OKW / Führungsstab A (Nord) (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
BArch, RW 44-I
Kontext:
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Militär >> Reichswehr und Wehrmacht 1919 bis 1945 >> Zentrale Einrichtungen der Reichswehr und der Wehrmacht >> Spitzenbehörden
Bestandslaufzeit:
1945
Bestandsbeschreibung:
Bestandsbeschreibung:
Seit Rückkehr des Wehrmachtführungsstabes (WFSt) aus Bad Nauheim, wo er sich während der Ardennen-Offensive 1944/45 befunden hatte, war er im Lager "Maybach I" bei Zossen untergebracht. Hitler hatte am 16. Januar 1945 wieder die Reichskanzlei bezogen, der Chef OKW, Generalfeldmarschall Keitel, und der Chef WFSt, Generaloberst Jodl, hatten in ihren Dienstwohnungen in Berlin-Dahlem Quartier genommen.
Als sich die Gefahr einer Spaltung des Reichsgebietes in einen nördlichen und einen südlichen Teil abzeichnete, wurde die Errichtung von getrennten Führungsstäben für beide Räume vorgesehen. Am 11. und 12. April 1945 befahl Hitler die Bildung von jeweils zwei Außenkommandostellen durch die Kommandobehörden des OKW und des OKH. Durch "Führerbefehl" vom 15. April wurden für den nördlichen Raum Großadmiral Dönitz und für den südlichen Generalfeldmarschall Kesselring zu Oberbefehlshabern bestimmt, und zwar für den Fall, dass die Landverbindung in Mitteldeutschland unterbrochen und Hitler in dem jeweiligen betreffenden Raum selbst nicht anwesend war.
Am Nachmittag des 20. April musste wegen des sowjetischen Vordringens das Hauptquartier in die Luftschutzschule Wannsee verlegt werden. Da Hitler zunächst beabsichtigte, den Krieg vom Südraum aus weiterzuführen, erging am 20. April der Befehl, den größten Teil des OKW nach Süddeutschland zu verlegen. Zwei Tage später entschloss sich Hitler, in Berlin zu bleiben. Hitler akzeptierte Jodls Vorschlag, den Kampf um Berlin durch das OKW führen zu lassen.
Die Reste des OKW sammelten sich in Krampnitz, dann im Lager Neu-Roofen südwestlich von Fürstenberg. Am 25. April befahl Hitler die Übernahme der Führung aller Operationen durch das OKW nach den Weisungen des Chefs des Generalstabs des Heeres und schloss dabei den für Großadmiral Dönitz vorbereiteten Führungsstab A vorläufig von Führungsaufgaben aus. Damit ging die Führung der Operationen im Osten, dem OKH-Kriegsschauplatz, auf das OKW über. Am 26. April wurde die Führungsgruppe des Generalstabes des Heeres mit dem WFSt vereinigt und dem Chef WFSt unterstellt. Am Abend des 29. April verlegte das OKW nach Dobbin.
Großadmiral Dönitz war nach einem letzten Besuch in der Reichskanzlei am 21. April mit seinem persönlichen Stab und den anderen Teilen des OKM in das neue Hauptquartier nach Plön gefolgt. Er wurde am 30. April um 18.35 Uhr durch Funkspruch von Reichsleiter Bormann als Nachfolger von Hitler eingesetzt und gab in einem Aufruf seine Nachfolge als Staatsoberhaupt und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht bekannt. Keitel und Jodl stießen am Abend des 1. Mai zum inzwischen nach Neustadt/Holstein verlegten Hauptquartier des OKW, das dann am 3. Mai nach Flensburg-Mürwik umzog. Nach der Teilkapitulation am 5. Mai wurde ein Verbindungsstab unter General Kinzel zur britischen 21. Armeegruppe (Generalfeldmarschall Montgomery) errichtet. Am selben Tag bildete Dönitz die "Geschäftsführende Reichsregierung" unter Reichminister Schwerin von Krosigk. Nach dem Abschluss der Gesamtkapitulation im Hauptquartier von General Eisenhower in Reims am 7. Mai wurde eine aus US-Amerikanern und Engländern bestehende alliierte Kontrollkommission gebildet. Eine sowjetische folgte am 17. Mai. Am 23. Mai wurden die restlichen Teile des OKW sowie die "Geschäftsführende Reichsregierung" von den Westalliierten gefangen genommen.
Vorprovenienz: OKW/Wehrmachtführungsstab


