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Schreiben von Wilhelm Weber an seine Eltern, Ludwig Weber und Elise Schwettmann, und seine Schwester Luise Weber in Minden
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Stadt Minden WN 31 Nachlass Ludwig Weber / Hermann Nothhoff, Nr. 3
Stadt Minden WN 31 Nachlass Ludwig Weber / Hermann Nothhoff Nachlass Ludwig Weber / Hermann Nothhoff
Nachlass Ludwig Weber / Hermann Nothhoff
1940
Enthält: u.a. 500 Meter von der luxemburgischen Grenze entfernt, Teilnahme an einer Varieté-Vorstellung: „So etwas „Elegantes“ hätte ich in diesen verödeten Landstrichen nicht erwartet.“, 11. Jan. 1940; Bitte um „Präservativkreme“ [zum Schutz der Füße], „Schickt mir im Augenblick nicht soviel Eßsachen!“, 15. Jan. 1940; „Hier herrscht zurzeit eine grimmige Kälte u. ein mächtiges Schneegestöber. [...] Seit dem letzten Alarm liegen wir mit 2 Zügen in einer Baracke. Es ist furchtbar, der eine steht dem andern im Wege. Wir haben uns zur Not noch Stellagen gebaut, sodaß wenigstens 3 Mann übereinander liegen können. Sonst in den ersten Tagen lagen wir auf der Seite dicht beieinander, es war einfach unmöglich, ohne den lieben Nachbarn zu verständigen, sich zu drehen. Dazu dieser unmögliche Miew [!] u. die eigenen Sachen lagen immer durcheinander. Ich wollte, wir kämen hier bald wieder weg! [...] Das Stopfgarn gebrauche ich ja auch dringend, für meine Handschuhe u. für meine Strümpfe. Es ist ja fast unmöglich noch weiterzuschreiben, die Leute sind hier am Singen u. Spielen.“, 18. Jan. 1940; Verlegung von der Westfront an die Ostfront, nach Pommern, erfolgt, 31. Jan. 1940; Unterbringung in Privatquartieren, dann in Kaserne mit Betten: „Hier möchten wir nie wieder weg!“, 31. Jan. 1940; „Ein Paket kann man hier schon ganz gut gebrauchen. Aber trotzdem gefällt es mir hier ganz gut! Es gibt hier sogar „schöne“ Filme u. noch sonst manche Vergünstigungen.“, 5. Febr. 1940; „Der Dienst ist hier im Vergleich zur Kompanie bedeutend annehmbarer!m Aber die Chanse [!] wegen der Treffen ist kollossal [!] gesunken! Man muß eben wieder von vorn anfangen u. Unteroffiziere sind in Hülle u. Fülle vertreten! Sonst ist der Dienst für mich Spielerei! Es ist gut, daß außer dem zugewiesenen aktiven Pionierunteroffizier keiner der Unteroffiziere mir etwas vormachen kann! Diese klammern sich kollossal [!] an die Vorschriften u. die sind für einen Pionier einmal nicht immer gut; denn der Pionier muß auch mit dem Kopf arbeiten. Des Abends haben wir meist immer ein gutes Programm! Der Weg führt dann oft zum Kino. Meistens gibt es noch Freikarten oder man bezahlt eben 0,30 RM und sieht dabei die besten Filme. Man muß nur sehen, daß man 1 Std. mindestens früher da ist, sonst bekommt man keinen Platz mehr. Sonst trinkt man des Abends in der Kantine auch schon „ein“ Bier, dazu kommt dann die vielen Antwortschreiben u. erledigen der Post.“, 22. Febr. 1940; „Gestern abend [!] habe ich die Führerrede gehört - es war ziemlich laut in der Kantine - u. danach zu urteilen, bricht der große Sturm bald los! Es wäre ja auch zu wünschen, daß die Welt mit ihren Reichtümern bald neu aufgeteilt würde! [...] Gestern nachmittag [!] war ich im Kino - Ein ganzer Kerl - u. heute nachmittag [!] von 13 30-15 15 Uhr habe ich den Film Mutterliebe gesehen. Es waren ausgezeichnete Filme!“, 25. Febr. 1940; „Wir sollen uns einen großen Gummiring (Tarnung für den Stahlhelm) von den Einkochgläsern von zu Hause schicken lassen.“, 3. März 1940; „Sonst ist die Kost auch nicht allzu besonders; es ist gut, daß ich immer noch von den Paketen zehren kann.