Cordula geborene Neubronner, Witwe des Ulmer Bürgers Samuel Kiechel, ihr Schwiegersohn Markus Philipp Besserer von Talfingen [Obertalfingen Stadt Ulm] und ihre Tochter Magdalena Besserer geborene Kiechel bekennen: Ihr Ehemann, Schwiegervater und Vater Samuel Kiechel hat zu seinen Lebzeiten beschlossen, eine Stiftung zu errichten und die näheren Bestimmungen dazu in einem Stiftungsbrief festgelegt. Er konnte aber vor seinem Tod am 20. Januar 1619 diese Stiftung nicht mehr ins Werk setzen und den Stiftungsbrief ausfertigen. Daher errichten sie nun diese Stiftung gemäß den von Samuel Kiechel in seinem Stiftungsbrief, der hier im Wortlaut inseriert ist, festgelegten Bestimmungen. Für die Stiftung sollen seine Erben aus seiner Hinterlassenschaft den Stiftungsverwaltern ein Kapital von 8.000 Gulden ausbezahlen. Von den jährlichen Erträgen dieses Kapitals soll zunächst ein Stipendium für einen Studenten der Theologie finanziert werden. Des weiteren gehen jedes Jahr 6 Gulden an die Sondersiechen im Seelhaus, 10 Gulden an die Kranken im Blattern- oder Seelhaus, 10 Gulden an die armen Kindern im Fundenhaus [abgegangen, Bereich Turmgasse 8-13/Zeughausgasse 1], 30 Gulden an die Bedürftigen im Heiliggeistspital [abgegangen, Bereich Neue Straße, Lagerbuch 261/2, 254], 70 Gulden an Hausarme in Ulm, 15 Gulden an Hausarme in Bernstadt [Alb-Donau-Kreis], 15 Gulden an Arme und Bedürftige in Holzheim an der Leibi ("Leuben") [Lkr. Neu-Ulm] und 50 Gulden an das Wildbad in Württemberg an der Enz [heute Bad Wildbad/Lkr. Calw]. Die Aufsicht über seine Stiftung überträgt er der Kaufleutezunft in Ulm. Diese soll dafür aus ihren Reihen eine Mitglied des Rats und zwei Zunftmeister, die der Augsburgischen Konfession angehören und Bürger zu Ulm sind, zu Verwaltern und Aufsehern der Stiftung wählen. Als erste Verwalter der Stiftung bestellt er den Ratsherren Veit Marchtaler und die Zunftmeister Gotthard Spengler und Daniel Weickmann. Dafür erhält die Kaufleutezunft nach seinem Tod 400 Gulden. Wenn die Kaufleutezunft die Verwaltung der Stiftung nicht mehr länger übernehmen möchte, dann soll sie das Stiftungskapital mit den daraus in dem betroffenen Jahr geflossenen Einkünften sowie alle die Stiftung betreffenden Unterlagen seiner Ehefrau und seinen Erben übergeben. Diese sollen dann einer anderen Zunft in Ulm die Verwaltung der Stiftung übertragen. Cordula Kiechel, ihr Schwiegersohn Markus Philipp Besserer und ihre Tochter Magdalena Besserer sowie Dr. Matthäus Claus, Ratsadvokat zu Ulm, als Kurator der Cordula Kiechel setzen die Stiftung in Kraft und fertigen den Stiftungsbrief in dreifacher Ausfertigung aus.

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Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm
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