Nachrichten über Kaspar Hauser nach der Erinnerung der Marietta Zöppritz, geb. von Hartmann, und nach den Briefen der Susanna Maria von Tucher an Erstere
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E 29/II Nr. 2836
E 29/II Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
20.08.1868
Enthält:
1868 August 20: Brief des August Zöppritz aus Heidenheim an der Brenz an eine Verehrliche Redaktion! (s. Bemerkungen)
Die nachfolgenden Informationen stammen teils von der Mutter des Schreibers (= Marietta Zöppritz, geb. von Hartmann), welche Kaspar Hauser persönlich gekannt hat, und einen Brief von ihm, eine von ihm gefertigte Pappendeckelschachtel sowie eine Zeichnung von ihm besitzt, teils aus den Briefen der Frau (Susanna Maria) von Tucher, geborener Haller, an die Mutter des Schreibers.
Kurzer Bericht u. a. über (Georg Friedrich) Daumer, der selber leidend, und daher zum Erzieher wenig geeignet war. Hausers Gewöhnung an Fleischkost usf.
Aus einem Brief vom 7. November 1829 über den ersten Anschlag: "Zwei Männer waren aber im Hause, das sahen die Nachbarsleute, der eine sehr gut gekleidet mit weißen Handschuhen, der andere schlecht und zerlumpt..."
(Meist Bekanntes).
Aus einem Brief vom 18. Januar 1830: Angebot des Kaufmanns (Johann Christian) Biberbach, Hauser in sein - eigentl. eine Festung bildendes - Haus aufzunehmen.
Beiliegend die Kopie eines Briefs vom 28. März 1830 (hier nicht enthalten).
Aus einem Brief vom 4. April 1830: (Otto) von Pirch war am 29. März erneut bei Kaspar. Dessen Wiedererkennen von Welschkorn, womit er (während seiner Gefangenschaft) gespielt haben will.
Aus einem Brief vom 6. Juni 1830: Kaspar hat große Freude an Raupen und Schnecken, die er aus dem Garten mitbringt.
Aus einem Brief vom 19. Juli 1830: Kaspar ist seit dem 14. d.M. bei Familie v. Tucher. Er steht um 4 Uhr morgens auf, um sechs frühstückt er Gesundheitschokolade, um 10 Uhr kommt sein Lehrer, mit diesem u. s Dienern geht er um 11 Uhr zu Pfarrer Häring (...), um 1/2 1 Uhr ißt er mit uns - Kalbsbraten ist noch immer seine Lieblingsspeise - nach Tisch amusirt er sich im Garten mit Hund u. Katzen.
Aus einem Brief vom 7. November 1830: (Paul Johann Anselm von) Feuerbach zu Besuch, der von Hindernissen sprach, die sich öffentlichen Schritten zugunsten Hausers (= Sammlung o. ä.) in den Weg stellen.
Aus einem Brief vom 21. April 1830: Zukunftsplanung für Hauser noch unbestimmt, da er immer noch einem 12-jährigen Kinde gleicht.
Aus einem Brief vom 4. Juni 1830: Diese Woche war ein Engländer bei Hauser, Lord Stanhope, der ihn reichlich beschenkte, nämlich mit einer Tabatiere mit Musik, einem goldenen Bleistift, einem kostbaren Ring und einem schönen Federmesser. Außerdem gab er eine namhafte Summe, die zur Ergreifung der Täter dienen soll. Danach reiste er nach Ansbach, um mit Feuerbach über Hauser zu sprechen.
Aus einem Brief vom 5. September 1831: wärest Du in diesem Augenblick bei mir, so würdest Du wohl auch lachen - Lord Stanhope ist gerade da und geht nach erklecklichen Umhalsungen, Arm in Arm mit K im Garten; der Lord eine lange zieml. hagere Gestalt, K so klein und dick! ... Der gute Lord ist ein ächter Engländer, der uns von 3 - 9 Uhr Abends ganz allein mit K. hinsitzt u. das allerlangweiligste Gespräch führt, aber immer "mein lieber Freund" "mein lieber Sohn" ...
Aus einem Brief vom 11. November 1831: ... muß ich denn von unsrem Kummer erzählen, und wie der reiche dumme Lord uns den armen Jungen verdorben hat? so eitel, so eigensinnig und auch vollends so lieblos gegen uns alle! Stanhope hat die äußere feine Weltbildung, die die grenzenloseste Leere zu verdecken weiß, daß längeres Beisammensein erst das offenbart, was man zuerst nur als Mangel an Fertigkeit der Sprache od englisches Abschließen ahnet - die höchste furchtbarste Leere und Unkenntniß des menschl Herzens und Verstandes, weil die eigene fehlt. Stanhope um das Maas voll zu machen, nachdem er K. mit Geschenken überhäuft hatte, gab ihm noch heimlich beim Abschied 100 Gulden zu Taschengeld ... Hundert unangenehme Geschichten von K.'s weniger Wahrheitliebe könnte ich Dir erzählen. Das Verhältniß zum Lord ist ganz unendlich unangenehm, er thut so viel und will noch thun, daß man dieserhalb auch nichts gegen ihn thun kann. K. ist auch recht dabei zu bedauern u. ihm weniger als diesem Lord die Schuld an Manchem zu geben ... von Stanhope's Hoffnungen halte ich - und Andere - rein nichts.
