Festschrift "Der neue Schlachthof der Stadt Worms"
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Stadtarchiv Worms, 005/1, 02812
005/1 - Stadtverwaltung Worms (1815-1945), Akten
005/1 - Stadtverwaltung Worms (1815-1945), Akten >> XV. Gemeindeangelegenheiten >> XV.05. Gemeindevermögen >> XV.05.u. Schlachthof
1912
Enthält: zwei maschinenschriftliche korrigierte Entwürfe, ein Ex. mit dem im Druck nicht aufgenommenen Abschnitt "Unternehnehmer und Lieferanten"; S.11 (Das alte Schlachthaus) Im 16. oder 17.Jh. befand sich das Zunft- und Schlachthaus der Metzger im westlichen alten Teil des Schlachthauses an der Bach. 1670 muss ein Umbau stattgefunden haben. Im 17.Jh. war auch der Scharn (Fleischauslagen und Verkaufsstellen) für die Metzger von Bedeutung. Bei dem Brand 1689 wurde auch das Schlachthaus teilweise zerstört, konnte aber 1698 schon wieder in Gebrauch genommen werden. 1720 wurde es neu aufgebaut. Als die Zunft sich auflöste, gelangte das Schlachthaus in den Besitz der Stadt, die in den 1840ern bauliche Maßnahmen vornahm.
S.12 Im Winter 1888/89 wurde mit der Erweiterung des Schlachthauses begonnen. Nach zehn Jahren war aber eine erneute Erweiterung fällig. Man wollte nun auch ein Kühlhaus bauen.
S.13 Die Metzger widersprachen dem Angebot aber, da die Luft zu verunreinigt für einen Kühlhallenbetrieb war. Der Bauausschuss stimmte den Einwänden der Metzger zu. 1910 wurde ein Schlachtraum für Kälber und Kleinvieh eingerichtet. Die Räume im Schlachthaus sind trotzdem nicht ausreichend. Das Schlachthaus konnte dem Bedarf der städtischen Bevölkerung nicht mehr gerecht werden.
S.14 Auch die Lage des Schlachthauses in der eng bebauten Stadt, die damit verbundenen Belästigungen für die umliegende Bevölkerung und der Viehtransport waren unerfreulich. 1706 fragten die Metzger an, ob die Akzise, die sie an die Stadt leisten mussten, vermindert werden durfte. Dem wurde zugestimmt und ein Betrag der Zunft auferlegt, der an die Stadtkasse gehen sollte. 1708 einigte sich die Zunft darauf, nur im Schlachthaus zu schlachten.
S.15 1839 kündigte die Bürgermeisterei an, ein allgemeines Schlachthaus für alle Metzger der Stadt zu errichten, auch um die Kontrolle über die Arbeit der Metzger zu gewinnen. 1910 wurde die Verfügung zur Zahlung der Akzise abgeschafft.
S.19 Der moderne Schlachthof ist eine Wohlfahrtseinrichtung und eine notwendige Anlage. Die Viehseuchen- und Lebensmittel-Kontrolle des Schlachtviehs und des Fleisches ist mit einem gut geleiteten Schlachthof wie diesem nun möglich. Eine Kühlanlage ist vonnöten, um das Fleisch nicht zu schnell verderben zu lassen. Ein Eisenbahnanschluss ermöglicht die direkte Zuführung des Schlachtviehs. Der neue Schlachthof hat einen Sanitätsschlachthof mit Ställen, in dem krankheitsverdächtige Tiere abgetrennt von den gesunden geschlachtet werden können.
S.20 Es gibt nun genügend Ställe für das angelieferte Vieh. Das alte Schlachthaus konnte den neuen Anforderungen nicht gerecht werden, deshalb war die Erbauung eines neuen zeitgemäßen Schlachthofs wichtig. Der Oberbürgermeister Köhler setzte sich stark für dieses Projekt ein. Am 05.12.1900 richtete der Stadtverordnete Reinhart einen Antrag an die Stadtverordneten-Versammlung, indem er den Beschluss zu einem Neubau forderte. Für die Vorbereitung fehlte es v.a. an Unterlagen, die für eine Planung zu Rate gezogen werde konnten. Man musste zuerst die Zahl der Wochen- und Jahresschlachtungen erheben, sowie Gutachten (Kreisgesundheitsamt und Gr. Kreisveterinärarzt) anfertigen.
S.21 Die Planung hätte schneller vorangehen können, wären die Beamten des Stadtbauamtes nicht noch an weiteren Projekten (Elektrizitätswerk, Schulneubauten, Wasserwerk u.a.) beteiligt gewesen. Eine Kommission der Stadtverordneten-Versammlung (Oberbürgermeister Köhler, Stadtverordnete Justizräte Dr. Stephan, Bender und Schneider, Obermeister der Fleischerinnung Metzgermeister Goldschmitt, Schlachthausverwalter, Kreisveterinärarzt Trops, Stadtbaurat/Verfasser Metzler) wurde einberufen. Am 03.10.1906 fand die erste Sitzung statt, bei der man über den Bauplatz und die Planung beratschlagte. Man beschloss einige Besichtigungen an Schlachthöfen vorzunehmen, um die Planung dahingehend auszurichten. Die Besichtigungen in Mainz, Offenbach, Karlsruhe, Mannheim, Ludwigshafen, Frankfurt a.M., Würzburg, Bamberg und Fulda fanden im Jahr 1907 statt. Am 19.11.1907 erschien der dazugehörige Reisebericht. Die Kommission entschied daraufhin über den Bauplatz, die Grundsätze für die Planbearbeitung und die Aufstellung des Bauprogramms.
S.22 Die Grundsätze für die Wahl eines Bauplatzes wurden in einem Bericht des Stadtbauamtes an die Gr. Bürgermeisterei geschickt (10.01.1905). Ab hier ein Auszug aus dem Gutachten.
S.24 Es kamen nur zwei Plätze für den Neubau in Betracht: Eines im Industriegebiet an der Hafenstraße und eines am Vangionenring beim verschlossenen Wört. Beide lagen in der Nähe von der Stadthafenbahn und der Stadtmitte. Sie hielten aber auch Abstand zum bebauten Stadtgebiet.
S.25 Man entschied sich nach eingehender Betrachtung für den Platz am Vangionenring. Dieses Gelände befand sich in städtischem Besitz und umfasste 150.000 qm, man nahm 25.000 qm für den Neubau in Beschlag.
S.26 Der Gleisanschluss wurde schon vor Beginn des Baus fertig gestellt, sodass er für den Transport der Materialien genutzt werden konnte. Am 05.03.1908 wurde der Bauplatz auch in der Stadtverordneten-Versammlung festgelegt, die Metzgerinnung und der Ortsgesundheitsrat stimmten der Entscheidung zu.
S.27 Der Schlachthofkommission schlossen sich drei Mitglieder der Metzgerinnung an (Großvieh-, Kleinvieh- und Schweinemetzger: Heinrich Meierfeld, Konrad Schildknecht, Wilhelm Stauf), um über die Grundsätze der Planbearbeitung und das Bauprogramm zu beraten. Die Grundsätze erhielten v.a. Berechnungen für die Größenbemessung der einzelnen Gebäude, das Bauprogramm eine Zusammenstellung derselben, aber auch der Gebäudegruppen und der Nebenanlagen. Ab hier Auszüge aus dem Bericht.
Ab S.30 Vorstellung der einzelnen Gebäude(-teile):
1. Schlachthallen (Schwein, Groß- und Kleinvieh) 2. Verbindungshalle 3. Kühlanlage (Kühlhalle, Pökelraum, Kälteerzeugungsanlage) 4. Großkuttelei 5. Ställe 6. Sanitätsschlachthof und Pferdeschlachthaus 7. Verwaltungs- und Freibankgebäude 8. Nebenanlagen (Dampfversorgungsanlage, Wasserversorgungsanlage, Beleuchtungsanlage, Schwachstromanlagen, Zufuhrgleise, Straßenanlage, Entwässerungsanlage, Einfriedung).
S.70 Die Gesamtkosten der Anlage wurden auf 1.433.800 Mark veranschlagt, es ist allerdings möglich, dass die endliche Abrechnung günstiger ausfallen wird. Die Vorentwürfe, Baupläne und Kostenanschläge zur Schlachthofanlage wurden vom Stadtbaurat Metzler angefertigt.
S.71 Die Bauleitung trugen der Stadtbaumeister Hüther und der Architekt Kiewitt. Die Planbearbeitung nahm der Diplom-Ingenieur Doerr in Angriff. Es werden noch weitere Mitarbeiter und Verantwortliche aufgezählt.
S.72 05.11.1909 Aufschüttung des Geländes, bis zum August 1910. Projekte und Kostenvoranschläge waren der Stadtverordneten-Versammlung zur Genehmigung vorgelegt worden. Genehmigung wurde am 08.03.1910 erteilt, die gewerbepolizeiliche Genehmigung erfolgte am 29.09.1910. Schon während der Bearbeitung der Ausführungspläne wurde mit dem Bau begonnen. Am 15.05.1911 vergab die Stadtverordneten-Versammlung die Erd-, Maurer- und Steinmetzarbeiten. Am 10.06.1911 wurde mit dem Erdaushub begonnen. Im Juli 1912 waren die Bautätigkeiten größtenteils abgeschlossen. Im August wurden die Anlagen gestrichen und die Nebenanlagen fertig gestellt.
Ab S.73 werden Unternehmer und Lieferanten aufgezählt, die am Bau beteiligt waren.
Im Anhang ist ein Lageplan des neuen Schlachthofes enthalten, sowie einer mit einem Schnitt durch die Schlachthallen und das Gelände.
S.12 Im Winter 1888/89 wurde mit der Erweiterung des Schlachthauses begonnen. Nach zehn Jahren war aber eine erneute Erweiterung fällig. Man wollte nun auch ein Kühlhaus bauen.
S.13 Die Metzger widersprachen dem Angebot aber, da die Luft zu verunreinigt für einen Kühlhallenbetrieb war. Der Bauausschuss stimmte den Einwänden der Metzger zu. 1910 wurde ein Schlachtraum für Kälber und Kleinvieh eingerichtet. Die Räume im Schlachthaus sind trotzdem nicht ausreichend. Das Schlachthaus konnte dem Bedarf der städtischen Bevölkerung nicht mehr gerecht werden.
S.14 Auch die Lage des Schlachthauses in der eng bebauten Stadt, die damit verbundenen Belästigungen für die umliegende Bevölkerung und der Viehtransport waren unerfreulich. 1706 fragten die Metzger an, ob die Akzise, die sie an die Stadt leisten mussten, vermindert werden durfte. Dem wurde zugestimmt und ein Betrag der Zunft auferlegt, der an die Stadtkasse gehen sollte. 1708 einigte sich die Zunft darauf, nur im Schlachthaus zu schlachten.
S.15 1839 kündigte die Bürgermeisterei an, ein allgemeines Schlachthaus für alle Metzger der Stadt zu errichten, auch um die Kontrolle über die Arbeit der Metzger zu gewinnen. 1910 wurde die Verfügung zur Zahlung der Akzise abgeschafft.
S.19 Der moderne Schlachthof ist eine Wohlfahrtseinrichtung und eine notwendige Anlage. Die Viehseuchen- und Lebensmittel-Kontrolle des Schlachtviehs und des Fleisches ist mit einem gut geleiteten Schlachthof wie diesem nun möglich. Eine Kühlanlage ist vonnöten, um das Fleisch nicht zu schnell verderben zu lassen. Ein Eisenbahnanschluss ermöglicht die direkte Zuführung des Schlachtviehs. Der neue Schlachthof hat einen Sanitätsschlachthof mit Ställen, in dem krankheitsverdächtige Tiere abgetrennt von den gesunden geschlachtet werden können.
S.20 Es gibt nun genügend Ställe für das angelieferte Vieh. Das alte Schlachthaus konnte den neuen Anforderungen nicht gerecht werden, deshalb war die Erbauung eines neuen zeitgemäßen Schlachthofs wichtig. Der Oberbürgermeister Köhler setzte sich stark für dieses Projekt ein. Am 05.12.1900 richtete der Stadtverordnete Reinhart einen Antrag an die Stadtverordneten-Versammlung, indem er den Beschluss zu einem Neubau forderte. Für die Vorbereitung fehlte es v.a. an Unterlagen, die für eine Planung zu Rate gezogen werde konnten. Man musste zuerst die Zahl der Wochen- und Jahresschlachtungen erheben, sowie Gutachten (Kreisgesundheitsamt und Gr. Kreisveterinärarzt) anfertigen.
S.21 Die Planung hätte schneller vorangehen können, wären die Beamten des Stadtbauamtes nicht noch an weiteren Projekten (Elektrizitätswerk, Schulneubauten, Wasserwerk u.a.) beteiligt gewesen. Eine Kommission der Stadtverordneten-Versammlung (Oberbürgermeister Köhler, Stadtverordnete Justizräte Dr. Stephan, Bender und Schneider, Obermeister der Fleischerinnung Metzgermeister Goldschmitt, Schlachthausverwalter, Kreisveterinärarzt Trops, Stadtbaurat/Verfasser Metzler) wurde einberufen. Am 03.10.1906 fand die erste Sitzung statt, bei der man über den Bauplatz und die Planung beratschlagte. Man beschloss einige Besichtigungen an Schlachthöfen vorzunehmen, um die Planung dahingehend auszurichten. Die Besichtigungen in Mainz, Offenbach, Karlsruhe, Mannheim, Ludwigshafen, Frankfurt a.M., Würzburg, Bamberg und Fulda fanden im Jahr 1907 statt. Am 19.11.1907 erschien der dazugehörige Reisebericht. Die Kommission entschied daraufhin über den Bauplatz, die Grundsätze für die Planbearbeitung und die Aufstellung des Bauprogramms.
S.22 Die Grundsätze für die Wahl eines Bauplatzes wurden in einem Bericht des Stadtbauamtes an die Gr. Bürgermeisterei geschickt (10.01.1905). Ab hier ein Auszug aus dem Gutachten.
S.24 Es kamen nur zwei Plätze für den Neubau in Betracht: Eines im Industriegebiet an der Hafenstraße und eines am Vangionenring beim verschlossenen Wört. Beide lagen in der Nähe von der Stadthafenbahn und der Stadtmitte. Sie hielten aber auch Abstand zum bebauten Stadtgebiet.
S.25 Man entschied sich nach eingehender Betrachtung für den Platz am Vangionenring. Dieses Gelände befand sich in städtischem Besitz und umfasste 150.000 qm, man nahm 25.000 qm für den Neubau in Beschlag.
S.26 Der Gleisanschluss wurde schon vor Beginn des Baus fertig gestellt, sodass er für den Transport der Materialien genutzt werden konnte. Am 05.03.1908 wurde der Bauplatz auch in der Stadtverordneten-Versammlung festgelegt, die Metzgerinnung und der Ortsgesundheitsrat stimmten der Entscheidung zu.
S.27 Der Schlachthofkommission schlossen sich drei Mitglieder der Metzgerinnung an (Großvieh-, Kleinvieh- und Schweinemetzger: Heinrich Meierfeld, Konrad Schildknecht, Wilhelm Stauf), um über die Grundsätze der Planbearbeitung und das Bauprogramm zu beraten. Die Grundsätze erhielten v.a. Berechnungen für die Größenbemessung der einzelnen Gebäude, das Bauprogramm eine Zusammenstellung derselben, aber auch der Gebäudegruppen und der Nebenanlagen. Ab hier Auszüge aus dem Bericht.
Ab S.30 Vorstellung der einzelnen Gebäude(-teile):
1. Schlachthallen (Schwein, Groß- und Kleinvieh) 2. Verbindungshalle 3. Kühlanlage (Kühlhalle, Pökelraum, Kälteerzeugungsanlage) 4. Großkuttelei 5. Ställe 6. Sanitätsschlachthof und Pferdeschlachthaus 7. Verwaltungs- und Freibankgebäude 8. Nebenanlagen (Dampfversorgungsanlage, Wasserversorgungsanlage, Beleuchtungsanlage, Schwachstromanlagen, Zufuhrgleise, Straßenanlage, Entwässerungsanlage, Einfriedung).
S.70 Die Gesamtkosten der Anlage wurden auf 1.433.800 Mark veranschlagt, es ist allerdings möglich, dass die endliche Abrechnung günstiger ausfallen wird. Die Vorentwürfe, Baupläne und Kostenanschläge zur Schlachthofanlage wurden vom Stadtbaurat Metzler angefertigt.
S.71 Die Bauleitung trugen der Stadtbaumeister Hüther und der Architekt Kiewitt. Die Planbearbeitung nahm der Diplom-Ingenieur Doerr in Angriff. Es werden noch weitere Mitarbeiter und Verantwortliche aufgezählt.
S.72 05.11.1909 Aufschüttung des Geländes, bis zum August 1910. Projekte und Kostenvoranschläge waren der Stadtverordneten-Versammlung zur Genehmigung vorgelegt worden. Genehmigung wurde am 08.03.1910 erteilt, die gewerbepolizeiliche Genehmigung erfolgte am 29.09.1910. Schon während der Bearbeitung der Ausführungspläne wurde mit dem Bau begonnen. Am 15.05.1911 vergab die Stadtverordneten-Versammlung die Erd-, Maurer- und Steinmetzarbeiten. Am 10.06.1911 wurde mit dem Erdaushub begonnen. Im Juli 1912 waren die Bautätigkeiten größtenteils abgeschlossen. Im August wurden die Anlagen gestrichen und die Nebenanlagen fertig gestellt.
Ab S.73 werden Unternehmer und Lieferanten aufgezählt, die am Bau beteiligt waren.
Im Anhang ist ein Lageplan des neuen Schlachthofes enthalten, sowie einer mit einem Schnitt durch die Schlachthallen und das Gelände.
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15.12.2023, 3:52 PM CET
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