Nachlass Lorenz Neef und Agnes Neef-Winz (Bestand)
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N 125
Kreisarchiv Viersen (Archivtektonik) >> N Nachlässe und Privatsammlungen
Der Nachlass des Viersener Kunstmalers Lorenz Neef und seiner Frau, der Heimatdichterin Agnes Neef-Winz, wurde am 25.06.2021 von Herrn Jürgen Schwäbe an das Kreisarchiv zur Sichtung übergeben und anschließend durch das Kreisarchiv angekauft. Der Bestand umfasst in erster Linie familiäre Korrespondenz, aber auch beruflichen Schriftverkehr des Kunstmalers Lorenz Neef. Die familiäre Korrespondenz kann in drei zeitliche Abschnitte gegliedert werden. Zuerst sind die Briefe zu nennen, die Lorenz Neef von seiner Familie während seines Militärdienstes von 1898 bis 1900 erhielt, dann ebenfalls Post seiner Familie während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in München von 1904 bis 1905. Der ganz überwiegende Teil bildet aber der Schriftverkehr während Lorenz Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg ab August 1914 bis zu seinem Tod am 25.01.1915 sowie die zahlreichen Beileidsbekundungen anlässlich seines Todes. Darüber hinaus sind die Glückwünsche anlässlich der Geburt von Tochter Elisabeth am 12.11.1910 und die Geburt von Sohn Johannes am 24.01.1912 zu nennen sowie einige Briefe und Karten, die an Agnes Neef gerichtet sind und aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stammen. Da die Familien von Agnes, geborene Winz, und Lorenz Neef rege am gesellschaftlichen Leben in Viersen teilnahmen, enthalten manche Briefe zeitgeschichtlich interessante Begebenheiten, über die die Verwandten Lorenz Neef während seiner Abwesenheit aus Viersen berichteten. Die Briefe, die Agnes an ihren Mann ab seiner Einberufung Anfang August 1914 sandte, erlauben Rückschlüsse auf ihre Tätigkeit für Kaiser’s Kaffee. Die Bedeutung dieses Bestandes für die historische Forschung sind vielschichtig und gehen über die Viersener Lokalgeschichte hinaus. Sie zeigen beispielhaft das Schicksal vieler Familien, die durch den Krieg auseinandergerissen wurden und deren Ehefrauen sich gezwungen sahen, kurzfristig eine Erwerbsmöglichkeit zu finden. Aus der Feldpost von Lorenz Neef an seine Angehörigen können dessen Stationen, Erlebnisse und Einschätzungen entnommen werden. Er war während des Russlandfeldzuges Mitglied des Landwehrinfanterieregiments Nr. 4, 4. Kompagnie, 1. Landwehrersatzbrigade der 9. Armee. Im November 1914 wurde dieses Regiment jedoch aufgelöst, seine neue Einheit war das Landwehrbrigadeersatzbataillon 29, 4. Kompagnie. Als ausgebildeter Kunstmaler war er ein aufmerksamer Beobachter. Ob das Tagebuch, dass er während des Feldzuges führte, sowie die zahlreichen Skizzen, die er anfertigte, überliefert sind, ist unbekannt. Die Schreiben mit Bezug auf Lorenz Neefs Tätigkeit als Kunstmaler umfassen in etwa den Zeitraum von 1904 bis 1909, obwohl er bis zu seiner Einberufung im August 1914 seinen Beruf ausübte. Im Jahr 1909 heirateten Agnes und Lorenz. Geld verdiente Lorenz Neef in diesen ersten Jahren mit der Ausmalung neu erbauter und auch zu renovierender Kirchen, insofern ist dieser Bestand für die Erforschung der Kirchenmalerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine nicht uninteressante Quelle. Allerdings hatte er höhere Ambitionen, was aus der Korrespondenz mit seinen Kollegen sowie mit einigen bekannten Künstlern seiner Zeit hervorgeht, darunter der Architekt Karl Buschhüter aus Krefeld und der Impressionist