MF 16: Verfassung, Haushalt, Innere Verwaltung, Finanzverwaltung, Staatsschuld, Bankenwesen, Verkehrswesen, Lehenwesen (Bestand)
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MF16 MF
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 2 Abteilung II: Neuere Bestände >> 2.7 Finanzen >> 2.7.1 Finanzministerium (MF) >> 2.7.1.1 Finanzministerium (MF) >> Finanzministerium (MF)
1799-1934
Vorwort: Erschließungsgeschichte
Im Jahr 1937 musste die im damaligen Gebäude des Finanzministeriums an der Galeriestraße seit 1799 entstandene umfangreiche Registratur aufgrund eines geplanten Gebäudeabrisses aufgelöst werden. In diesem Zusammenhang entstanden zwei umfangreiche maschinenschriftliche Abgabeverzeichnisse für die ausgesonderten Personalakten (MF 15: 13758 Archivalieneinheiten) und Sachakten (MF 16: 5351 Archivalieneinheiten). Diese Abgabeverzeichnisse wurden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv als Findmittel adaptiert. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden summarisch aufgeführte Aktenserien im Findbuch MF 16 zusätzlich einzeln verzeichnet und einige Akten nachgetragen. Zuvor waren die erhalten gebliebenen Akten fortlaufend durchnummeriert und in die Nummernfolge des Bestands Finanzministerium eingereiht worden (MF 55411-60287, 60504-60716), allerdings leider mit springenden Nummernblöcken. Im Jahr 2010 wurde das Findbuch MF 16 im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderten Retrokonversionsprojekts in elektronische Form überführt. Nacharbeiten am Thesaurus und Korrekturen einzelner Datensätze fanden im Herbst 2014 im Zuge der Online-Stellung statt.
Finanzministerium
Im Rahmen der unter Maximilian von Montgelas durchgeführten Reformen wurde 1799 ein Finanzdepartement eingerichtet, zu dessen wesentlichen Aufgaben die Zoll-, Maut- und Akzisverwaltung, die Domänen-, Forst-, Post-, Lotto- und Salinenaufsicht (Forstwesen bis 1934, Postwesen: 1826-1832, 1847-1848), sowie die oberste Leitung des Kassen- und Rechnungswesens zählten. Auch fielen zu diesem frühen Zeitpunkt die Verwaltung der staatlichen Regalien im Münz- und Bergwerkswesen und der noch staatlich regulierte Handels-, Industrie und Gewerbesektor sowie die Landwirtschaftsverwaltung und das vorwiegend unter fiskalischen Gesichtspunkten verwaltete Hoch- und Tiefbauwesen in die Kompetenz des Finanzdepartements. Erst im Jahr 1806 trennte man durch die Gründung des Ministerialdepartements des Inneren die eigentlichen kameralistisch-fiskalischen Aufgaben von denen der inneren Staatsverwaltung ab (Kommunal- und Wirtschaftsverwaltung, Schul- und Kirchenangelegenheiten).
Nach der Beseitigung der ständischen Steuerprivilegien 1807/1808 fiel die Festsetzung und Erhebung der öffentlichen Abgaben und Steuern ebenfalls in die Kompetenz des Finanzdepartements, das mit der Formationsverordnung vom 15.4.1817 in Ministerium der Finanzen umbenannt wurde. Seit 1829 war die Steuerkatasterkommission Teil des Finanzressorts, während die vorher im Außen- und später beim Kriegsministerium angesiedelte Landesvermessung erst 1922 Teil der Finanzverwaltung wurde.
Mit dem Übergang der Verwaltungskompetenz über die direkten und indirekten Steuern sowie die Zölle an das Reich im Jahr 1919 ging auch die Aufsicht über die nachgeordneten Ämter, die Regierungsfinanzkammern, die Rentämter und die Zollverwaltungsbehörden verloren. Die Verwaltung des Staatsvermögens und des Hofetats (ab 1918: Krongutsverwaltung), die Erstellung des bayerischen Haushaltsplans und der Vollzug des Haushalts im Rahmen des Kassen- und Rechnungswesens, die erforderliche Rechnungsprüfung, das Forstwesen (bis 1934), die Verwaltung der staatlichen Betriebe und Liegenschaften, die Staatsschuldenverwaltung, das Münzwesen, die Vermessungsverwaltung und die zentrale Kompetenz in Fragen des Beamten- und Dienstrechts blieben bis 1945 unverändert beim Finanzministerium.
Registratur und Aussonderung
Im zeitgenössischen Vorwort des im Jahr 1938 erstellten und später als Findbuch adaptierten Abgabeverzeichnisses ist zum Verlauf der Aussonderung und zur Registraturgeschichte Folgendes vermerkt (Originalwortlaut beibehalten, einschließlich Hommage an Hitler, Abkürzungen aufgelöst):
"Die in den beiden vorliegenden Verzeichnissen
1. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Sachakten [Findbuch MF 16]
2. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Personalakten [Findbuch MF 15]
niedergelegte Aktenausscheidung ist zweifellos die größte seit dem Bestehen des Finanzministeriums. Sie wurde in diesem Ausmaße veranlaßt durch die zu Beginn des Jahres 1937 bekannt gewordenen großen städtebaulichen Pläne des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler in der Umgebung des "Hauses der Deutschen Kunst", in deren Zug auch das alte Finanzministerialgebäude an der Galeriestraße im Verein mit dem Reichsbankgebäude und anderen Gebäuden an der Ludwig- und Von der Tannstraße dem Abbruch unterstellt wurde, um einem neuen Zentrallandesministerium und anderen Monumentalbauten Platz zu machen.
Die Räumung der sogen. reponierten Registratur, welche auf dem Speicher des Hauses untergebracht war und mehr als hunderttausend abgelegte Akten neben zahllosen Gesetzbüchern, Landtagsverhandlungen, Verordnungen-Sammlungen usw. seit dem Bestehen des Finanzministeriums enthielt, mußte daher bis zum 1. Juli des Jahres 1937, dem Zeitpunkt des Beginns der Abbrucharbeiten, vollzogen sein.
Mit der Leitung dieser Räumungs- und Ausscheidungsarbeiten wurde Verwaltungsinspektor Hahn und mit der Durchführung derselben Ministerialkanzleisekretär Estendorfer betraut.
Da während der ersten zwei Wintermonate wegen Nichtheizbarkeit des Speichers größere Arbeiten dort nicht vorgenommen werden konnten, kamen für die eigentliche Aktenausscheidung nur vier Monate in Betracht. Die Aktenausscheidung selbst wurde in zwei Abteilungen durchgeführt: erstens Ausscheidung der Personalakten und zweitens Ausscheidung der Sachakten. Während die erstere Ausscheidung verhältnismäßig einfach war, gestaltete sich die Ausscheidung der Sachakten erheblich schwieriger, mußten doch die einzelnen Sachgebiete, die im Laufe eines Jahrhunderts oftmals, veranlaßt durch Bauarbeiten oder Platzmangel, ihren Lagerplatz nicht immer in tadelloser Ordnung gewechselt hatten und auch in den einzelnen Repertorien an verschiedenen Stellen vorgetragen waren, oft erst mühsam wieder gefunden und zu den entsprechenden Sachgruppen geordnet werden. Alle diese Arbeiten erledigte Ministerialkanzleisekretär Estendorfer - dies darf bei dem Umfang der Arbeiten festgestellt werden - mit einer ihm zugeteilten Hilfskraft mit großem Fleiße und anerkennenswerter Umsicht immer arbeitsfreudig trotz des großen Schmutzes und Staubes, der mit diesen Arbeiten verbunden war.
Daß bei dieser Gelegenheit und unter der Herrschaft des Vierjahresplans auch eine ausgiebige Ausscheidung von minderwichtigen und als Archivmaterial bedeutungslosen Akten und Büchern als Einstampfmaterial (ca. 500 Zentner) stattfand, ist selbstverständlich. Jedoch erfolgte diese Ausscheidung nicht, ohne den zuständigen Herren des Hauptstaatsarchivs (Oberarchivrat Dr. Pregler und Staatsarchivrat Dr. Vock) Gelegenheit zur Einsichtnahme gegeben zu haben.