“, 8. März 1940; „Sogar von der N.S.-Frauenschaft „Minden-Königstor“ habe ich einen Kuchen u. Spekulatien bekommen.“, 15. März 1940; neue Feldpostnummer: „Hier weiß man immer noch nicht, was eigentlich gespielt wird. Vielleicht könnt Ihr mir in nächster Zeit etwas mehr berichten.“, 7. Apr. 1940, „O.U.“; „Ich zähle zum Nachkommando u. konnte infolge dessen auch nicht an dem militärischen Vorgehen zu den nordischen Staaten teilnehmen. Wieder eine große politische Tat!“, 12. Apr. 1940, „O.U.“; „Ich habe leider mit 8 Fahrern u. noch einem Kameraden u. zwar einem Tischler das Vergnügen, auf dem alten Platz „Wache“ zu halten. Ich sage leider, denn ich wäre gern mit den andren „gen Norden“ gereist.“, 16. Apr. 1940, „O.U.“; „Ich bin Nachkommandoführer von unserm Pi Zug. Z. Zt. also ein ziemlich ruhiges und bequemes Leben! Aber dieses Leben gefällt mir in dieser Gegend doch nicht. Viel lieber wäre ich mit den andern Kameraden gereist. Man hört nichts von denen. Vielleicht haben die auch schon die erste Feuertaufe überstanden. Unser Zug war ein lustiger Haufen, jetzt bei dem herrlichen Wetter, weiß man des Abends nicht, was man anfangen soll. Somit ist die Gefahr im Verzuge, auf die Schlendrianbahn zu kommen. Vor allem, wenn man des Abends die neuesten Nachrichten hören will u. die natürlich nur in der Kantine hören kann, und aus einem Glas Bier 3 od. 4 oder noch mehr werden. Da kann man verflucht doch ein armer Teufel werden. [...] Meine weiße Turnhose mit kurzer Unterhose dazu, könntet Ihr bald schicken, um sich Sonntags wenigstens gut zu bräunen. Wenn Lieschen Niveakreme oder Niveaöl bekommen kann, dann kann sie ruhig kaufen u. schicken! [...] Wenn Lieschen eine Ersatzfeder für den Füllfederhalter noch vorrätig hat, kann sie mir die schicken“, 22. Apr. 1940; „Zu Vaters 50.jährigen [!] Geburtstag meinen herzlichsten Glückwunsch! Mit welcher Freude u. Genugtuung kann er auf das erste halbe Jahrhundert seines Lebens zurückblicken; denn es war doch immer nur ein „Auf-“ und Vorwärtskommen. Wenn ich ihm am 2. Mai auch nicht die Hand drücken kann, um ihn [!] zu gratulieren, so bitte ich doch zu bedenken, daß nach dieser Zeit doch eine andere kommt und uns dann das Glück vielleicht [„vielleicht“ nachträglich über der Zeile eingefügt] viel netter u. freundlicher entgegenstrahlt. [...] Hier herrschte heute eine leichte Nervösität [!]. Man weiß nicht genau, wann es hier weg geht u. wohin es geht. Verschiedene Einheiten sind emsig am Packen. Man hat jedenfalls das Gefühl, daß wir hier auf dem alten Platz nicht lange mehr bleiben werden.“, 25. Apr. 1940; „Gestern morgen [!] mußten wir unsre Fahrzeuge beladen abwiegen lassen. Es war einmal eine gute Beschäftigung auf den [!] Tag „der nationalen Arbeit“. Meinen Amtskollegen mag ich garnicht [!] mehr schreiben. Was denken die von mir? Drückposten! Hoffentlich kommen wir bald auch dahin! [...] In dieser sturen Gegend verblödet man noch. Das einzige schöne [!] ist, daß man Nachrichten hört. [...] Schreibt man nicht zu oft, macht den Garten dafür schön!“, 2. Mai 1940; „So drückt man jeden Morgen sich hier so herum, indem man sich fast ausschließlich selbst beschäftigt. Nachmittags ist allerdings für alle 1 Std. Exerzieren, Waffenreinigen und abwechselnd Appell. Abends nach Feierabend liest man entweder einen Roman, sieht einen Film oder setzt sich in die Kantine. Letzteres ist immer am teuersten; denn 1 Kam. aus Bonn ist ein ziemlich durstiger u. trinkfester Bursche. Mein Algebra-Buch habe ich soweit schon durchgearbeitet, außerdem, wenn man immer dasselbe übt, kommt es einem aus dem Halse heraus. Nun fragt man sich, wie lange soll das hier noch so weitergehen? Des Nachts sind verschiedene Kam. schon sehr rebellisch, sie haben einen Koller u. sind laut am erzählen [!]