Bericht Gottlieb von Tuchers über eine Unterredung mit der Herzogin von Hamilton in Baden-Baden sowie über Nachforschungen bei dem Gutsbesitzer Eduard Weitzel in Sonnenthal
Vollständigen Titel anzeigen
E 29/II Nr. 2838
E 29/II Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
06.1874 - 08.1874
Enthält:
1874 Juni bis August: Eigenhändige Niederschrift Gottlieb v. Tuchers.
Seit Anfang März 1874 weilte Schreiber auf ärztliches Anraten in Baden-Baden, wo der Geheimrat (Franz Xaver) von Andlaw mehrere Zusammenkünfte mit der Herzogin (Marie) von Hamilton arrangierte. Randbemerkung: v. Andlaw hat sein Leben in 2 Bänden beschrieben, u.a. war er Botschafter in München und Wien gewesen. - Auf den ersten Blick ist keine Ähnlichkeit der Herzogin mit Kaspar Hauser feststellbar, was aber auch am Alter der Dame liegen kann. Der Bruder des Schreibers, (Karl Friedrich) Wilhelm, behauptet eine große Ähnlichkeit zwischen Hauser und der Prinzessin (Carola) Wasa. Von der Herzogin befragt, gab Schreiber seiner Überzeugung Ausdruck, Hauser sei ein Sohn der Großherzogin Stephanie gewesen, was sie mit voller Befriedigung u. Zustimmung anzuhören schien. (!) Die Mutter der Herzogin, Großherzogin Stephanie, soll ebenfalls einen außerordentlichen Geruchssinn besessen haben wie Hauser. Bei einer spiritistischen Séance in Anwesenheit der Kaiserin Eugenie in Paris habe die Herzogin ein Zupfen an ihrem Kleid verspürt. Durch Tischklopfen antwortete der 'Verursacher', indem er sich als Kaspar Hauser zu erkennen gab, der in der Taufe angeblich den Namen Karl Friedrich Ludwig erhalten habe. Als Geburtstag wurde das Datum der Geburt des Badener Prinzen von 1812 angegeben. Schreiber hielt allerdings nichts von dieser Geschichte. Weiter erzählte die Herzogin von einer Kur des Prinzen Ludwig (II), der geisteskrank war. Als sie ihn in Ems besuchte, beschwor er sie, ihm die Geschichte mit Hauser aus dem Kopf zu bringen - erst dann könne er gesunden. Dessen Vater, Großherzog Leopold, habe noch auf dem Totenbett ein Bild von Hauser gehabt. - Beziehungen Stanhope's zur Großherzogin Stephanie, welcher Stanhope angeblich eine Begegnung mit Hauser in Aussicht gestellt hatte. Der vom Schreiber geäußerten Mordtheorie stimmten die Herzogin und v. Andlaw zu. Sie baten deshalb, bei dem Gutsbesitzer Weitzel in Sonnenthal (bei Göppingen) behutsam vorzugehen.
Bei einem Besuch 1873 in Winnenthal hatte Schreiber den Irrenarzt Dr. (A.) Zeller getroffen, der ihn auf Weitzel hinwies, sowie auf den Vorbesitzer von dessen Gut, der sich in Gemünd im Remsthal aufhalte. Weitzel traf Schreiber am 11. Mai 1874 in Stuttgart bei seinem Schwager (Georg von) Römer. Eduard Weitzel erzählte, der Vorbesitzer seines Gutes gelte gerüchteweise als der Mörder Kaspar Hausers. Deswegen habe man den Namen des Gutes - Fuchsloch - in den jetzigen verändert. Weitzel hatte die Biographie des Johann Jacob Friedrich Müller erforscht und festgestellt, dass dieser trotz Entlassung aus dem Dienst u. a. wegen Urkundenfälschung 1846 das fragliche Gut erwerben konnte.
