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Urgicht des Caspar Seubolt von Hedelfingen bei Stuttgart, in der Grafschaft Zollern in Haft
(15)56 Februar 19, Mittwoch nach der Herrenfastancht
Regest: 1) Ungefähr um Michaelis des Jahres (15)55 sei er und mit ihm noch 47 in einem Wald mit Namen Griennerth, ungefähr eine kleine 1/2 Meil von Colmar entfernt, näher bei dem Städtlein Türckhna (= Türckheim?) 3 Tag gelegen. Da sei einer namens Jerg Rederer von Diettenhofen mit 9 Pferden zu ihnen gekommen und habe sie aufgefordert, zu tun, was er ihnen zumute. Darum wolle er ihnen gute Besoldung geben. Hauptsächlich würden sie brennen müssen ... Er habe ihnen 4 oder 5 oder 6 Taler auf die Hand gegeben, ihm, dem Seubolt, 4 Taler, und ihnen 48 allen die Wahrzeichen, wie sie einander erkennen sollen, aus einem Kartenspiel genommen. Er sei in der Rotte unter den 10 gewesen, die auf den Wald um St. Jergen (Georgen) zogen. Er sei im Kartenspiel das Lauber-Drei gewesen. Seine Gesellen seien gewesen:
Martin von Innsbruck, im Kartenspiel Eichel-Sau ...,
Jerg von Ulm, im Kartenspiel Schellen-Sau,
Hans von Günzburg, im Kartenspiel Herz-Sau,
Jacob Bublin von Augspurg, im Kartenspiel Laub-Sau,
Michel von Donauwörth, im Kartenspiel Eichel-Oberbub,
Cunrat vom Rhein, im Spiel Eichel-König,
Veltin von Hall, im Spiel Laub-Bauer.
Diese 7 ziehen im Land Württemberg hin und her. Stoffel Foltz von Obergriessen bei Wimpffen, etwa 18 Jahr, seien die Ohren zu Offenburg abgeschnitten und zu Kentzingen die Finger abgehauen worden. Im Kartenspiel Laub-Fünf ...
Jörg von Memmingen, ungefähr 20 Jahre, im Kartenspiel Schellen-Obers, welcher zu Pforzheim gefangen liegt.
Dieser und seine jetzt genannten Gesellen, als sie vom Hauptmann, der ihnen das Geld im Wald gegeben hatte, weggegangen waren, er, Jerg von Memmingen und Stoffel Foltz seien miteinander gen Offenburg gekommen und im Wirtshaus zum Kopf eingekehrt. Da hätte ein Edelmann zu ihnen kommen sollen mit 3 Pferden, der ihnen Bescheid von ihrem Hauptmann geben sollte. Aber wie sie dahin kamen, haben sie ihn nicht gefunden und seien auf Gengenbach verrückt (= Weitergezogen). Unterwegs sei der Edelmann zu ihnen gekommen und habe sie gefragt, was jeder im Kartenspiel sei, gab jedem noch 1 fl und sagte zu ihnen, sie sollten gen Kuppenhaim, dort zum Roten Löwen einziehen und den Wirt verbrennen (= ihm Feuer legen). Während Caspar sich ein Mass Wein bringen liess, legten seine 2 Gesellen Jerg und Stoffel im Stall Feuer. Dann machten sie sich davon. Ein Fuhrmann, der sein Ross in den Stall brachte, fand, dass das gelegte Feuer nicht angegangen war. Sie aber gingen in eine Walkmühle vor dem Städtlein, übernachteten, nahmen dem Walker ein Leilach (= Leintuch), zogen auf Muckensturm zu und verbrannten ein Haus.
Die andern 7 Gesellen seien gegen St. Jergen gezogen und haben auf dem Wald 3 Höfe verbrannt.
2) Er und seine 2 Gesellen seien von Muckensturm gen Bretzingen unter Durlach gekommen und haben auf dem Feld davon eine Heuscheuer verbrannt.
3) Von Bretzingen seien sie auf Brussel (= Bruchsal?) zu gezogen und in das Dorf Röfingen gekommen; darin haben sie das gemeine Hirtenhaus verbrannt.
4) Zu Helmsen bei Sintzen haben sie einen Stall verbrannt.
5) Dann haben sie zu Rappenheim auch ein gemein Hirtenhaus verbrannt.
