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200,174/Nachlass Otto Appelfelder (Bestand)
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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,174/Nachlass Otto Appelfelder
Biographische Hinweise
Der Widerstandskämpfer Konrad Hans Otto Appelfelder wurde am 19. Dezember 1901 in Bielefeld als Sohn des Maurers Otto Rudolf Appelfelder (1874-1935) und der Sophie Luise Appelfelder geb. Krüger (1875-1956) geboren und hatte drei Geschwister. Am 28. Juni 1926 heiratete er Martha Appelfelder geb. Rosenberg gesch. Nagel (geb. 20. April 1903, Hannover; gest. 25. Juli 1983). Die Ehe blieb kinderlos.
Er blieb ohne Ausbildung und arbeitete in der Landwirtschaft, als Bauarbeiter sowie Zeitungshändler und als Former in der Schmelze bei Dürkopp und Benteler, die auch Rüstungsprodukte herstellten. Von Juli 1942 bis Juni 1943 war er bei der Maschinenfabrik und Eisengießerei Th. Calow & Co beschäftigt.
Gemeldet war er in der Regel in Bielefeld, lebte aber von Februar bis Oktober 1919 in Hesselteich, im Januar/Februar 1920 in Arensberg, von Juli bis November 1920 in Beckum und war ab Februar 1921 "auf Wanderschaft", aus der er von Beckum im August 1921 zurückkehrte. Von Oktober 1925 bis April 1926 war er erneut auf Wanderschaft, von Juni 1929 bis Dezember 1930 in Brackwede gemeldet.
1922 war er KPD-Mitglied geworden und gehörte einem kommunistischen Jugendverband an. Bei einem Antifaschistentag in Bielefeld (Schillerplatz, Jahnplatz) und Minden am 28./29. Juni 1924 kamen Appelfelder und zwei weitere Jugendverbands-Mitglieder polizeilichen Anordnungen nach einer Versammlungsauflösung nicht nach und leisteten Widerstand. Appelfelder beleidigte die Beamten, die bei ihm einen Revolver und Munition feststellten. Wegen des verbotenen Aufzugs und Beamtenbeleidigung wurde er zu Geldstrafen verurteilt, wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einem Monat Haft (Westfälische Zeitung v. 10. Juni 1924) - seine Meldekarte weist dagegen einen Aufenthalt im Gefängnis Detmold vom 1. Juli 1924 bis 25. März 1925 aus. Eine weitere Verhandlung gegen ihn wegen Körperverletzung eines Nationalsozialisten in Bielefeld 1932 verlief anscheinend im Sande (Volkswacht v. 11. Mai 1932).
Nach einer längeren Fahndung wurde er im August 1933 verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus veruteilt, die er in den Strafanstalten Werl und Münster verbüßte. Nach seiner Freilassung arbeitete er in einer seit 1939/40 existierenden Widerstandsgruppe bei Dürkopp/Benteler mit, die zur Knöchel-Seng-Gruppe gehörte. Am 21. Juni 1943 wurde Otto Appelfelder erneut verhaftet, am 4. Juli 1944 vom Volksgerichtshof in Bielefeld gemeinsam mit den Bielefelder Widerstandskämpfern Hermann Kleinewächter, Gustav Koch, Bernhard Putjenter, Hermann Wörmann und Friedrich Wolgast wegen Rundfunkverbrechens, „Hochverrats“ und „Begünstigung des Feindes“ verurteilt (Westfälische Zeitung v. 6. Juli 1944) und am 15. September 1944 in Dortmund hingerichtet.
Die Witwe Martha Appelfelder war im Dezember 1945 bei der städtischen Betreuungsstelle für politisch und rassisch Verfolgte beschäftigt. Sie heiratete 1947 in 2. Ehe den Julius Dukamp (1887-1969), der aus 1. Ehe vier Kinder in die Ehe einbrachte. Die Ehe Dukamp-Appelfelder blieb kinderlos.
Bestandsgeschichte
Die Unterlagen wurden dem Stadtarchiv im September 2022 von Sonja Christlein, München, als Schenkung übergeben. Darin befand sich eine Quittung der Bild-Redaktion Hannover v. 20. Juni 1984 für eine Marion Krüger, die demnach eine Großnichte zu Hermann Appelfelder war. Recherchen zu ihr verliefen erfolglos. Die Unterlagen gelangten später an den WDR, wurde aber dort nicht weiter verwertet.
Hinweise zur Benutzung
Die Briefe Appelfelder sind in einem konservatorisch sehr schlechten Zustand.
- Archivalienbestellungen: Bestand 200,174/Nachlass Otto Appelfelder
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld (StArchBI), Bestand 200,174/Nachlass Otto Appelfelder
Quellen
- StArchBI, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958
- StArchBI, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung, Stadt, A 3
- StArchBI, Bestand 109,6/Flüchtlings- und Vertriebenenamt, Nr. 256: Martha Durkamp geb. Rosenberger verw. Appelfelder
- StArchBI, Bestand 200,27/Nachlass Emil Gross, Nr. 18: Wiedergutmachungsverfahren; Enthält u.a.: Sophie Appelfelder
- StArchBI, Bestand 300,7/Kleine Erwerbungen, Nr. 154: Urteilsabschriften Volksgerichtshof, 1944; Enthält u.a.: Otto Appelfelder
Literatur
- Lawan, Christian, Die Bielefelder KPD im Widerstand gegen den Faschismus, in: Elisabeth Harder-Gerstorff/Arno Klönne/Theodor Stiller (Hg.), Beiträge zur Geschichte der Bielefelder Arbeiterbewegung, Bielefeld 1981, S. 189-231
- Lawan, Christian, Aus dem Arbeiterwiderstand 1933-1945, in: Wolfgang Emer/Uwe Horst/Helga Schuler-Jung (Hg.), Provinz unterm Hakenkreuz. Diktatur und Widerstand in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld 1984, S. 53-76
Dr. Jochen Rath
Stadtarchivdirektor
Bielefeld im April 2024
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
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