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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 69 Baden, Prinz Karl
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Dynastie und Regierung >> Großherzogliches Haus >> Nachlässe >> Prinz Karl
1825-1924
Überlieferungsgeschichte
Leonhard Krämer, langjähriger Hofökonomierat in der Hofökonomie- und Vermögensverwaltung des Prinzen Karl von Baden (1832-1906) und nach dessen Tod Generalbevollmächtigter von dessen Frau, Gräfin Rosalie von Rhena, und Sohn, Friedrich Graf von Rhena, sowie späterer Testamentsvollstrecker des Grafen von Rhena, ließ 1911 ein Verzeichnis der vorhandenen Akten und Rechnungsbände anfertigen, das an die Generalintendanz der Civilliste übergeben wurde. Zu den Aufgaben der Generalintendanz der Civiliste gehörte die Verwaltung des Privatvermögens sämtlicher Mitglieder des Großherzoglichen Hauses. (Vgl. hinsichtlich der Aufgaben der Generalintendanz der Civiliste die Vorworte zu den Beständen 56 und N von Nicolai des Generallandesarchivs.)
Im Jahr 1919 wurden vereinzelte Rechnungen und einige Akten hinsichtlich der Gebäude und Wohnungen kassiert. Das übrige Schriftgut gelangte als Zugang 1919 Nr. 47 ins Generallandesarchiv Karlsruhe. (Vgl. GLA 450 Nr. 1811).
Inhalt und Bewertung
Inhalt:
Der Bestand beinhaltet die Rechnungsbände und Bilanzen der Vermögensverwaltung des Prinzen Karl von Baden (1832-1906), seiner Frau Gräfin Rosalie von Rhena (1845-1908), seines Sohnes Graf Friedrich von Rhena (1877-1908) und seiner Schwester Cäcilie, Großfürstin Olga von Russland (1839-1891), dazu Inventare aus dem Prinz Karl Palais Karlsruhe, dem Schloss Bauschlott und der Villa Waldrast in Berchtesgaden.
Des Weiteren die Personaleinzelakten und Personalsammelakten von Prinz Karls Bediensteten für die Bereiche Verwaltung, Haushalt, einschließlich Küche, und Marstall. Gerade bezüglich der Personalangelegenheiten ist viel Schriftgut enthalten, in welchem sich auch Konzeptschreiben mit Anweisungen des Prinzen Karl an die Hofökonomieverwaltung befinden.
Ebenso finden sich private Dokumente zu Prinz Karl von Baden, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena, u.a. Offizierspatent, Schulzeugnisse und Erteilung des akademischen Doktorgrades, Generalvollmachten, Steuerunterlagen, Obduktionsberichte, Ehevertrag, Sterbeurkunden und Einladungen zum Thron- und Hochzeitsjubiläum von Friedrich I. von Baden sowie der Programmablauf der Feierlichkeiten.
Bemerkenswert sind auch die Beileidstelegramme und Beileidsbriefe der verschiedensten Persönlichkeiten aus Adel, Politik, Kultur, Wissenschaft, Militär und Bürgertum, welche die sozialen Verflechtungen des Prinzen Karl, Gräfin von Rhena und des Grafen von Rhena aufzeigen. Darüber hinaus geben zahlreiche Schriftstücke über die Vereine, wie z.B. Statuten, Mitgliederlisten, Jahresberichte und Mitgliedsausweise, einen guten Einblick in die badische Vereinslandschaft am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Beachtenswert sind die Porträtfotos von Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena. Die Fotos des Prinzen Karl stammen überwiegend aus den 1860er Jahren, als er in Wien gelebt hat.
Bearbeitung:
Im Jahr 2009 erfolgte unter Prof. Dr. Konrad Krimm auf der Grundlage des vorarchivischen Verzeichnisses für die Generalintendanz der Civilliste, GLA 69 Baden, Prinz Karl Nr. 145, eine erste vorläufige Erfassung des Bestands.
Im August 2020 wurde der Bestand von Herrn Patric Hoch im Rahmen seiner archivarischen Probearbeit ausführlich erschlossen.
Nicht nur Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena, sondern auch den Bediensteten, Bittstellern und den zum Tod von Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena kondolierenden Personen wurde dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Informationen aus den Personallisten wurden mit Informationen aus den Personalakten zusammengeführt und bei Bedarf jeweils ergänzt. Zusätzlich wurden Verweise auf die Signaturen anderer Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe angebracht.
Für weitere Hinweise zum Bestand vgl. die Einführung im Findbuch.
Überlieferung und Erschließung: Überlieferung: Leonhard Krämer, langjähriger Hofökonomierat in der Hofökonomie- und Vermögensverwaltung des Prinzen Karl von Baden (1832-1906) und nach dessen Tod Generalbevollmächtigter von dessen Frau, Gräfin Rosalie von Rhena, und Sohn, Friedrich Graf von Rhena, sowie späterer Testamentsvollstrecker des Grafen von Rhena, ließ 1911 ein Verzeichnis der vorhandenen Akten und Rechnungsbände anfertigen, das an die Generalintendanz der Civilliste übergeben wurde. Zu den Aufgaben der Generalintendanz der Civiliste gehörte die Verwaltung des Privatvermögens sämtlicher Mitglieder des Großherzoglichen Hauses. (Vgl. hinsichtlich der Aufgaben der Generalintendanz der Civiliste die Vorworte zu den Beständen 56 und N von Nicolai des Generallandesarchivs.) Im Jahr 1919 wurden vereinzelte Rechnungen und einige Akten hinsichtlich der Gebäude und Wohnungen kassiert. Das übrige Schriftgut gelangte als Zugang 1919 Nr. 47 ins Generallandesarchiv Karlsruhe. (Vgl. GLA 450 Nr. 1811) Erschließung: Im Jahr 2009 erfolgte unter Prof. Dr. Konrad Krimm auf der Grundlage des vorarchivischen Verzeichnisses für die Generalintendanz der Civilliste, GLA 69 Baden, Prinz Karl Nr. 145, eine erste vorläufige Erfassung des Bestands. Im August 2020 wurde der Bestand von Herrn Patric Hoch im Rahmen seiner archivarischen Probearbeit ausführlich erschlossen. Nicht nur Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena, sondern auch den Bediensteten, Bittstellern und den zum Tod von Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena kondolierenden Personen wurde dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Informationen aus den Personallisten wurden mit Informationen aus den Personalakten zusammengeführt und bei Bedarf jeweils ergänzt. Zusätzlich wurden Verweise auf die Signaturen anderer Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe angebracht.
Inhalt: Der Bestand beinhaltet die Rechnungsbände und Bilanzen der Vermögensverwaltung des Prinzen Karl von Baden (1832-1906), seiner Frau Gräfin Rosalie von Rhena (1845-1908), seines Sohnes Graf Friedrich von Rhena (1877-1908) und seiner Schwester Cäcilie, Großfürstin Olga von Russland (1839-1891), dazu Inventare aus dem Prinz Karl Palais Karlsruhe, dem Schloss Bauschlott und der Villa Waldrast in Berchtesgaden. Des Weiteren die Personaleinzelakten und Personalsammelakten der Bediensteten für die Bereiche Verwaltung, Haushalt, einschließlich Küche, und Marstall. Gerade bezüglich der Personalangelegenheiten ist viel Schriftgut enthalten, in welchem sich auch Konzeptschreiben mit Anweisungen des Prinzen Karl an die Hofökonomieverwaltung befinden. Ebenso finden sich private Dokumente zu Prinz Karl von Baden, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena, z.B. Offizierspatent, Schulzeugnisse und Erteilung des akademischen Doktorgrades, Generalvollmachten, Steuerunterlagen, Obduktionsberichte, Ehevertrag, Sterbeurkunden. Einladungen zum Thron- und Hochzeitsjubiläum von Friedrich I. von Baden und der Programmablauf der Feierlichkeiten. Bemerkenswert sind auch die Beileidstelegramme und Beileidsbriefe der verschiedensten Persönlichkeiten aus Adel, Politik, Kultur, Wissenschaft, Militär und Bürgertum, welche die sozialen Verflechtungen des Prinzen Karl, Gräfin von Rhena und des Grafen von Rhena aufzeigen. Darüber hinaus geben zahlreiche Schriftstücke über die Vereine, wie z.B. Statuten, Mitgliederlisten, Jahresberichte und Mitgliedsausweise, einen guten Einblick in die badische Vereinslandschaft am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Beachtenswert sind die Porträtfotos von Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena. Die Fotos des Prinzen Karl stammen überwiegend aus den 1860er Jahren, als er in Wien gelebt hat. Die Rechnungsbücher und Bilanzen sind ein wesentlicher Teil des Bestandes. Sie unterteilen sich nach den Jahren und nach den Personen, deren Ein- und Ausgaben sie betreffen und decken zwei eng verzahnte Bereiche ab. Die Hofökonomieverwaltung und die Vermögensverwaltung. Die Rechnungsbücher und