. Am 1. Mai ist einer aus dem Reiterzug beim Paddeln auf dem Pielburger See ertrunken. Man kommt sich bald vor, als wenn man hier in einem Straflager säße; denn man ist ja von der Außenwelt vollkommen abgeschlossen, sieht nur Soldaten u. Kasernen, Urlaub nach Neustettin gibt es auch nicht. Ihr werdet vielleicht denken, der ist auch schon leicht angehaucht. Im Krieg soll jeder froh sein, daß er sein Leben behält. Gewiß, aber 5 Mon. nichts anderes sehen u. erleben, zermürbt einen auch. Die Kameraden haben immer noch nicht geschrieben. Wahrscheinlich haben die, zur Truppe hin, Schreibverbot. Es werden die größten Schauermärchen erzählt, wieviele schon gefallen sein sollen. Andere faseln schon davon, wir kämen zum Südosten u. würden kurzweg anderen Truppen zugeteilt. M.E. ist das unmöglich. Nun bedauere ich schon, daß ich Ostern das Knaurs Lexikon dort gelassen habe. Außerdem interessiert mich ein altes Geschichtsbuch von Lieschen - Griechische u. Röm. Geschichte. Darauf aufbauend könnte ich schön die Altdeutsche u. Preuß. Geschichte, vielleicht findet Lieschen noch entsprechende Bücher in ihrem Schrank - durchstöbern. [...] Von Münster - LandeskultAbtlg habe ich am 3. d.M. ein schönes Paket mit Plätz[ch]en, Bonbons, Zigaretten, Tabak, Briefpapier u. eine Karte v. Norwegen bekommen. Außerdem lag noch ein schöner Schreibblock dabei.“, 7. Mai 1940; „Heute habe ich Euren Brief vom 7. dankend erhalten. Wie ich gelesen habe, ist der Adolf Sebald zu Tode gekommen u. der Feldw. Kilp verletzt. Es ist doch furchterregend, was so ein Krieg alles mit sich bringt. [...] Von unseren Kameraden habe ich bis heute immer noch keine Nachricht! Ich will doch ein bischen nachsichtiger sein u. mich in meinem [!] Schicksal hier besser fügen. Heute wurde uns eröffnet, daß der Urlaub weitergeht. Bei diesen paar Leuten, die noch hier sind, bin ich ja bald auch wieder an der Reihe. Aber vorläufig kommen erst andre. Eigentlich ist man noch garnicht des Urlaubes würdig! Was sagt Ihr vom gestrigen Einmarsch unserer Truppen in Belgien, Holland u. Luxemburg? Wieder, welch eine kühne Tat unserer Heeresleitung! Aber dort wird es noch kollessal [!] viel Blut kosten. Der Krieg muß eben nach nationalsozialistischem Tempo zu Ende geführt werden. [...] Mutter kann vielleicht schon meine Badehose aus den Ecken heraussuchen.“, 11. Mai 1940; Ansichtskarte [Motiv: Schnuchels Betriebe Neustettin, Mause-Insel, Kaffee Adam im Klosterwald], 13. Mai 1940; „Einer von den Kam. vom Pi-Zug hat hier zur Kantine geschrieben, sie liegen sehr weit nördlich u. haben immer noch mit Schnee zu kämpfen; außerdem sind sie aufgeteilt. Von Verlusten hat der Betreffende nichts erwähnt.“, 19. Mai 1940; „Wie ich gelesen hab, ist Behrmanns Besitzstand etwas kleiner geworden! Ich kann mir die Aufregung gut denken! Aber was ist heute in dieser großen Zeit ein kleiner Stallbrand! Von Norwegen habe ich auch Post bekommen! Ein Stubenkamerad Siegfried Steinhauer schrieb mir, daß der verh. Uffz Eck u. d. Sch. Johann Schmitz bei einem Spähtruppunternehmen gefallen seien. Sie haben viel [mit] Wegebau u. vor allem mit Brückenbau zu tun gehabt. Sie liegen in Lärdal am Sone-Fjord! Außerdem sind mehrere verletzt! Unser Regt. hat im Norden schwere Kämpfe u. besonders viel Verluste