Beauftragter für den Vierjahresplan.- Geschäftsgruppe Ernährung (Bestand)
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BArch R 26-IV
call number: R 26-IV
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Wirtschaft, Rüstung, Landwirtschaft
1936-1945
Geschichte des Bestandsbildners: Auf eine geheime Denkschrift Adolf Hitlers aus dem Sommer 1936 zurückgehend (überliefert in R 3/1501) wurde der neue Vierjahresplan auf dem Reichsparteitag im September 1936 offiziell verkündet. Als Beauftragter für den Vierjahresplan wurde am 18.10.1936 der preußische Ministerpräsident Hermann Göring eingesetzt (RGBl. 1936 I, S. 887). Er erhielt die Befugnis zur zentralen Lenkung aller wirtschaftlichen, insbesondere kriegswirtschaftlichen Maßnahmen einschließlich der Vollmacht, Anweisungen an die Reichsministerien und alle Ebenen der Partei zu erteilen.
Aufgabe des (zweiten) Vierjahresplanes war die Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf Aufrüstung und Kriegsproduktion sowie die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Importen (Autarkiebestrebung), vor allem im Rohstoff- und Ernährungssektor, um die von Hitler gesteckten Ziele ("1. Die deutsche Armee muß in vier Jahren einsatzfähig sein. 2. Die deutsche Wirtschaft muß in vier Jahren kriegsfähig sein.") zu erreichen. Wichtigste Maßnahmen waren einerseits die Kontingentierung wichtiger Rohstoffe und deren teilweise synthetische Herstellung im Reich, andererseits die Planung und Lenkung des Arbeitseinsatzes sowie die Stabilisierung der Löhne und Preise, um Investitionen in die Produktionsgüterindustrie zu lenken und den privaten Konsum einzuschränken.
Der landwirtschaftliche Sektor war in den Vierjahresplan eingebunden worden, da das Deutsche Reich auf den Import von landwirtschaftlichen Produkten sowohl zur Ernährung der Bevölkerung als auch zur Herstellung wichtiger Industriegrundstoffe angewiesen war und diese Abhängigkeit reduziert werden sollte. Göring richtete deshalb innerhalb der Organisation des Vierjahresplans eine Geschäftsgruppe Ernährung ein, deren Zuständigkeit für die Ernährungswirtschaft in direkter Konkurrenz zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft von Richard Walther Darré stand. Zum Leiter der Geschäftsgruppe Landwirtschaft ernannte Göring mit Herbert Backe einen der beiden Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, der in dieser Funktion dank der Sondervollmachten des Vierjahresplans dem Landwirtschaftsministerium und dem Reichsnährstand Anweisungen erteilen konnte. Nach der Beurlaubung Darrés führte Backe ab Mai 1942 faktisch auch das Ministerium und konnte gerade in den Kriegsjahren u.a. durch eine enge Kooperation mit Himmler einen erheblichen Einfluss gewinnen.
Zu den Maßnahmen, die der Vierjahresplan zur ernährungswirtschaftlichen Produktionssteigerung ergriff, gehörten u.a. die Senkung des Düngemittelpreises, die Erhöhung des Preises für Landwirtschaftsprodukte, Reichsbeihilfen für die Anschaffung von Maschinen, Meliorationen, ein Verfütterungsverbot von Roggen, Verbot von Kornbrennen und eine Ablieferungspflicht für sämtliches Getreide außer dem Eigenbedarf. Tatsächlich konnte die Produktion landwirtschaftlicher Güter im Reich spürbar modernisiert und gesteigert werden, ohne allerdings Importe überflüssig zu machen. Die im europäischen Vergleich verhältnismäßig gute Ernährungslage der Deutschen bis kurz vor Kriegsende wurde letztlich nur durch den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern und die brutale Ausbeutung der besetzten Gebiete ermöglicht, die ohne Rücksicht auf den Hunger im Land große Lebensmittellieferungen zur Versorgung des Reichs und der Wehrmacht erbringen mussten.
Bestandsbeschreibung: Der 1936 von Hitler verkündete und von Hermann Göring durchzusetzende Vierjahresplan sollte Deutschland innerhalb von vier Jahren wirtschaftlich und militärisch "kriegsfähig" machen. Aufgabe der Geschäftsgruppe Ernährung innerhalb der Vierjahresplanbehörde war die Verbesserung und Sicherung der Versorgung von Bevölkerung, Wehrmacht und Industrie mit landwirtschaftlichen Produkten, die während des Kriegs vor allem aus den besetzten Gebieten importiert wurden.
Bestandsgeschichte:
Die Akten der Geschäftsgruppe Ernährung der Vierjahresplanbehörde müssen im Wesentlichen als verloren gelten. Erhalten haben sich lediglich einige Splitter, die aus den Beständen der amerikanischen Collecting Points und aus den Unterlagen des Landwirtschaftsministeriums stammen und in Koblenz zum Bestand R 26 IV zusammengefasst wurden. Im Unterschied zu vielen anderen Beständen befanden sich hierzu in Potsdam keine Unterlagen.