Nachtrag:
Bei der Rückreise von Baden über Aschaffenburg traf Schreiber seinen Bruder Wilhelm, der die Ähnlichkeit der Prinzessin Wasa mit Hauser bestätigte. Die Begegnungen mit der Prinzessin sind über Wilhelms Frau (Friederike Karoline Wilhelmine Camilla, geb. von Montperny) erfolgt.
1874 Juni bis August: Eigenhändige Niederschrift Gottlieb v. Tuchers.
Seit Anfang März 1874 weilte Schreiber auf ärztliches Anraten in Baden-Baden, wo der Geheimrat (Franz Xaver) von Andlaw mehrere Zusammenkünfte mit der Herzogin (Marie) von Hamilton arrangierte. Randbemerkung: v. Andlaw hat sein Leben in 2 Bänden beschrieben, u.a. war er Botschafter in München und Wien gewesen. - Auf den ersten Blick ist keine Ähnlichkeit der Herzogin mit Kaspar Hauser feststellbar, was aber auch am Alter der Dame liegen kann. Der Bruder des Schreibers, (Karl Friedrich) Wilhelm, behauptet eine große Ähnlichkeit zwischen Hauser und der Prinzessin (Carola) Wasa. Von der Herzogin befragt, gab Schreiber seiner Überzeugung Ausdruck, Hauser sei ein Sohn der Großherzogin Stephanie gewesen, was sie mit voller Befriedigung u. Zustimmung anzuhören schien. (!) Die Mutter der Herzogin, Großherzogin Stephanie, soll ebenfalls einen außerordentlichen Geruchssinn besessen haben wie Hauser. Bei einer spiritistischen Séance in Anwesenheit der Kaiserin Eugenie in Paris habe die Herzogin ein Zupfen an ihrem Kleid verspürt. Durch Tischklopfen antwortete der 'Verursacher', indem er sich als Kaspar Hauser zu erkennen gab, der in der Taufe angeblich den Namen Karl Friedrich Ludwig erhalten habe. Als Geburtstag wurde das Datum der Geburt des Badener Prinzen von 1812 angegeben. Schreiber hielt allerdings nichts von dieser Geschichte. Weiter erzählte die Herzogin von einer Kur des Prinzen Ludwig (II), der geisteskrank war. Als sie ihn in Ems besuchte, beschwor er sie, ihm die Geschichte mit Hauser aus dem Kopf zu bringen - erst dann könne er gesunden. Dessen Vater, Großherzog Leopold, habe noch auf dem Totenbett ein Bild von Hauser gehabt. - Beziehungen Stanhope's zur Großherzogin Stephanie, welcher Stanhope angeblich eine Begegnung mit Hauser in Aussicht gestellt hatte. Der vom Schreiber geäußerten Mordtheorie stimmten die Herzogin und v. Andlaw zu. Sie baten deshalb, bei dem Gutsbesitzer Weitzel in Sonnenthal (bei Göppingen) behutsam vorzugehen.
Bei einem Besuch 1873 in Winnenthal hatte Schreiber den Irrenarzt Dr. (A.) Zeller getroffen, der ihn auf Weitzel hinwies, sowie auf den Vorbesitzer von dessen Gut, der sich in Gemünd im Remsthal aufhalte. Weitzel traf Schreiber am 11. Mai 1874 in Stuttgart bei seinem Schwager (Georg von) Römer. Eduard Weitzel erzählte, der Vorbesitzer seines Gutes gelte gerüchteweise als der Mörder Kaspar Hausers. Deswegen habe man den Namen des Gutes - Fuchsloch - in den jetzigen verändert. Weitzel hatte die Biographie des Johann Jacob Friedrich Müller erforscht und festgestellt, dass dieser trotz Entlassung aus dem Dienst u. a. wegen Urkundenfälschung 1846 das fragliche Gut erwerben konnte.
Nachtrag:
Bei der Rückreise von Baden über Aschaffenburg traf Schreiber seinen Bruder Wilhelm, der die Ähnlichkeit der Prinzessin Wasa mit Hauser bestätigte. Die Begegnungen mit der Prinzessin sind über Wilhelms Frau (Friederike Karoline Wilhelmine Camilla, geb. von Montperny) erfolgt.
