Dank für Mitteilung eines Fundes von Herrn Boch und Diskussion der Datierung
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LLA 005/009
LLA Lindenschmit, Ludwig d. Ä.
Lindenschmit, Ludwig d. Ä. >> Korrespondenz >> Korrespondenz August von Cohausen
1863-07-18
Inhalt/Beschreibung/Darin: „18 Juli 65
Verehrter theurer Freund!
Umgehend meinen herzlichsten Dank für Ihre mir
so hochwillkommene Mittheilung der schönen Zeichnung und des
Briefes von Herrn Boch! Diesen habe ich sogleich excerpirt
und die Zeichnung laße ich so schnell es sich thun läßt copiren.
Der Fund war mir ganz neu und ein so merkwürdiger als
er ganz genau mit jenen Gold und Bronzefunden des Hunsrücks
zu denen Gerhard berichtet, jene bei der Abenteuerhütte
und dem Ihrigen bei St. Goar, wie mit dem früheren Grabhügelfund
in Weißkirchen stimmt. Bei Erklärung des letzteren habe
ich mich in Bezug der Zeitstellung der Goldsache und Bronzen
wesentlich geirrt. Wie ich jetzt nach größerer Umschau als
mir damals möglich war, überzeugt bin, gehört der Ursprung
dieser Sachen nicht in die römische Kaiserzeit, wenn auch ihr
Gebrauch theilweise in dieselbe hineinreicht. Die Dinge
sind älter. Ganz abgesehen von den Erzkannen die
von einem weit strengeren und ältern Stil sind als die
ähnlich geformten aus d. Süden u. Pompeji, zeigen auch
die merkwürdigen durchbrochenen Ornamente
der Golden und Bronzen, einen […] der bei
den römischen nicht zu finden, wohl aber bei d etruskischen
in welchen 2 drittheils ursprünglich orientalischer Elemente
mit ein drittheils [gestr. Wort, unleserlich] [“europäische” Einf. ü. d. Z.] europäische […] Barbarei höchst
eigenthümlich gemischt ist. Soviel ich bis jetzt erkunden
konnte sind diese Art von Fundstücken [über der Zeile bis “nur”:] in unserm Lande nur der mittleren
[…] eigenthümlich. Jede neue Entdeckung ist
von höchstem Intereße, und bietet einige lichtgebende
Einzelheiten. Ob man wohl mit Recht [über der Zeile: “auf”] auf diese hier
vorkommende Art farbiger Schmelzeinlagen die Bezeichnung
Email anwenden darf? Ich sprach neulich lange darüber
mit
H. von Quast der mich hier besuchte. Er wollte
jene Verzierungen die wir auf (nichtrömischen) Bronzen
haben, nicht als Email gelten laßen, unter welchen
nur Glasschmelzereien zu verstehen seien. Die
auf […] Grabhügel v. […] eine jene von der […]
Mühle aber bestehen aus anderer Masse und sind sämmtlich
auf die bekannte weiße kittartige Unterlage aufgetragen
von welcher sie sich leicht ablösen und abspringen. Während
der eigentliche Glasfund bei römischen Bronzen sehr fest
haftet, und von d Bauern beim Auffinden d Gegenstände mit
großer Anstrengung durch das Meßer aufgebrochen wird (!)
Schreiben Sie mir über diesen Punkt gefälligst
Ihre Ansicht.
Bei der großen Wichtigkeit die wie Sie ermeßen
dieser Fund für unser Museum und für mich persönlich hat
wäre es mir höchst wünschenswerth zu erfahren:
1) Ob es denn gar nicht möglich ist eine Abformung in Gips
von dem kostbaren goldenen Torquis zu erhalten? Es ist ein
Halsring und kein Diadem.) - Herr Boch hat ja doch früher
uns die Kanne von Weißkirchen wirklich meisterhaft abformen
zu laßen die Güte gehabt, und wenn er diese für uns wo
möglich noch wichtigere Nachbildung zu besorgen geneigt wäre,
würden wir unsererseits gewiß zu jeder gewünschten
Gegengabe, und jedenfalls zu allem Ersatz der veranlaßten
Kosten bereit sein.
2) Wem gehören die übrigen Fundsachen die Bronzesachen
und [das?] Scepterbeschläge die Kannen pp?
und könnte eine persönliche Einsichtnahme durch Übersendung
hieher, wenn auch für ganz kurze Zeit, zu erreichen sein?
Ich würde es nicht wagen grade jetzt, wo Sie durch
das überall auch hier herrschende peinliche Unwohlsein
am Schreiben behindert sind, Sie mit solchen Anfragen
und Wünschen zu bestürmen, hätten Sie nicht Selbst
verehrter Freund mich dazu ermuthigt, und durch den
Gebrauch einer andren Hand den Weg angedeutet, auf
welchen Sie auch nach Mettlach sie Ihre Mittheilungen
zu machen vermögen.
Ich weiß Sie entschuldigen bei der Eile und der
ungemeinen Wichtigkeit der Sache, gewiß gütigst
Ihren treu ergebensten
Ihnen von Herzen baldigste Herstellung wünschenden
LLindenschmit.