Mit der pünktlichen Ablieferung des gesamten Aktenmaterials zum festgesetzten Termin (1. Juli 1937) an das Hauptstaatsarchiv war nun wohl die schwierigste und auch körperlich anstrengendste Arbeit geschafft. Nebenher war auch durch eine weibliche Hilfskraft das Verzeichnis der Personalakten zum größten Teil fertig gestellt. Aber noch harrte die Herstellung des wesentlich schwierigeren Verzeichnisses der Sachakten der Inangriffnahme. Personalmangel beim Kanzleipersonal, hervorgerufen durch Urlaube, Erkrankungen usw. schoben den Beginn dieser Arbeiten bis Mitte November des vorigen Jahres hinaus. Erst am 16. November vorigen Jahres konnte Ministerialkanzleisekretär Estendorfer auch mit der Herstellung dieses Verzeichnisses beginnen.
Als Unterlagen hierfür dienten folgende Repertorien:
I. Repertorium der reponierten Registratur zu Titel A, B, C, D, dann W und X,
II. Repertorium 1936 Sparte VI, Titel B, D,
III. Verzeichnis der auf dem Speicher verwahrten Akten,
IV. Verzeichnis: Ältere Akten,
V. Repertorium Staatsrealitäten,
VI. Aktenverzeichnis betreffend die Auflösung sämtlicher Stifte und Klöster Bayerns, Pfarreien etc.,
VII. Akten-Repertorium der reponierten Registratur für die Abteilungen Titel E mit H, K mit N, V und Y,
VIII. Akten-Repertorium der laufenden Registratur für die Abteilungen E mit H, K und L,
IX. Akten-Repertorium der laufenden Registratur für die Abteilungen M, N, V und Y,
Xa. Akten-Repertorium Zölle, Titel I - XXI,
Xb. Akten-Repertorium Zölle und Reichssteuern, Titel XXII - XXXII,
XI. Akten-Repertorium für das Aufschlagwesen (an das Hauptstaatsarchiv abgegeben),
XII. Akten-Repertorium Lehen.
Die Anordnung der Sachakten wurde sowohl dem Aktenplan - soweit dies möglich war - als auch der gegenwärtigen Registratursparteneinteilung angepasst.
Daß diese große Aktenausscheidung aber zu einem gedeihlichen Abschluß gebracht werden konnte, ist nicht zuletzt Herrn Generalsekretär Ministerialrat von Schneider zu verdanken, der mit besonderem Wohlwollen und steter gütiger Bereitwilligkeit in der Regelung von Wünschen und Anträgen, die im Laufe der Arbeit auftraten, jede Förderung der Arbeit unterstützte, wofür abschließend der geziemende ehrerbietigste Dank hiermit zum Ausdruck gebracht werden darf."
München, den 31. März 1938."
Aktenverluste
Neben den erwähnten Kassationen bei der Aktenaussonderung vor Ort ("500 Zentner") gibt ein im analogen Findbuch als Schreibmaschinennotiz eingeklebter Hinweis Auskunft über weitere umfangreiche Aktenverluste im Bayerischen Hauptstaatsarchiv während des Zweiten Weltkrieges, ohne allerdings den Grund dafür näher zu erläutern:
"Die auf Seite 179 - 642 verzeichneten Akten wurden im Krieg - mit Ausnahme der eingelegten Blätter und den mit Tinte geschriebenen Signaturen - vernichtet."
Betroffen sind vor allem Unterlagen zu den nachfolgenden Bereichen: Hoch-, Straßen- und Flussbau, Bodenzinsablösung der Standesherren, Realitäten, Bäder- und Medizinalwesen, Wohltätigkeit und Wohnungsfürsorge, Versicherung, Strafanstalten, Landwirtschaft, Gemeindewesen, Presse, Handel, Industrie und Gewerbe, Wissenschaft, Bildung, Erziehung, Kultusangelegenheiten, Salinen-, Berg- und Hüttenwesen, Lotto, Steuer, Zoll, Stempel- und Taxwesen, Justiz, innere Verwaltung, Landrat.
