Pfarrarchiv Hannover/Erlöser (Bestand)
Show full titleLandeskirchliches Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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H 33
Landeskirchliches Archiv Hannover (Archivtektonik) >> Gliederung >> Landeskirchliches Archiv >> H - Kirchen und kirchliche Einrichtungen in der Stadt Hannover (Stadtkirchenarchiv)
1862-2008
Bestandsgeschichte: 1. Kirchengemeinde und Archivbestand Das Archiv der Ev.-luth-Erlöser-Kirchengemeinde Hannover ist zuletzt 2003 und aufwendig von Karl-Heinz Grotjahn nachgeordnet und in einem Findbuch mit folgendem Vorwort verzeichnet worden: " ... Die Entwicklung der Ortschaft Linden vor Hannover vom kleinen Dorf (1815 = 1.500 Einwohner) über das "größte Dorf Preußens" (1870 = 12.000 Einwohner) zur Industriestadt (1908 = 60.000 Einwohner) ist beispielhaft für den sich im 19. Jahrhundert als Folge von Agrarreformen, technischen Neuerungen, obrigkeitlichen Initiativen (Gewerbefreiheit) und Unternehmermut vollziehenden Wandel eines ländlichen Raumes zu einem Industriezentrum. Zu den Folgen der sich verändernden Arbeitswelt und der Urbanisierung gehörten u. a. spezifische soziale Probleme und eine zunehmende Entfremdung vieler Arbeitender von der Kirche. Diese reagierte darauf unter anderem mit der Verstärkung ihres Angebotes an Seelsorge und Gottesdienst. So auch in Linden. Die bestehende St.-Martins-Kirchengemeinde erhielt 1858 eine zweite Pfarrstelle. Noch zu Zeiten des Königreichs Hannover begannen Planungen zu einem weiteren Gotteshaus neben der Martinskirche. Sie wurden erst in preußischen Zeiten realisiert. Die Entwürfe für diese neue Kirche fertigte der Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1812-1902) an. Der Grundstein wurde am 31. Oktober 1878 gelegt. Die Einweihung der neuen Kirche - der Zionskirche - nahm am 28. November 1880 Abt Gerhard Uhlhorn vor. Die Festpredigt hielt der Pfarrstelleninhaber der zweiten Pfarrstelle der St.-Martins-Kirche, Pastor Heinrich Tovote. Aus den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges ging das Gebäude weitgehend intakt hervor; erforderliche Reparaturen wurden erst 1962 abgeschlossen. Im Februar 1899 wurde aus dieser zweiten Pfarrstelle durch Teilung der St.-Martins-Kirchengemeinde eine selbständige Parochie, die Zionskirchengemeinde (vgl. Rep. 100 I). Der neuen Kirchengemeinde gehörten 1901 = 11.000, 1960 = 9.000 und im Jahr 2000 = 2.300 Glieder an. 1914 erhielt sie eine zweite Pfarrstelle; eine dritte (1927) hatte nur fünf Jahre Bestand. ... Der Nationalsozialismus hinterließ auch in Bezug auf die Kirchengemeinde eine deutliche Spur. Im März 1943 hatte eine Einwohnerin Lindens gegenüber dem Landesbischof Marahrens angeregt, den Namen der Kirchengemeinde zu ändern. Ob sie das aus eigenem Antrieb tat oder (was wahrscheinlicher ist) Hintermänner hatte, ist nicht klar. Tatsächlich beschloss der Kirchenvorstand am 6. Mai 1943 die Umbenennung der Zionskirchengemeinde in Erlöser-Kirchengemeinde. Während es der federführende Pfarrer 1947 bei der Beantwortung des kirchenamtlichen Fragebogens "Zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende" nicht für nötig hielt, die Umbenennung überhaupt zu erwähnen (vgl. Rep. 110-1 I.) wurde seit 1948 innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde die Forderung laut, wieder den alten Namen anzunehmen (vgl. Anregungen des hannoverschen Arbeitsausschusses für Mission unter Israel 1948 und 1949 in Rep. 110-1 I.). Gegen einen entsprechenden Änderungsantrag des Kirchenvorstandes sprach sich jedoch das Landeskirchenamt (Oberlandeskirchenrat Mahrenholz) aus, weil eine Rückbenennung "nach außen hin offenkundig macht, dass der alte Namenswechsel unter politischem Einfluß erfolgt" sei (Schreiben v. 28. Febr. 1950 in Rep. 110-1 I.). So blieb es bis heute bei der Bezeichnung "Erlöser". ... Der Bestand des Pfarrarchivs der ev.