Demokratische Bauernpartei Deutschlands (Bestand)
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BArch DY 60
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Deutsche Demokratische Republik mit sowjetischer Besatzungszone (1945-1990) >> Politische Parteien und Gruppierungen
1948-1990
Geschichte des Bestandsbildners: Die Gründung der DBD im Jahre 1948 erfolgte - ähnlich wie die der NDPD- um neue Verbündete für die Blockpolitik der SED zu gewinnen. Die seit Juli 1945 bestehenden Parteien CDU und LDPD ordneten sich nicht ohne weiteres der Führungsrolle der SED unter. In der Zeit vom Feb. - Aug. 1948 kam es zu einer Blockade des Zentralen Ausschusses des demokratischen Blocks. Die Anhänger von CDU und LDPD bildeten auf kommunaler Ebene faktische Koalitionen gegen die SED. Auch in der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) verlor die SED seit 1947 an Zuspruch. Der hier zunächst starke Einfluß und die Stimmenmehrheit der Neubauern gegenüber den Altbauern, für deren Interessen insbesondere die beiden bürgerlichen Parteien eintraten, ging in dieser Zeit zurück. Zudem war im Zusammenhang mit der im Jahre 1948 in der SBZ begonnenen längerfristigen Wirtschaftsplanung eine handlungsfähige Bauernorganisation notwendig. Die zu schaffende Bauernpartei sollte darüberhinaus für die SMAD wie für die SED ein Instrument sein, um Einfluß auf die Bauern, das mittelständische Bürgertum sowie nationalistisch orientierte Gruppen in den deutschen Westzonen nehmen zu können. SMAD und SED wirkten bei der Auswahl der Führungspersönlichkeiten eng zusammen. Sie übernahmen die Gründungsfinanzierung der DBD und sicherten über die Einflußnahme des VdgB eine ausreichende Mitgliederbasis für die Partei.
Am 25. Apr. 1948 rief das VdgB-Organ "Der freie Bauer" zur Bildung einer selbständigen demokratischen Bauernpartei auf. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 29. Apr. 1948, an dem in Schwerin unter Leitung von Ernst Goldenbaum der Landesverband Mecklenburg als erste DBD-Organisation ins Leben gerufen wurde. Am 28. Mai konstituierte sich die DBD auf Zonenebene und bildete einen 12-köpfigen Zonengründungsausschuß. Am 16. Juni erhielt die DBD von der SMAD ihre Lizenz. Zu den Gründern der neuen Partei gehörten auf der Zentral- und Landesebene überwiegend Kommunisten, neben Ernst Goldenbaum u. a. Leonard Helmschrott und Paul Scholz.
Für den Parteiaufbau übernahm die DBD das Prinzip des Demokratischen Zentralismus. Höchstes Organ war der Parteitag, der den Parteivorstand wählte. Dieser wiederum wählte ein Präsidium, das für die Leitung der Partei zwischen den Sitzungen des Parteivorstandes verantwortlich war. Territorial war die DBD in Ortsgruppen, Kreis- und Bezirksverbände (bis 1952 Landesverbände) gegliedert. 1948 zählte die Partei etwa 12000, Ende der 1980er Jahre rund 117000 Mitglieder. Ca. 22000 Mitglieder übten 1989 Leitungsfunktionen in der Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft aus.
Seit ihrer Gründung gehörte die Partei dem Demokratischen Block an, sie war sowohl im Deutschen Volksrat, als auch in der (Provisorischen) Volkskammer vertreten. Zwischen 1950 - 1954 waren 33, in den danach folgenden Wahlperioden jeweils 52 Mitglieder der DBD in der Volkskammer vertreten. 1989 wurde der amtierende DBD-Vorsitzende Günther Maleuda zum Präsidenten der Volkskammer gewählt. Immer zwei Mitglieder der DBD gehörten zum Staatsrat, davon eins als stellvertretender Vorsitzender. Die DBD stellte einen, zeitweise zwei Minister in der Regierung der DDR.