Bilanzen der Hofökonomieverwaltung beziehen sich auf Prinz Karl für den Zeitraum 1898 bis 1906. Die Rechnungsbücher und Bilanzen der Vermögensverwaltung wurden zu mehreren Personen angelegt. Eine Gruppe hat die Vermögensverwaltung des Prinzen Karl zwischen 1852 und 1906, eine weitere die Vermögensverwaltung der Gräfin von Rhena zwischen 1896 und 1908 und die dritte Gruppe die des Grafen von Rhena zwischen 1896 und 1909 zum Inhalt. Die letzte Gruppe von Rechnungsbüchern behandelt die Vermögensverwaltung der Großfürstin Olga Feodorovna von Russland zwischen 1887-1891 . Geschichte und Inhalt der Bilanzen und Rechnungsbücher der Hofökonomieverwaltung Prinz Karl: Prinz Karl legte 1873 fest, dass im selben Jahr damit begonnen werden solle, über Ein- und Ausgaben, welche die Hofhaltung zum Gegenstand haben, Buch zu führen und eine eigens dafür vorgesehene Hofökonomieverwaltung einzurichten. Sollten Ausgaben dieser Hofökonomieverwaltung nicht durch Einnahmen ausreichend gedeckt sein, so wäre dies aus der Privatkasse des Prinzen Karl auszugleichen. Mit dem Tod Prinz Karls im Jahr 1906 wurde die Hofökonomieverwaltung aufgelöst. An die Stelle der Hofökonomieverwaltung traten nun eine "Verwaltung des Nachlasses Weiland seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Karl" und eine "Gräflich Rhena´sche Verwaltung". In den Bilanzen der Hofökonomieverwaltung finden sich die Informationen über die Auszahlung des Gehalts an die Bediensteten, Aufwendungen für Marstall und Küche, Beleuchtungskosten, sonstige Hausunterhaltung, Reparaturkosten und Anschaffung von Kleidungsstücken für Diener sowie Arbeitsmaterialien und Lebensmittel. Die Adressaten der Auszahlungen sind mit Name und Beruf, bzw. dienstlicher Stellung angegeben oder der Name der Firma, an die bezahlt wurde, sowie die dafür erhaltenen Materialien. In den Rechnungsbüchern der Hofökonomieverwaltung finden sich die entsprechenden Belege dazu. Unter anderem sind es Belege von Schneidereien, Delikatessenhändlern, Konditoreien, Lebensmittelhändlern, Brauereien, Kupferschmieden, Drogerien, Waschfrauen und Wäschereien, Bürstenmachern, Werkzeugmachern, Weinhändlern und Metzgern. Geschichte und Inhalt der Vermögensverwaltungen des Prinzen Karl von Baden, Rosalie Gräfin von Rhena, Friedrich Graf von Rhena und Großfürstin Olga Feodorovna von Russland: Nach dem Tod Prinz Wilhelms von Baden 1897 und der Auflösung der gemeinsamen Vermögensverwaltung der Prinzen Wilhelm und Karl durch Wilhelms Sohn Prinz Max von Baden richtete Prinz Karl für sich 1898 eine eigene Vermögensverwaltung zur Finanzierung des Hofes ein. Mit dem Tod Prinz Karls im Jahr 1906 ging das Vermögen durch die testamentarischen Bestimmungen an Gräfin und Graf von Rhena über. 1887 übernahm Prinz Karl für seine Schwester Cäcilie, die als Gemahlin des russischen Großfürsten Michael Großfürstin den Namen Olga angenommen hatte, die Verwaltung eines Aktienpakets beim Bankhaus Rothschild bis zu Olgas Tod 1891. Danach fiel dieses Vermögen an den Grafen Rhena. In den Bilanzen sind die Einnahmen aus dem Hausfideikommiss, unter anderem Wertpapiere und sonstige Kapitalanlagen des Prinzen Karl, aufgelistet sowie die finanziellen Zuschüsse, mit denen bei Bedarf die Hofökonomieverwaltung unterstützt wurde. Des Weiteren wurden hieraus Versicherungsbeiträge, die Pensionen ehemaliger Bediensteter, die Witwenalimentation, die Verwaltungskosten sowie Unterhaltskosten für die Liegenschaften bezahlt . In den Rechnungsbänden finden sich die entsprechenden Belege. Mehrheitlich sind es Bankbelege über Finanzbewegungen, z.B. des Bankhauses Straus in Karlsruhe und der Rheinischen Creditbank Karlsruhe, Rechnungsbelege von Friseuren, Hotels, Bettengeschäften, Lebensmittelhändlern sowie Frachtbriefe hinsichtlich der Verschickung von Gepäckstücken. Zur Übersicht bieten sich die Journale in den Rechnungsbänden an. Zusätzlich finden sich Rechnungen von Schneidereien, Delikatessenhändlern, Konditoreien, Brauereien, Kupferschmieden, Drogerien, Waschfrauen und Wäschereien, Bürstenmachern, Werkzeugmachern. Ebenso finden sich darin Quittungen der Hofbediensteten über den Erhalt ihres Gehaltes.
