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Tektonik >> STAATSOBERHAUPT UND OBERSTE STAATSBEHÖRDEN, MINISTERIEN UND ANDERE ZENTRALBEHÖRDEN PREUSSENS AB 1808 >> Auswärtige und Bundes-Angelegenheiten >> Auswärtige Angelegenheiten
Laufzeit: 1737 - 1756
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
Behördengeschichte
Der rechtliche Rahmen für die außenpolitischen Handlungsspielräume lässt sich in Form eines aktiven und passiven Gesandtschaftsrechts aus dem Bündnisrecht des Westfälischen Friedens von 1648 ableiten. Ein Recht, von dem zunächst jedoch nur wenige Fürsten Gebrauch machten. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es in erster Linie Sondergesandtschaften mit einzelnen, klar umrissenen Aufträgen. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurden die Gesandtschaften länger, oftmals wurden sie dennoch weiterhin von Sondergesandtschaften für besondere Verhandlungen flankiert.
Ein preußischer Resident lässt sich in der Reichsstadt Köln seit Beginn des 18. Jahrhunderts nachweisen, er war zugleich Abgesandter Preußens am Hof des Kölner Erzbischofs. <1>
Dem Kabinettsministerium unterstand der Aufgabenbereich für auswärtige Angelegenheiten. <2> Es gab bereits sehr früh konkrete Regularien für das Gesandtschaftswesen, eine ausgearbeitete Gesamtkonzeption und ein Finanzierungssystem jedoch erst ab 1722/23.
Die preußische Residentur hatte wie alle diplomatischen Vertretungen die Aufgabe, den diplomatischen Verkehr zwischen Preußen und dem Westfälisch-Niederrheinischen Kreis, dessen wenige Kreistage im 18. Jahrhundert in Köln stattfanden, sowie mit der Reichsstadt Köln zu regeln. Der Resident, der auch in Köln wohnte, nahm sich auch der Belange und Probleme sowie der Anliegen und Wünsche einzelner Personen und privater Einrichtungen im zwischenstaatlichen Rechtsverkehr an. Herausragend war der Versuch Preußens, auf die Pressefreiheit Einfluss zu nehmen. Die Auseinandersetzung mit Jean Ignace Roderique (1696-1756), dem Herausgeber der Gazette de Cologne', spiegelt sich daher auch in den überlieferten Archivalien. <3> Während des Siebenjährigen Kriegs wurde der preußische Resident der Stadt verwiesen. Als die Reichsstadt 1794 von französischen Truppen besetzt wurde, endete die preußische Residentur. Im Wiener Kongress wurde die Stadt zu preußischem Gebiet erklärt, Sitz eines Landkreises und selbst eine kreisfreie Stadt.<4>
Residenten und (außerordentliche) Gesandte
1704 - 1727 Reinhard Richard von Diest (1670-1727) <5>
1737 - 1740 Jakob Friedrich von Rohd (1703-1784) <6>
1740 - 1750 Heinrich von Diest (1696-1758) <7>
1743 August von Bornstedt, envoyé extraordinaire am erzbischöflichen Hof <8>
1751 - 1765 Georg Friedrich von Ammon (1723-1765) <9>
1765 - 1768 Abraham Edler von Meinertshagen [auch: Meinertzhagen]
1768 - 1786 Heinrich Theodor Edler von Emminghaus <10>.
1786 - 1794 Christian Wilhelm von Dohm
Bestandsgeschichte
Der Bestand wurde gebildet, indem die Archivalien aus dem 1882 angekauften Nachlass VI. HA Nl Dohm, Christian Wilhelm v. ausgegliedert wurden <11>. Ein handschriftliches Findbuch wurde im 19. Jahrhundert erstellt. Zugänge von je einer Archivalie erfolgten 1913 durch das Oberhofmarschallamt S.M. des Kaisers (Acc. 43/13) sowie 2001 (Acc. 11/01,7).
Eine Revision fand 1923 vor dem Umzug in das Archivmagazin in Dahlem statt. In der Übersicht über die Bestände von 1934 wird im Sammelbestand I. HA Rep. 81 die Überlieferung zur Residentur Köln genannt <12>.
