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Staatsarchiv Bremen (Archivtektonik) >> Gliederung >> 7. Nichtamtliche Überlieferung >> 7.1. Nachlässe von Einzelpersonen und Familien >> Nachlässe D - F
1800-2002
Geschichte des Bestandsbildners: Die Bremer Kaufmannsfamilie Fritze stammte ursprünglich aus Blankenburg (Harz). Der dort geborene Johann Christian Carl Fritze (1747-1828), heiratete die aus Elbingerode (heute OT der Stadt Oberharz) stammende Wilhelmine Philippine geb. Hartung (1760-1821) und wurde Kaufmann in Braunschweig.
Während zwei seiner Söhne sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts als Kaufleute in Bremen niederließen, wurde ein weiterer, Eduard Fritze (1793-1832) nach der Rückkehr aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon Pächter eines Guts in Rethmar (heute OT der Stadt Sehnde, südöstlich von Hannover). Nach seinem frühen Tod und Ablauf der Pacht 1837 zog seine Witwe Nanny Fritze geb. Körber (1803-1669) zusammen mit den fünf gemeinsamen Kindern zu dessen Brüdern nach Bremen.
Geschichte des Bestandsbildners: Alle drei Söhne der Eheleute Fritze-Körber wurden Kaufleute in Bremen und beteiligten sich an dem damals lukrativen Zuckerhandel mit Kuba. So reiste der älteste Sohn Richard Fritze (1823-1883) 1843 im Auftrag der 1796 gegründeten Firma seiner Onkel, "W.A. und W. Fritze" (gegründet als "J. F. Abegg", heute "W.A. Fritze & Co. KG") nach Trinidad de Cuba und machte sich 1850 mit der Kommanditgesellschaft "R. Fritze, Traub & Co." (ab 1855 "R. Fritze & Co." bzw. "Fritze & Co.") selbstständig. Seine zwei jüngeren Brüder folgten ihm in den 1850ern. Während Constantin (1826-1857) und Adolph (1830-1855) ebenso wie Richards erste Ehefrau Johanne (1834-1854), Tochter des Bremer Bürgermeisters Arnold Duckwitz (1802-1881), und ihr einziger Sohn Eduard (1854-1854) bald am Gelbfieber erkrankten und starben, setzte Richard Fritze, der Großvater der Nachlassgeberin Maria von Pochhammer geb. Fritze, die Geschäfte der Familie in Trinidad de Cuba fort. Nach Konsolidierung des Unternehmens in Kuba kehrte Richard Fritze 1858 endgültig nach Bremen zurück, wo er 1859 Johanne geb. Boyes (1840-1911) heiratete, zusammen mit seinem Freund Hermann Gerdes die Firma von Georg Duckwitz übernahm und im Folgejahr das Unternehmen "Fritze & Gerdes" gründete. Darüber hinaus war Richard Fritze zeitweilig Angehöriger der Bürgerschaft, Handelsrichter, Schaffer der Schaffermahlzeit, deutscher Konsul für Kuba sowie Aufsichtsratsvorsitzender verschiedener Unternehmen. 1853 hatte er außerdem während eines Heimataufenthalts anlässlich seiner ersten Ehe bereits das Bürgerrecht der Stadt Bremen erworben. Seinem inzwischen bedeutenden gesellschaftlichen Rang entsprechend, ließ Richard Fritze sich 1862 eine Villa am Osterdeich (Ecke Bleicherstraße) errichten und kaufte 1871 das Landgut "Ottenholz", welches er mit dem 1877 erworbenen "Clüverholz" zum Landgut "Untereichen" vereinigte. Nachdem Richard Fritze ab 1880 mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, die ihn zusehends am Schreiben und später auch am Sprechen
Geschichte des Bestandsbildners: hinderten, starb er 1883 in Bremen.