Archivische Bearbeitung:
Im Bundesarchiv in Koblenz wurde 1964 ein "vorläufiges Archivverzeichnis" erstellt, das in seiner Gliederung noch deutlich die Erwartung zum Ausdruck brachte, dass sich zu bestimmten Themenkreisen (insbesondere zu einzelnen Ländern) schon noch Akten einfinden würden. Dies geschah nicht, und so wurde die Klassifikation bei der Neubearbeitung des Bestands 2014 erheblich umgestaltet, um der tatsächlich vorhandenen Überlieferung und ihrer Bedeutung gerecht zu werden.
Die Akten sind komplett in der Datenbank des Bundesarchivs erfasst.
Inhaltliche Charakterisierung: Die wenigen vorhandenen Akten, die zudem fast ausschließlich aus der Kriegszeit stammen, dokumentieren nur sehr wenige Maßnahmen der Geschäftsgruppe Ernährung. Darunter befinden sich etwa Pläne zur Verteilung von Prämienwaren zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Ablieferungsquoten, Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung in den besetzten Ostgebieten oder zur Aufrechterhaltung bzw. Ausweitung des Fischfangs.
Die überlieferten Akten vermitteln hingegen einen guten Überblick über Umfang und Art der Nahrungsmittellieferungen, die Reich und Wehrmacht aus den verschiedenen Ländern und Gebieten unter deutscher Vorherrschaft in den Kriegsjahren bezogen. Hier hat sich recht detailliertes Planungs- und Zahlenmaterial (Aufbringungspläne, Ablieferungsquoten u.ä.) erhalten.
Größere Bedeutung dürfte außerdem den Akten zur Verwaltung des Unilever-Konzerns beizumessen sein, da dort Hintergründe zur Bestellung eines eigenen Reichskommissars für den Unilever-Konzern, Beiratssitzungen, verschiedene Maßnahmen und strategische Planungen für den Konzern überliefert sind. Aufgrund der fast monopolartigen Stellung von Unilever für die Versorgung mit Fetten und Ölen für Industrie und Ernährungssektor war bei den Entscheidungen auch die Führungsebene beteiligt.
Von übergeordnetem Interesse ist schließlich noch die fast vollständige Serie an Sitzungsmitschriften des den gesamten Vierjahresplan faktisch lenkenden Generalrats sowie die Protokolle anderer Leitungsgremien, die den Anfangszeitraum des Vierjahresplans bis 1938/39 abdecken.
Erschließungszustand: Findbuch (2014)
Zitierweise: BArch R 26-IV/...
Aufgabe des (zweiten) Vierjahresplanes war die Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf Aufrüstung und Kriegsproduktion sowie die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Importen (Autarkiebestrebung), vor allem im Rohstoff- und Ernährungssektor, um die von Hitler gesteckten Ziele ("1. Die deutsche Armee muß in vier Jahren einsatzfähig sein. 2. Die deutsche Wirtschaft muß in vier Jahren kriegsfähig sein.") zu erreichen. Wichtigste Maßnahmen waren einerseits die Kontingentierung wichtiger Rohstoffe und deren teilweise synthetische Herstellung im Reich, andererseits die Planung und Lenkung des Arbeitseinsatzes sowie die Stabilisierung der Löhne und Preise, um Investitionen in die Produktionsgüterindustrie zu lenken und den privaten Konsum einzuschränken.
Der landwirtschaftliche Sektor war in den Vierjahresplan eingebunden worden, da das Deutsche Reich auf den Import von landwirtschaftlichen Produkten sowohl zur Ernährung der Bevölkerung als auch zur Herstellung wichtiger Industriegrundstoffe angewiesen war und diese Abhängigkeit reduziert werden sollte. Göring richtete deshalb innerhalb der Organisation des Vierjahresplans eine Geschäftsgruppe Ernährung ein, deren Zuständigkeit für die Ernährungswirtschaft in direkter Konkurrenz zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft von Richard Walther Darré stand. Zum Leiter der Geschäftsgruppe Landwirtschaft ernannte Göring mit Herbert Backe einen der beiden Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, der in dieser Funktion dank der Sondervollmachten des Vierjahresplans dem Landwirtschaftsministerium und dem Reichsnährstand Anweisungen erteilen konnte. Nach der Beurlaubung Darrés führte Backe ab Mai 1942 faktisch auch das Ministerium und konnte gerade in den Kriegsjahren u.a. durch eine enge Kooperation mit Himmler einen erheblichen Einfluss gewinnen.
Zu den Maßnahmen, die der Vierjahresplan zur ernährungswirtschaftlichen Produktionssteigerung ergriff, gehörten u.a. die Senkung des Düngemittelpreises, die Erhöhung des Preises für Landwirtschaftsprodukte, Reichsbeihilfen für die Anschaffung von Maschinen, Meliorationen, ein Verfütterungsverbot von Roggen, Verbot von Kornbrennen und eine Ablieferungspflicht für sämtliches Getreide außer dem Eigenbedarf. Tatsächlich konnte die Produktion landwirtschaftlicher Güter im Reich spürbar modernisiert und gesteigert werden, ohne allerdings Importe überflüssig zu machen. Die im europäischen Vergleich verhältnismäßig gute Ernährungslage der Deutschen bis kurz vor Kriegsende wurde letztlich nur durch den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern und die brutale Ausbeutung der besetzten Gebiete ermöglicht, die ohne Rücksicht auf den Hunger im Land große Lebensmittellieferungen zur Versorgung des Reichs und der Wehrmacht erbringen mussten.