Umfang/Beschreibung: 1 Prod
Archivale
Bemerkungen: Acc.Nr. D 1/2014
Bemerkungen: Siehe zu Weitzel Nr. 2829
Indexbegriff Person: Andlaw, Franz Xaver von
Indexbegriff Person: Baden, Karl Ludwig Friedrich von (angeblicher Taufname des Prinzen von 1812)
Indexbegriff Person: Baden, Leopold (Großherzog) von
Indexbegriff Person: Baden, Ludwig II von
Indexbegriff Person: Eugenie Kaiserin von Frankreich
Indexbegriff Person: Hamilton, Marie von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Montperny, Friederike Karoline Wilhelmine Camilla verh Tucher
Indexbegriff Person: Müller, Johann Jakob Friedrich (Gmünd)
Indexbegriff Person: Römer, Georg von (Stuttgart)
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Stephanie, Großherzogin Baden
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Friederike Karoline Wilhelmine Camilla
Indexbegriff Person: Tucher, Gottlieb (= Christoph Karl Gottlieb Sigmund)
Indexbegriff Person: Tucher, Karl Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Tucher, Wilhelm = Karl Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Wasa, Carola Prinzessin von
Indexbegriff Person: Weitzel, Eduard
Indexbegriff Person: Zeller, A Dr (Winnenthal)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Herkunft
Bemerkungen: Siehe zu Weitzel Nr. 2829
Indexbegriff Person: Andlaw, Franz Xaver von
Indexbegriff Person: Baden, Karl Ludwig Friedrich von (angeblicher Taufname des Prinzen von 1812)
Indexbegriff Person: Baden, Leopold (Großherzog) von
Indexbegriff Person: Baden, Ludwig II von
Indexbegriff Person: Eugenie Kaiserin von Frankreich
Indexbegriff Person: Hamilton, Marie von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Montperny, Friederike Karoline Wilhelmine Camilla verh Tucher
Indexbegriff Person: Müller, Johann Jakob Friedrich (Gmünd)
Indexbegriff Person: Römer, Georg von (Stuttgart)
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Stephanie, Großherzogin Baden
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Friederike Karoline Wilhelmine Camilla
Indexbegriff Person: Tucher, Gottlieb (= Christoph Karl Gottlieb Sigmund)
Indexbegriff Person: Tucher, Karl Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Tucher, Wilhelm = Karl Friedrich Wilhelm
Indexbegriff Person: Wasa, Carola Prinzessin von
Indexbegriff Person: Weitzel, Eduard
Indexbegriff Person: Zeller, A Dr (Winnenthal)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Herkunft
Aschaffenburg
Bad Ems
Baden, Großherzogtum
Baden-Baden
Ems
Fuchsloch siehe Sonnenthal bei Göppingen
Gemünd im Remstal
Gmünd
München
Paris
Remstal
Sonnenthal bei Göppingen
Stuttgart
Wien
Winnenthal
Kuraufenthalt
Geheimrat
Herzogin
Unterredung
Biographie
Botschafter
Prinzessin
Ähnlichkeit
Erbprinzentheorie (Kaspar Hauser)
Großherzogin von Baden
Geruchssinn
Séance, spiritistische
Spritismus
Zupfen am Kleid
Tischklopfen
Taufname
Geburtsdatum
Geisteskrankheit
Porträt Kaspar Hauser
Totenbett
Großherzog von Baden
Mordtheorie (Kaspar Hauser)
Gutsbesitzer
Mörder angeblicher
Namensänderung
Nachforschungen
Dienstentlassung
Urkundenfälschung
Gutserwerb
Rückreise
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 13:01 MESZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
- Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik)
- Stadtarchiv Nürnberg (Tektonik)
- Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz (Tektonik)
- E 29 - Familienarchiv von Tucher (Tektonik)
- E 29/II - Familienarchiv Tucher / Gesamtgeschlecht und jüngere Linie / Akten und Rechnungen (Tektonik)
- Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen (Bestand)