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Korrespondenz von Thomas Mann an Roeßler
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Handschriftenabteilung I >> Archivalie – Korrespondenz
1940
"Sehr verehrter Herr Roeßler,
es ist schön, daß Sie an Heinrich denken. Ich denke an beinahe nichts anderes als an ihn und an unseren zweiten Sohn, der sich ebenfalls in Frankreich befindet, wie es scheint auf freiem Fuß, irgendwo in Marseille oder bei Toulouse. Es sind unter der Hand Bemühungen im Gange, seinen genauen Aufenthalt ausfindig zu machen und ihn mit einem überseeischen Visum zu versehen. Er selbst gibt keinen Laut von sich, und ebenso wenig tut das mein Bruder. Diese Menschen müssen sich wohl äußerst still verhalten. Golo hat man in Marseille wenigstens gesehen. Über meines Bruders Verbleib weiß ich überhaupt nichts. Ich frage mich, ob er sich bei französischen Freunden, vielleicht im Gebirge, versteckt hält, oder ob er sich gar einfach in seiner Nizzaner Wohnung aufhält und fatalistisch den Lauf der Dinge abwartet. Wäre er ergriffen worden, so hätte man das doch wohl erfahren. Von der Schweiz sowie von hier aus wird geforscht. Ein Amerikaner ist hinübergesandt, Geldmittel sind aufgebracht, um den Meistgefährdeten zur Flucht zu verhelfen. Im Grunde aber zweifle ich, ob Heinrich, der fast 70jährige, überhaupt fort will. In Amerika kann man ihn sich schwer vorstellen, und ich vermute fast, daß er es vorzieht, sein Leben in Europa so oder so zu beschließen.
Bermann-Fischer ist von Stockholm, wo er Wochen lang im Gefängnis gesessen hat, über Rußland, Japan hier eingetroffen, nach abenteuerlicher Reise, mit Frau und Kindern. Das Merkwürdigste sind seine Schilderungen von dem unbeschreiblichen Elendszustand Rußlands.
Ihnen und uns allen ist zu wünschen, daß England den fürchterlichen Sturm besteht, der ihm jetzt droht. Ihr sehr ergebener Thomas Mann."
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.