Die entsprechenden Signaturen und Betreffe (frühere Nummern 2185-7756) dieser ca. 5400 vermutlich im Bombenkrieg vernichteten Akten sind im zeitgenössischen analogen Findbuch von 1938 erfasst, nicht jedoch im vorliegenden FAUST- und Online-Findmittel.
Inhalt des Findbuchs
Nach Abzug der Aktenverluste verbleiben im vorliegenden Findbuch als inhaltliche Schwerpunkte vor allem die Haushaltszuständigkeit für den Zivil-, Hof-, Militär-, Landtags- und Reichsetat sowie die Finanzverhältnisse der inneren und der Finanzverwaltung. Des Weiteren sind die Verwaltung der Staatsschulden, das Bankenwesen, das Verkehrswesen sowie die Lehensverwaltung breit dokumentiert. Andere Bereiche wie die Verpachtung von Staatsrealitäten, die Aufsicht über die staatlichen Betriebe, das Zoll- und Aufschlagwesen, Kultusangelegenheiten, Justiz und innere Verwaltung sowie das Berg-, Hütten-, Münz-, Lotto- und Steuerwesen sind dagegen jeweils nur mit wenigen erhalten gebliebenen Archivalieneinheiten vertreten. In die Gliederung aufgenommen wurden nur diejenigen Punkte, zu denen Akten überliefert sind.
Die im Findmittel MF 16 nachgewiesenen Akten decken das gesamte 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1934 ab; vereinzelt reicht die Laufzeit bis 1942. Einzelne Akten des Teilbestands MF 16 entstammen allerdings noch Fremdprovenienzen, zum Teil aus dem 18. Jahrhundert, oder eigenständigen Teilregistraturen wie etwa dem Generalfiskalat. Eine Bereinigung ist vorgesehen.
München, November 2014
Edeltraud Weber, Gerhard Fürmetz
Im Jahr 1937 musste die im damaligen Gebäude des Finanzministeriums an der Galeriestraße seit 1799 entstandene umfangreiche Registratur aufgrund eines geplanten Gebäudeabrisses aufgelöst werden. In diesem Zusammenhang entstanden zwei umfangreiche maschinenschriftliche Abgabeverzeichnisse für die ausgesonderten Personalakten (MF 15: 13758 Archivalieneinheiten) und Sachakten (MF 16: 5351 Archivalieneinheiten). Diese Abgabeverzeichnisse wurden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv als Findmittel adaptiert. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden summarisch aufgeführte Aktenserien im Findbuch MF 16 zusätzlich einzeln verzeichnet und einige Akten nachgetragen. Zuvor waren die erhalten gebliebenen Akten fortlaufend durchnummeriert und in die Nummernfolge des Bestands Finanzministerium eingereiht worden (MF 55411-60287, 60504-60716), allerdings leider mit springenden Nummernblöcken. Im Jahr 2010 wurde das Findbuch MF 16 im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderten Retrokonversionsprojekts in elektronische Form überführt. Nacharbeiten am Thesaurus und Korrekturen einzelner Datensätze fanden im Herbst 2014 im Zuge der Online-Stellung statt.
Finanzministerium
Im Rahmen der unter Maximilian von Montgelas durchgeführten Reformen wurde 1799 ein Finanzdepartement eingerichtet, zu dessen wesentlichen Aufgaben die Zoll-, Maut- und Akzisverwaltung, die Domänen-, Forst-, Post-, Lotto- und Salinenaufsicht (Forstwesen bis 1934, Postwesen: 1826-1832, 1847-1848), sowie die oberste Leitung des Kassen- und Rechnungswesens zählten. Auch fielen zu diesem frühen Zeitpunkt die Verwaltung der staatlichen Regalien im Münz- und Bergwerkswesen und der noch staatlich regulierte Handels-, Industrie und Gewerbesektor sowie die Landwirtschaftsverwaltung und das vorwiegend unter fiskalischen Gesichtspunkten verwaltete Hoch- und Tiefbauwesen in die Kompetenz des Finanzdepartements. Erst im Jahr 1806 trennte man durch die Gründung des Ministerialdepartements des Inneren die eigentlichen kameralistisch-fiskalischen Aufgaben von denen der inneren Staatsverwaltung ab (Kommunal- und Wirtschaftsverwaltung, Schul- und Kirchenangelegenheiten).
Nach der Beseitigung der ständischen Steuerprivilegien 1807/1808 fiel die Festsetzung und Erhebung der öffentlichen Abgaben und Steuern ebenfalls in die Kompetenz des Finanzdepartements, das mit der Formationsverordnung vom 15.4.1817 in Ministerium der Finanzen umbenannt wurde. Seit 1829 war die Steuerkatasterkommission Teil des Finanzressorts, während die vorher im Außen- und später beim Kriegsministerium angesiedelte Landesvermessung erst 1922 Teil der Finanzverwaltung wurde.
Mit dem Übergang der Verwaltungskompetenz über die direkten und indirekten Steuern sowie die Zölle an das Reich im Jahr 1919 ging auch die Aufsicht über die nachgeordneten Ämter, die Regierungsfinanzkammern, die Rentämter und die Zollverwaltungsbehörden verloren. Die Verwaltung des Staatsvermögens und des Hofetats (ab 1918: Krongutsverwaltung), die Erstellung des bayerischen Haushaltsplans und der Vollzug des Haushalts im Rahmen des Kassen- und Rechnungswesens, die erforderliche Rechnungsprüfung, das Forstwesen (bis 1934), die Verwaltung der staatlichen Betriebe und Liegenschaften, die Staatsschuldenverwaltung, das Münzwesen, die Vermessungsverwaltung und die zentrale Kompetenz in Fragen des Beamten- und Dienstrechts blieben bis 1945 unverändert beim Finanzministerium.
Registratur und Aussonderung
Im zeitgenössischen Vorwort des im Jahr 1938 erstellten und später als Findbuch adaptierten Abgabeverzeichnisses ist zum Verlauf der Aussonderung und zur Registraturgeschichte Folgendes vermerkt (Originalwortlaut beibehalten, einschließlich Hommage an Hitler, Abkürzungen aufgelöst):
"Die in den beiden vorliegenden Verzeichnissen
1. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Sachakten [Findbuch MF 16]
2. Verzeichnis der im Juni 1937 an das Hauptstaatsarchiv abgegebenen Personalakten [Findbuch MF 15]
niedergelegte Aktenausscheidung ist zweifellos die größte seit dem Bestehen des Finanzministeriums. Sie wurde in diesem Ausmaße veranlaßt durch die zu Beginn des Jahres 1937 bekannt gewordenen großen städtebaulichen Pläne des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler in der Umgebung des "Hauses der Deutschen Kunst", in deren Zug auch das alte Finanzministerialgebäude an der Galeriestraße im Verein mit dem Reichsbankgebäude und anderen Gebäuden an der Ludwig- und Von der Tannstraße dem Abbruch unterstellt wurde, um einem neuen Zentrallandesministerium und anderen Monumentalbauten Platz zu machen.
Die Räumung der sogen. reponierten Registratur, welche auf dem Speicher des Hauses untergebracht war und mehr als hunderttausend abgelegte Akten neben zahllosen Gesetzbüchern, Landtagsverhandlungen, Verordnungen-Sammlungen usw. seit dem Bestehen des Finanzministeriums enthielt, mußte daher bis zum 1. Juli des Jahres 1937, dem Zeitpunkt des Beginns der Abbrucharbeiten, vollzogen sein.
Mit der Leitung dieser Räumungs- und Ausscheidungsarbeiten wurde Verwaltungsinspektor Hahn und mit der Durchführung derselben Ministerialkanzleisekretär Estendorfer betraut.
Da während der ersten zwei Wintermonate wegen Nichtheizbarkeit des Speichers größere Arbeiten dort nicht vorgenommen werden konnten, kamen für die eigentliche Aktenausscheidung nur vier Monate in Betracht. Die Aktenausscheidung selbst wurde in zwei Abteilungen durchgeführt: erstens Ausscheidung der Personalakten und zweitens Ausscheidung der Sachakten. Während die erstere Ausscheidung verhältnismäßig einfach war, gestaltete sich die Ausscheidung der Sachakten erheblich schwieriger, mußten doch die einzelnen Sachgebiete, die im Laufe eines Jahrhunderts oftmals, veranlaßt durch Bauarbeiten oder Platzmangel, ihren Lagerplatz nicht immer in tadelloser Ordnung gewechselt hatten und auch in den einzelnen Repertorien an verschiedenen Stellen vorgetragen waren, oft erst mühsam wieder gefunden und zu den entsprechenden Sachgruppen geordnet werden. Alle diese Arbeiten erledigte Ministerialkanzleisekretär Estendorfer - dies darf bei dem Umfang der Arbeiten festgestellt werden - mit einer ihm zugeteilten Hilfskraft mit großem Fleiße und anerkennenswerter Umsicht immer arbeitsfreudig trotz des großen Schmutzes und Staubes, der mit diesen Arbeiten verbunden war.
Daß bei dieser Gelegenheit und unter der Herrschaft des Vierjahresplans auch eine ausgiebige Ausscheidung von minderwichtigen und als Archivmaterial bedeutungslosen Akten und Büchern als Einstampfmaterial (ca. 500 Zentner) stattfand, ist selbstverständlich. Jedoch erfolgte diese Ausscheidung nicht, ohne den zuständigen Herren des Hauptstaatsarchivs (Oberarchivrat Dr. Pregler und Staatsarchivrat Dr. Vock) Gelegenheit zur Einsichtnahme gegeben zu haben.
Mit der pünktlichen Ablieferung des gesamten Aktenmaterials zum festgesetzten Termin (1. Juli 1937) an das Hauptstaatsarchiv war nun wohl die schwierigste und auch körperlich anstrengendste Arbeit geschafft. Nebenher war auch durch eine weibliche Hilfskraft das Verzeichnis der Personalakten zum größten Teil fertig gestellt. Aber noch harrte die Herstellung des wesentlich schwierigeren Verzeichnisses der Sachakten der Inangriffnahme. Personalmangel beim Kanzleipersonal, hervorgerufen durch Urlaube, Erkrankungen usw. schoben den Beginn dieser Arbeiten bis Mitte November des vorigen Jahres hinaus. Erst am 16. November vorigen Jahres konnte Ministerialkanzleisekretär Estendorfer auch mit der Herstellung dieses Verzeichnisses beginnen.
Als Unterlagen hierfür dienten folgende Repertorien:
I. Repertorium der reponierten Registratur zu Titel A, B, C, D, dann W und X,
II. Repertorium 1936 Sparte VI, Titel B, D,
III. Verzeichnis der auf dem Speicher verwahrten Akten,
IV. Verzeichnis: Ältere Akten,
V. Repertorium Staatsrealitäten,
VI. Aktenverzeichnis betreffend die Auflösung sämtlicher Stifte und Klöster Bayerns, Pfarreien etc.,
VII. Akten-Repertorium der reponierten Registratur für die Abteilungen Titel E mit H, K mit N, V und Y,
VIII. Akten-Repertorium der laufenden Registratur für die Abteilungen E mit H, K und L,
IX. Akten-Repertorium der laufenden Registratur für die Abteilungen M, N, V und Y,
Xa. Akten-Repertorium Zölle, Titel I - XXI,
Xb. Akten-Repertorium Zölle und Reichssteuern, Titel XXII - XXXII,
XI. Akten-Repertorium für das Aufschlagwesen (an das Hauptstaatsarchiv abgegeben),
XII. Akten-Repertorium Lehen.
Die Anordnung der Sachakten wurde sowohl dem Aktenplan - soweit dies möglich war - als auch der gegenwärtigen Registratursparteneinteilung angepasst.
