Notariat Sachsenheim: Todesanzeigen von Fremdarbeitern des Krankenlagers Großsachsenheim an das Nachlassgericht (Bestand)
Show full title
Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, FL 312/122 III
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Untere Verwaltungsbehörden seit um 1945 >> Geschäftsbereich Justizministerium >> Staatliche Notariate
1944-1946
Inhalt und Bewertung
Der Bestand enthält 624 einzelne Todesanzeigen. Sie wurden vom Standesamt Großsachsenheim an das Nachlassgericht Großsachsenheim gemeldet und betreffen Fremdarbeiter, die im sogenannten Krankenlager Großsachsenheim zwischen Anfang Mai 1943 und Ende April 1945 starben. Das Krankenlager Großsachsenheim wurde ab Mai 1943 betrieben, um das Durchgangslager (DULAG) Bietigheim, durch das von 1941-1945 rund 200.000 Fremdarbeiter verteilt und vermittelt wurden, von den langfristig und vor allem von den ansteckenden Kranken (und auch von den Sterbenden und Toten) zu entlasten. Wie viele Menschen das Krankenlager Großsachsenheim passierten, ist mangels erhaltener Unterlagen nicht mehr zu ermitteln. Die Zahl der im Krankenlager Großsachsenheim Vestorbenen wird auf eine Größenordnung zwischen 540 und 780 geschätzt.
Die Toten wurden im Lager selbst registriert und an den Bürgermeister gemeldet, der sie in ein spezielles Totenbuch eintrug. Die Unterlagen zu beiden Vorgängen befinden sich vermutlich im Stadtarchiv Großsachsenheim.
Erst gut ein Jahr nach den ersten Todesfällen wurde dann auch die eigentlich nach § 14 der Verordnung des Justizministeriums vom 10. März 1933 über das Nachlasswesen vorgeschriebene Meldung an das Notariat (Nachlassgericht) Großsachsenheim aufgenommen. Auf der ersten Todesanzeige vermerkte der Bezirksnotar Esslinger unter dem 22.5.1944:
"Nach Auskunft des Arbeitsamts Ludwigsburg (Krankenlager für ausländische Arbeiter von Großsachenheim) hat diese Verwaltung etwaige Nachlassgegenstände (insbesondere Sparguthaben aus Arbeitslohn) der verstorbenen russischen Staatsangehörigen in Verwahrung und Verwaltung übernommen, bis Weisung von der zuständigen [...]dienststelle über eine weitere Verwendung des Nachlasses ergeht. Ein Fürsorgebedürfnis für den Nachlass ist nicht vorhanden, sonach entfällt eine amtliche Tätigkeit" (Textverlust durch Lochung).
Das Notariat heftete damit sämtliche Todesanzeigen einfach ab.
Erst 2015 wurden sie im Rahmen der Aktensichtung vor der Auflösung des Notariats Sachsenheim dem Staatsarchiv übergeben (Zugang 2015/147). Sie befanden sich in zwei Sammelordnern mit marineblauem Leineneinband, welche ursprünglich zur Aufnahme der Loseblatt-Ausgabe von Werner Hoche: 'Deutsches Kriegsrecht. Umfassende, systematisch geordnete Sammlung der seit Kriegsausbruch erlassenen Gesetze und Verordnungen' vorgesehen waren.
Zum Krankenlager Großsachsenheim, auch zur Problematik der (Un-)Vollständigkeit der Totenlisten, s.: Elisabeth Wanjura: Das Krankenlager und sein Friedhof in Großsachsenheim. NS-Arbeitsverwaltung und alliierte Besatzung 1943-1946. Noirétable o.J. (2017) (Editions de l'Avière). ISBN 978-2-9559235-0-4. Dienstbibliothek Staatsarchiv Ludwigsburg: Bd 121.
Eine unter Mitwirkung des Ukrainischen Vereins Stuttgart erarbeitete Totenliste mit 667 Namen und aktuellen Ortsnamen (Stand: April 2018) befindet sich bei den Registraturakten des Staatsarchivs unter: 751-0503-N-122/1. Unterlagen befinden sich ebenfalls im Stadtarchiv Sachsenheim.
31.05.2019 Dr. Elke Koch
Der Bestand enthält 624 einzelne Todesanzeigen. Sie wurden vom Standesamt Großsachsenheim an das Nachlassgericht Großsachsenheim gemeldet und betreffen Fremdarbeiter, die im sogenannten Krankenlager Großsachsenheim zwischen Anfang Mai 1943 und Ende April 1945 starben. Das Krankenlager Großsachsenheim wurde ab Mai 1943 betrieben, um das Durchgangslager (DULAG) Bietigheim, durch das von 1941-1945 rund 200.000 Fremdarbeiter verteilt und vermittelt wurden, von den langfristig und vor allem von den ansteckenden Kranken (und auch von den Sterbenden und Toten) zu entlasten. Wie viele Menschen das Krankenlager Großsachsenheim passierten, ist mangels erhaltener Unterlagen nicht mehr zu ermitteln. Die Zahl der im Krankenlager Großsachsenheim Vestorbenen wird auf eine Größenordnung zwischen 540 und 780 geschätzt.
Die Toten wurden im Lager selbst registriert und an den Bürgermeister gemeldet, der sie in ein spezielles Totenbuch eintrug. Die Unterlagen zu beiden Vorgängen befinden sich vermutlich im Stadtarchiv Großsachsenheim.
Erst gut ein Jahr nach den ersten Todesfällen wurde dann auch die eigentlich nach § 14 der Verordnung des Justizministeriums vom 10. März 1933 über das Nachlasswesen vorgeschriebene Meldung an das Notariat (Nachlassgericht) Großsachsenheim aufgenommen. Auf der ersten Todesanzeige vermerkte der Bezirksnotar Esslinger unter dem 22.5.1944:
"Nach Auskunft des Arbeitsamts Ludwigsburg (Krankenlager für ausländische Arbeiter von Großsachenheim) hat diese Verwaltung etwaige Nachlassgegenstände (insbesondere Sparguthaben aus Arbeitslohn) der verstorbenen russischen Staatsangehörigen in Verwahrung und Verwaltung übernommen, bis Weisung von der zuständigen [...]dienststelle über eine weitere Verwendung des Nachlasses ergeht. Ein Fürsorgebedürfnis für den Nachlass ist nicht vorhanden, sonach entfällt eine amtliche Tätigkeit" (Textverlust durch Lochung).
Das Notariat heftete damit sämtliche Todesanzeigen einfach ab.
Erst 2015 wurden sie im Rahmen der Aktensichtung vor der Auflösung des Notariats Sachsenheim dem Staatsarchiv übergeben (Zugang 2015/147). Sie befanden sich in zwei Sammelordnern mit marineblauem Leineneinband, welche ursprünglich zur Aufnahme der Loseblatt-Ausgabe von Werner Hoche: 'Deutsches Kriegsrecht. Umfassende, systematisch geordnete Sammlung der seit Kriegsausbruch erlassenen Gesetze und Verordnungen' vorgesehen waren.
Zum Krankenlager Großsachsenheim, auch zur Problematik der (Un-)Vollständigkeit der Totenlisten, s.: Elisabeth Wanjura: Das Krankenlager und sein Friedhof in Großsachsenheim. NS-Arbeitsverwaltung und alliierte Besatzung 1943-1946. Noirétable o.J. (2017) (Editions de l'Avière). ISBN 978-2-9559235-0-4. Dienstbibliothek Staatsarchiv Ludwigsburg: Bd 121.
Eine unter Mitwirkung des Ukrainischen Vereins Stuttgart erarbeitete Totenliste mit 667 Namen und aktuellen Ortsnamen (Stand: April 2018) befindet sich bei den Registraturakten des Staatsarchivs unter: 751-0503-N-122/1. Unterlagen befinden sich ebenfalls im Stadtarchiv Sachsenheim.
31.05.2019 Dr. Elke Koch
624 Formularblätter (0,1 lfd. m)
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 2:40 PM CET
Hierarchy
Hierarchy detail view
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik)
- Untere Verwaltungsbehörden seit um 1945 (Archival tectonics)
- Geschäftsbereich Justizministerium (Archival tectonics)
- Staatliche Notariate (Archival tectonics)
- Notariat Sachsenheim: Todesanzeigen von Fremdarbeitern des Krankenlagers Großsachsenheim an das Nachlassgericht (Archival holding)