Zurück blieb die zweite Ehefrau und sieben gemeinsame Kinder, unter ihnen auch Robert Fritze (1871-1945), der Vater der Nachlassgeberin. Nach dem Besuch des Gymnasiums und einer kaufmännischen Lehrzeit (1888-1891) bei "Schrader & Gaertner" folgte ein Aufenthalt bei Vikar Purcell in Fowey/Cornwall und die militärische Dienstzeit im oldenburgischen Dragonerregiment 19, die er als Unteroffizier beendete. Nach einer Episode in den USA 1892/93 (u.a. bei der Familie seiner Tante Antonie Mecke in New York und Texas sowie bei seiner Schwester Bertha Knoop in New Orleans) reiste er nach einer kurzen Rückkehr nach Bremen 1893 über Stettin, Paris, Bordeaux und Lissabon nach Buenos Aires. Da er dort zunächst keine Anstellung fand, nahm er ein Angebot der Firma "Staudt & Co." an und arbeitete in der Folge bis 1896 für deren Filiale in Montevideo, bevor er zusammen mit Otto Küster die Firma "Küster & Fritze" gründete, welche u.a. in Trenque Lauquen die "Barraca Alemana" errichtete. Nachdem Küster sich während eines Europaaufenthalts Richard Fritzes (u.a. Bremen, Italien) 1897 verspekuliert hatte, arbeitete Letzterer noch bis 1900 in Argentinien im Wollgeschäft, bevor er endgültig nach Bremen zurückkehrte, wo er noch einige Jahre kaufmännisch tätig war (Firmen "Nordam & Fritze" und "Pfeifer & Co."). 1904 heiratete er Emma Ichon (1883-1946), die Tochter des Bremer Kaufmanns Theodor Ichon, Sohn einer ursprünglich aus der Gegend von Bordeaux stammenden Familie. Ab 1906 war Robert Fritze schließlich bis zu seiner Erblindung 1926 als Fonds- und Effektenmakler an der Bremer Börse tätig. Er starb 1945 in Günthersberge im Harz, seine Frau Emma 1946 in Bremen.
Geschichte des Bestandsbildners: Kurz vor ihrem Tod mussten die Eheleute Fritze allerdings noch schwere Nachrichten entgegennehmen. 1943 war ihr ältester Sohn, der Diplom-Landwirt Constantin Fritze (1909-1945), nach Kampfeinsätzen in Frankreich und der Sowjetunion, in sowjetische Gefangenschaft geraten, in der er, wie sich später herausstellte, am 25.03.1945 in einem Lazarett in Tiflis (heute Georgien) starb. Die 1942 geschlossene Ehe blieb kinderlos. Der jüngere Sohn, Dr. med. Theodor Fritze (1917-1944), war ab 1943 im Abschnitt Mitte an der Ostfront eingesetzt, wo er vermutlich während der Operation Bagration in der Nacht vom 27. auf den 28.06.1944 bei Bobruisk (heute Weißrussland) ums Leben kam. Er wurde 1968 für tot erklärt. Die Nachlassgeberin Maria Fritze (1907-2002) hatte somit während nur 1 ½ Jahren ihre gesamte Familie verloren. Sie selbst hatte 1928-1934 in Heidelberg, München, Bonn und Kiel studiert und war anschließend als Stenotypistin und kaufmännische Sekretärin u.a. für die "Unterweser Reederei AG" (URAG) tätig. Im fortgeschrittenen Alter lernte sie in den 1950er Jahren ihren späteren Mann, den verwitweten Diplomaten Wilhelm von Pochhhammer (1892-1982) kennen, den sie 1957 heiratete und auf vielen seiner v.a. nach Indien führenden Reisen begleitete. Maria von Pochhammer geb. Fritze starb 2002 im Alter von 94 Jahren.
