Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
Porträt von Anna Hudjos
Anmelden
Um Merklisten nutzen zu können, müssen Sie sich zunächst anmelden.
Schwarz-Weiß-Fotografie, die ein Porträt von Anna Hudjos zeigt. Hudjos wurde halb frontal fotografiert und ist vom Kopf bis etwa zum Bauch zu sehen. Sie trägt ein helles, leicht kariertes Kleid mit langen Ärmeln. Den Kopf hat sie nach rechts gedreht und schaut in die Kamera. Der Hintergrund ist neutral.
Kontext:
Porträts wie das von Anna Hudjos wurden in der zeitgenössischen Literatur der frühen Sexualwissenschaft zumeist im Kontext sog. „Bartfrauen“ bzw. „Bartdamen“ abgebildet. Auch Magnus Hirschfeld, Sexualwissenschaftler und Sexualreformer, nutzte Abbildungen von „bärtigen Frauen“ u. a. in seiner Publikation „Geschlechtsübergänge“ im Kapitel „Androtrichie. Feminae barbatae“. Dort schreibt er: „Zu den häufigsten und augenfälligsten Geschlechtsübergängen gehören die der Behaarung, einem […] besonders wichtigen sekundären Geschlechtscharakter.
Um sich von der Häufigkeit des ‚Frauenbartes‘ eine Vorstellung zu machen, ist es nur nötig, die Annoncenteile der Zeitungen zu durchsehen. Ich sammelte einige Wochen die Inserate, in denen die Entfernung weiblicher Barte mittelst Elektrolyse, Enthaarungswassern, Depilatorien und anderen Methoden angepriesen wird und fand, daß sich in Berlin Dutzende von Personen diesem anscheinend recht einträglichen Erwerbszweig widmen.“ (Vgl. Hirschfeld, Magnus (1913): Geschlechtsübergänge. Mischungen männlicher und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle Zwischenstufen), Max Spohr, Text vor Tafel XIV)
Bilder von „Frauen mit Bärten“ waren auch Teil der Bilderwand „Sexuelle Zwischenstufen“, die für den im August 1913 in London tagenden internationalen medizinischen Kongress angefertigt und dann im Institut für Sexualwissenschaft gezeigt wurde. Der Gründer des Instituts, Magnus Hirschfeld, wollte mit der Bilderwand seine um 1910 vorgelegte „Zwischenstufentheorie“ veranschaulichen und untermauern.
Sehr verkürzt gesagt, beschreibt das Konzept der Zwischenstufen die Tatsache, dass jedes Individuum sowohl „männlich“ als auch „weiblich“ ausgeprägte Eigenschaften vereint, die einen oder mehrere der vier Bereiche betreffen können: 1. die Geschlechtsorgane, 2. sonstige körperliche Eigenschaften, 3. den Geschlechtstrieb und/oder 4. sonstige seelische Eigenschaften.
Mit dieser Theorie öffnete Hirschfeld bereits 1907 das gängige Konzept des biologisch-genitalen Geschlechts für Aspekte, die u.a. auf der erlebten Identität der Individuen beruhten.
Damit ebnete die „Zwischenstufentheorie”, die „während der Institutszeit die wissenschaftliche Leitidee für die meisten Mitarbeiter“ blieb, den Weg für das Verständnis von sexueller Vielfalt und Variabilität. (vgl. Herrn, Rainer (2022): Der Liebe und dem Leid, Suhrkamp, S. 31). Einher gingen damit auch eine Entpathologisierung und Entkriminalisierung des vermeintlich Abweichenden, von Menschen also, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm standen.
Bildunterschrift in o. A.: Zwei Frauen aus der persönlichen Bekanntschaft des Herausgebers: (keine Bildunterschrift)
Bildunterschrift in Hirschfeld: Geschlechtsübergänge: Androtrichie (feminae barbatae).
Bildunterschrift in Wulffen: Der Sexualverbrecher: Abbildung 61. Androtrichie. Feminae barbatae. Kellnerin Anna Hudjos mit Bartwuchs. Dr. Magnus Hirschfeld.
Bildunterschrift in Levy-Lenz: Hexenkessel der Liebe: Kellnerin Anna Hudjos
(Zum Thema Bartfrauen, vgl. Seite 191)
Bildunterschrift in Polzer: Sexuellperverse: Bebartete Frauen
Bildunterschrift in Neugebauer: Hermaphroditismus beim Menschen: Abb. 336. Anna Hudjos, Kellnerin. (Mit gütiger Erlaubnis des Herrn Herausgebers und Verlegers entnommen dem VI. Jahrgange des Jahrbuches für sexuelle Zwischenstufen.)
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-498_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft