kriegs- und Militär-Vereins "Herzogin Amalie" in Großengstingen (Büschel 52) und des Vinzenz-Elisabethen-Vereins. Neben dem sozialen Engagement der Herzogin Amalie ist vor allem ihr Interesse an Musik erwähnenswert. Eine Bemerkung Amalies auf einem Notenblatt mit einer Harmonieaufgabe des Komponisten Joseph Gabriel von Rheinberger (1839-1901) lässt vermuten, dass sie sogar bei dem Komponisten Musikunterricht erhalten hat (Büschel 39). Wie ihre bereits erwähnte Halbschwester Elisabeth Königin der Belgier, die selbst eine hervorragende Musikerin und überdies eine bedeutende Mäzenin auf dem Gebiete der Musik war, förderte auch Herzogin Amalie Musiker auf vielfältige Weise, wie aus den Briefen der Musiker, die sich in Büschel 38 des vorliegenden Bestandes befinden, hervorgeht. So sind in dem genannten Büschel Briefe des Komponisten und Generalmusikdirektors in Stuttgart Max von Schillings (1868-1933), der Sänger Heinrich (1845-1900) und Therese Vogl (1845-1921) sowie des Dirigenten Hermann Levi (1839-1900) enthalten. Letzterer war auch ein Mitglied des Kreises um Richard Wagner in Bayreuth, zu dem Herzogin Amalie besondere Kontakte pflegte. Daher finden sich in Büschel 38 Briefe von Eva Wagner verh. Chamberlain, der Tochter Richard Wagners, und von Isolde von Bülow, einer natürlichen Tochter Wagners. Aus diesen geht das große Interesse der Herzogin an Wagners Musik hervor. Die Herzogin scheint auch die Festspiele in Bayreuth besucht zu haben. Außerdem soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass sich Herzogin Amalie bei ihrem Onkel Kaiser Franz Joseph für den österreichischen Komponisten Anton Bruckner einsetzte. Aufgrund der Fürsprache der Herzogin erhielt der Komponist ein Jahresgehalt ausbezahlt und eine Wohnung im Schloss Belvedere zu Wien zugewiesen (vgl. dazu die Angaben von Hermann Levi in einem Brief an Herzogin Amalie in Büschel 38). Amalie Herzogin von Urach starb am 26. Mai 1912 in Stuttgart. Sie wurde in der Katholischen Abteilung der Gruft in der Schlosskirche zu Ludwigsburg begraben.
2. Zur Ordnung und Verzeichnung des Bestandes: Der Bestand GU 118 gelangte zusammen mit dem Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach Grafen von Württemberg im Jahre 1987 als Depositum ins Hauptstaatsarchiv. Dort bildet das Archiv des Hauses Urach innerhalb der Tektonik (Beständegliederung) die GU-Beständeserie. Bei der Neuordnung des Archivs durch Ltd. Archivdirektor Wolfgang Schmierer erhielten die Unterlagen zu Amalie Herzogin von Urach die Signatur GU 118. Da die Archivalien des vorliegenden Bestandes teilweise ungeordnet waren, mussten die Verzeichnungseinheiten größtenteils neu gebildet werden. Während der Erschließungsarbeiten wurden aus dem Bestand GU 118 zahlreiche Unterlagen ausgegliedert und vor allem den Beständen GU 96 (Vermischtes und Ungeklärtes), GU 100 (Fremdarchivalien und sonstige Sammlungen), GU 117 (Wilhelm (II.) Herzog von Urach), GU 120 (Karl Fürst von Urach), GU 122 (Elisabeth Fürstin von Urach verh. Prinzessin von und zu Liechtenstein), GU 123 (Carola Hilda Fürstin von Urach), GU 124 (Wilhelm (III.) Fürst von Urach), GU 126 (Karl Gero Herzog von Urach), GU 128 (Margarethe Fürstin von Urach), GU 129 (Albrecht Fürst von Urach), GU 134 (Mechthilde Fürstin von Urach verh. Fürstin zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst) zugewiesen. Den umfangreichsten Teil des vorliegenden Bestandes bilden die Korrespondenzen, insbesondere die Briefe des Wilhelm (II.) Herzog von Urach an Herzogin Amalie (Rubrik 2.1). Leider fehlen bei den Briefen Herzog Wilhelms an seine Gemahlin einzelne Jahrgänge. Inhaltlich bedeutend ist die in Rubrik 2.2 (Büschel 38) verwahrte Korrespondenz der Herzogin mit den bereits erwähnten Musikern sowie mit Gelehrten und bildenden Künstlern wie dem Bildhauer Adolf von Hildebrand. Konzepte und Entwürfe zu Briefen der Herzogin finden sich in Rubrik 2.3 (Büschel 19). Einen Einblick in die Vermögensverhältnisse der Herzogin geben die in Rubrik 3 vorhandenen Akten, Kassenbücher und Inventare. In Rubrik 7 (Manuskripte und Texte) finden sich zwei kleine Theaterstücke (Büschel 23 und 25), die beide sehr wahrscheinlich von Marie Valérie Erzherzogin von Österreich, einer Tochter Kaiserin Elisabeths von Österreich und Cousine der Herzogin Amalie stammen. Unter den Abbildungen, Zeichnungen und Aquarellen, die in Rubrik 9 verwahrt werden, verdienen vor allem die Zeichnungen des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847-1921) Beachtung (Büschel 62). Der Bildhauer pflegte enge Kontakte zur Familie der Herzöge in Bayern. Unter anderem fertigte er eine Büste von Karl Theodor Herzog in Bayern an, wie aus dem in Büschel 38 enthaltenen Briefwechsel hervorgeht. Die Zeichnungen und Aquarelle der Sidonia Prinzessin von Sachsen (1834-1862), einer Tante der Herzogin Amalie, finden wegen ihrer künstlerischen Qualität Erwähnung (Rubrik 9.11, Büschel 6 und 66). Unterlagen zu Amalie Herzogin von Urach sind auch in anderen Beständen des Archivs des Hauses Urach vorhanden. Hier sei vor allem auf die Bestände GU 99 (Fotoalben und -sammlungen), GU 117 (Wilhelm (II.) Herzog von Urach), GU 124 Wilhelm (III.) Fürst von Urach, GU 129 (Albrecht Fürst von Urach), GU 132 (Eberhard Fürst von Urach) verwiesen. Außerdem gibt es Material zu Herzogin Amalie in den Beständen E 55 (Ministerium des Königlichen Hauses) und J 191 (Zeitungsausschnittsammlung zur Personengeschichte). Dokumente zu Herzogin Amalie sind möglicherweise auch im Archiv der Herzöge in Bayern, das in der Abt. Geheimes Hausarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München verwahrt wird, zu erwarten. Die Archivalien des Bestandes dürfen nur nach vorheriger Genehmigung des Chefs des Hauses Urach eingesehen werden. Der Bestand GU 118 wurde im Herbst 2005 von dem Unterzeichneten erschlossen. Er umfasst 2,0 lfd. Meter mit 71 Nummern. Stuttgart, im Dezember 2005 Eberhard Merk
Literatur: Nachruf in: Schwäbische Kronik Nr. 242 vom 28. Mai 1912. Gerhard Enderle: Herzogin Amelie von Urach, Gräfin von Württemberg. In: Amtsblatt Engstingen vom 29. Mai 1987. Artikel von Wolfgang Schmierer. In: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press. Stuttgart 1987. S. 389f.
71 Büschel
Bestand
Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. A. a. O. S. 389f.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.