6) Zu Hanscha, wo Edelleut sitzen, haben sie auf dem Feld draussen eine Heuscheuer verbrannt.
7) zu Oberneideshaim haben sie ein Haus und eine Scheuer verbrannt.
8) In Schluchtern bei Schwaigern haben sie einem Bauern 20 Ellen reisten (= aus Flachs oder Hanf) Tuch gestohlen und dasselbe um 1 fl verkauft. Ihm seien 4 Batzen von der Beute worden.
9) Einem Wirt zu Eppingen haben sie 1 1/2 fl auf einem Simsen gestohlen. Ihm seien 4 1/2 Batzen worden.
10) In Kleinsachsenhaim haben sie in einem Wirtshaus Feuer gelegt. Aber es sei nicht angegangen. Denn es sei zu bald gefunden worden.
11) In Enzweihingen haben sie dem Müller eine Axt, 2 Leilach und 2 Schleier gestohlen und daraus 1 fl gelöst. Ihm sei davon 1 Ort (1/4 fl) worden.
12) In dem Stadtlein Haimbsen (Heimsheim) haben sie dem Schulmeister einen Sack mit Wolle gestohlen und zu Merklingen um 9 Batzen verkauft. Damals haben sie auch im Haus des Schultheissen, der ein Wirt ist, Feuer im Stall gelegt. Es sei aber nicht angegangen.
13) Im Städtlein Zell in der Markgrafschaft haben sie einem Ölmüller ein Tischtuch und 2 Hemden gestohlen und daraus 13 Batzen gelöst. Ihm sei 1 Ort worden.
14) Sie haben im Kloster Hirsau dem Wirt eine halbmässige Kanne gestohlen und zu Calw dem Wirt zum Bock um 5 Batzen verkauft und das Geld verschlemmt.
15) Von Calw seien sie in ein Dorf gekommen, worin ein Klösterlein lag - er wisse nicht, wie das Dorf heisse. Dort haben sie dem Wirt ein Zinn (= Zinngeschirr) und 3 Hennen gestohlen und 1/2 fl daraus gelöst.
16) Als sie auf Altensteig zu zogen, sei ihnen ein Walch (= Welscher, wahrscheinlich = wandernder Krämer) in einem Wald begegnet. Den haben sie ermordet und 15 fl und 1/2 fl Köpflein (= Münzen mit aufgeprägtem Kopf des Fürsten), deren eines 3 Kreuzer gilt, bei ihm gefunden. Sie haben ihn vom Weg ein wenig in den Wald hinein geschleift und mit Laub bedeckt. Ihm seien von der Beute 4 fl und 4 Batzen worden.
Dann seien sie wieder auf den Wald zugezogen und ins Städtlein Auen gekommen, sie drei und die genannten 7 Gesellen wieder zusammen. Dort seien sie im Haus eines Wirts, der ein Metzger ist, 7 Tag beisammen gelegen, bis jeder 2 fl vertan hatte. Dann hätten sie sich wieder geteilt. Er und seine 2 Gesellen Jörg und Stoffel seien wieder miteinander gezogen gen Rottenweiler. Daselbst haben sie eine Scheuer und einen Schweinestall verbrannt. Als sie darnach gen Menckhweiler unweit von Villingen gekommen seien, haben sie ihre 7 Gesellen wieder getroffen. Als sie alle 10 auf Villingen weiterziehen wollten, begegnete ihnen ein Weib. Die haben sie geplündert und etwa 9 fl bei ihr gefunden, dem Weib einen Arm abgehauen und sie liegen lassen. Von der Beute seien ihm 10 Batzen 3 Kreuzer worden.
Darnach seien sie zu 3 Höfen gekommen. Im 2. Hof nahmen sie dem Bauern einen Degen und einen halben Hacken (= kleine Hakenbüchse), verkauften den zu Villingen um 2 1/2 fl. Ihm wurden 3 Batzen.
In Villingen haben sie sich wieder verteilt. Er sei mit seinen beiden Geselle n auf einen Hof eine Meile Wegs von Villingen gekommen, sie haben den Hof und ein Töchterlein darin verbrannt und dem Bauern eine Kuh genommen und einem Metzger von Prüelingen zu kaufen gegeben um 3 fl, ihm gleich das Geld und 15 fl dazu genommen und ihm einen Arm abgehauen. Ihm seien von der Beute 5 1/2 fl worden.
