Oberregierung Stuttgart: Spezialia (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, D 48 a
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Behörden der Übergangszeit um 1803-um 1817 >> Gesamtwürttembergische Behörden und Gerichte 1806-1817 >> Behörden
1806-1817 (Vorakten ab 1527, Nachakten bis 1846)
Inhalt und Bewertung
Die kollegial organisierte Ober(landes)regierung wurde in unmittelbarer Umsetzung der Vorgaben des Organisationsmanifests König Friedrichs I. vom 18. März 1806 errichtet. Wie es scheint, waren sich über ihre korrekte Schreibweise selbst die zeitgenössischen Kanzlisten unsicher, jedenfalls sind die Varianten "Oberregierung" und - nach dem Vorbild der neuwürttembergischen Vorgängerbehörde in Ellwangen (1803-1805) - "Oberlandesregierung" im Schriftgut annähernd gleich häufig vertreten. Der Name ist zudem missverständlich, weil die Behörde keine Regierung im heutigen Sinn, sondern lediglich eine Abteilung des Innenministeriums mit Zuständigkeit für das sogenannte Regiminalfach war. Dieses beinhaltete nach damaliger Auffassung insbesondere die Wahrung der königlichen Souveranitätsrechte, Polizeiangelegenheiten im ganzen Land mit Ausnahme der Residenzstädte Stuttgart und Ludwigsburg, die Aufsicht über Lokalbehörden und sämtliche Beamten im Land mit Ausnahme der Justizverwaltung, die Bestätigung der Wahlen zu Magistrats- und anderen Stellen, Angelegenheiten des Untertanen- und Bürgerrechts einschließlich Auswanderung (Abzug und Nachsteuer), Mitwirkung bei der Militärkonskription, Angelegenheiten der Gefängnisse, Zucht-, Arbeits- und Waisenhäuser, Armenanstalten, des Handels, der Gewerbe und Handwerke sowie die Feuerversicherung. 1807 wurde das Regierungskollegium in drei Unterdepartements aufgegliedert. Neben dem Regiminaldepartement wurden jetzt für Sicherheits- oder Polizeisachen das Oberpolizeidepartement, für Lehenssachen das Oberlehensdepartement errichtet. Zum 1. Juli 1811 wurden die Zuständigkeiten des Regiminal- und Oberpolizeidepartements in der Sektion der Inneren Administration wieder zusammengefasst. 1817 übernahmen schließlich die neu gegründeten Kreisregierungen die Aufgaben dieser Sektion, an sie wurde der größte Teil der bei Oberregierung und Sektion erwachsenen Spezialakten abgegeben.
Der vorliegende Bestand enthält Spezialakten aus der alphabetisch nach Rubriken gegliederten Registratur der Ober(landes)regierung (Regiminaldepartement) bzw. der Sektion der inneren Administration. Das zusammen mit Akten der vier Kreisregierungen zu unbekannten Zeitpunkten an das Staatsarchiv Ludwigsburg gelangte Material macht einen zufällig zusammengestückelten und äußerst fragmentarischen Eindruck. Das Gros der Akten betrifft etwa zu gleichen Teilen Jagst-, Donau- und Neckarkreis, während der Schwarzwaldkreis nur schwach vertreten ist. Gemessen an den weit über zweihundert originalen Sachrubriken der Registratur spiegeln die im Bestand vorhandenen Akten nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der Agenden der Oberregierung wider, die größten Gruppen beinhalten Material über Staats- und Gemeindebürgerrecht, Polizeiangelegenheiten (Pass- und Meldewesen, Nichtsesshafte, Bekämpfung von