gehabt. In der alten 3. Komp. sind allein 6 Uffz. gefallen, davon sind 3 erst im Frühjahr hier befördert. Im Durchschnitt hat jede Kompanie ungefähr 20-25 Gefallene u. ebensoviel Verletzte. In den Bergen haben die dort kollessale [!] Strapazen auf sich nehmen müssen u. sind immer wieder von versteckten Schützen - auch Heckenschützen - aufgehalten worden. Verschiedene sind dort oben schon befördert worden, andere haben das E.K. bekommen. Ich muß mich nun hier in der Wüste Pommern herumdrücken, des Morgens Pferde appelfähig [!] machen und des Nachmittags mich Exerzieren u. Appells unterwerfen. [...] Einer unser[er] Stubenkameraden hat einen kleinen Radioapparat mitgebracht. Wir sollen uns mit 2,20 RM beteiligen. Mit großer Aufmerksamkeit lauschen wir den Erfolgen unserer Kameraden im Westen“, 30. Mai 1940; Verlegung in Richtung Norwegen, 13. Juni 1940; „Am 25. d.M. bin ich nach einer sehr schwierigen u. anstrengenden Fahrt bei meinen Kameraden am Sone Fjord in Laerdal gelandet. Über 8 Tage dauerte die Expedition. In Aalborg (Dänemark) wurden wir nach 2tägiger Fahrt aus dem Zug gelandete [!] u. nach 2 Tagen Aufenthalt auf dem [!] Truppentransport verfrachtet. In Dänemark war die Stimmung zu uns ausgezeichnet. [...] Überhaupt die Menschen im Norden sind bezgl. Charakter u. Rasse erstklassig. Da hingen z.B. in Aalborg u. Oslo die Kleider draußen an den Straßen. In Norwegen werden des Nachts nicht einmal die Haustüren verschlossen. Wenn man das erste Mal ins Ausland kommt u. sehen muß, daß die Dänen u. auch die Norweger uns besser verstehen als wir sie, dann staunt man unwillkürlich. Die Kinder lernen in den Volksschulen schon etwas Deutsch und Englisch. [...] In Norwegen ist die Stimmung nicht so blendend zu uns. Man muß sich hier erst an alles gewöhnen. [...] Nur fehlt mir ein norwegisches Wörterbuch! Eine Badehose habe ich mir in Dänemark gekauft. Meinen Tränungsanzug [!] könnte ich hier sehr gut gebrauchen, ebenso den Photoapparat, aber leider ... Ich bin 8 Tage nach dem Pi-Zug-Transport vom alten Platz weggefahren u. habe jetzt nach kurzem Aufenthalt in Oslo die Kameraden die noch in Oslo stecken, zurückgelassen. Wir sind mit 5 Truppentransporter [!] herüber von Aalborg nach Oslo gefahren u. an der Stelle vorbeigekommen, wo s.Zt. die Blücher mit vielen Kameraden auf den Grund geschickt wurde. Die Überfahrt dauerte etwa 25 Std. Als Sicherung waren zwei Torpedodampfer u. außerdem noch 4 sonstige Schiffe eingesetzt. Außerdem hatten wir noch Fliegerschutz. Es wurden nur ein paar Wasserbomben geworfen, worauf wir ein wenig unruhig wurden. Jeder mußte an Deck seine Schwimmweste anbehalten.“, 27. Juni 1940, Norwegen; „Ich habe hier im hohen Norden auch viel Unterhaltung u. Freude bei den Kameraden. Heute abend [!] habe ich erst gebadet. Das Wasser ist hier kollessal [!] kalt, weil aus den hohen Bergen viel Schneewasser nach herunterströmt. Die Kompanie, wo ich früher drin war, hat sehr viel geleistet u. ist sehr bekannt geworden. Alles spricht von den kühnen Unternehmungen des Kompaniechefs Viehweg. Selbst die Norweger haben nach dem Komp.Chef verlangt. Der Führer soll ja heute abend [!] sprechen. Schickt mir bitte darüber die Zeitung.“, 28. Juni 1940, Norwegen; „Gestern war ich 120 km mit dem Omnibus weg u. habe noch einmal so richtig das norwegische Land mit seinen hohen Bergen u. tiefen Tälern bewundern können. Soeben war mein alter Gruppenführer aus der 3. Komp. hier u. erzählt wie von unserer alten Gruppe nur 3 Mann lebend (sie waren alle drei verwundet) übrig geblieben sind. Es ist doch erschütternd! Die Leute sind jetzt schon viel freundlicher! Mit ein paar Mann gehen wir des Abends zum Radiohören, wo 2 Mädels sind, die perfekt deutsch sprechen. Wir können uns sehr gut mit den beiden, es sind Studentinnen, unterhalten. Die Eltern u. Großeltern bewirten uns auch schon mal mit einer guten Tasse Bohnenkaffee oder mit Milch. Die Menschen es sind in der Regel große schlanke Gestalten sind sehr offen u. auch liebevoll. Die wissen auch garnichts davon, wenn sie in den kalten Gebirgsgewässern 10-14° Wärme baden. Im Grunde ihres Wesens werden sie wohl ewig echte Norweger bleiben aber im Stillen bewundern sie doch uns Deutsche vor allem die militärische Schlagkraft. Der englische Einfluß und die daraus resultierende englische Voreingenommenheit sinkt von Tag zu Tag [...] mehr.“, 12. Juli 1940, Norwegen; „Für das kleine Büchlein „Norsk - Tysk“ auch an Lieschen herzlichen Dank! Das „Tysk - Norsk“ Buch in derselben Aufmachung wäre mir ebenso gut u. lieb! [...] Besucht Euch auch oft der Tommy! Die längste Zeit wird es wohl gedauert haben mit seinen Besuchen. Hier kann man soweit noch alles kriegen, wenn man nur Geld hätte.“, 28. Juli 1940, Norwegen; Planung und Bau von Pferdeställen, Verleihung des Westwall-Ehrenzeichens, 6. Aug. 1940, bei Hemsedal, Norwegen; „Daß Lieschen als schmucke Rotkreuzschwester auch schon Bahnhofsdienst hat, hat mich besonders überrascht.“, 6. Aug. 1940; 15. Aug. 1940, in Gol, Norwegen; „Dann gratuliert Mutter zum Obergefreiten. Gewiß, ab 1.7. bin ich mit 4 andern Kam. Obergefreiter. Aber bitte, schreibt nach wie vor Gefreiter, es klingt besser. Vom Leutnant bin ich schon einmal aufgefordert, mir den 2. Winkel zu besorgen. Da nun die „4 Kollegen“ ihren Winkel angelegt haben, möchte ich Euch bitten, mir einen Doppelwinkel im Brief zu schicken. In meinem Schlafzimmer im Zigarrenkasten auf dem Schrank befindet sich einer. Es wäre mir viel lieber, der Krieg wäre bald aus und ich könnte richtig das Leben wieder anpacken, als hier in der Freizeit herumzusitzen und zu brüten. Mein Kam. Erwin Hoppe fährt nun morgen oder übermorgen. Ich habe ja nun Eure Wünsche gelesen und ich will auch versuchen, möglichst gute u. nützliche Sachen zu kaufen u. herüberzubringen. Es ist uns allerdings verboten, Kaffee u. Wäsche nach Deutschland herüberzubringen. Gestattet ist nur, in einem Monat ein Päckchen (250g) Kakao od. Schokolade zu schicken. Dabei soll das Paket vor dem Abschicken auf der Schreibstube vorgezeigt werden. Außerdem reicht das Geld auch nicht. Die Soldaten in Frankreich konnten nur solange schicken, als sie die doppelte Löhnung kriegten. Ich habe sie anfangs 1mal noch gekriegt. Für die 20 Kronen, die es alle 10 Tage gibt, ist auch nicht viel anzufangen, da viele Sachen sehr teuer sind. So kostet das Haarschneiden z.B. 1,50 Kr. Andere Sachen sind wieder billiger z.B. ½ l Sahne 0,80-0,90 öre. (1 Mark = 1,66 Kronen) Die Verpflegung reicht nicht, man ist tatsächlich gezwungen, zuzukaufen. Bis zum 20. d.M. bin ich überhaupt sehr knapp, da ich den Rest zu meinem Pullover bezahlt u. Uhrreparaturen gehabt habe. Dazu kommen 7 Kr. für Lieschens Strümpfe. Der Pullover kostet 16 Kr. Für das Baden braucht Mutter keine Angst mehr zu haben. Es ist schon zu kalt dazu. [...] Gestern abend [!] waren wir zum ersten Mal v. K.d.F. aufgezogenen, in einem Jugendheim behelfsmäßig hergerichteten Kino. Neben der Wochenschau „Militärische Operationen in Dänemark u. Norwegen“ gab es über den H. Rühmann-Film „Paradies der Junggesellen“ sehr viel zu lachen.