17) Er und seine 2 Gesellen seien auf den Fischerhof gezogen und haben dem Bauern ein Haus verbrannt.
18) Einem Wirt zu Rottweil in der alten Stadt haben sie 2 Säck, ein Sergen (Wollstoff), 2 Hüt und ein Vischamen (= ?) gestohlen und zu Wellendingen um 4 1/2 Batzen ver verkauft, das Geld verschlemmt.
19) Sie seien in ein Dörflein gekommen, worin eine Mühle, eine Badstub, ein Bauernhaus und ein kleines Kirchlein steht. Daselbst haben sie einem Bauern ein hohes Paar Stiefel gestohlen und um 12 Batzen verkauft.
20) Als sie auf Durchhausen zu zogen, haben sie unweit davon einen einzechten Hof verbrannt.
21) Sie haben auf Wolfach zu ziehen wollen. Auf dem Wald zwischen Rottweil und Wolfach begegnete ihnen ein Kaufherr. Den haben sie ermordet und 63 fl bei ihm gefunden. Sie begruben ihn unter einem Reisighaufen. Ihm seien von der Beute 20 fl worden.
22) Zu Alberspach (Alpirsbach) haben sie dem Wirt auf dem Rathaus, einem Schneider, ein Paar Hosen, ein Gesäss (= Hose?), ein Viertel-Kännlein, ein Weiberhemd gestohlen und zu Glatt (Glatten) unter Dornstetten um 18 Batzen verkauft. Ihm seien davon worden 6 Batzen weniger 1 Kreuzer.
Von dort seien sie gen Müllhaim in Mülbach gekommen, haben dort einem Bauern 10 Ellen ewerken (hier = ?) Tuch gestohlen und daraus 10 Batzen gelöst. Ihm seien davon 10 Kreuzer worden.
23) Sie seien auf einen Hof bei Altoberndorf gekommen ungefähr zwischen 11 und 12 Uhr nachts. Sie haben dem Bauern das Vieh in den Ställen abgelassen. Wie das Vieh anfing zu schreien und wüten und der Bauer es hörte, lief er ohne ein Licht herab, um zu sehen, was dem Vieh gebrest (= fehlte), schlugen sie den Bauern mit Tremel (= Prügel) nieder, und der Stoffel stiess sein Gewehrlein in den Bauern. Unterdessen kam das Weib mit einem Licht herabgelaufen. Da schlug der Jerg das Weib mit einem Tremel zu Boden, dass ihr das Hirn auslief. Sie nahmen den Bauern und das Weib, schleiften sie in einen Stall und bedeckten sie mit 2 Büscheln Stroh zu und gingen ins Haus hinauf. Da war noch ein Töchterlein im Haus. Das bat sie um Gottes willen, sie sollten ihm nichts tun. Es wolle ihnen das Geld zeigen. Sie haben ihm das Leben gefristet und etwa 80 fl in eitel (= lauter) Talern gefunden. Sei es aber mehr Geld gewesen, so wisse er es nicht. Davon seien ihm 20 fl zur Beute worden. Neun davon habe er wieder verloren, 3 fl verkleidet (= für Kleider ausgegeben) und das übrige verschlemmt.
24) Auf einem Hof, der Faulacher Hof heisst, haben sie dem Bauern 2 1/2 fl gestohlen, und er ein Paar Schuh, die er noch trage. Von der Beute seien ihm 10 Batzen worden.
25) Er und seine Gesellen seien wieder auf den Strauberhof zu ihren 7 Mitgesellen gekommen. Unter dem Hof liegt eine Sägmühle. Die haben sie verbrannt.
26) Alle zehn haben zu Schirmberg ein Häuslein verbrannt.
27) Auf einem Hof ungefähr 1/2 Meile Wegs von Schirmberg eine Sau, 4 Gänse, ein Beuhell (= Beil) und eine Heppe (= gekrümmtes Messer) gestohlen. Die Sau haben sie totgeschlagen, das Fleisch mit sich getragen. In einem Wirtshaus zu Neuhausen haben sie die Sau und die Gäns gefressen. Dann seien die 7 wieder von ihnen weggegangen und keiner habe mehr den andern gesehen. Der Wirt hab's mit ihnen gehabt (= gehalten). Sie haben sich oft bei ihm aufgehalten. Aber sie drei seien gleich dem Richterhof zu gezogen, hinter St. Jergen hinein. Daselbst fanden sie etwa 10 Wiedertäufer, jagten sie zum Hof hinaus. Ein wiedertäuferischer Pfaff unter ihnen habe ihnen 10 fl gegeben, dass sie ihn leben liessen.
