Unterlagen Prof. Dr. Karl Tanner zur Schiedsgerichtssache Julius Vottelers Nachfahren GmbH gegen das Land Baden-Württemberg (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 2/20
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Nachlässe, Verbands- und Familienarchive >> Sonstige Nachlässe
ca. 1957-1963
Inhalt und Bewertung
Tanner, Karl, Dipl.-Ing. Chem., Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich
Enthält: Unterlagen zur Schiedsgerichtssache Julius Vottelers Nachfahren GmbH gegen das Land Baden-Württemberg
1. Zur Person von Prof. Dr. Karl Tanner: Karl Tanner studierte seit 1929 Chemie an der ETH Zürich. An der Abteilung für technische Chemie legte er ein Doktorat ab. Seit 1938 arbeitete er als Chemiker bei den Schweizerischen Draht- und Gummiwerken in Altdorf. Tanner experimentierte viel und erfand einiges, unter anderem entwickelte er ein synthetisches Leder auf der Basis von PVC. 1944 wechselte er zur Färberei Schlieren. 1956 wurde er an das Technikum Winterthur als Professor für technische Chemie berufen. Nebenher forschte und experimentierte er weiter. Vonseiten der Verfahrensparteien eines heftigen Rechtstreites wurde Professor Karl Tanner 1958 um die Erstellung eines Sachverständigengutachtens gebeten. Es sollte ermitteln, wie sich die Firma Julius Vottelers Nachf. GmbH entwickelt hätte und heute dastünde, wenn sie zwischen 1946 und 1949 nicht von Karl Räuber, sondern von einem ordentlichen neutralen Zwangsverwalter geleitet worden wäre. Im Mai 1958 lag sein Gutachten als sechsbändiges Werk vor: Es bezifferte den Schaden auf 41 Millionen Mark. 1963 legte Karl Tanner in dieser Streitigkeit einen Nachtrag zum Gutachten vor. - Karl Tanner lebte in Rüschlikon in der Schweiz und starb 1998.
2. Über den Bestand: Die Unterlagen wurden 1993 dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart zur Archivierung übergeben. Es sind die Unterlagen Tanners zu seinem Gutachten, denen eine besondere Bedeutung zugemessen wurde, da das Land Baden-Württemberg in den Streit verwickelt war. Der kleine Bestand bezieht sich nur auf das Schiedsgerichtsverfahren der Firma Julius Vottelers Nachfolger GmbH gegen das Land Baden-Württemberg. Enthalten sind Unterlagen Karl Tanners zu seinem Gutachten vom 09.05.1958 und zum Nachtrag vom 20.02.1963, außerdem die Vorarbeiten zum Gutachten, gutachterliche Stellungnahmen von Kollegen zu seinem Gutachten und Verfahrensunterlagen. Das Verfahren gilt als der längste, komplizierteste und teuerste Rechtsstreit, den das Land Baden-Württemberg bis jetzt geführt hat. Die ministeriale Überlieferung (Finanzministerium) zum Verfahren liegt unter der Signatur EA 5/501 Bü 1081 vor. Die Verzeichnung erfolgte im September 2018 durch den Inspektoranwärter Steffen Maisch unter Anleitung von Dr. Peter Schiffer. Der Bestand erhielt die Bezeichnung "Q 2/20 Unterlagen Prof. Dr. Karl Tanner" und umfasst 19 Verzeichnungseinheiten in 1.10 lfd. m. Er hat eine Laufzeit von 1946 - 1964. Stuttgart im September 2018 Steffen Maisch
19 VE (1,10 lfd. m)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