Bestandsbeschreibung: Der 1936 von Hitler verkündete und von Hermann Göring durchzusetzende Vierjahresplan sollte Deutschland innerhalb von vier Jahren wirtschaftlich und militärisch "kriegsfähig" machen. Aufgabe der Geschäftsgruppe Ernährung innerhalb der Vierjahresplanbehörde war die Verbesserung und Sicherung der Versorgung von Bevölkerung, Wehrmacht und Industrie mit landwirtschaftlichen Produkten, die während des Kriegs vor allem aus den besetzten Gebieten importiert wurden.
Bestandsgeschichte:
Die Akten der Geschäftsgruppe Ernährung der Vierjahresplanbehörde müssen im Wesentlichen als verloren gelten. Erhalten haben sich lediglich einige Splitter, die aus den Beständen der amerikanischen Collecting Points und aus den Unterlagen des Landwirtschaftsministeriums stammen und in Koblenz zum Bestand R 26 IV zusammengefasst wurden. Im Unterschied zu vielen anderen Beständen befanden sich hierzu in Potsdam keine Unterlagen.
Archivische Bearbeitung:
Im Bundesarchiv in Koblenz wurde 1964 ein "vorläufiges Archivverzeichnis" erstellt, das in seiner Gliederung noch deutlich die Erwartung zum Ausdruck brachte, dass sich zu bestimmten Themenkreisen (insbesondere zu einzelnen Ländern) schon noch Akten einfinden würden. Dies geschah nicht, und so wurde die Klassifikation bei der Neubearbeitung des Bestands 2014 erheblich umgestaltet, um der tatsächlich vorhandenen Überlieferung und ihrer Bedeutung gerecht zu werden.
Die Akten sind komplett in der Datenbank des Bundesarchivs erfasst.
Inhaltliche Charakterisierung: Die wenigen vorhandenen Akten, die zudem fast ausschließlich aus der Kriegszeit stammen, dokumentieren nur sehr wenige Maßnahmen der Geschäftsgruppe Ernährung. Darunter befinden sich etwa Pläne zur Verteilung von Prämienwaren zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Ablieferungsquoten, Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung in den besetzten Ostgebieten oder zur Aufrechterhaltung bzw. Ausweitung des Fischfangs.
Die überlieferten Akten vermitteln hingegen einen guten Überblick über Umfang und Art der Nahrungsmittellieferungen, die Reich und Wehrmacht aus den verschiedenen Ländern und Gebieten unter deutscher Vorherrschaft in den Kriegsjahren bezogen. Hier hat sich recht detailliertes Planungs- und Zahlenmaterial (Aufbringungspläne, Ablieferungsquoten u.ä.) erhalten.
Größere Bedeutung dürfte außerdem den Akten zur Verwaltung des Unilever-Konzerns beizumessen sein, da dort Hintergründe zur Bestellung eines eigenen Reichskommissars für den Unilever-Konzern, Beiratssitzungen, verschiedene Maßnahmen und strategische Planungen für den Konzern überliefert sind. Aufgrund der fast monopolartigen Stellung von Unilever für die Versorgung mit Fetten und Ölen für Industrie und Ernährungssektor war bei den Entscheidungen auch die Führungsebene beteiligt.
Von übergeordnetem Interesse ist schließlich noch die fast vollständige Serie an Sitzungsmitschriften des den gesamten Vierjahresplan faktisch lenkenden Generalrats sowie die Protokolle anderer Leitungsgremien, die den Anfangszeitraum des Vierjahresplans bis 1938/39 abdecken.
Erschließungszustand: Findbuch (2014)
Zitierweise: BArch R 26-IV/...
Beauftragter für den Vierjahresplan.- Geschäftsgruppe Ernährung, 1936-1945
54 Aufbewahrungseinheiten
Archivbestand
deutsch
Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv: R 26 I Beauftragter für den Vierjahresplan.- Zentrale
R 2 Reichsfinanzministerium, v.a. Abschnitt BV - Vierjahresplan
N 1075 Backe, Herbert (Nachlass des Leiters der Geschäftsgruppe)
Literatur: Gustavo Corni / Horst Gies: Brot - Butter - Kanonen. Die Ernährungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitlers, Berlin 1997
R 2 Reichsfinanzministerium, v.a. Abschnitt BV - Vierjahresplan
N 1075 Backe, Herbert (Nachlass des Leiters der Geschäftsgruppe)
Literatur: Gustavo Corni / Horst Gies: Brot - Butter - Kanonen. Die Ernährungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitlers, Berlin 1997
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
24.04.2026, 10:58 AM CEST