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Fotografie, die den Crossdresser Franz Eichbaum zeigt
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Schwarz-Weiß-Fotografie, die eine auf einem Stuhl sitzende Person zeigt. Die Person wurde leicht seitlich aufgenommen und ist vom Kopf bis etwa zu den Oberschenkeln zu sehen. Auf dem Kopf trägt sie einen großen Hut mit floralen Verzierungen. So weit erkennbar, trägt sie einen Mantel und einen Kragen mit Spitzenbesatz. Sie sitzt seitlich zur Rückenlehne des Stuhles, hat ihren Kopf in Richtung der Kamera gedreht und blickt die Betrachtenden direkt an. Der Hintergrund ist neutral. Kontext: Das Foto steht im Kontext der Berichterstattung über „die falsche Hofdame“, ein Fall, der im Herbst 1910 durch die Presse ging. Demnach soll sich „der Friseurgehilfe“ Franz Eichbaum in geborgter „Damenkleidung“ als „Hofdame der Kaiserin, Manuela Gräfin von Arnim“ ausgegeben haben. Als er sich bei einem Juwelier angeblich im Auftrag der Kaiserin Schmuck vorlegen ließ, wurde er verhaftet und schließlich in die Psychiatrische und Nervenklinik der Charité aufgenommen. „Zweck war die Erstellung eines Gutachtens, ob Eichbaum nach § 51 RStGB ‚bei Begehung der ihm zur Last gelegten Straftaten sich in einem Zustande krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden hat, durch welchen seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war.‘“ (Herrn, Rainer (2014): „Die falsche Hofdame vor Gericht: Transvestitismus in Psychiatrie und Sexualwissenschaft oder die Regulierung der öffentlichen Kleiderordnung“, in: Medizinhistorisches Journal 49, S. 199–236, hier S. 200) Für ein Gutachten hatte sich Eichbaum auch an den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld gewandt, der als prominenter (und umstrittener) Gutachter für „Sexualdelinquenten“ galt (ebd., S. 204). 1910 hatte Hirschfeld seine Monografie „Die Transvestiten. Eine Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb“ herausgebracht, in der er das „Phänomen des Transvestitismus“ zum ersten Mal ausführlich beschrieb. Hirschfeld begriff „Transvestitismus“ nicht als pathologisch, sondern als eine Varianz der Geschlechtervariabilität. Entsprechend diagnostizierte Hirschfeld Eichbaum zwar als „Transvestit“, sah aber für dessen Schuldverminderung nicht diesen Umstand, sondern Eichbaums „hochgradige Schwächung der Intelligenz und der Hemmungen" als ursächlich an (vgl. ebd., S. 216). Laut Herrn ist es Hirschfelds ausdrücklicher Empfehlung zu verdanken, sich in der Aufmachung als Hofdame fotografieren zu lassen, dass uns heute dieses Foto vorliegt (vgl. ebd., S. 226f.).
Bildunterschrift in Polzer: Sexuellperverse: Berliner Friseurgehilfe
Zu Betrugszwecken als falsche Hofdame verkleidet
Bildunterschrift in Tresckow: Geschlechts-Fälschungen: Die falsche Hofdame
Ein Berliner Friseurgehilfe, der in einer Equipage an einem Juweliergeschäft in Potsdam vorfuhr und als angebliche Hofdame der Kaiserin Einkäufe zu machen versuchte.
(Aus dem Institut für Sexualwissenschaften von Dr. Magnus Hirschfeld, Berlin)
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-335_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft