Spruchkammerverfahren und Entnazifizierung (Bestand)
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1OB 005
Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Archivtektonik) >> 1OB Oberbehörden >> 1OB 005 Spruchkammerverfahren und Entnazifizierung
Bestandsbeschreibung: Spruchkammerverfahren und Entnazifizierung Die Leitungen der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Rheinprovinz beschlossen im August 1945 eine "Ordnung für das Verfahren bei Verletzung von Amtspflichten der Geistlichen", die sich vor allem auf die Pfarrer bezog, die Mitglied bei den Deutschen Christen oder in NS-Organisationen gewesen waren. Entsprechende Verfahren wurden durch einen Beschluss der Kirchenleitung eröffnet und durch eine kirchliche Spruchkammer, für die jeweils drei Mitglieder und Stellvertreter bestellt wurden, bzw. in der französischen Besatzungszone durch einen Überprüfungsausschuss entschieden. Im Beschwerdeverfahren konnte zunächst der Rechtsausschuss der eigenen Landeskirche und anschließend der der jeweils anderen angerufen werden. Die verhängten Maßnahmen erstreckten sich von Versetzungen und Gehaltskürzungen bis hin zur gänzlichen Entfernung aus dem Kirchendienst. Parallel hierzu verlief die Entnazifizierung über Fragebögen, die in weitgehender Kooperation zwischen den Militärregierungen und den Kirchen abgewickelt wurde. Inhalt: Sitzungen des Kirchlichen Überprüfungsausschusses für die Pfarrer der Nordrheinprovinz; Beanstandungen durch die Militärregierung; Fragebogen mit Entlastungszeugnissen; Entnazifizierung Südrhein: Personalbögen für Pastoren, Gemeindebeamte und Angestellte der einzelnen Synoden; Spruchkammerverfahren; Gnadensachen [Dr. Dietrich Meyer, ca. 1995] Literatur: Rainer Möhler: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 17), Mainz 1992; Clemens Vollnhals: Evangelische Kirche und Entnazifizierung 1945-1949: die Last der nationalsozialistischen Vergangenheit (Studien zur Zeitgeschichte 36), München 1989; Heiner Faulenbach: Kirchliche Reinigungsmaßnahmen, in: Ders./Günther van Norden: Die Entstehung der Evangelischen Kirche im Rheinland in der Nachkriegszeit (1945-1952) (SVRKG 134), Köln 1998, S. 173-189 Ergänzende Archivbestände: 1OB 004 (Beauftragter für die französische Zone).
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