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Deutsche Patientenbriefe und Krankenblätter (Bestand)
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Bestandsbeschreibung: EINLEITUNG
Mit dem vorliegenden Findbuch wird der medizinhistorischen Forschung ein außergewöhnlicher Quellenbestand zur Geschichte des Arzt-Patient-Verhältnisses, zur Krankheitserfahrung und zur ärztlichen Praxis zugänglich gemacht. In 5549 Briefen berichteten Patienten während der Jahre 1831 bis 1835 dem behandelnden Arzt Chr. S. Hahnemann (1755-1843) über ihre Leiden und Therapieerfahrungen. Die Kranken stellen - manchmal in ganzen Briefserien - die Entwicklung ihrer Krankheitssymptome detailliert, meist tageweise, dar, so daß man Krankheitsverläufe für einzelne Personen über längere Zeiträume, manchmal über Jahre, verfolgen kann. Damit bieten diese Schreiben vor allem die zeitgenössische Wahrnehmung von Schmerz und Krankheit aus der
Sicht der Patienten.
Derartige Überlieferungen sind äußerst selten. Den Historikern steht mit diesem Bestand also für die erste Hälfte der 1830er Jahre eine ungemein dichte und rare Überlieferung direkter Patientenäußerungen zur Verfügung. Daneben enthalten die Briefe eher verstreut eine Fülle von Hinweisen auf andere Aspekte der Arzt-Patient-Beziehung, wie z. B. Fragen des Honorars und persönliche Mitteilungen zu Familie und Lebenswelt.
Der Bestand B "Deutsche Patientenbriefe und Krankenblätter" steht in engem Zusammenhang mit den Krankenjournalen Samuel Hahnemanns. Mit den 55 Krankenjournalen liegt bereits eine selten umfassende Praxisdokumentation vor, die das Institut für Geschichte der Medizin fortlaufend kritisch ediert.1 Hahnemann notierte in den Krankenjournalen die aus seiner Sicht wichtigen Symptome sowie die von ihm verschriebenen Wirkstoffe. Diese letzte Information schrieb er auch oben auf die Patienteribriefe: So konnte er bei einem späteren Schreiben nachvollziehen, was er dem Kranken ordiniert hatte. Die Patientenbriefe ergänzen also die Krankenjournale. Manche Patienten wurden nämlich über einen gewissen Zeitraum zunächst in der Praxis behandelt, so daß
Informationen über sie zunächst in den Krankenjournalen zu erwarten sind. Eine persönliche Erstanamnese dürfte die Regel gewesen sein.2 Erst danach wurde die Behandlung per Brief weitergeführt. Für die Folgezeit war es dann durchaus üblich, sich per Korrespondenz beraten zu lassen.
Ein erster medizinischer Informationswert der Patientenbriefe liegt deshalb in den auch in den Krankenjournalen enthaltenen Informationen über die ärztliche homöopathische Praxis: Die Fragen nach den bei bestimmten Symptomkomplexen verschriebenen Wirkstoffen, ihre Dosierung und Kombination, Verabreichungsforrnen, Antidote u. ä. lassen sich dort ebenso gut untersuchen.3 Auch enthält der Bestand Patientenbriefe die "Krankenblätter", auf denen Hahnemann Informationen zu einzelnen Personen zusammentrug.
Der besondere Wert des Bestandes liegt woanders. Während in den Krankenjournalen die notierten Symptome durch den schreibenden Arzt - wie geringfügig auch immer - umformuliert, geglättet - unbewußt systematisiert oder auf andere Weise leicht verändert werden, bieten die Patientenbriefe den "Originaltext" der Kranken. In den Briefen ist also die Patientensprache der Zeit direkt nachvollziehbar. Das ermöglicht eine Geschichte des Krankseins aus der Patientenperspektive, die die Forschung seit Jahren fordert. Bisher mußte sie sich weitgehend auf gedruckte, also stärker literarisierte Texte stützen. Nun kann sie direkter "ad fontes" gehen.
Eine weitere der vielen reizvollen Forschungsmöglichkeiten, die das Material eröffnet, wäre also die Frage nach der Veränderung der Patientenmitteilungen durch S. Hahnemann in den Krankenjournalen.4 Inwieweit sind die dort genannten Symptome "Patientensprache" oder bereits ärztlich transformierte Texte? Daneben lassen sich nun Patientengeschichten über längere Zeiträume umfassender untersuchen. Standen der Forschung bisher nur die Krankenjournale zur Verfügung, so sind jetzt die dort gefundenen Informationen über bestimmte Kranke mit den Angaben aus den Patientenbriefen verknüpfbar.5 Damit werden erstmals umfassend alle Quellen zu den von Hahnemann so gründlich dokumentierten Krankengeschichten zugänglich. Das dürfte auch für die Geschichte der Hahnemannsehen Praxis neue Aufschlüsse erbringen.
Die Erschließung des Bestandes diente diesen Zielen. Die mühselige Arbeit erledigte mit Hilfe der EDV Frau S. Hähner-Rombach, M.A., wobei sie unter Anleitung des Archivars PD Dr. M. Dinges archivische Kompetenz, große Ausdauer und beachtliches Geschick unter Beweis stellte. Zunächst mußte das bisher noch nicht signierte Material erfaßt werden. Dabei sollte jeder Brief eindeutig zugeordnet werden können. Deshalb mußten wir uns auf die Erfassung von Namen und Vornamen beschränken. Fehlte letzterer, wurden statt dessen ggf. Zivilstand, Beruf o.ä. zur näheren Kennzeichnung der Person oder ihres Verhältnisses zu anderen Trägern des gleichen Namens notiert. Vielfach schrieben nämlich Männer für ihre Frauen, Eltern für ein Kind oder
Haushaltsvorstände für das Personal an Hahnemann. In diesen Fällen wurde dann der entsprechende Hinweis zum Namen aufgenommen. Auch wurde bei Namen ohne Vornamen der Beruf mit verzeichnet, um so die betreffende Person von anderen Namensgleichen unterscheiden zu können. Der Wert dieses Verfahrens zeigt sich im alphabetisch geordneten dritten Teil des Findbuches: Dort werden die Familien-und Haushaltszusammenhänge erkennbar, die die einzelnen Kranken in die Praxis Hahnemanns führten. Man wird deshalb in Zukunft neben den Krankengeschichten einzelner Personen auch die von ganzen Familien leichter untersuchen können. Daneben werden lokale oder berufsständische Zusammenhänge als Faktor bei der Arztwahl erforschbar.6
Zur Datierung der Briefe wurde nicht das unvollständig
überlieferte Absendedatum sondern das "Bearbeitungsdatum" durch S. Hahnemann gewählt. Dieser notierte sich immer den Tag, an dem er das Schreiben beantwortet hat, was u.a. über Brieflaufzeiten informiert. Dieses "Bearbeitungsdatum" enthielten praktisch alle Schreiben, so daß das Kriterium der Vollständigkeit erfüllt war.
Eine tiefere Erschließung des Bestandes, bei der sämtliche Berufe, Wohnorte usw. erfaßt werden, ist geplant.7 Derzeit hätte sie den Zeitpunkt, zu dem der Bestand der Wissenschaft zur Benutzung übergeben werden kann, aber unvertretbar weiter hinausgezögert.
Das Findbuch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil sind die Stücke nach der Signatur, im zweiten chronologisch geordnet. Es folgt im dritten Teil das Namensalphabet. EDV-Recherchen in dem Bestand sind nach Rücksprache mit dem Archivar möglich.
Bei Bestellungen muß erst die Bestandsbezeichnung "B" und dann die
"Stückzahl" als Signatur des Stücks angegeben werden.
Beispiel: "B 31001" ist der Brief von Alfred Graf von Dürckheim-Montmartin vom 3.1.1831.
Martin Dinges, Stuttgart im Dezember 1995
1 Titel der Reihe: R. Jütte (Hg.): Samuel Hahnemann- Die Krankenjournale, Heidelberg 1991 ff; erschienen sind die Bände D2, D3, D5, DF 5, im Druck sind die Bände D 22, D34.
2 Vgl. dazu U. Fischbach-Sabel: Edition und Kommentar des 34. Krankenjournals von Samuel Hahnemann. Med. Diss. Mainz 1991 (Microfiche) , S. 35 berichtet aber auch von Ausnahmen. Eine Buchausgabe erscheint im Haug Verlag, Heidelberg, voraussichtlich
1996).
3 Vgl. dazu die Arbeiten von Fischbach-Sabel und R. Hickmann: Das psorische Leiden der Antonie Volkmann. Edition und Kommentar einer Krankengeschichte aus Hahnemanns Krankenjournalen 1819-1831. Med. Diss. Würzburg 1993 (Eine Buchausgabe erscheint im Haug Verlag, Heidelberg, in der Reihe "Quellen und Forschungen zur Homöopathiegeschichte" voraussichtlich 1996)
4 S. zu Forschungsperspektiven J. Meyer: "...als wollte mein alter Zufall mich jetzt wieder unter kriegen." Die Patientenbriefe an Sarnuel Hahnemann im Homöopathie-Archiv des Instituts für Geschichte der Medizin in Stuttgart, in: Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Band 3 (1984, erschienen 1986), s. 63-79, 76 ff.
5 Eine erste kombinierte Nutzung der Krankenjournale und der Briefe bietet Hickmann, vgl. S. 15 f.
6 Zu Hahnemanns Praxis s. R. Jütte: Samuel Hahnemanns Patientenschaft, in: M. Dinges (Hg.): Homöopathie. Patienten, Heilkundige und Institutionen. Von den Anfängen bis heute, Heidelberg 1996 (im Druck)
7 Vgl. dazu Meyer, S. 73 ff.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.