Prinz Karl von Baden: Prinz Karl wurde am 9. März 1832 als vierter und jüngster Sohn des Großherzogs Leopold von Baden und Sophie Wilhelmine von Holstein-Gottorp geboren. Er trat am 8. August 1851 in die Dienste des kaiserlich-königlich österreichischen Heeres ein und begann seine Karriere im Leibgrenadierregiment. Im Laufe seiner Militärkarriere war er in den verschiedensten Bereichen eingesetzt und erhielt zahlreiche Beförderungen sowie Ehrungen. Er kämpfte unter anderem in den Schlachten von Magenta, Melegnano und Solferino. Im Rang eines Obersts quittierte er 1861 vorerst seinen Militärdienst und lebte in Wien. 1865 wurde er wieder in den österreichischen Militärdienst eingestellt. Er diente dort bis 1866 und schied dann aufgrund der Zunahme der politischen Spannungen zwischen Preußen und Österreich-Ungarn aus dem österreichischen Militärdienst aus. Seit 1859 war er Chef des Großherzoglich-Badischen Dritten Dragonerregiments, das spätere 3. Badische Dragonerregiment "Prinz Karl" Nr. 22. Mit Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870/71 übernahm er für die Dauer des Krieges die Leitung über den badischen Lazarettzug. Seine militärische Laufbahn führte ihn bis in den Rang des Generals der Kavallerie im Jahr 1883. Prinz Karl heiratete 1871 Rosalie von Beust, eine Hofdame seiner Schwägerin Maria Maximilianowna, im Schloss Bauschlott. Aus dieser morganatischen Ehe entstammt Friedrich Graf von Rhena. Prinz Karl unternahm mehrere diplomatische Missionen und führte nach dem Tod seines Bruders Wilhelm im Jahr 1897 den Vorsitz über die Erste Kammer des Badischen Landtags. Diese Funktion übte Prinz Karl über drei Sitzungsperioden aus. Gemeinsam mit seiner Frau unterstützte er wohltätige Vereine und Einrichtungen. Sein soziales Engagement beinhaltete auch die Unterstützung von badischen Militärvereinen. Prinz Karl starb am 3. Dezember 1906. Er wurde in der Großherzoglichen Grabkapelle in Karlsruhe bestattet.
Rosalie Gräfin von Rhena: Rosalie Luise Freiin von Beust, ab 1871 Gräfin von Rhena, geboren am 10. Juni 1845, Tochter von Wilhelm von Beust, war Hofdame von Maria Maximilianowna von Leuchtenberg, Fürstin Romanovskij, der Schwägerin von Prinz Karl von Baden. Sie heiratete 1871 Prinz Karl von Baden und wurde mit dem erblichen Titel "von Rhena" in den großherzoglich-badischen Grafenstand erhoben. Gräfin Rhena war sozial sehr engagiert. Sie war unter anderem Gründerin des ersten Bauschlotter Frauenvereins, gründete die Kinderschule und finanzierte diese. Gräfin von Rhena starb am 15. Oktober 1908. Sie wurde in der Großherzoglichen Grabkapelle in Karlsruhe bestattet.
Friedrich Maximilian Alexander Graf von Rhena, geboren am 29. Januar 1877 in Karlsruhe, war der Sohn des Prinzen Karl von Baden und Rosalie Luise Gräfin von Rhena. Er absolvierte von 1886 bis 1895 das Gymnasium in Karlsruhe. 1896 trat er als Leutnant in das Badische Leibgrenadierregiment Nr. 109 ein. Ab 1899 absolvierte Graf von Rhena ein Jurastudium in Freiburg, Heidelberg und Leipzig, welches er im Sommer 1903 mit der ersten juristischen Staatsprüfung und später mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss. 1903 verließ Rhena das Militär und schlug die diplomatische Laufbahn ein. 1904 wurde er als Attaché dem Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches zugeteilt. Stationen seiner diplomatischen Laufbahn waren London, Bern und Lissabon. Friedrich Graf von Rhena starb am 20. November 1908 in Bern durch einen nächtlichen Fenstersturz drei Tage nach seiner Verlobung mit Bertha von Bülow, der Tochter des Diplomaten Alfred von Bülow. Graf Rhena starb kinderlos und hinterließ nach seinem Tod 1908 ein umfangreiches Vermögen, das nach seinem Willen zur Gründung von zwei gemeinnützigen Stiftungen, der Prinz-Karl-Stiftung und der Gräflich-Rhena'schen-Stiftung, verwendet wurde. Aus dem unter der Verwaltung der Stadt Karlsruhe stehenden Stiftungsvermögen von jeweils 150.000 Mark sollten zunächst die Angestellten Graf Rhenas und später Bedürftige unterstützt werden.
Historische Bedeutung des Bestandes sowie Quellen- und Literaturverweise: In sozial-, herrschafts- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht bietet dieser Bestand einen reichhaltigen Quellenfundus. Er hat einen besonderen Wert im Hinblick auf die personengeschichtliche Forschung zu Prinz Karl, Rosalie Gräfin von Rhena und Friedrich Graf von Rhena. So finden sich zu den Vorgenannten z.B. testamentarische Dokumente, Obduktionsberichte, eine kleine Schlaftablettenschachtel, Schulzeugnisse, Kriegsstammlisten, eine Diebstahlversicherung für das Fahrrad von Prinz Karl, der Ehevertrag zwischen Prinz Karl und Gräfin von Rhena sowie Dokumente über die gesellschaftliche Nichtebenbürtigkeit der Gräfin von Rhena gegenüber dem Großherzoglichen Haus. Interessant sind die Unterlagen über das Erscheinen eines Hochstaplers als Graf Friedrich von Rhena. (Vgl. 69 Baden, Prinz Karl Nr. 125 und 69 Baden, Prinz Karl Nr. 128) Außerdem enthält die Signatur 69 Baden, Prinz Karl Nr. 127 eine Liste des effektiven Standes des kaiserlich-königlichen Husarenregiments "Graf Radetzky" Nr. 5 mit Einteilung sämtlicher Offiziere, Unteroffiziere, Ärzte und Kadetten des Jahres 1853. Der Bestand spiegelt zudem das kulturelle Umfeld wider, in welchem sich Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena bewegten. Dies macht besonders die Vielzahl an Dokumenten einzelner Vereine im Bestand deutlich. Darüber hinaus bieten folgende Bereiche innerhalb der verschiedenen Rubriken des Bestandes sehr gute Forschungsmöglichkeiten: Personalakten: Arbeitsweise der Hofökonomieverwaltung: In fast jeder (Personal-)Akte finden sich handschriftliche Anmerkungen oder Anweisungen Prinz Karls, die in der Regel über den Direktor der Hofökonomieverwaltung auszuführen waren. Die Personalakten geben aber auch einen Einblick in das alltägliche Leben und die Probleme der Bediensteten. So finden sich in einigen Personalakten Unterlagen zu Kutschunfällen samt integrierter Fahrerflucht mit polizeilichen Ermittlungen. Des Weiteren ein Betrugsskandal um große Mengen Pferdefutter und gefälschte Rechnungen unter Beteiligung des Stallmeisters sowie Belästigungen und Misshandlungen von Küchenmädchen durch den