Daß diese große Aktenausscheidung aber zu einem gedeihlichen Abschluß gebracht werden konnte, ist nicht zuletzt Herrn Generalsekretär Ministerialrat von Schneider zu verdanken, der mit besonderem Wohlwollen und steter gütiger Bereitwilligkeit in der Regelung von Wünschen und Anträgen, die im Laufe der Arbeit auftraten, jede Förderung der Arbeit unterstützte, wofür abschließend der geziemende ehrerbietigste Dank hiermit zum Ausdruck gebracht werden darf."
München, den 31. März 1938."
Aktenverluste
Neben den erwähnten Kassationen bei der Aktenaussonderung vor Ort ("500 Zentner") gibt ein im analogen Findbuch als Schreibmaschinennotiz eingeklebter Hinweis Auskunft über weitere umfangreiche Aktenverluste im Bayerischen Hauptstaatsarchiv während des Zweiten Weltkrieges, ohne allerdings den Grund dafür näher zu erläutern:
"Die auf Seite 179 - 642 verzeichneten Akten wurden im Krieg - mit Ausnahme der eingelegten Blätter und den mit Tinte geschriebenen Signaturen - vernichtet."
Betroffen sind vor allem Unterlagen zu den nachfolgenden Bereichen: Hoch-, Straßen- und Flussbau, Bodenzinsablösung der Standesherren, Realitäten, Bäder- und Medizinalwesen, Wohltätigkeit und Wohnungsfürsorge, Versicherung, Strafanstalten, Landwirtschaft, Gemeindewesen, Presse, Handel, Industrie und Gewerbe, Wissenschaft, Bildung, Erziehung, Kultusangelegenheiten, Salinen-, Berg- und Hüttenwesen, Lotto, Steuer, Zoll, Stempel- und Taxwesen, Justiz, innere Verwaltung, Landrat.
Die entsprechenden Signaturen und Betreffe (frühere Nummern 2185-7756) dieser ca. 5400 vermutlich im Bombenkrieg vernichteten Akten sind im zeitgenössischen analogen Findbuch von 1938 erfasst, nicht jedoch im vorliegenden FAUST- und Online-Findmittel.
Inhalt des Findbuchs
Nach Abzug der Aktenverluste verbleiben im vorliegenden Findbuch als inhaltliche Schwerpunkte vor allem die Haushaltszuständigkeit für den Zivil-, Hof-, Militär-, Landtags- und Reichsetat sowie die Finanzverhältnisse der inneren und der Finanzverwaltung. Des Weiteren sind die Verwaltung der Staatsschulden, das Bankenwesen, das Verkehrswesen sowie die Lehensverwaltung breit dokumentiert. Andere Bereiche wie die Verpachtung von Staatsrealitäten, die Aufsicht über die staatlichen Betriebe, das Zoll- und Aufschlagwesen, Kultusangelegenheiten, Justiz und innere Verwaltung sowie das Berg-, Hütten-, Münz-, Lotto- und Steuerwesen sind dagegen jeweils nur mit wenigen erhalten gebliebenen Archivalieneinheiten vertreten. In die Gliederung aufgenommen wurden nur diejenigen Punkte, zu denen Akten überliefert sind.
Die im Findmittel MF 16 nachgewiesenen Akten decken das gesamte 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1934 ab; vereinzelt reicht die Laufzeit bis 1942. Einzelne Akten des Teilbestands MF 16 entstammen allerdings noch Fremdprovenienzen, zum Teil aus dem 18. Jahrhundert, oder eigenständigen Teilregistraturen wie etwa dem Generalfiskalat. Eine Bereinigung ist vorgesehen.
München, November 2014
Edeltraud Weber, Gerhard Fürmetz
5351
Bestand
Akten
deutsch
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:04 MESZ
Hierarchie
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