Inhaltliche Charakterisierung:
Der Bestand RW 44 I besteht nur aus Überlieferungssplittern. Er ist kein registraturmäßig gewachsenen Bestand, sondern erst eine spätere archivarische Schöpfung. Der Bestand wurde erst nach der Rückführung des Schriftgutes im Rahmen von Ordnungsarbeiten gebildet.
Überliefert sind insbesondere Unterlagen (109 Akten) über Organisationsfragen und Dienstbetrieb (u.a. Stabsbefehle des Hauptquartiers), ferner Denkschriften und Ausarbeitungen zur Neugliederung des OKW (einschließlich Kriegsgliederungen, Stellenbesetzungen und Stärken einzelner Abteilungen und Formationen), Akten über die Kapitulationsverhandlungen, Befehle zur Durchführung des Waffenstillstandes und Dokumente zur Zusammenarbeit mit der alliierten Überwachungskommission. Außerdem liegen Berichte über das Verlustwesen, Befehle zur Transportlage und zum Personalwesen sowie eine Sammlung von Agentur- und Rundfunkmeldungen vor.


Erschließungszustand:
Online-Findbuch


Umfang, Erläuterung:
109 AE


Zitierweise:
BArch, RW 44-I/...
Provenienz:
Oberkommando der Wehrmacht/Führungsstab "A" (Nord), 1945-
Umfang:
112 Aufbewahrungseinheiten; 2,9 laufende Meter
Archivalientyp:
Schriftgut
Sprache der Unterlagen:
deutsch
Verwandte Bestände und Literatur:
Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv:
R 62 Geschäftsführende Reichsregierung Dönitz
RM 7 Seekriegsleitung
RW 4 Wehrmachtführungsstab
RW 44 II Oberkommando der Wehrmacht/Führungsstab "B" (Süd)
RW 54 Formationen und Dienststellen zur Abwicklung der Wehrmacht
N 54 Wilhelm Keitel
N 69 Alfred Jodl
N 236 Karl Dönitz
N 374 Hans Georg von Friedeburg
N 648 Erich Dethleffsen
N 654 August Winter
N 750 Albert Kesselring

Literatur:
Guide to German Records Microfilmed at Alexandria. Washington 1958ff , Bd. 18
Goebbels, Joseph: Tagebücher 1945. Die letzten Aufzeichnungen. Hamburg 1977
Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab). Bd. IV: 1. Januar 1944-22. Mai 1945. Hrsg. von Percy E. Schramm. Frankfurt 1965
Loßberg, Bernhard v.: Im Wehrmachtführungsstab. Bild eines Generalstabsoffiziers. Hamburg 1949
Macksey, Kenneth: Generaloberst Alfred Jodl. In: Hitlers militärische Elite. 2 Bde. Hrsg. v. Gerd R. Ueberschär. Bd. 1. Darmstadt 1998, S. 102-111
Mühlen, Bengt von zur/ Bauer, Frank u.a. (Hrsg.): Der Todeskampf der Reichshauptstadt. Berlin , Kleinmachnow 1994
Müller, Rolf Dieter/Ueberschär Gerd R.: Kriegsende 1945. Die Zerstörung des Deutschen Reiches. Frankfurt 1994
Scheurig, Bodo: Alfred Jodl. Gehorsam und Verhängnis. Frankfurt am Main, Berlin 1991.
Schramm, Percy Ernst (Hrsg.): Die Niederlage 1945. Aus dem Kriegstagebuch des OKW.. München 1982
Schultz-Naumann, Joachim: Die letzten dreißig Tage. Das KTB des OKW April bis Mai 1945. Die Schlacht um Berlin. München 1980
Rechteinformation:
Rechteinformation beim Datenlieferanten zu klären.