Bei selbigem Hof sei sein Gesell Stoffel von ihnen gezogen auf Villingen zu. Er und der Jörg seien auf Neuenbürg zu gezogen. Jerg sei zu Dietlingen gefangen und gen Pforzheim geführt worden, wo er liege. Ehe sie auf Neuenbürg zu zogen, haben sie eine Meile Wegs von Rottweil einen Walchen (= Welschen) getroffen. Der habe nichts bei sich gehabt. Er, Caspar, gab ihm mit seinem Stecken einen Stich, aber der Stefz (= Eisenspitze) war so munk (= stumpf), dass er nicht hineinging. Der Walch entlief ihnen.
Schliesslich sei er, Caspar, wieder zum Stoffel gekommen zu Wellendingen, und sie seien miteinander gezogen bis Lautlingen. Da kam Peter Lang, ein Kessler, zu ihnen.
Stoffel und Peter zogen miteinander. So kam Caspar von ihnen.
Er bekennt auch, dass er 14 Tag nach Galli gen Stainbach ob Baden gekommen sei. Da sei ein Kessler zu ihm gestossen. Im Wirtshaus hatte der Wirt ein Geldschloss (= Geldkasten) auf dem Simsen. Der Kessler machte es mit einem Dietrich auf. Da kam der Wirt in die Stube herein und sah, wie sie mit dem Schloss und Geld umgingen, und lief zu dem Amtmann. Man fing sie beide miteinander. Den Kessler liess man wieder los. Die Schuld kam ganz auf ihn. Es wurde ihm die Gnade bewiesen, dass man ihn mit Ruten hinausschlug.
Der Peter Lang, Kessler, ist ein Walch (Welscher) ... Er hat ein klein Weiblein bei sich ... Dieser Peter sei auch in seiner Gesellschaft, aber nicht in seiner Rotte, sei im Kartenspiel Herz-Fünf. Er habe zu Wildberg erst neulich 2 Häuser und eine Scheuer verbrannt. Der Stoffel geht mit ihm und hausiert ihm (= geht für ihn von Haus zu Haus). Was man ihm zu machen gibt, das behalten sie, geben niemand etwas wieder, verkaufen es und ziehen davon. Peter gibt ihm täglich 2 Batzen als Lohn, dass er ihm hausiert ... Es halten sich sonst alle um Schömberg, Balingen, Haigerloch und Rottweil.
Am Samstag morgen, ehe dieser Caspar vor Gericht geführt wurde, hat er ferner folgendes angezeigt. Zu ihm und seinen 2 Gesellen sei zu Baden im Wirtshaus zur Kanne einer gekommen, der sich Matis Walch nannte und eine grosse verschwollene Hand hatte Der habe während der Zech zu ihnen gesagt, ob sie ihn mitziehen lassen wollten. Er sei auch in einer Gesellschaft. Ihrer 33 seien im Elsass bestellt worden. Er habe neulich in einem Dorf bei Basel 2 5 Fürst (= Firste, Häuser) verbrannt.
Caspar zeigte auch an, er und seine Gesellen, wie sie vom Hauptmann im Wald Griennert angenommen worden, seien beschieden worden, sie sollen auf St. Martins Tag alle zu Dottersweiher unweit Rufach im Wirtshaus wieder zu ihm kommen. Dort würden sie ihn finden und anzeigen, was sie mit Brennen ausgerichtet haben. Doch sollen sie ihre Kleidung verwelchen (= verändern), damit man sie nicht leicht kenne. Wenn sie sich nach seinem vorigen Befehl mit Brennen gut gehalten, wolle er ihnen ihre Besoldung bessern und ihnen weiteren Befehl geben, wie sich jeder halten solle. Aber weder er noch seine Gesellen seien dahin gekommen.
Dorsal-/Marginalvermerke: Auf der Rückseite: Auf Samstag nach der Herrenfastnacht ist dieser Caspar zu Hechingen in der Grafschaft Zollern gerichtet worden.
9 1/4 S.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Genetisches Stadium: Or.
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Role in the proceeding
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