Küchenchef. Nicht jede Person im Dienste Prinz Karls hatte eine umfangreiche Personalakte oder überhaupt eine Personalakte. Einige tauchen nur in den Personallisten (69 Baden, Prinz Karl Nr. 26) auf. Andere Bedienstete erscheinen nur in der 1911 erstellten Personalliste über ehemalige Bedienstete des Prinzen Karl (69 Baden, Prinz Karl Nr. 146). Die Personalakten bieten weiterhin die Möglichkeit genealogische Informationen zu erhalten. Die Bediensteten erscheinen in den Akten mit Name, Vorname, dienstlicher Stellung, Konfession, Geburtstag, Geburtsort, familiärem Stand, Anzahl der Kinder, Jahr des Diensteintritts, teilweise auch Jahr des Dienstaustritts, bezogenem Gehalt, Nebeneinkünften und sonstigen Bemerkungen. Beileidsbekundungen: Sie zeigen deutlich die personellen Verflechtungen des Prinzen Karl und seiner Familie. (Vgl. Prinz Karl Nr. 136 bis 69 Baden, Prinz Karl Nr. 141) Rechnungsbücher, Bilanzen und Inventare: Forscher, die sich mit Brief- und Rechnungsköpfen befassen, haben anhand der vielen Belege mit unterschiedlichster Ausgestaltung in den Rechnungsbüchern ein anschauliches Quellenmaterial. Die Unterlagen dieser Rubriken geben weiterhin detailliert Aufschluss darüber, wie die einzelnen Liegenschaften, insbesondere das Prinz Karl Palais Karlsruhe, das Schloss Bauschlott und die Villa Waldrast in Berchtesgaden, ausgestattet waren und wie es um Prinz Karl und seine Familie finanziell bestellt war . Liegenschaften: Hier erhält man u.a. Informationen über den Zustand der Gebäude, Reparaturmaßnahmen und die Bestimmungen zur Nutzung und Vermietung. Vereine: Zahlreiche Schriftstücke zu Vereinen zeugen nicht nur von der Art der Verbindung zu Prinz Karl, Gräfin Rhena und Graf Rhena, sondern man bekommt auch anhand der im Bestand enthaltenen Statuten, Mitgliederlisten, Jahresberichte und Mitgliedsausweise einen guten Einblick in die badische und deutsche Vereinslandschaft im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Es finden sich beispielsweise Militärvereine, Frauenvereine, Tierschutzvereine und Arbeitervereine sowie der Kaiserliche Automobilclub und der Kaiserliche Yachtclub. Versicherungen: Statuten, Policen, Formulare sowie Informationsbroschüren geben einen Einblick in das Versicherungswesen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Petitionen: Verschiedene Gesuche von Gewerbetreibenden und Bürgern aus unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Bei den Gesuchen in 69 Baden, Prinz Karl Nr. 34 sind ebenfalls die handschriftlichen Anweisungen Prinz Karls in Konzeptform vorhanden. Porträtfotos: Die enthaltenen Porträtfotos von Prinz Karl, Gräfin Rhena und Graf Rhena sind bemerkenswert. Besonders die kleinen Fotoserien Prinz Karls aus seiner Zeit in Wien . In den Beständen der Hauptgruppe "Dynastie und Regierung", insbesondere dem Großherzoglichen Familienarchiv, lassen sich noch ergänzende Informationen zu Prinz Karl, der Gräfin von Rhena, ihrer gesellschaftlichen Stellung, sowie dem gemeinsamen Sohn, Graf Rhena, und dessen Verhältnis zu seinen Eltern und zum Badischen Hof finden. Auch das Verhältnis der Gräfin von Rhena zum Badischen Hof wird von Graf Rhena thematisiert. Informationen aus Unterlagen im Familienarchiv: Man erfährt aus den Tagebüchern und Briefen des Grafen Rhena an seine Eltern viel über dessen Leben und Denkweise sowie das Verhältnis zu seinen Eltern. Weiterhin Graf Rhenas Einschätzungen der politischen Lage ( z.B. Flotten- und Kolonialpolitik, Marokko-Krise, deutsch-englische Beziehungen, Burenkrieg, Russische Revolution, die Entlassung Bismarcks) sowie die gesellschaftlichen und seine