“, 18. Aug. 1940, Gol, Norwegen; „Liesels Ansicht, ich sollte mich man dranhalten mit einer Beförderung, ist ganz nett und schön! Hier im Zug ist seit Bestehens [!] desselben noch keiner zum Korporal befördert. Es sind eben keine Stellen frei. Wenn Ihr in diese Verhältnisse hineinriechen würdet, Ihr würdet mir so etwas nicht mehr vorhalten! Man muß eben etwas Glück haben u. dazu gehört selbstverständlich die Gunst der Vorgesetzten. Man soll nie einen Menschen nach seinem Äußeren einschätzen, denn z.B. unser Adolf Hitler als Gefreiter hat uns im Weltkrieg mehr geleistet, als mancher Offizier. Mir paßt es auch nicht richtig, wenn ich sehe, daß meine Kollegen Uffz sind u. bald Feldwebel werden oder andere Freunde Offz. bzw. Anwärter sind. Das Schicksal will es eben nicht anders u. somit ist die Sache für mich erledigt. Es ist gerade nicht mehr angenehm, wenn man eben in den Augen eines Offiziers nichts ist und alles u. sei es nach Feierabend machen kann. Heute habe ich die gewünschten Strümpfe etwas dunkler für 5,60 Kr. eingekauft und sie schon abgeschickt! Außerdem habe ich für 1,60 kr., schwarzes Strickgarn gekauft. Vorläufig hört das Einkaufen jetzt auf. Nun etwas Sensationelles, heute morgen [!] schrieb mir Helm. Wehking, daß der Niemöller aus Bielefeld, übrigens der schlechteste Mann bei uns in der Technikerprüfung, nächsten Frühjahr zur Inspektorenprüfung zugelassen ist. Er hat das Einjährige! Der Regierungsrat sagte damals, „ein besseres Ergebnis „ausreichend“ haben Sie doch nicht erwartet!“ Seht, so ein Possenspiel gibt das Leben! Einen Brief an H. Dullberg, meinen Ausbilder in der Lehrabtlg., worin ich mich nach allem erkundige, habe ich schon unterwegs! Schade, daß ich jetzt das Abschlußzeugnis von der Baugewerkschule nicht habe. Vielleicht werde auch ich einen Antrag stellen! Zunächst hängt es von der Antwort v. Dullberg ab. H. Wehking liegt bei Amiens u. möchte auch gern wieder nach Haus.“, 24. Aug. 1940, Gol, Norwegen; „Für Mutter will ich nach der nächsten Gehaltslöhnung erst mal sehen u. auch ein paar Str[ümpfe] schicken! Aber dann ist es genug! Ich habe noch Bilder bestellt, die ich bezahlen muß u. dazu will ich auch für mich noch einen Pullover, 2 P. wollene Strümpfe u. 2 Unterhosen kaufen! Jetzt schon friert es des Nachts hier! Was soll das erst im Winter geben! [...] Wahrscheinlich wird der Kampf mit England bald vom Zaun gebrochen, damit wir doch endlich einmal Frieden bekommen! Ich fürchte allerdings, daß ein Teil nach Friedensschluß von uns als Besatzung vorerst hierbleiben muß! Hoffentlich zähle ich nicht zu diesen Unglückswürmern!“, 30. Aug. 1940, Gol, Norwegen; „Ist das letzte Paar Strümpfe eigentlich nicht angekommen? Es waren gute Strümpfe! Heute habe ich Mutter auch noch Strümpfe gekauft. Ich wollte noch etwas dickere kaufen, aber ich konnte sie nicht kriegen. Hoffentlich ist es Mutters Geschmack! Für mich habe ich auch 1 P. gekauft. Mir scheint es, als ob die Sachen immer teurer werden. Die Landser kaufen alles weg! Das Wegschicken wird immer noch erschwert. [...] Habt Ihr gestern abend [!] die Rede Hitlers gehört? Obwohl ich sie gehört habe, möchte ich doch bitten, daß Lieschen mir die Zeitung mit der Rede nachschickt! Der Hoppe ist bis jetzt immer noch nicht gefahren - er hatte bislang 1x Urlaub - und wird vorerst noch nicht fahren. Es ist traurig aber wahr! Es scheint, als ob die oberen Herren etwas Besonderes mit uns vorhaben. (?) [...] Ich bin von Gol wieder zurück nach Hemsedal gekommen [...] Leider gibt es dabei sehr viel Arbeit! Die Freizeit läßt sehr zu wünschen übrig.“, 6. Sept. 1940, Hemsedalf Norwegen; „Mit meinen Kronen komme ich gar nicht mehr auf einen grünen Zweig! Gestern habe ich mir Hosenträger, 1 Handtuch, 5 Bünde schwarzes Wollgarn u. 2 Schachteln Rosinen gekauft. Wozu ich Rosinen gekauft habe, werdet Ihr in den nächsten Tagen selbst beantworten können. Es fehlt mir z.Zt. an leeren Paketen (Kartons) u. an Kronen; sonst könnte ich noch mehr schicken. Verschiedene kaufen sich hier Pelze (ungegerbt) vom Silberfuchs. Ich glaube aber, daß diese später in Deutschland auch viel billiger werden. Jedes Paket (wir dürfen jetzt 4 Stck im Monat schicken) muß auf der Schreibstube vorgezeigt werden u. bekommt dann einen entsprechenden Vermerk. Vom ersten Paket werdet Ihr das Porto nachbezahlen müssen! Ich hoffe, daß Ihr mir später genügend Briefmarken u. leere Kartons schickt u. die beiden Rosinenkartons umschickt; also letztere Kartons vorsichtig öffnen! Es ist besser, wenn Mutter mir sofort schreibt, ob 5 Bund zu einem P. Strümpfe genügen. Will Lieschen auch so ein buntes, seidenes Kopftuch haben? Leider wird von den Soldaten hier sehr viel gekauft u. wir wollen Norwegen, das nicht als Feindesland zu betrachten ist, nicht ganz auskaufen. Anders ist das mit Frankreich! [...] So ernst habe ich die Sache mit Lieschens Hinweis nicht genommen! Es ist doch nur eine Schmiererei hier bzgl. Beförderungen. Für mich wäre es besser, wenn ich in 2 Jahre [!] die Insp. Prüfung machen könnte u. da haben wir doch bei einer Vergrößerung unserer Verwaltung nach dem Kriege nicht geringe Aussichten. Verschiedene Herren sind so z.B. schon versetzt. H. Hilgemann ist in Holland u. 2 Herren in Polen. [...] Es soll von hier bald fortgehen; ich bin gespannt wohin.“, 15. Sept. 1940, Hemsedal, Norwegen; „Heute schicke ich etwas Pfeffer und Kanel [!] mit! Wir sind Mitte der Woche umgezogen und liegen jetzt an einem Ort, wo es bedeutend wärmer ist als vorher! Mit über 70 Mann liegen wir in der Jugendherberge! Es ist hier ganz nett! Ein großes Empfangsgerät „Telefunken“ gibt uns genügend Unterhaltung und übermittelt uns die Grüße der Heimat! [...] Der Erwin Hoppe ist vorgestern tatsächlich in Urlaub gefahren! Schreibt ihn [!] bitte sofort! Seit 4 Wochen habe ich ihn nicht mehr gesehen! Wir waren 60 km auseinander! Mit den Karten wird es hier immer schlimmer! In verschiedenen Geschäften bekommt man ohne Karten keine Wurst u. keine Käse!“, 22. Sept. 1940; „Mit der Zeit merkt man doch, daß dieses Land nicht unsere Heimat ist und auch nie werden kann! Die Leute sind innerlich verbissen und sehr zurückhaltend! Anfangs in Laerdal habe ich das garnicht so gemerkt; das Volk war besonders freundlich zu uns Pioniere [!]. Außerdem ging ich des Abends mit einem Kameraden zum Radiohören und zugleich zum Kaffeetrinken. (?) Der Alte (ein 70jähr. Postmeister) hatte früher in Amerika mit einem Deutschen zusammen gearbeitet u. war immer froh, mit uns sprechen zu können! Mit der Enkelin des Alten stehen [!] ich heute noch im Briefwechsel! Sie ist Dolmetscherin und schreibt interessante Briefe. [...] Soeben höre ich, daß in Laerdal von einem Zivilisten das Verpflegungsamt angesteckt worden ist. Man muß doch vorsichtig hier sein. Die Norweger sind doch ein hinterhältiges Volk; besonders jetzt, wo gestern abend [!] der König abgesetzt worden ist. Bei uns macht sich das durch verstärkte Nachtwache bemerkbar!“, 26. Sept. 1940; „Mit dem Kaufen wird es hier immer schwieriger, für manche Sachen gibt es nur etwas auf Punkte.