Bestandsgeschichte: Bereits zu ihren Lebzeiten hatte Maria von Pochhammer Teile des Schriftguts und Bildmaterials in mehreren Kleinstablieferungen am 12.09.1974, 17.02.1977, 20.07.1978, 09.03.1982, 16.09.1982 an das Staatsarchiv Bremen abgegeben, die sukzessive provisorisch von Dr. Patemann verzeichnet wurden. Der Großteil des Nachlasses gelangte allerdings erst nach ihren Tod über den Testamentsverwalter Herrn Kück ins Haus. Das 2002 übernommene Schriftgut betraf allerdings keineswegs nur die Familie Fritze sondern inkludierte auch den Nachlass ihres vorverstorbenen Mannes Wilhelm von Pochhammer sowie umfangreiches Material zu den Familien der Vorfahren von Maria von Pochhammer. Die ihren Ehemann betreffenden Unterlagen wurden noch im gleichen Jahr separiert und durch Prof. Dr. Konrad Elmshäuser in den bereits 1982 angelegten Bestand 7,158 "Wilhelm von Pochhammer" eingearbeitet. 2003 wurde außerdem das die Familien Holler und Hegeler sowie auch Ichon und Gruner betreffende Schriftgut herausgelöst und durch Dorothea Breitenfeld dem ebenfalls 1974 angelegten Bestand 7,107 "Familie Holler" zugeführt. Die Unterlagen, welche die Familie Fritze betrafen, blieben zunächst unverzeichnet. Zusätzlich wurde der Bestand zu einem unbestimmten Zeitpunkt um die Überlieferung zur Nebenlinie des Ältermanns Carl Wilhelm Fritze (1791-1842), abgegeben durch dessen Urenkelin Elisabeth Phillips geb. Fritze (1900-1998), ergänzt. Diese besteht hauptsächlich aus Korrespondenz zwischen seinem Sohn Wilhelm August Fritze (1828-1896) und dessen Frau Wilhelmine (genannt Willy) geb. Albers mit deren Brüdern Johann (1831-1886) und Heinrich Albers (1839-?) sowie deren Ehefrauen. Die Briefe gelangten über Wilhelm Albers (1885-1965) aus Ahrensburg (vorher aus Bispingen) an Frau Elisabeth Phillips geb. Fritze. Zuletzt wurde dem Bestand noch eine von Dr. med. Karl Helge Deinhard angefertigte gebundene Abschrift eines Tagebuchs Richard Fritzes zugeführt.
Bestandsgeschichte: Der somit als angereichter Familiennachlass zu betrachtende Bestand wurde 2018 in seine aktuelle Ordnung gebracht, verzeichnet, enteist und archivgerecht verpackt. Dabei wurden weitere Wilhelm von Pochhammer (1 Archivkarton) bzw. die Familien Ichon, Gruner, Holler und Hegeler (6 Archivkartons) betreffende Unterlagen identifiziert, die den jeweiligen Beständen zugeführt werden sollen. Somit setzt sich der Bestand Fritze aus insgesamt 21 Archivkartons zusammen, die sich in Schriftgut (14 Archivkartons) und Bildmaterial wie Fotos, Fotoalben und gerahmte Gemälde (7 Archivkartons) gliedern. Zusätzlich gibt es noch eine kleine Zahl an Negativen auf Zelluloid- bzw. Nitrofilm, die aus Gründen der Bestandserhaltung gesondert gelagert werden (Verzeichnungseinheiten 235-243).
Da die Nachlassgeberin umfangreiches Material zu diversen Personen der Familie gesammelt hat, orientiert sich die innere Ordnung des Bestandes primär am Vorfahrenbaum von Maria von Pochhammer geb. Fritze und ordnet die Personen, zu denen Schriftgut bzw. Bildmaterial vorhanden ist, in ein Generationsschema ein, beginnend mit ihren Altgroß- bzw. Urururgroßeltern Bennecke. Sofern möglich, gliedern sich die zu einer Person vorhandenen Unterlagen dabei in biographische Unterlagen, berufliche Tätigkeit bzw. eigene Werke, Korrespondenz sowie Bildmaterial. Daneben existieren von Robert Fritze begonnene und von dessen Kindern fortgeführte Genealogische Sammlungen sowie Sammlungen zum Landhaus "Untereichen" in Oberneuland und zum Stadthaus der Familie am Osterdeich.
0,4
Bestand
Literatur: Chronik eines Familienunternehmens 1796-1996. 200 Jahre W. A. Fritze & Co., Bremen 1996. (Im Bestand, Sign. StAB 7,103 - 144) Pochhammer, Maria von: Aus den Fritzeschen Familienpapieren, in: Brem. Jb. 52 (1972, S. 277-281). Wurthmann, Nicola: Senatoren, Freunde und Familie. Herrschaftsstrukturen und Selbstverständnis der Bremer Elite zwischen Tradition und Moderne 1813-1848 (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv Bremen 69), Bremen 2009.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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