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270,9/Musikverein Bielefeld (Bestand)
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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Vereine und Verbände
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben:
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 270,9/Musikverein Bielefeld
Vereinsgeschichte
Nachdem ein 1817 gegründeter Gesangverein "Harmonie" bereits im Folgejahr eingegangen war, bestand in Bielefeld ein Bedürfnis nach einer Vereinsgründung im Musikbereich. Der Musikverein scheint eher aus einem Projektchor hervorgegangen zu sein, der ein Konzert geben wollte. Möglicherweise bestand dabei bereits das Ziel, eine solide Basis an Musikinteressierten zu finden, die Konzerte nicht nur genießen, sondern selbst und dann auch noch in Vereinsform gestalten wollte. Am 18. November kündigten die "Öffentlichen Anzeigen der Grafschaft Ravensberg" dem "Musik liebenden Publikum" eine Aufführung im Reckmann´schen Saal in der Obernstraße an: Am 26. November 1819 fand ein Konzert unter der Leitung des niederländisch-deutschen Musikdirektors, Komponisten und Geigers Heinrich Aloys Praeger (1783-1854) statt. Gegeben wurde Schillers "Lied von der Glocke" in einer Vertonung des in Münster aufgewachsenen Komponisten Andreas Jakob Romberg (1767-1821).
Das Konzert scheint Akteure und Publikum überzeugt zu haben, denn exakt einen Monat später, am 26. Dezember 1819, bot "Der musikalische Verein" ein "Vocal- und Instrumental-Concert" erneut beim Weinhändler Reckmann, dessen wuchtiges Haus sich an der Ecke Obernstraße/Niedernstraße am Alten Markt gegenüber dem damaligen Rathaus und dem Crüwellhaus erhob. In diesen wenigen Wochen hatte sich der Übergang vom Projektchor zum Verein vollzogen. Unterlagen darüber fehlen allerdings. Die monatlichen Reporte ("Zeitungsberichte") des Bürgermeisters an die Aufsichtsbehörden vermerkten in der Rubrik "Sittlicher Zustand", die Nachrichten über Bildung und Kultur enthalten sollte, in dieser Phase nahezu jedes Mal nur den dürren Hinweis: "ohne Bemerkung".
Nachdem der "Musikalische Verein" noch am 5. März 1820 mit einem "Vocal- und Instrumental-Conzert" unter Prägers Leitung wiederum bei Reckmann aufgetreten war, folgte am Karfreitag, dem 31. März 1820, die vereinsseitig festgelegte Geburtsstunde des "Musik-Vereins": Unter dem Dirigat Prägers wurde "Die sieben Worte des Erlösers am Kreuze" von Haydn gegeben. Wenn man es genau nimmt, so muss die endgültige Umbenennung zwischen dem 2. und 23. März 1820 beschlossen worden sein, da an diesen Tagen Konzerte in den "Öffentlichen Anzeigen" mit abweichenden Vereinsnamen angekündigt wurden.
Nach einer zwischen Erfolgen und drohenden Auflösungen wechselnden Vereinsgeschichte setzte mit dem Dirigenten Max Nachtmann ab 1871, spätestens aber mit der Übernahme der Leitung durch Wilhelm Lamping 1886 eine kontinuierliche Entwicklung ein. Unter Lamping, der bis zu seinem Tod 1929 den Musikverein dirigierte, wurde die Tradition der Pflege der Musik J. S. Bachs begründet. Daneben widmet sich der Musikverein besonders zeitgenössischen Komponisten.
1933 legte Dirigent Heinrich Kaminski Niederlegung die Leitung der städtischen Sinfoniekonzerte nach Auseinandersetzungen mit Musikdirekor Werner Gößling (NSDAP) nieder und trat 1934 auch vom Vereinsvorsitz zurück. Parallel wurde der Vereinsvorsitzende Dr. med. Theodor Bleek durch das von der Reichsmusikkamer eingesetzten NSDAP-Parteimitglied Albert Osthoff abgelöst. Nach einer Austrittswelle gelang ab Juli 1935 der Wiederaufbau als "Musikverein der Stadt Bielefeld e.V.", der bis zur kriegsbedingten Einstellung der Vereins- und Konzertaktivitäten 1944 arbeitete. Am 1. August 1945 fand in der Siekerkapelle das erste Nachkriegskonzert statt.
2021 zählt der Chor etwa 90 Mitglieder und veranstaltet in Begleitung in der Rudolf-Oetker-Halle drei Konzerte pro Saison
Dirigenten
- 1820: Aloys Präger
- bis 1871: Hörger, Kufferath, Braun, Dietrich, Ludewig jr., Wichmann, Hahn, Gulomy, Espagne, Jansen, Puchat
- 1871-1882: Max Nachtmann
- 1883-1885: Arnold Mendelssohn
- 1886-1929: Wilhelm Lamping
- 1930-1934: Heinrich Kaminski
- 1936-1949: Hans Hoffmann
- 1951-1958: Michael Schneider
- 1959-1983: Martin Stephani (Tod am 9.Juni 1983)
- 1983-1987: sieben Gastdirigenten und Heribert Breuer
- 1987-1994: Bernhard Buttmann
- 1994-1998: Rainer Winkel
- 2000-2012: Wolfgang Helbich
- seit 2013: Bernd Wilden.
Außer den genannten haben weitere Dirigenten einzelne Konzerte geleitet.
Bestandsgeschichte
Eine erste umfangreiche Abgabe mit 31 Akten und diversen Plakaten erfolgte durch Hanna Hinnenthal im November 1992. Weitere Schenkungen folgten 1994 (2 Abgaben mit insgesamt 3 Mappen und einem Karton), kleinere 1995 (3 Abgaben), 1998 (2 Abgaben) und 1999 (1 Abgabe). Die 114 Verzeichnungseinheiten umfassen den Zeitraum von (1819) 1830 bis 1998. Unveröffentlichte Vereinsakten unterliegen einer Sperrfrist von 30 Jahren.
In der städtischen Überlieferung sind weitere Akten zum Musikverein vorhanden (u. a. Bestand 103,2/Hauptamt, Nr. 204; Bestand 107,1/Kulturdezernat, Nr. 169, 172, 221, 277).
Hinweise zur Verzeichnung
Die frühere Nr. 103 (Konzertprogramme anderer Vereine) wurde im März 2021 dem Bestand 300,3/Chöre und Kapellen, Nr. 170 zugeordnet. Die Nr. 103 ist nicht belegt.
Hinweise zur Benutzung
- Archivalienbestellungen: Bestand 270,9/Musikverein Bielefeld, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld/StArchBI, Bestand 270,9/Musikverein Bielefeld, Nr.
Literatur
- Beckenbauer, Klaus, Tonspuren. 1820-1995 – 175 Jahre Musikverein der Stadt Bielefeld, Herford 1995
- Becker, Heinrich, Der Bielefelder Musikverein von Lamping bis Stephani; in: 64. Jahresbericht des Historischen Vereins der Grafschaft Ravensberg (1964/1965), S. 127-163
- Gabel, Ursula, Das Chorleben in Bielefeld als Beispiel der Musikpflege in einer mittleren Stadt, (Hausarbeit Universität Köln), 1944, ca.
- Musikverein der Stadt Bielefeld 1820-1970, Bielefeld 1970
- Oberschelp, Jürgen, Das öffentliche Musikleben der Stadt Bielefeld im 19. Jahrhundert (Kölner Beiträge zur Musikforschung, Bd. 66), Regensburg 1972
- Petri, Hermann, 100 Jahre Bielefelder Musikverein 1820-1920, Bielefeld 1920
- Rath, Jochen, 31. März 1820: Erstes Konzert des Musikvereins Bielefeld, 1.3.2020 (online-Ressource: https://historischer-rueckklick-bielefeld.com/2020/03/01/01032020/)
- Salmen, Walter, Geschichte der Musik in Westfalen, Bd. 2, Kassel u. a. 1967
- Schmuhl, Hans-Walter, Zwischen Göttern und Dämonen. Martin Stephani und der Nationalsozialismus (Beiträge zur Kulturgeschichte der Musik, Bd. 12), München 2019
- Sunderbrink, Bärbel, Gestalter des musikalischen Lebens. Der Musikverein in Bielefeld, in: Andreas Beaugrand (Hg.), Stadtbuch Bielefeld, Bielefeld 1996, S. 240-243
- Schubart, Heinrich Wilhelm, Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Stadt Bielefeld, Bielefeld 1835 (online)
- Vierhaus, Rudolf (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 8, München 2007, S. 50
Bärbel Sunderbrink
Archivarin
Bielefeld, Mai 1994
Dr. Jochen Rath
Stadtarchivdirektor
Bielefeld, März 2021
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
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