Philipp Platz an Karl Weltzien
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27072 Nachlass Karl Weltzien
27072 Nachlass Karl Weltzien >> 1 Korrespondenzstücke in der alphabetischen Folge der Absender >> 1.122 Platz, Philipp (*1827, +1900)
1849 Juli 4, Karlsruhe
Enthält: (1r) Platz ist nach Karlsruhe zurückgekehrt, wo derzeit die "absoluteste Ruhe" herrscht. Weltzien ermöglichte Platz, der die Natur von Kindheit an liebt, eine Reise in die Schweizer Alpen. Deimling dürfte von den ersten beiden Reisetagen berichtet haben. Nach einem Rundblick vom Rigi unternahmen sie bei Regen eine "Fahrt auf dem See". In Flüelen trennten sie sich, und Platz wanderte noch am Abend nach Amsteg. Nachdem der Regen am nächsten Vormittag aufgehört hatte, reiste Platz nach Wassen weiter. Anschließend ging er zu Fuß die Gotthardstraße weiter bis nach Realp. Die Aussicht vom Rigi war "erhaben", die "Fahrt auf dem See" "lieblich", der "Charakter des Reussthals furchtbar", die Teufelsbrücke "das Maximum Alles Wilden und Schrecklichen". Am vierten Tag (26. Mai) setzte Platz seine Reise über den mit tiefem Schnee bedeckten Rhonegletscher "zur Grimsel" (Grimelsee) fort. Platz stieg den Rhonegletscher bis zur Quelle der Rhone ("Eisgewölbe") hinauf. Am nächsten Tag brach er in Begleitung eines "Knechts aus dem Grimselhospital" zum Unteraargletscher auf und stieg bis "hart an den Fuß des Schreckhorns". "[I]m Hôtel des Neufchatelois" legte er eine Rast ein. Der Felsen, der den "Genfer Naturforschern" (= Schweizerische Naturforschende Gesellschaft) als "Haus" diente und auf dem noch alle Namen zu lesen sind, war Teil des Rastplatzes. "Das Haus selber" ist durch die stark vorrückende Bewegung des Gletschers und die anhaltenden Messungen am Gletscher (1v) zerstört. Vor mehreren Jahren wurde ein neues Haus errichtet, der "Pavillon Dollfuß", etwa "1 Stunde unterhalb des Hôtel des Neufchatelois" gelegen. Links vom Pavillon befindet sich das Finsteraarhorn, rechter Hand erstrecken sich "die Schreckhörner", "im Mittelgrund das Eismeer des Berner Oberlandes". Am Abend kehrte Platz nach Grimsel zurück. Tags darauf unternahm Platz gemeinsam mit einem Reisegefährten eine Tour "von der Grimsel" nach Meiringen ("Meyringen"). Seinen Plan, "durch das große Eismeer" über Schreckhorn und Finsteraarhorn nach Grindelwald zu gehen, verwarf er mangels wagemutiger Reisebegleitung sowie aufgrund der Kosten. Die Führung eines Alleinwandernden über Strahlegg ("Strahleck") kostet 18 bis 20 französische Francs. Platz ging daher an einem Wasserfall vorbei zum Reichenbach und weiter bis "Rosenlauibad". Am folgenden Tag wurden eine Besteigung des Gletschers und eine Wanderung zur Scheidegg ("Scheideck") begonnen, aber des Nebels wegen nach Grindelwald gegangen. Ziel war Interlaken, das am 29. Mai erreicht wurde. Platz übernachtete in Interlaken im "Hôtel Seiler". Von dort aus kann man bei schönem Wetter die Jungfrau sehen. Von ständigen Wetterumschwüngen begleitet, reiste Platz über Thun nach Bern. Der Anblick der eisbedeckten Jungfrau im Sonnenschein war Platz ein eindrucksvolles Bild, (2r) sodass ihm "das Heimweh eines Schweizers nach seinen Bergen" nun begreiflich ist. Nach einem Tag in Bern fuhr Platz "mit der Post" nach Basel, wo er zum ersten Mal wieder Zeitungen und Nachrichten aus dem "Politischen Gebiet" las. Letztere bewegten Platz, die Reise über Straßburg fortzusetzen und "von dort irgendwie den Heimweg zu suchen". Am 31. Mai fuhr Platz mit dem an diesem Tag erstmals wieder verkehrenden "Dampfboot" nach Knielingen. Vier Tage dauerte die Reise von Interlaken aus. Die Aufenthalte in Bern, Basel und Straßburg waren kräftezehrend. Der Weg von Basel und Straßburg nach Knielingen mit dem Schiff ist "vollkommen sicher"; "sogar von Basel aus" dauert die Schiffsreise nur einen Tag. Platz grüßt Weltzien und dessen Familie. In Karlsruhe befindet sich "viel Militär": "Preußen, Nassauer, auch ein großer Theil des Contingents von Lichtenstein, dessen Gesamtmacht jetzt 52 Mann beträgt". Das preußische Regiment steht aufgrund anfänglicher "Anmaßung und Grobheit" in schlechtem Ruf. Drei Nassauer sind bei Platz einquartiert; die maximale Anzahl ist auf acht beschränkt. Madame Deimling hatte sechzehn Einquartierungen. Das Stadtleben wird von der Anwesenheit der Preußen bestimmt und geprägt. Der Großteil der Erlasse wird vom "königlich preußischen Stadtkommandant Oberst von Bardeleben unterzeichnet"; die badische Regierung ist tatenlos. Von der Politik hat sich Platz abgewandt und widmet sich, gestärkt von seiner Alpenreise, ganz der Wissenschaft. Platz erinnert sich gerne und wehmütig an die "Schweizerberge". (2v) Platz ist Weltzien "innigsten Dankes" verpflichet. Madame Deimling erhielt Weltziens Brief, wie auch Platz den nach Zürich adressierten Brief seines Vaters vorfand. Platz übermittelt die Grüße seines Vaters an Weltzien. Die hölzerne Gemse, die Weltzien zugesandt bekam, wurde vom "besten Holzschnitzer" in "Rosenlauibad" angefertigt. Die Schnitzerei ist ein Geschenk für den "eifrigen Jäger" Weltzien. Rastatt wurde noch nicht eingenommen. Da kein Geschützdonner zu hören ist, vermutet Platz das Ruhen der Kampfhandlungen. Wertsachen und andere Gegenstände sind "in einem großen Loch im Garten", gegen Feuchtigkeit geschützt, vergraben. "Büchsen, Hirschfänger und Säbel" sind versteckt. Ihre Aufbewahrung im Rathaus erschien "dem Konrad" zu unsicher. Als Mitglied der Bürgerwehr behält Platz "die Muskete".
2 Blatt
Handschriften
Bardeleben, von
Deimling (Nachname)
Konrad (Name)
Seiler (Nachname)
Amsteg/CH
Basel/CH
Bern/CH
Berner Oberland/CH
Finsteraarhorn/CH
Flüelen/CH
Grimselsee/CH
Grindelwald/CH
Interlaken/CH
Jungfrau/CH
Karlsruhe/DE
Knielingen/DE
Meiringen/CH
Nassau/DE
Preußen
Realp/CH
Reusstal/CH
Rigi/CH
Rosenlaui/CH
Reichenbach/CH
Schreckhorn/CH
Scheidegg/CH
Strahlegg/CH
Straßburg (Strasbourg)/FR
Straßburg (Strasbourg)/FR
Teufelsbrücke/CH
Thun/CH
Unteraargletscher/CH
Wassen/CH
07.03.2025, 09:23 MEZ
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