Kriegsbedingt wurde die Bestandsgruppe I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate in die Salzbergwerke Schönebeck und Staßfurt ausgelagert und 1945 in die UdSSR verbracht. Die Rückgabe von beschlagnahmter Archivalien, darunter auch der größte Teil des Gesamtbestands I. HA Rep. 81 an die Regierung der DDR erfolgte am 30. Juni 1955. Darüber hinaus wurden einzelne Archivalien auch erst später in den 1950er-Jahren erstattet. Als Standort des Archivs wurde das "Karteihaus der Landesversicherungsanstalt Merseburg" in Sachsen-Anhalt gewählt, die administrative Unterstellung erfolgte unter das Zentrale Staatsarchiv Potsdam, Zweigstelle Merseburg. <13> Revisionen erfolgten 1955 und 1962; im Jahr 1962 wurde das handschriftliche Findbuch auch verfilmt.
1992 konnten die Archivalien aus Merseburg infolge des Vertrages zwischen der BRD und der DDR über die Herstellung der Einheit Deutschlands <14> wieder an das Preußische Geheime Staatsarchiv übergeben werden. <15>
2005 fiel die Entscheidung, den Gesamtbestand "I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-)Konsulate nach 1807" provenienzgerecht als Einzelbestände der jeweiligen Gesandtschaften, Residenturen bzw. (General-)Konsulate aufzustellen, so dass die vorliegenden Archivalien seit dem unter der Bestandsbezeichnung "GStA PK, I. HA Rep. 81 Residentur Köln vor 1808" [!] firmierten. 2014 übertrug eine Archivangestellte die Titel aus dem handschriftlichen Findbuch (Ende des 19. Jh.) in die Augias-Datenbank. Im Mai 2018 wurde die 1967 getroffene Entscheidung, die Gesandtschaftsüberlieferungen in die "feudalistische" bzw. die "kapitalistische" Epoche zu trennen, wieder rückgängig gemacht. <16> Da seit 1794, der Besetzung Kölns durch französische Truppen kein Resident mehr vor Ort war, ist diese Entscheidung für den Bestand jedoch unerheblich.
Der Bestand wurde im Frühjahr 2021 bearbeitet, indem die Titel modernisiert und vereinheitlicht wurden. Soweit es in einem angemessenen Zeitaufwand ermittelbar war, wurden für Personen und Orte Verknüpfungen mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) erstellt.
Anmerkungen
<1> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 96, Nr. 36 Z; ebd., I. HA Rep. 96, Nr. 36 A bis D; ebd., I. HA GR, Rep. 50, Nr. 1 h Fasz. 5; Korrespondenz mit von Diest, 1706; ebd., I. HA GR, Rep. 50, Nr. 12 c 2 Fasz. 2 und Fasz. 3: Berichte des Residenten Reinhard Richard von Diest, 1706-1708, 1708-1710; ebd., I. HA GR, Rep. 50, Nr. 12 d Fasz. 2: Berichte von Diest, 1709-1712; ebd., I. HA GR, Rep. 50, Nr. 12 c 2 Fasz. 4, Fasz. 6 und Fasz. 7; zur zeitgenössischen Begrifflichkeit Zedler, Johann Heinrich: Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 31, Leipzig / Halle 1742, Sp. 715 f.
<2> Vgl. Althoff, Frank: Geheimhaltung von Staatsaktionen. Die Regierung aus dem Kabinett als Mittel der friderizianischen Außenpolitik, in: Jürgen Kloosterhuis (Hrsg.): Streifzug durch Brandenburg-Preußen: Archivische Beiträge zur kulturellen Bildungsarbeit im Wissenschaftsjahr 2010 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, Arbeitsberichte 14), Berlin 2011, S. 125-148.
<3> Herbert Hömig: Roderique, Jean Ignace (Johann Ignaz), in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 21, Berlin 2003, S. 699 f. Digitalisierte Jahrgänge der Zeitung urn:nbn:de:bsz:16-diglit-476685; online https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/titleinfo/7549507 [jüngster Abruf 22.01.2021]; vgl. auch GStA PK, I. HA Rep. 94, Nr. 151: König Friedrich II. an von Ammon, preußischer Gesandter am Niederrhein: Soll Verleumdungen gegen den König entgegentreten, 7.9.1756.
<4> Vgl. zur territorialen Auseinandersetzung nach 1800 auch GStA PK, I. HA Rep. 96 A, Nr. 9 J 1; Becker, Thomas P. / Geppert, Dominik / Rönz, Helmut (Hgg.): Das Rheinland auf dem Weg nach Preußen 1815-1822 (= Stadt und Gesellschaft. Studien zur Rheinischen Landesgeschichte 6), Köln 2018.