Richard Pietzsch. Eine recht enge Freundschaft unterhielt er zu dem Künstler Richard Grimm-Sachsenberg, dessen Schreiben einen guten Einblick in sein Künstlerleben erlauben. Zuletzt lebte und arbeitete Lorenz Neef mit seiner Familie in Bonn, wo er sich ab Mitte April 1912 ein eigenes Atelier eingerichtet hatte. Der Firmenschriftzug auf dem überlieferten Briefpapier aus der Bonner Zeit legt nahe, dass Lorenz Neef auch nach der Beendigung seines Auftrages in der Kirche in Rödgen bei Siegen weiterhin Aufträge als Kirchenmaler annahm. Dies kann jedoch nicht durch entsprechende Korrespondenz belegt werden.Die zum Bestand gehörenden Fotografien weisen mit einigen wenigen Ausnahmen allesamt keine Beschriftung auf, so dass weder eine Zuordnung zu bestimmten Personen noch eine genauere Datierung möglich ist. Bei einigen Postkarten handelt es sich um Fotopostkarten, die den jeweiligen Absender zeigen. Diese wurden bei der Korrespondenz belassen. Andere Fotopostkarten hingegen, die nicht per Post versendet wurden und auch keine schriftlichen Informationen tragen, wurden wie Fotos behandelt und unter dem entsprechenden Klassifikationspunkt verzeichnet. Einige wenige Fotos lagen Briefen bei. Diese wurden entnommen und als Fotos verzeichnet sowie mit einem entsprechenden Vermerk in der jeweiligen Verzeichnungseinheit versehen.Im Hinblick auf die Tätigkeit von Agnes Neef-Winz als Mundartschriftstellerin liefert dieser erste Teil dieses Bestandes keine Erkenntnisse.Die Verzeichnung erfolgte im Sommer 2021 durch Annegret Hols.Zum 01.04.2022 erfolgte eine weitere Akzession von Unterlagen, die dem Nachlass von Agnes Neef-Winz zuzurechnen sind im Umfang von drei Umzugskartons. Die darin enthaltenen Akten wurden von Frau Prof. Helena Siemes abgegeben und waren seinerzeit von ihr aus sprachwissenschaftlichem Interesse aus dem Nachlass von Agnes Neef-Winz akquiriert worden. Helena Siemes verweist in ihren Veröffentlichungen auf eben diesen Nachlass von Agnes Neef-Winz, zum Beispiel in "Agnes Neef-Winz zum 100. Geburtstag", erschienen in Viersen 1984, S. 5, oder in "Kindheit am Niederrhein" von Helena Siemes und Gerd Philips, erschienen in Viersen 2005, S. 19, Fußnote 2. Bei den Unterlagen handelt es sich vor allem um Korrespondenz mit Herausgebern von Zeitungen und Zeitschriften sowie mit dem Rundfunk. Desweiteren sind zahlreiche Manuskripte auf Hochdeutsch und in Viersener Platt mit vorwiegend volkskundlichem Inhalt überliefert. Aus zahlreichen Briefen geht Agnes Neef-Winz' Motivation deutlich hervor. Sie bemühte sich in allem um die Bewahrung der Viersener Mundart und der Überlieferung des Brauchtums ihrer Heimatstadt.Die Verzeichnung dieser Unterlagen erfolgte im Sommer 2022 durch Annegret Hols. Wenige Stücke der Akzession, die nicht aus dem originären Nachlass von Agnes Neef-Winz stammen, sondern Prof. Siemes zuzuordnen sind, wurden in die personengeschichtliche Sammlung S 4 unter Helena Siemes eingeordnet.Am 09.11.2023 wurden dem Nachlass zwei Fotos hinzugefügt, die Agnes Neef-Winz im Kreise einer Gruppe von Kriegerwitwen zeigt.
6 Kartons, (6 KÄ; Fotos im Fotosammelkarton für die N-Bestände)
Bestand
Agnes Neef-Winz zum 100. Geburtstag. Schriftenreihe des Heimatvereins, Bd. 7, Viersen 1984
Kindheit am Niederrhein, Siemes, Helena, Philips, Gerd, Verein für Heimatpflege Viersen 2005
Kindheit am Niederrhein, Siemes, Helena, Philips, Gerd, Verein für Heimatpflege Viersen 2005
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET