Urfehde ohne Nr.
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A 2 e (Urfehden u.a.) Nr. A 2 e (Urfehden u.a.) Nr. 7385
A 2 e (Urfehden u.a.) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 19, 21-22, 26)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 19, 21-22, 26) >> Bd. 19 Urfehden
1635 August 22
Regest: Martin Digel, bürgerlicher Einwohner zu Ohmenhausen, Reuttlinger Gebiets, bekennt folgendes. Obwohl er sich aus den Predigten des göttlichen Worts und besonders den heiligen 10 Geboten hätte erinnern sollen, dass keiner seinem Nebenmenschen das Seinige diebisch entfremden (= stehlen), sondern jeder mit seiner Handarbeit sich ehrlich ernähren soll, begab er sich unlängst bei Nacht nach Jettenburg, stahl daselbst im Haus des Bauern Stotz (?) 2 Pferde, verkaufte sie zu Grossengstingen um 35 fl, bekam jedoch nicht mehr als 9 fl 3 Batzen, ferner verriet er seinem Pfarrherrn eine Kuh an die Soldaten, so dass sie ihm weggenommen wurde. Deshalb nahmen ihn Bürgermeister und Rat zu Reuttlingen in Haft. Sie liessen ihn peinlich (= mit der Folter) verhören und wären befugt gewesen, seinem Verschulden gemäss gegen ihn zu verfahren. Aber mit Rücksicht auf sein Weib und seine Kinder und die Intercessionen (= Fürsprachen) ehrlicher Befreundter (= Verwandter) zogen die Herren die Gnade der Strenge des Rechts vor und entliessen ihn aus dem Gefängnis mit dem Urteil, dass er bis zu fernerer Begnadigung aller Zechen und ehrlichen Gesellschaften sich enthalten und kein Gewehr (= Waffe) tragen und darüber eine Urfehd-Verschreibung geben solle. Er versprach an Eides Statt, künftig sich des Rossestehlens und anderer Dieberei gänzlich zu bemüssigen (= enthalten), dagegen sich wesenlich (= ordentlich) zu verhalten, das Gefängnis und was sich dabei begeben hat, weder an den Herren noch sonst jemand zu rächen. Würde er oder jemand seinetwegen auf sein Anstiften gegen diese Urfehde handeln, soll er als ein freventlicher Übertreter um alte und neue Exzesse (= Ausschreitungen) mit der Schärfe des Rechts ohne Gnade gestraft werden.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Zeugen / Siegler / Unterschriften: Siegler: Johann Gretzinger, Bürger zu Reuttlingen
Siegel (Erhaltung): Petschaft-Abdruck vorhanden, etwas undeutlich
Genetisches Stadium: Or.
Siegel (Erhaltung): Petschaft-Abdruck vorhanden, etwas undeutlich
Genetisches Stadium: Or.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
20.03.2025, 11:14 AM CET