Der Briefwechsel bricht hier, so der Schreiber, ab. Er bittet, diese Notizen ohne Nennung der Namen v. Tucher und Zöppritz zu verwenden.
1868 August 20: Brief des August Zöppritz aus Heidenheim an der Brenz an eine Verehrliche Redaktion! (s. Bemerkungen)
Die nachfolgenden Informationen stammen teils von der Mutter des Schreibers (= Marietta Zöppritz, geb. von Hartmann), welche Kaspar Hauser persönlich gekannt hat, und einen Brief von ihm, eine von ihm gefertigte Pappendeckelschachtel sowie eine Zeichnung von ihm besitzt, teils aus den Briefen der Frau (Susanna Maria) von Tucher, geborener Haller, an die Mutter des Schreibers.
Kurzer Bericht u. a. über (Georg Friedrich) Daumer, der selber leidend, und daher zum Erzieher wenig geeignet war. Hausers Gewöhnung an Fleischkost usf.
Aus einem Brief vom 7. November 1829 über den ersten Anschlag: "Zwei Männer waren aber im Hause, das sahen die Nachbarsleute, der eine sehr gut gekleidet mit weißen Handschuhen, der andere schlecht und zerlumpt..."
(Meist Bekanntes).
Aus einem Brief vom 18. Januar 1830: Angebot des Kaufmanns (Johann Christian) Biberbach, Hauser in sein - eigentl. eine Festung bildendes - Haus aufzunehmen.
Beiliegend die Kopie eines Briefs vom 28. März 1830 (hier nicht enthalten).
Aus einem Brief vom 4. April 1830: (Otto) von Pirch war am 29. März erneut bei Kaspar. Dessen Wiedererkennen von Welschkorn, womit er (während seiner Gefangenschaft) gespielt haben will.
Aus einem Brief vom 6. Juni 1830: Kaspar hat große Freude an Raupen und Schnecken, die er aus dem Garten mitbringt.
Aus einem Brief vom 19. Juli 1830: Kaspar ist seit dem 14. d.M. bei Familie v. Tucher. Er steht um 4 Uhr morgens auf, um sechs frühstückt er Gesundheitschokolade, um 10 Uhr kommt sein Lehrer, mit diesem u. s Dienern geht er um 11 Uhr zu Pfarrer Häring (...), um 1/2 1 Uhr ißt er mit uns - Kalbsbraten ist noch immer seine Lieblingsspeise - nach Tisch amusirt er sich im Garten mit Hund u. Katzen.
Aus einem Brief vom 7. November 1830: (Paul Johann Anselm von) Feuerbach zu Besuch, der von Hindernissen sprach, die sich öffentlichen Schritten zugunsten Hausers (= Sammlung o. ä.) in den Weg stellen.
Aus einem Brief vom 21. April 1830: Zukunftsplanung für Hauser noch unbestimmt, da er immer noch einem 12-jährigen Kinde gleicht.
Aus einem Brief vom 4. Juni 1830: Diese Woche war ein Engländer bei Hauser, Lord Stanhope, der ihn reichlich beschenkte, nämlich mit einer Tabatiere mit Musik, einem goldenen Bleistift, einem kostbaren Ring und einem schönen Federmesser. Außerdem gab er eine namhafte Summe, die zur Ergreifung der Täter dienen soll. Danach reiste er nach Ansbach, um mit Feuerbach über Hauser zu sprechen.
Aus einem Brief vom 5. September 1831: wärest Du in diesem Augenblick bei mir, so würdest Du wohl auch lachen - Lord Stanhope ist gerade da und geht nach erklecklichen Umhalsungen, Arm in Arm mit K im Garten; der Lord eine lange zieml. hagere Gestalt, K so klein und dick! ... Der gute Lord ist ein ächter Engländer, der uns von 3 - 9 Uhr Abends ganz allein mit K. hinsitzt u. das allerlangweiligste Gespräch führt, aber immer "mein lieber Freund" "mein lieber Sohn" ...
Aus einem Brief vom 11. November 1831: ... muß ich denn von unsrem Kummer erzählen, und wie der reiche dumme Lord uns den armen Jungen verdorben hat? so eitel, so eigensinnig und auch vollends so lieblos gegen uns alle! Stanhope hat die äußere feine Weltbildung, die die grenzenloseste Leere zu verdecken weiß, daß längeres Beisammensein erst das offenbart, was man zuerst nur als Mangel an Fertigkeit der Sprache od englisches Abschließen ahnet - die höchste furchtbarste Leere und Unkenntniß des menschl Herzens und Verstandes, weil die eigene fehlt. Stanhope um das Maas voll zu machen, nachdem er K. mit Geschenken überhäuft hatte, gab ihm noch heimlich beim Abschied 100 Gulden zu Taschengeld ... Hundert unangenehme Geschichten von K.'s weniger Wahrheitliebe könnte ich Dir erzählen. Das Verhältniß zum Lord ist ganz unendlich unangenehm, er thut so viel und will noch thun, daß man dieserhalb auch nichts gegen ihn thun kann. K. ist auch recht dabei zu bedauern u. ihm weniger als diesem Lord die Schuld an Manchem zu geben ... von Stanhope's Hoffnungen halte ich - und Andere - rein nichts.
Der Briefwechsel bricht hier, so der Schreiber, ab. Er bittet, diese Notizen ohne Nennung der Namen v. Tucher und Zöppritz zu verwenden.
Umfang/Beschreibung: 1 Prod
Archivale
Bemerkungen: Acc.Nr. D 1/2014
Bemerkungen: Laut A. von der Linde 1887, II, S. 389 (= Nr. 126) erschienen 1868 in der Frankfurter Zeitung ab dem 19. Juli die Mitteilungen G. F. Kolbs über Hauser in Fortsetzung - s. Nr. 2842 -, im selben Jahr auch Artikel in der Sächsischen Zeitung in Leipzig.
Bemerkungen: Die Mutter Zöppritz' lt. Internetrecherche
Bemerkungen: Wegen der Zitate aus den wohl verlorenen Briefen der Mutter des Vormunds G. v. Tucher von einiger Bedeutung
Indexbegriff Person: Biberbach, Johann Christian
Indexbegriff Person: Daumer, Georg Friedrich Prof.
Indexbegriff Person: Feuerbach, Paul Johann Anselm Dr. Ritter von
Indexbegriff Person: Häring, N (Pfarrer)
Indexbegriff Person: Hartmann, Marietta von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Kolb, Georg Friedrich
Indexbegriff Person: Pirch, Otto von
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Tucher, Susanna Maria von, geb. von Haller
Indexbegriff Person: Zöppritz, August
Indexbegriff Person: Zöppritz, Marietta geb von Hartmann
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Gottlieb von Tucher
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Diverse
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Vormundschaften
Bemerkungen: Laut A. von der Linde 1887, II, S. 389 (= Nr. 126) erschienen 1868 in der Frankfurter Zeitung ab dem 19. Juli die Mitteilungen G. F. Kolbs über Hauser in Fortsetzung - s. Nr. 2842 -, im selben Jahr auch Artikel in der Sächsischen Zeitung in Leipzig.
Bemerkungen: Die Mutter Zöppritz' lt. Internetrecherche
Bemerkungen: Wegen der Zitate aus den wohl verlorenen Briefen der Mutter des Vormunds G. v. Tucher von einiger Bedeutung
Indexbegriff Person: Biberbach, Johann Christian
Indexbegriff Person: Daumer, Georg Friedrich Prof.
Indexbegriff Person: Feuerbach, Paul Johann Anselm Dr. Ritter von
Indexbegriff Person: Häring, N (Pfarrer)
Indexbegriff Person: Hartmann, Marietta von
Indexbegriff Person: Hauser, Kaspar
Indexbegriff Person: Kolb, Georg Friedrich
Indexbegriff Person: Pirch, Otto von
Indexbegriff Person: Stanhope, Philipp Heinrich
Indexbegriff Person: Tucher, Susanna Maria von, geb. von Haller
Indexbegriff Person: Zöppritz, August
Indexbegriff Person: Zöppritz, Marietta geb von Hartmann
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Hauseriana (Quellen und Forschungen zu Kaspar Hauser)
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Gottlieb von Tucher
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Briefwechsel Diverse
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Vormundschaften
Ansbach
Frankfurt a. M.
Heidenheim an der Brenz
Leipzig
Tuchergarten
Redaktion
Frankfurter Zeitung
Sächsische Zeitung
Brief
Hauserbrief
Pappdeckelschachtel
Zeichnung
Hauserzeichnung
Krankheit
Erziehung
Fleischkost
Anschlag
Verdächtige
Handschuhe
Kleidung
Kaufmann
Haus
Festung (metaphor.)
Kopie
Besuch
Welschkorn
Spielen
Raupen
Schnecken
Frühstück
Gesundheitsschokolade
Schokolade
Lehrer
Diener
Pfarrer
Mittagessen
Kalbsbraten
Hund
Katzen
Sammlung
Hindernisse
Berufsplanung
Entwicklung, geistige
Entwicklung, körperliche
Engländer
Lord
Geschenke
Tabatiere (Spieluhr)
Spieluhr (Tabatiere)
Bleistift, goldener
Ring
Federmesser
Auslobung
Konversation
Beeinflussung
Eitelkeit
Verhalten Änderung
Geldgeschenk
Lügen
Versprechungen
Zweifel
Geheimhaltung
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 13:01 MESZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
- Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik)
- Stadtarchiv Nürnberg (Tektonik)
- Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz (Tektonik)
- E 29 - Familienarchiv von Tucher (Tektonik)
- E 29/II - Familienarchiv Tucher / Gesamtgeschlecht und jüngere Linie / Akten und Rechnungen (Tektonik)
- Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen (Bestand)