“, 29. Sept. 1940; „Habt Ihr die 4 Pakete bekommen? 2 Stck. Seife hatte ich darin versteckt. In [den] nächsten Tagen will ich 1 Seidenhemd u. für Vater ein paar Unterhosen kaufen. Allerdings muß ich die Unterhosen erst tragen.“, 11. Okt. 1940; „Daß Alvers Willy so allerhand gute Sachen mitgebracht hatte, verstehe ich wohl; denn Frankreich bedeutet immer noch Feindesland für uns; während Norwegen als Freundesland zu bewerten ist. (?) Mit dem Einkaufen sieht es hier noch immer faul aus. Wir bekommen hier jetzt auch Karten (Kuchenkarten) Wenn man etwas kaufen will wie Wolle, Unterwäsche usw., dann heißt es rationiert. Trotzdem will ich noch versuchen, wenn nicht hier, dann in anderen Ortschaften zu kaufen.“, 19. Okt. 1940; Informationen zur Ausbildung zum Vermessungstechniker, 19. Okt. 1940; „Da ich jetzt genügend Geld habe, möchte ich mal anfragen, ob Lieschen einen Silberfuchspelz ungegerbt haben will. Viele von uns kaufen einen u. schicken ihn weg zur Heimat, lassen ihn dort gerben und verkaufen ihn wieder. Natürlich machen sie „dortheim“ dabei einen guten „Reibach“. Für mich kostet hier ein Silberfuchs vielleicht 60 - 90 RM, dazu kommen 30 RM Verarbeitung in der Heimat. So ein Pelz kommt in Deutschland immer noch auf 200 - 300 RM.“, 26. Okt. 1940; „In nächster Zeit soll ich mich aber mehr mit dem Gerät befassen und die nötigen Listen in Ordnung bringen [Bestandsbücher für Waffen etc.; vgl. Brief vom 26. Okt. 1940]. Wenn ich nicht in letzter Zeit so gut gelaunt wäre, würde ich mich ärgern, daß ich allen „Mist“ in Ordnung halten soll und doch keinen Vorteil davon habe. Aber dann kommt auch wieder der Gedanke, daß man ja auch nicht um „seines“ Vorteils willen, hier seinen Dienst macht, sondern nur dem Ruf einer höheren Ordnung gehorcht und sich im Hinblick dessen, gern unterordnet. Jeden Tag hat man als Gerätewart nur Auseinandersetzungen mit den Kameraden. Der eine will ein Fahrrad, der andere braucht Werkzeug zur exbeliebigen [!] Zeit und nun soll man immer springen und ausgeben.“, 3. Nov. 1940; Schwester Lieschen soll Wünsche zurückstellen: „Außerdem weiß Lieschen, daß ich mit einem Mädel, noch unbekannt, aus Mülheim in gutem Briefwechsel stehe u. eventuell diesem Mädel zu ihrem baldigen Geburtstag beschenken möchte. Wenn Lieschen auch noch ein kleines Plus gegenüber diesem Mädel an Sympathie bei mir hat, begründet in der Blutsverwandtschaft[,] erwarte ich doch erst eine Führungsnote hierüber von Mutter.“, 6. Nov. 1940; „Die kleinen Hosenträger, die ich für Vater empfohlen habe, kosten nach deutschem Geld 2,85 RM. Gestern habe ich für Lieschen eine Garnitur Unterwäsche abgeschickt, ich konnte nur noch Nr. 42 kriegen. Hoffentlich gefällt es Lieschen. Wegen eines wollenen Schlüpfers will ich auch noch etwas versuchen.“, 16. Nov. 1940; „Sonst geht es mir soweit ganz gut, man gewöhnt sich immermehr [!] an dieses Land; denn Norwegen ist landschaftlich gesehen schön, sehr schön! Vor acht Tagen haben wir eine 70 km lange Fahrt mit dem größten norwegischen Luxusdampfer „Stella Polari[s]“ gemacht. Es war einfach fabelhaft. Es gab dort Kino, Varietee [!], einen großen Speisesaal, großartige Badegelegenheit in Wannenbädern, zum Doktor, Friseur, Apotheker überall konnte man hingehen. Es ist mir sogar passiert, daß ich mich auf dem Schiff verlief. Es war einem, als wenn man auf einem Vergnügen auf einem großen Festplatz war. Die Norweger sind auf ihren größten Dampfer sehr stolz; er fuhr auch unter norw. Flagge.“, 23. Nov. 1940
Nachlass Ludwig Weber
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.