persönlichen Umstände ( z.B. konfessionelle Spannungen, Sozialdemokratie und Gewerkschaften, Analyse der eigenen gesellschaftlichen Stellung, Dienst im Auswärtigen Amt, Charakterisierung der Großherzogin Luise, die Bekanntschaft mit Bertha von Bülow). Verweise auf die Signaturen des Familienarchivs und anderer Bestände, welche die vorgenannten Themen zum Inhalt haben, wurden in den Signaturen zu Prinz Karl, Gräfin von Rhena und Graf von Rhena als Bemerkung eingetragen . Bestände und Literatur mit Informationen zu Prinz Karl von Baden, Rosalie Gräfin von Rhena und Friedrich Graf von Rhena sowie ihren Liegenschaften: Bestände: - FA Großherzogliches Familienarchiv - 46 Haus- und Staatsarchiv: I. Personalia - 56 Generalintendanz der Großherzoglichen Civiliste - 56 a Hofbauamt - 56-1 Generalintendanz der Großherzoglichen Ziviliste, Nachträge aus Schloss Salem - 59 Generaladjutantur - 69 Baden, Markgräfliche Verwaltung - 69 Baden, Sammlung 1995 F I - 424 f Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Karlsruhe - Hfk-Hs Hausfideikommiss - 236 Badisches Innenministerium Literatur: Bahls, Georg: Das 3. badische Dragoner-Regiment Prinz Karl Nr. 22 auf Grund der gedruckten Regimentsgeschichten und nach unveröffentlichten Quellen aus der Vorkriegszeit sowie den amtlichen Kriegsakten des Regiments. (= Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918. Band 16), Berlin 1934. Barkowez, Olga; Fedorow, Fjodor; Krylow, Alexander: "Peterhof ist ein Traum..." Deutsche Prinzessinnen in Russland. Berlin 2001. Deitenhofen, Adolf von: Fremde Fürsten in Habsburgs Heer; 1848 - 1898, Wien 1898, S. 282-283. Marggräflich-Baden-Badischer Staats- und Addresse-Calender, Rastatt 1905, S.29. Müller, Hans: Badische Fürstenbildnisse, Zweiter Band: Von Markgraf Friedrich (1736-1817) bis zur Gegenwart, Karlsruhe 1893. Obser, Karl: Karl Friedrich Gustav Wilhelm Maximilian Prinz von Baden, in: Badische Biographien, Band 6 (1935), S. 781-783. Obser, Karl: Friedrich Graf von Rhena, in: Badische Biographien, Band 6 (1935), S. 783-784. Karlsruhe, im August 2020 Patric Hoch
253 Archivalieneinheiten, davon sind 103 Rechnungsbände
Bestand
Weitere Bestände:
- FA Großherzogliches Familienarchiv
- 46 Haus- und Staatsarchiv: I. Personalia
- 56 Generalintendanz der Großherzoglichen Civiliste
- 56 a Hofbauamt
- 56-1 Generalintendanz der Großherzoglichen Ziviliste, Nachträge aus Schloss Salem
- 59 Generaladjutantur
- 69 Baden, Markgräfliche Verwaltung
- 69 Baden, Sammlung 1995 F I
- 424 f Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Karlsruhe
- Hfk-Hs Hausfideikommiss
- 236 Badisches Innenministerium
Literatur:
Bahls, Georg: Das 3. badische Dragoner-Regiment Prinz Karl Nr. 22 auf Grund der gedruckten Regimentsgeschichten und nach unveröffentlichten Quellen aus der Vorkriegszeit sowie den amtlichen Kriegsakten des Regiments. (= Deutsche Tat im Weltkrieg 1914/1918. Band 16), Berlin 1934.
Barkowez, Olga; Fedorow, Fjodor; Krylow, Alexander: "Peterhof ist ein Traum..." ¿ Deutsche Prinzessinnen in Russland. Berlin 2001.
Deitenhofen, Adolf von: Fremde Fürsten in Habsburgs Heer; 1848 ¿ 1898, Wien 1898, S. 282-283.
Marggräflich-Baden-Badischer Staats- und Addresse-Calender, Rastatt 1905, S.29.
Müller, Hans: Badische Fürstenbildnisse, Zweiter Band: Von Markgraf Friedrich (1736-1817) bis zur Gegenwart, Karlsruhe 1893.
Obser, Karl: Karl Friedrich Gustav Wilhelm Maximilian Prinz von Baden, in: Badische Biographien, Band 6 (1935), S. 781-783.
Obser, Karl: Friedrich Graf von Rhena, in: Badische Biographien, Band 6 (1935), S. 783-784.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.