Büro Walter Ulbricht im ZK der SED
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Gliederung
BArch DY 30 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
Wenige Wochen vor dem Tod von Walter Ulbricht übergab sein persönlicher Mitarbeiter, Herbert Jung, im Mai 1973 erste Unterlagen aus den Arbeitszimmern Ulbrichts mit Ablieferungsverzeichnissen an die Altregistratur des ZPA im Haus des ZK der SED. Am 2. August 1973, bereits einen Tag nach dem Ableben von Ulbricht, paraphierte Erich Honecker verbindliche Festlegungen für die Leiterin des Büros des Politbüros, Giesela Glende, den Abteilungsleiter für Kaderfragen im ZK, Fritz Müller, den Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke und den Direktor des Instituts für Marxismus-Leninismus, Günter Heyden, zum Umgang mit den Unterlagen. Am 3. August 1973 bestimmte das PB als Standort für den "literarischen Nachlass Walter Ulbrichts" das ZPA, das eine eigenständige Abteilung im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED war. Anhand von Schriftgutlisten, die die Mitarbeiter im Auftrag der Leiterin des Büros des Politbüros erstellten, entschied Honecker persönlich, welches Schriftgut im ZPA oder als Verschlusssache im Internen Parteiarchiv auf Dauer aufbewahrt werden sollte. Er änderte und bestätigte Vorschläge zur Abgabe an andere aktenführende Stellen im und außerhalb des Parteiapparates und erteilte Weisung, archivwürdige Unterlagen, u. a. persönliche Aufzeichnungen Ulbrichts, zu vernichten. Ausgewählte Arbeitsmaterialien aus der Registratur "Büro Walter Ulbricht", eine umfassende Sammlung seiner Reden, Artikel, Aufsätze, dienstliche und eine Vielzahl biografischer Unterlagen, übergeben von der Witwe Lotte Ulbricht, kamen Mitte der 70er Jahre unerschlossen in das ZPA. Sie wurden dort in einem Nachlass zusammengefasst und erschlossen. Dokumente über wichtige Vorgänge, die aus dem damaligem Sicherheitsverständnis der Geheimhaltung unterlagen, erhielten aktenführende Stellen im ZK-Apparat zurück oder fanden ihren Standort im Internen Parteiarchiv im Büro des Politbüros. Es war nicht vorgesehen, Forschern Einblick in diese Arbeitsunterlagen zu gewähren. Geheim eingestufte Dokumente aus Bereichen des Staats- und Militärapparates wurden in der Regel aufgelistet und entsprechend den geltenden Arbeitsrichtlinien an die zuständigen Ministerien zurückgegeben bzw. diejenigen, die für die tägliche Arbeit nicht mehr benötigt wurden, kassiert oder von Honecker als Nachfolger übernommen. Dies galt ebenfalls für alle vertraulichen und parteiinternen Arbeitsmaterialien, insbesondere für die Beschlüsse sowie die gedruckten Arbeitsrichtlinien und Protokolle von Tagungen und Beratungen der SED. Aus dem Büroschriftgut separierte Personalunterlagen bzw. Vorgänge über die Ausschaltung von Kritikern der SED-Politik und Parteiüberprüfungen innerhalb der SED gingen sowohl in das Interne Parteiarchiv als auch an die Abteilung für Kaderfragen. Auf Beschluss des Parteivorstandes der SED-PDS vom 4. Januar 1990 gelangten diese Archivalien in das ZPA Walter Ulbricht (1893-1973) war von 1946 bis zu seinem Tod Mitglied des PV/ZK, Mitglied des Zentralsekretariats (1946-1949), des PB (1949-1973), Sekretär des ZK (1949-1971), stellvertretender Vorsitzender des Parteivorstandes der SED (1946-1950), Generalsekretär (1950-1953), Erster Sekretär des ZK (1953-1971). Er übernahm ab 1949 die Funktion als Stellvertreter und von 1955 bis 1960 als Erster Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, war Abgeordneter des Landtags von Sachsen-Anhalt (1946-1951), ab 1947 Mitglied des Ständigen Ausschusses und Sekretariats des Deutschen Volkskongresses, von 1948 bis 1949 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Volksrates und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und ab 1950 Mitglied des Präsidiums des Nationalrats der Nationalen Front. Von ihrer Gründung an war er Mitglied und Abgeordneter der Volkskammer (1949-1973), Vorsitzender des Staatsrates (1960-1973) und von 1960 bis 1971 Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. 8 lfm (Digitalisate), 1945-1972
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
24.04.2026, 11:55 MESZ