<5> Vgl. Geschichte der Familie von Diest, hg. v. Walther v. Diest, Kolberg 1926, S. 331.; Kißmer, Wolfgang: Reinhardt Richardt von Diest aus Altena 1670-1727 Kgl. Preußischer Resident zu Köln
<6> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 96, Nr. 36 Aa.
<7> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 96, Nr. 36 Bb.
<8> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 96, Nr. 36 Z.
<9> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 96, Nr. 36 Cc.
<10> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 34, Nr. 16 b; ebd., I. HA Rep. 96, Nr. 143, Nr. 144, Nr. 163; ebd., I. HA Rep. 96, Nr. 36 Dd.
<11> Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178, Nr. 1905: Monats- und Jahresberichte des Geheimen Staatsarchivs, Bd. 6, 1882-1884; C 4/1/VI. HA Nl Dohm.
<12> Vgl. Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, I. Hauptabteilung (= Mitteilungen der Preußischen Archiv-Verwaltung Heft 24), hrsg. v. Ernst Müller und Ernst Posner, Berlin 1934.
<13> Vgl. Lehmann, Joachim: Von Staßfurt und Schönebeck nach Merseburg. Nachkriegsschicksale eines deutschen Archivs, in: Jürgen Kloosterhuis (Hrsg.), Aus der Arbeit des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, Arbeitsberichte 1), Berlin 1996, S. 131-154.
<14> "Einigungsvertrag" vom 31. August 1990, Kap. VIII, Art. 35, Ziffer 5, BGBl. Teil II (1990) Nr. 35, S. 885-1245, hier 901.
<15> Vgl. Carl Ahlgrimm, Rückführung der Bestände des Geheimen Staatsarchivs nach Berlin, in: Der Archivar 48 (1995), Sp. 251-258; Höroldt, Ulrike / Marcus, Paul (Hrsg.): Preußens Akten sind zurück. 25 Jahre Rückkehr der Archivalien des Geheimen Staatsarchivs aus Merseburg nach Berlin, Berlin 2019.
<16> Vgl. Arbeitsbericht über die durchgeführten Abgrenzungsarbeiten im II. Quartal 1967, in: GStA PK, I. HA Rep. 178 E, Nr. 168 sowie GStA PK, TgbNr. 9183/18 (Aktenzeichen C 1/1/1).
Quellen und Literatur
- GStA PK, I. HA GR, Rep. 11 Akten - Auswärtige Beziehungen, Akten
- GStA PK, I. HA GR, Rep. 34 Klassifikationspunkt 04.02.31.03.01.02
- GStA PK, I. HA GR, Rep. 50
- GStA PK, I. HA Rep. 96 und 96 A Geheimes Kabinett
- GStA PK, I. HA Rep. 96 B Geheimes Kabinett (Minüten, Extrakte, Remissionsjournale)
- GStA PK, VI. HA Nl Dohm, Christian Wilhelm von
- GStA PK, VI. HA FA Ammon
- Die politische Correspondenz Friedrichs des Großen. 48 Bde. und ein Ergänzungsband, hrsg. von Johann Gustav Droysen, Frank Althoff u.a., Berlin 1879-2015.
- Ennen, Leonhard: Der Clevische Hof in Köln, in: Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands 1 Heft 1 (1875), S. 56-66.
- Ennen, Leonhard: Die Zeitungspresse in der Reichsstadt Köln, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Bd. 36 (1881), S. 12-82.
- Straubel, Rolf: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Berlin 2009.
- Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648), unter der Leitung von Leo Santifaller 1.Bd. 1648-1715, hg. von Ludwig Bittner, Oldenburg / Berlin 1936 - 2. Bd. 1716-1763, hg. von Friedrich Hausmann, Zürich 1950 - 3.Bd. 1764-1815, hg. von Otto F. Winter, Graz / Köln 1965.
Im Historischen Archiv der Stadt Köln sind ebenfalls Archivalien zur preußischen Residentur bzw. von Rohd verwahrt.
Laufzeit: 1737 - 1756
Bestandsumfang: 7 VE
Letzte vergebene Signaturnummer: _7____
Der Bestand lagert derzeit im Westhafen.
Die Akten sind auf gelben Leihscheinen wie folgt zu bestellen: I. HA Rep. 81 Köln, Nr. #
Die Akten sind zu zitieren: GStA PK, I. HA Rep. 81 Residentur Köln, Nr. #
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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