Die DBD und die VdgB waren personell eng verbunden. Sie waren Veranstalter von 13 Bauernkongressen zwischen 1947 - 1987. Zu diesen Kongressen wurden bis ca. 1968 stets auch Bauern aus der Bundesrepublik Deutschland eingeladen.
Als Zentralorgan der Partei wurde seit dem 18. Juli 1948 die Tageszeitung "Bauern-Echo" herausgegeben. Außerdem erschien seit Apr. 1949 monatlich die Funktionärszeitschrift "Der Pflüger".
In den 41 Jahren des Bestehens der DBD wurde die Partei von den Vorsitzenden Ernst Goldenbaum (1948-1982), Ernst Mecklenburg (1982-1987) und Günther Maleuda (1987-1990) geführt. Ulrich Junghanns amtierte von Juni - Sept. 1990. Hauptgeschäftsführer bzw. Generalsekretäre waren Paul Scholz (1948-1950), Berthold Rose (1950-1960) sowie Hans Rietz (1960-1963).
In der 1989 entstandenen gesellschaftlichen Krise der DDR faßte der Parteivorstand Beschlüsse zur Wiederherstellung der Selbständigkeit der Partei und erklärte den Austritt aus dem Demokratischen Block. Bei den Volkskammerwahlen vom 18. März 1990 erhielt die Partei nur noch 2,18 Prozent der Stimmen. Daraufhin beschloß ihr Vorstand am 25. Juni 1990, den Mitgliedern einen Zusammenschluß mit der CDU vorzuschlagen. Dies wurde am 15. Sept. 1990 von einer Zentralen Delegiertenversammlung der Partei angenommen und vollzogen.
Bestandsbeschreibung: Der Bestand wurde in der Wendezeit von der Konrad-Adenauer-Stiftung übernommen und 1998 zusammen mit einem Findbuch der SAPMO übergeben.Hier wurde der Bestand lediglich technisch bearbeitet, was allerdings teilweise zu neuen Signaturen geführt hat. Die Überlieferung beinhaltet v. a. Materialien zur Vorbereitung und Durchführung der Parteitage, Schriftgut aus dem Büro des Vorsitzenden Ernst Goldenbaum, aus dem Sekretariat des PV, Schriftgut der Abteilungen Leitende Parteiorgane, Agitation und Propaganda, Volkswirtschaft und Kader. Gut dokumentiert werden die internationalen Beziehungen, die die DBD pflegte. Überliefert sind Berichte aus den Landes- bzw. Bezirksverbänden und Kreisverbänden.
Erschließungszustand: Online-Findbuch in ARGUS
Umfang, Erläuterung: 5683 AE
Zitierweise: BArch DY 60/...
Am 25. Apr. 1948 rief das VdgB-Organ "Der freie Bauer" zur Bildung einer selbständigen demokratischen Bauernpartei auf. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 29. Apr. 1948, an dem in Schwerin unter Leitung von Ernst Goldenbaum der Landesverband Mecklenburg als erste DBD-Organisation ins Leben gerufen wurde. Am 28. Mai konstituierte sich die DBD auf Zonenebene und bildete einen 12-köpfigen Zonengründungsausschuß. Am 16. Juni erhielt die DBD von der SMAD ihre Lizenz. Zu den Gründern der neuen Partei gehörten auf der Zentral- und Landesebene überwiegend Kommunisten, neben Ernst Goldenbaum u. a. Leonard Helmschrott und Paul Scholz.
Für den Parteiaufbau übernahm die DBD das Prinzip des Demokratischen Zentralismus. Höchstes Organ war der Parteitag, der den Parteivorstand wählte. Dieser wiederum wählte ein Präsidium, das für die Leitung der Partei zwischen den Sitzungen des Parteivorstandes verantwortlich war. Territorial war die DBD in Ortsgruppen, Kreis- und Bezirksverbände (bis 1952 Landesverbände) gegliedert. 1948 zählte die Partei etwa 12000, Ende der 1980er Jahre rund 117000 Mitglieder. Ca. 22000 Mitglieder übten 1989 Leitungsfunktionen in der Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft aus.
Seit ihrer Gründung gehörte die Partei dem Demokratischen Block an, sie war sowohl im Deutschen Volksrat, als auch in der (Provisorischen) Volkskammer vertreten. Zwischen 1950 - 1954 waren 33, in den danach folgenden Wahlperioden jeweils 52 Mitglieder der DBD in der Volkskammer vertreten. 1989 wurde der amtierende DBD-Vorsitzende Günther Maleuda zum Präsidenten der Volkskammer gewählt. Immer zwei Mitglieder der DBD gehörten zum Staatsrat, davon eins als stellvertretender Vorsitzender. Die DBD stellte einen, zeitweise zwei Minister in der Regierung der DDR.
Die DBD und die VdgB waren personell eng verbunden. Sie waren Veranstalter von 13 Bauernkongressen zwischen 1947 - 1987. Zu diesen Kongressen wurden bis ca. 1968 stets auch Bauern aus der Bundesrepublik Deutschland eingeladen.
Als Zentralorgan der Partei wurde seit dem 18. Juli 1948 die Tageszeitung "Bauern-Echo" herausgegeben. Außerdem erschien seit Apr. 1949 monatlich die Funktionärszeitschrift "Der Pflüger".
In den 41 Jahren des Bestehens der DBD wurde die Partei von den Vorsitzenden Ernst Goldenbaum (1948-1982), Ernst Mecklenburg (1982-1987) und Günther Maleuda (1987-1990) geführt. Ulrich Junghanns amtierte von Juni - Sept. 1990. Hauptgeschäftsführer bzw. Generalsekretäre waren Paul Scholz (1948-1950), Berthold Rose (1950-1960) sowie Hans Rietz (1960-1963).
In der 1989 entstandenen gesellschaftlichen Krise der DDR faßte der Parteivorstand Beschlüsse zur Wiederherstellung der Selbständigkeit der Partei und erklärte den Austritt aus dem Demokratischen Block. Bei den Volkskammerwahlen vom 18. März 1990 erhielt die Partei nur noch 2,18 Prozent der Stimmen. Daraufhin beschloß ihr Vorstand am 25. Juni 1990, den Mitgliedern einen Zusammenschluß mit der CDU vorzuschlagen. Dies wurde am 15. Sept. 1990 von einer Zentralen Delegiertenversammlung der Partei angenommen und vollzogen.
Bestandsbeschreibung: Der Bestand wurde in der Wendezeit von der Konrad-Adenauer-Stiftung übernommen und 1998 zusammen mit einem Findbuch der SAPMO übergeben.Hier wurde der Bestand lediglich technisch bearbeitet, was allerdings teilweise zu neuen Signaturen geführt hat. Die Überlieferung beinhaltet v. a. Materialien zur Vorbereitung und Durchführung der Parteitage, Schriftgut aus dem Büro des Vorsitzenden Ernst Goldenbaum, aus dem Sekretariat des PV, Schriftgut der Abteilungen Leitende Parteiorgane, Agitation und Propaganda, Volkswirtschaft und Kader. Gut dokumentiert werden die internationalen Beziehungen, die die DBD pflegte. Überliefert sind Berichte aus den Landes- bzw. Bezirksverbänden und Kreisverbänden.
Erschließungszustand: Online-Findbuch in ARGUS
Umfang, Erläuterung: 5683 AE
Zitierweise: BArch DY 60/...
Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), 1948-1990
5683 Aufbewahrungseinheiten; 0,0 laufende Meter
Archivbestand
deutsch
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
24.04.2026, 10:58 MESZ