Mainz den 18ten Juli 1863[1869?]“
Verehrter theurer Freund!
Umgehend meinen herzlichsten Dank für Ihre mir
so hochwillkommene Mittheilung der schönen Zeichnung und des
Briefes von Herrn Boch! Diesen habe ich sogleich excerpirt
und die Zeichnung laße ich so schnell es sich thun läßt copiren.
Der Fund war mir ganz neu und ein so merkwürdiger als
er ganz genau mit jenen Gold und Bronzefunden des Hunsrücks
zu denen Gerhard berichtet, jene bei der Abenteuerhütte
und dem Ihrigen bei St. Goar, wie mit dem früheren Grabhügelfund
in Weißkirchen stimmt. Bei Erklärung des letzteren habe
ich mich in Bezug der Zeitstellung der Goldsache und Bronzen
wesentlich geirrt. Wie ich jetzt nach größerer Umschau als
mir damals möglich war, überzeugt bin, gehört der Ursprung
dieser Sachen nicht in die römische Kaiserzeit, wenn auch ihr
Gebrauch theilweise in dieselbe hineinreicht. Die Dinge
sind älter. Ganz abgesehen von den Erzkannen die
von einem weit strengeren und ältern Stil sind als die
ähnlich geformten aus d. Süden u. Pompeji, zeigen auch
die merkwürdigen durchbrochenen Ornamente
der Golden und Bronzen, einen […] der bei
den römischen nicht zu finden, wohl aber bei d etruskischen
in welchen 2 drittheils ursprünglich orientalischer Elemente
mit ein drittheils [gestr. Wort, unleserlich] [“europäische” Einf. ü. d. Z.] europäische […] Barbarei höchst
eigenthümlich gemischt ist. Soviel ich bis jetzt erkunden
konnte sind diese Art von Fundstücken [über der Zeile bis “nur”:] in unserm Lande nur der mittleren
[…] eigenthümlich. Jede neue Entdeckung ist
von höchstem Intereße, und bietet einige lichtgebende
Einzelheiten. Ob man wohl mit Recht [über der Zeile: “auf”] auf diese hier
vorkommende Art farbiger Schmelzeinlagen die Bezeichnung
Email anwenden darf? Ich sprach neulich lange darüber
mit
H. von Quast der mich hier besuchte. Er wollte
jene Verzierungen die wir auf (nichtrömischen) Bronzen
haben, nicht als Email gelten laßen, unter welchen
nur Glasschmelzereien zu verstehen seien. Die
auf […] Grabhügel v. […] eine jene von der […]
Mühle aber bestehen aus anderer Masse und sind sämmtlich
auf die bekannte weiße kittartige Unterlage aufgetragen
von welcher sie sich leicht ablösen und abspringen. Während
der eigentliche Glasfund bei römischen Bronzen sehr fest
haftet, und von d Bauern beim Auffinden d Gegenstände mit
großer Anstrengung durch das Meßer aufgebrochen wird (!)
Schreiben Sie mir über diesen Punkt gefälligst
Ihre Ansicht.
Bei der großen Wichtigkeit die wie Sie ermeßen
dieser Fund für unser Museum und für mich persönlich hat
wäre es mir höchst wünschenswerth zu erfahren:
1) Ob es denn gar nicht möglich ist eine Abformung in Gips
von dem kostbaren goldenen Torquis zu erhalten? Es ist ein
Halsring und kein Diadem.) - Herr Boch hat ja doch früher
uns die Kanne von Weißkirchen wirklich meisterhaft abformen
zu laßen die Güte gehabt, und wenn er diese für uns wo
möglich noch wichtigere Nachbildung zu besorgen geneigt wäre,
würden wir unsererseits gewiß zu jeder gewünschten
Gegengabe, und jedenfalls zu allem Ersatz der veranlaßten
Kosten bereit sein.
2) Wem gehören die übrigen Fundsachen die Bronzesachen
und [das?] Scepterbeschläge die Kannen pp?
und könnte eine persönliche Einsichtnahme durch Übersendung
hieher, wenn auch für ganz kurze Zeit, zu erreichen sein?
Ich würde es nicht wagen grade jetzt, wo Sie durch
das überall auch hier herrschende peinliche Unwohlsein
am Schreiben behindert sind, Sie mit solchen Anfragen
und Wünschen zu bestürmen, hätten Sie nicht Selbst
verehrter Freund mich dazu ermuthigt, und durch den
Gebrauch einer andren Hand den Weg angedeutet, auf
welchen Sie auch nach Mettlach sie Ihre Mittheilungen
zu machen vermögen.
Ich weiß Sie entschuldigen bei der Eile und der
ungemeinen Wichtigkeit der Sache, gewiß gütigst
Ihren treu ergebensten
Ihnen von Herzen baldigste Herstellung wünschenden
LLindenschmit.
Mainz den 18ten Juli 1863[1869?]“
2 Blatt
Papier
Brief
Deutsch
Mainz - Absendeort
Sankt Goar - Erwähnt
Weißkirchen - Erwähnt
Pompeji (Italien) - Erwähnt
Mettlach - Erwähnt
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
13.05.2026, 11:29 MESZ