In Gegenwart Erzbischof Friedrichs kompromittieren das Kapitel des Stifts St. Cassius zu Bonn (ecclesie sancti Cassii Bunnensis) und die Stadt Bonn wegen ihrer Streitigkeiten auf den Erzbischof als Schiedsrichter. Das Kapitel vertreten der Dekan Wilhelm, der Scholaster Magister Reimar von Brühl (Brula) und die Kanoniker Johann von Fischenich (Vysschenich), Winrich von Troisdorf (Troystorp), Giselbert von Bohlendorf (Bolendorp), Johann Lampol, Werner von Wichterich (Wy-), Sifrid von Brole, Peter Veyrbrat, Johann von Kelz (Kelse) und Tilmann von Isweiler (Ysswylre), für die Bürgerschaft der Stadt handeln die Bürgermeister Daniel von Molenheim und Johann Ludeman, die Schöffen Heymchin gen. Aduocatus, Rudolf von Sechtem (Seychthem), Nikolaus von Gielsdorf (Gylstorp), Hermann Roitkanne, Johann Craynheim, Tilmann von Rheindorf (Riindorp) und Heinrich de Altadomo sowie die Patrizier (opidani maiores) Gerhard von Ersdorf (Ayrstorp), Rembodo von Meßdorf (Mestorp), Heinrich von Ersdorf (Arstorp), Christian Marcwort u.a. Strittig sind 1) einige Zugänge, die die Stadt den Stiftsangehörigen gesperrt hat. Der Klage zufolge haben die Kapitularen seit unvordenklicher Zeit und unwidersprochen diese Zugänge an der die Stiftsimmunität begrenzenden Stadtmauer von ihren Kurien her benutzt. - 2) der Besitz eines Turmes auf der Immunitätsmauer neben der Dekanatswohnung. Dort fliegen seit langem schon die Tauben ein und aus. Das Kapitel klagt, durch die Stadt dieses Turms beraubt worden zu sein. - 3) ein kupferner Sümber gen. de Yger, den das Kapitel von der Stadt zurückfordert. - 4) die Reparatur gewisser Kloaken, die zwischen dem Mülheimer Tor (Molenheymerportzen) und dem Haus des Erzbischofs stehen. - 5) die Forderung des Kapitels, dass die Bäcker der Stadt ihr Brot und die Metzger ihr Fleisch nach dem Gewichtsmaß des Stifts verkaufen sollen ebenso wie die Weinverkäufer, sei es großen Maßes in Fuder, Ohm, Fässern u.ä. oder im kleinen in Sextarium oder Quart usw. - 6) klagt das Kapitel, dass diese Maße und Gewichte von den Bürgern seit langem gegen seinen Willen verschlechtert wurden. - 7) erhebt das Kapitel den Anspruch, dass Prüfung und Bestätigung der Maße und Gewichte sowie die Ahndung der Verstöße zum Burdekanat des Stifts gehören. Der Burdekan habe dieselben zu signieren. - Die Entscheidung über all diese und die weiteren Streitpunkte stellen die Parteien voll und ganz in das Belieben Erzbischof Friedrichs. Sie geloben, sich an seinen Spruch zu halten, gleichgültig was er bestimmt, wann, wo und wie. Poen: 50 Goldgulden (florenorum de Florencia boni auri et iusti ponderis), halb dem Erzbischof, halb der Gegenpartei zu zahlen. Erzbischof Friedrich soll ferner seinen Schiedsspruch notfalls erläutern und berichtigen können. - Instrumentierungsgesuch der beiden Parteien. - Zeugen: die Edelherren Graf Johann II. von Saarwerden (Sar-) und Volmar von Lützelstein (Lutzelnsteyn), Kämmerer des Stifts Straßburg (camerario Argentinensis [ecclesie]), sodann Gerhard Foec (Foet), Dekan von St. Salvator zu Utrecht (sancti Salvatoris Traiectensis [ecclesie]), die Ritter Heinrich, Herr von Fleckenstein (-steyn), und Johann von Velde, Amtmann zu Kempen (officiato tunc Kempensi), sowie die Magister Hupert Mulchin, Lizentiat in legibus, Albert von Benninghoven (Bennynchouen), Lizentiat in decretis, Borchard von Westerholt (-e), Scholaster zu Soest (ecclesie Susaciensis), und andere Räte und Freunde Erzbischof Friedrichs. Acta fuerunt hec in curia seu habitatione dicti domini nostri ... Coloniensis in opido Bunnensi ... 1372 die quinta mensis Marcii ...