-luth. Erlöser-Kirchengemeinde wurde 1951 durch Pastor Fritz Garbe, den damaligen Archivbeauftragten der hannoverschen Landeskirche, verzeichnet und neu verpackt. Eine vollständige Neuverzeichnung unter Einschluß der seit 1951 angefallenen und für archivwürdig befundenen Schriftstücke wurde 2003 ... vorgenommen. Der Archivbestand der Erlöser-Kirchengemeinde enthält zahlreiche Akten aus den Jahren 1925 bis 1936 über die Beschaffung und Verteilung von Geld, Kleidung, Lebensmittel, Heizmaterial - Ausdruck der ausufernden sozialen Problematik in der wirtschaftlichen Krise und den Bemühungen der Kirchengemeinde, sie durch entsprechende Sozialarbeit und durch Spendensammlungen auch bei den hannoverschen Wirtschaftsunternehmen zu lindern (vgl. Rep. 361-6 I. ff.). Im Archivbestand spiegelt sich eine weitere langjährig wirksame Besonderheit der Erlöser-Kirchengemeinde wider: Die Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg bis Mitte der 50er Jahre waren geprägt durch z. T. heftige Auseinandersetzungen eines Teils der Gemeindeglieder mit einem anderen Teil, der dem "Bund für Entschiedenes Christentum!" (E.C.) und somit der sog. Gemeinschaftsbewegung angehörte. Personifiziert wurden die beiden "Parteien" in der Gemeinde jahrzehntelang, d.h. bis Ende des Zweiten Weltkrieges, durch die beiden Pastoren Oehlkers (für E.C.) und Meyer. ... Leider nicht mehr vorhanden sind die Entwürfe und Zeichnungen C.W. Hases vom Kirchengebäude und vom mangels Geldes etwas später erbauten Kirchturm. Sie sind möglicherweise im Zweiten Weltkrieg verbrannt, denn 1951 erwähnte Pastor Garbe im alten Findbuch einen Bombentreffer in der Küsterwohnung. Dabei verbrannten u. a. zwei Schränke mit Archivalien. Über Geschichte und Entwicklung der Erlöser-Kirchengemeinde dürften auch die Archivbestände der übergeordneten kirchlichen Aufsichtsgremien Auskunft geben (Superintendentur, Landessuperintendentur, Landeskirchenamt). Allerdings haben deren Überlieferungen beträchtliche Kriegslücken." 2. Deponierung im Landeskirchlichen Archiv Hannover Da mittlerweile ein geeigneter Archivraum vor Ort nicht zu mehr gegeben war, wurde das 2013 durch die Verzeichnung von Neuzugängen ergänzte Archiv der Erlöser-Kirchengemeinde Hannover im Januar 2014 im Landeskirchlichen Archiv Hannover als Bestand "H 33 (Pfarrarchiv Hannover/Erlöser)" deponiert. Dort wird das Pfarrarchiv im Magazin "Ansgarkirche" aufbewahrt. Allerdings ist der komplette Kirchenbuchbestand nicht übernommen worden. Das 2003 erstellte und 2013 ergänzte Findbuch ist nach der Deponierung der Archivalien in eine aktuelle EDV-Struktur migriert worden. Dabei sind in der Regel die Originaleinträge übernommen worden. Auf eventuelle Besonderheiten wird an entsprechender Stelle hingewiesen. Mit Ausnahme der gesperrten Archivalien ist der Bestand ohne Einschränkungen benutzbar.
Bestand
Literatur: Buschmann, Walter: Linden. Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens; 92), Hildesheim 1981), Mlynek, Klaus: "In Linden ist nichts zu finden" oder: Die unendliche Geschichte einer Eingemeindung, in: Geschichte in der Region. Zum 65. Geburtstag von Heinrich Schmidt. Hrsg. v. D. Brosius u.a., Hannover 1993, S. 377-398, 100 Jahre Erlöserkirche Hannover-Linden. Zionskirche zu Linden. Festschrift zur 200-Jahrfeier, hrsg. vom Kirchenvorstand, Hannover 1980, Riesener, Dirk: Zwischen Hanomag und Siloah, Ahrberg und Fischerhof. 125 Jahre Zionskirche/ Erlöserkirche in Linden-Süd, o.O.] Hannover] o.J. [2005]
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
01.04.2025, 1:47 PM CEST
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