Sektierern), Angelegenheiten des Handwerks, Gewerbes und Handels (hauptsächlich Konzessionsgesuche und Konkurrenzstreitigkeiten) sowie des öffentlichen Bauwesens (v.a. Straßenbau). Sehr umfangreich ist auch die Rubrik "Juden", weil die Registratur - wie in voremanzipatorischer Zeit allgemein üblich - alle Akten, die Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe betreffen (auch sachlich völlig verschiedenartige), unter diesem einen Titel abgelegt hat, im vorliegenden Bestand hauptsächlich zu Ein- und Auswanderung, Schutz-, Zuzugs- und Gewerbekonzessionsgesuchen sowie einigen Polizeiangelegenheiten. Weitere erwähnenswerte Gruppen bilden im Bestand Akten über das Verhältnis zu den benachbarten Souveränen Baden und Bayern, die ursprünglich hauptsächlich unter der Rubrik "Fürsten" geführt wurden und daher eigentlich in den Bestand D 44 gehören würden, und eine Reihe von 10 umfangreichen Faszikeln über die Ursachen des Brandes der Oberamtsstadt Balingen (1809), über Schadensermittlung, Trümmerbeseitigung und Wiederaufbau. D 48 a besteht fast ausschließlich aus Schriftgut der Provenienz Oberregierung bzw. Sektion der Inneren Administration, einige wenige vorhandene Fremdprovenienzen (Bü 358: (Krondomänensektion III. Abt.) sind wohl als Irrläufer einzuschätzen. Der bei manchen Einheiten zu beobachtende starke Anteil an oberamtlichem Schriftgut (etwa Bü 410, 416) geht entweder auf die Aktenbildung der Oberregierung selbst oder auf Ordnungsarbeiten der Registraturen der Kreisregierungen zurück. An Vorprovenienzen kommen lediglich Akten des herzoglichen Regierungs- und des Geheimen Rates sowie der Oberlandesregierung Ellwangen in geringen Mengen vor (Bü 380, 405, 460).
Der fragmentarische Zustand des Bestandes und die aus vielen Akten nicht mehr ersichtlichen zeitgenössischen Rubriken legten es nahe, eine moderne und gleichzeitig möglichst einfache Sachsystematik zu entwerfen, deren einzelne Gliederungspunkte oft mehrere der alten Sachrubriken zusammenfassen. Unterhalb dieser sachlichen Ebene sind die Titelaufnahmen in der alphabetischen Reihenfolge der Orts- und Amtsbezirke- oder, in seltenen Fällen, auch Adelspersonen oder -familien, auf die sich die jeweilige Akte bezieht, angeordnet. Akten, die sich - was oft vorkommt - sowohl auf die älteren Kreise als auch auf ihre jeweiligen Nachfolger, die geographisch keineswegs deckungsgleichen jüngeren Landvogteien, beziehen, sind stets unter dem Namen der betreffenden Landvogtei zu finden. Bezieht sich eine Akte zugleich auf mehrere Oberämter, Kreise oder Landvogteien, findet sich die Titelaufnahme unter "Mehrere Amtsdistrikte".
In den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts verzeichnete Anton Müller ca. vier Regalmeter des Bestandes und erstellte dabei 297 Titelaufnahmen. Für die Erschließung der restlichen sieben Regalmeter mit 209 Titelaufnahmen, die neue inhaltliche Gliederung des Gesamtbestandes sowie die Endredaktion des Findbuchs zeichnet der Unterzeichnete verantwortlich. Der Bestand hat derzeit einen Umfang von 11,5 lfd. m mit 516 Büscheln und eine Laufzeit von ca. 1806-1817, Vorakten gehen (meist abschriftlich) bis 1527 zurück, vereinzelte Nachakten reichen bis 1846.
Ludwigsburg, im Dezember 2010
Dr. Peter Steuer
Die kollegial organisierte Ober(landes)regierung wurde in unmittelbarer Umsetzung der Vorgaben des Organisationsmanifests König Friedrichs I. vom 18. März 1806 errichtet. Wie es scheint, waren sich über ihre korrekte Schreibweise selbst die zeitgenössischen Kanzlisten unsicher, jedenfalls sind die Varianten "Oberregierung" und - nach dem Vorbild der neuwürttembergischen Vorgängerbehörde in Ellwangen (1803-1805) - "Oberlandesregierung" im Schriftgut annähernd gleich häufig vertreten. Der Name ist zudem missverständlich, weil die Behörde keine Regierung im heutigen Sinn, sondern lediglich eine Abteilung des Innenministeriums mit Zuständigkeit für das sogenannte Regiminalfach war. Dieses beinhaltete nach damaliger Auffassung insbesondere die Wahrung der königlichen Souveranitätsrechte, Polizeiangelegenheiten im ganzen Land mit Ausnahme der Residenzstädte Stuttgart und Ludwigsburg, die Aufsicht über Lokalbehörden und sämtliche Beamten im Land mit Ausnahme der Justizverwaltung, die Bestätigung der Wahlen zu Magistrats- und anderen Stellen, Angelegenheiten des Untertanen- und Bürgerrechts einschließlich Auswanderung (Abzug und Nachsteuer), Mitwirkung bei der Militärkonskription, Angelegenheiten der Gefängnisse, Zucht-, Arbeits- und Waisenhäuser, Armenanstalten, des Handels, der Gewerbe und Handwerke sowie die Feuerversicherung. 1807 wurde das Regierungskollegium in drei Unterdepartements aufgegliedert. Neben dem Regiminaldepartement wurden jetzt für Sicherheits- oder Polizeisachen das Oberpolizeidepartement, für Lehenssachen das Oberlehensdepartement errichtet. Zum 1. Juli 1811 wurden die Zuständigkeiten des Regiminal- und Oberpolizeidepartements in der Sektion der Inneren Administration wieder zusammengefasst. 1817 übernahmen schließlich die neu gegründeten Kreisregierungen die Aufgaben dieser Sektion, an sie wurde der größte Teil der bei Oberregierung und Sektion erwachsenen Spezialakten abgegeben.
Der vorliegende Bestand enthält Spezialakten aus der alphabetisch nach Rubriken gegliederten Registratur der Ober(landes)regierung (Regiminaldepartement) bzw. der Sektion der inneren Administration. Das zusammen mit Akten der vier Kreisregierungen zu unbekannten Zeitpunkten an das Staatsarchiv Ludwigsburg gelangte Material macht einen zufällig zusammengestückelten und äußerst fragmentarischen Eindruck. Das Gros der Akten betrifft etwa zu gleichen Teilen Jagst-, Donau- und Neckarkreis, während der Schwarzwaldkreis nur schwach vertreten ist. Gemessen an den weit über zweihundert originalen Sachrubriken der Registratur spiegeln die im Bestand vorhandenen Akten nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der Agenden der Oberregierung wider, die größten Gruppen beinhalten Material über Staats- und Gemeindebürgerrecht, Polizeiangelegenheiten (Pass- und Meldewesen, Nichtsesshafte, Bekämpfung von Sektierern), Angelegenheiten des Handwerks, Gewerbes und Handels (hauptsächlich Konzessionsgesuche und Konkurrenzstreitigkeiten) sowie des öffentlichen Bauwesens (v.a. Straßenbau). Sehr umfangreich ist auch die Rubrik "Juden", weil die Registratur - wie in voremanzipatorischer Zeit allgemein üblich - alle Akten, die Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe betreffen (auch sachlich völlig verschiedenartige), unter diesem einen Titel abgelegt hat, im vorliegenden Bestand hauptsächlich zu Ein- und Auswanderung, Schutz-, Zuzugs- und Gewerbekonzessionsgesuchen sowie einigen Polizeiangelegenheiten. Weitere erwähnenswerte Gruppen bilden im Bestand Akten über das Verhältnis zu den benachbarten Souveränen Baden und Bayern, die ursprünglich hauptsächlich unter der Rubrik "Fürsten" geführt wurden und daher eigentlich in den Bestand D 44 gehören würden, und eine Reihe von 10 umfangreichen Faszikeln über die Ursachen des Brandes der Oberamtsstadt Balingen (1809), über Schadensermittlung, Trümmerbeseitigung und Wiederaufbau. D 48 a besteht fast ausschließlich aus Schriftgut der Provenienz Oberregierung bzw. Sektion der Inneren Administration, einige wenige vorhandene Fremdprovenienzen (Bü 358: (Krondomänensektion III. Abt.) sind wohl als Irrläufer einzuschätzen. Der bei manchen Einheiten zu beobachtende starke Anteil an oberamtlichem Schriftgut (etwa Bü 410, 416) geht entweder auf die Aktenbildung der Oberregierung selbst oder auf Ordnungsarbeiten der Registraturen der Kreisregierungen zurück. An Vorprovenienzen kommen lediglich Akten des herzoglichen Regierungs- und des Geheimen Rates sowie der Oberlandesregierung Ellwangen in geringen Mengen vor (Bü 380, 405, 460).
Der fragmentarische Zustand des Bestandes und die aus vielen Akten nicht mehr ersichtlichen zeitgenössischen Rubriken legten es nahe, eine moderne und gleichzeitig möglichst einfache Sachsystematik zu entwerfen, deren einzelne Gliederungspunkte oft mehrere der alten Sachrubriken zusammenfassen. Unterhalb dieser sachlichen Ebene sind die Titelaufnahmen in der alphabetischen Reihenfolge der Orts- und Amtsbezirke- oder, in seltenen Fällen, auch Adelspersonen oder -familien, auf die sich die jeweilige Akte bezieht, angeordnet. Akten, die sich - was oft vorkommt - sowohl auf die älteren Kreise als auch auf ihre jeweiligen Nachfolger, die geographisch keineswegs deckungsgleichen jüngeren Landvogteien, beziehen, sind stets unter dem Namen der betreffenden Landvogtei zu finden. Bezieht sich eine Akte zugleich auf mehrere Oberämter, Kreise oder Landvogteien, findet sich die Titelaufnahme unter "Mehrere Amtsdistrikte".
In den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts verzeichnete Anton Müller ca. vier Regalmeter des Bestandes und erstellte dabei 297 Titelaufnahmen. Für die Erschließung der restlichen sieben Regalmeter mit 209 Titelaufnahmen, die neue inhaltliche Gliederung des Gesamtbestandes sowie die Endredaktion des Findbuchs zeichnet der Unterzeichnete verantwortlich. Der Bestand hat derzeit einen Umfang von 11,5 lfd. m mit 516 Büscheln und eine Laufzeit von ca. 1806-1817, Vorakten gehen (meist abschriftlich) bis 1527 zurück, vereinzelte Nachakten reichen bis 1846.
Ludwigsburg, im Dezember 2010
Dr. Peter Steuer
516 Büschel (11,5 lfd. m)
Bestand
Literaturhinweise
Mann, Bernhard: Württemberg 1800-1866. In: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte Bd. 3. Vom Ende des alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. S 235-331. Stuttgart 1992, S. 235-331.
Mann, Bernhard/Nüske, Gerd Friedrich: Verwaltung Württembergs ab 1803. In: Deutsche Verwaltungsgeschichte II. Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zur Auflösung des Deutschen Bundes. Stuttgart 1983, S 551-583.
Wintterlin, Friedrich: Geschichte der Behördenorganisation in Württemberg Bd. 1: Bis zum Regierungsantritt König Wilhelms I. Stuttgart 1904.
Mann, Bernhard: Württemberg 1800-1866. In: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte Bd. 3. Vom Ende des alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. S 235-331. Stuttgart 1992, S. 235-331.
Mann, Bernhard/Nüske, Gerd Friedrich: Verwaltung Württembergs ab 1803. In: Deutsche Verwaltungsgeschichte II. Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zur Auflösung des Deutschen Bundes. Stuttgart 1983, S 551-583.
Wintterlin, Friedrich: Geschichte der Behördenorganisation in Württemberg Bd. 1: Bis zum Regierungsantritt König Wilhelms I. Stuttgart 1904.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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13.11.2025, 2:40 PM CET
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- Behörden (Archival tectonics)
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