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Erster Weltkrieg: Notizbuch, Briefe, Fotos, Landkarten von Louis Fiedler und anderer Herkunft
Enthält:
1 Notizbuch mit Namen und Adressen, Kriegserlebnissen, Standorte, technische Aufzeichnungen zu Brücken, Wasserrinnen, etc., Finanzaufzeichnungen
Briefe an Milla Fiedler (Schwägerin) und "Klara" auf Abreissblockpapier
beginnend am 7.3.1916 bis 31.3.1916 insgesamt 30 Seiten:
Fiedler beschreibt seine Abreise am 2.3.1916 von Ingolstadt mit der 7. Reserve Pionier Kompanie an die Westfront über Donauwörth, Ulm, Stuttgart. Am nächsten Tag weiter über Bruchsal, Germersheim, Landau nach Saarbrücken, weiter nach Metz. Am 4.3.16 über Charleville, Valenciennes nach Lille. Von dort mit der Straßenbahn nach Haubertain, zu Fuß nach Fournes. Er ist an der Frontlinie mit den Engländern an der Somme. Er berichtet über die Arbeiten, die Zerstörungen, die Bedrohungen, Leben an der Front im Schneesturm, Morast, etc. Orte, die erwähnt werden: Formelles, nach Versetzung zur 10. Kompanie Teprez, Haubourdin, Sainghin, Beaucamps. Sehr anschauliche Schilderungen. Gefallene Genossen und Verwundungen sind vermerkt. Aufenthalt in Lille mit Stadtbeschreibung
vom 9.4.1916 mit 9 S.:
Bericht vom Materialtransport mit einer Förderbahn unter Beschuss der Engländer und, sehr anschaulich Ostersonntag, 23.4.16, Gottesdienst in einem Betsaal und gleichzeitig englische Flieger, die abgeschossen werden.
vom 15.7.1916, 1 Seite, Rückseite Bleistiftzeichnung einer Kirche oder Schloss:
Front im Kohlengebiet, Quartiermacher, zusammengeschossene Ortschaft. Er vermisst Zeitung.
vom 30.10.1916 an "Klara" bis zum 3.11.1916 ges. 19 S.:
Bericht über die 5. Versetzung innerhalb 4 Wochen, Arbeit, eine Ortsbefestigung zu erstellen wird mit Leutnant erkundet, ca 1,5 km von der Frontlinie entfernt. Beschreibung von Gefechten. Ortschaft als Trümmerhaufen. Verwundete. Versuch, bei Regen in Unterschlupf zu schlafen. Wassermangel. Betreten von Häusern verlassener Orte. Besuch der zerschossenen Kirche von Bapaume. Schlachttage an der Somme, die Engländer verstärkt durch "dumme" Australier.
Erwähnt: Villers au Flos, Riencourt, Peronne, Bapaume ausführlich, Baulencourt
Text der in deutscher Schrift verfassten Briefe:
Brief an Milla Fiedler (Schwägerin)
7. IV. 16
Liebe Milla!
Der Einfachheit halber sende ich die Nachrichten über meine Person und bitte dich Verwandte und Bekannte dann bei Nachfrage aufzuklären.
Also am 2. III. 16 bin ich mit 18 Pionieren und 1 Uffz. mittags von Ingolstadt als Ersatz für die 7. Res. Pion. Kpg. abgefahren. Richtung Donauwörth, Ulm und Stuttgart. Dort merkt man schon mehr vom Krieg. Zum Glück hatten wir erst nachts 4 Uhr Eisenanschluß, so daß ich mit meinem Uffz. noch etwas in der Stadt herumgondeln konnte. Wir waren für diese Nacht in einem, in der Nähe vom Bahnhof gelegenen Hotel einquartiert, welches in möglichst primitiver Weise zum Soldatenheim umgebildet ist.
Am 3.III. über Bruchsal, Germersheim, Landau nach Saarbrücken. Dort längeren
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Aufenthalt, fleischlosen Tag, leider wieder für Militär alles abgesperrt, Beköstigung gegen Bezahlung durch das Rote Kreuz, Menü: Kartoffelsuppe und warme Wurst mit Senf. Die 2 Stunden, welche noch frei waren, widmete ich und mein Uffz. dem Saufen und der Besichtigung von Saarbrücken. Abends Weiterfahrt nach Metz, dort bei größtem Nebel angekommen, Kantine mau, Soldaten hocken aufeinander, großer Qualm, Essen warme Würste. Quartier zum Übernachten 3 geschossiges Massenquartier. Nachts wieder weiter und am 4. III. über Charleville (Hauptquartier von S.M.), Valenciennes, dort Lokomotiventgleisung, nach Lille, Ankunft 1/2 3 Uhr nachmittags. Lille ist hauptsächlich in der Nähe des Bahnhofs zerstört, riesige Ruinen von 4 stöckigen Häusern mit großen Eisenkonstruktionen,
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welche durcheinandergestürzt und verbogen sind. In der Nähe des Theaters ein großes Vergnügungsetablissement, welches jetzt großes Bierlokal nur für Militär ist und "Zum Feldgrauen" jetzt heißt. Zu Essen selbstverständlich nichts, Fleisch hier sehr wenig, auf der Straße wenig Civil. Abends mit Straßenbahn nach Haubertain, dort in Pionierparkkantine letzten Abschiedsgruß, dann 1 3/4 Std nach unserem Standquartier Fournes. Marsch in der Nacht, für Mannschaft beschwerlich wegen schwerem Tornister. Dort Unterkunft auch für später in selbstgebauten Holzbaracken.
5.III. Sonntag. Besichtigung des stark zerschossenen Ortes, welcher circa 1 1/2 von der Front entfernt ist. Ort liegt höher als Stellung, gutes Ziel für Artillerie. Kirche stark
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zerschossen, Nachmittag bei dem Pionierpark Aufsicht über Sandsackfüllen und Rangiermanöver.
6.III. Montag
Aufstehen 3 h früh. Abmarsch 4 h, dann in Nacht und Nebel hinein, vorn an der Front bunte Leuchtraketen, einzelne Schüsse, manchmal setzt das Maschinengewehr ein. So stolpere ich ungefähr 1 1/4 Stunden mit meinem Uffz. bald links bald rechts, keinen blassen Dunst von Weg und Steg, dann durch das vollständige zerstörte Formelles, am Bahnhof unsere umgestürzte Lokomotiven, von denen die Metallteile von uns abmontiert sind, ein Zug auf freier Strecke, die Geleise haben wir unter der Zeit alle weggeschafft, dann über eine sumpfige Strecke dann Rollbahngeleis nach. Stockfinstere Nacht, alle Augenblicke tritt man
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von den Verbindungsstücken der Geleise ab und sinkt ein. Diese Strecke muß im Galopp genommen werden, weil die Kugeln hier pfeifen. Dann durch einen morastigen Obstgarten und wir sind glücklich an unserem Arbeitsplatz. In einem geschlossenen Bauernhof stellen wir mit aller Heimlichkeit einen größeren Bauunterstand ein. Beton 1m stark außer den Umfassungswänden, eben die entsprechende Stärke für Granatsicherheit. Elektr. Licht ist eingerichtet, jedoch muß sehr oft die Taschenlampe aushelfen. Zwischen 6 und 7 Uhr früh ist das größte Feuer der Infantrie. Die Engländer schießen häufig zu hoch und die Kugeln pfeifen oft bei uns vorüber. Durch Leuchtraketen wird auf allen Seiten gefunkt. Bei Tagesgrauen schläft das Infanteriefeuer ein, dafür regelmäßig der englische Flieger, welcher
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die Stellungen absucht. Also möglichst gute Deckung, denn das (sind) unsere größten Feinde. Links von uns arbeiten die G.........leger bei der Legung von großen Kabeln. Großartig auf dem flachen Rücken den Feind zu sehen. Bei dem sichtigen Wetter kommen dann auch gleich die Granaten geflogen und die Reiterei verschwindet schleunigst. Um 12h Mittag tritt unser Trupp den Heimweg an. Über den Abhang zurück, gefährliche Sache, denn die feindliche Artill. schaut scharf aus und läßt Schrappnells und Granaten hin wo sie etwas sieht. Deshalb in großen Abständen je zwei Mann vor. Oben auf der Höhe sammeln und zurück nach unserem Ort. Mittagessen meistens Büchsenfleisch mit Suppe. 2 Stunden Ruh dann Chargen... 1 Std. Abends Jagd nach Bier. Hier 3 Kantinen von verschiedenen Rgt. Von 8 - 9h in die Läusekiste.
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Bis jetzt habe ich noch keine Läuse, aber ich werde wie die anderen Kameraden auch nicht verschont bleiben. Die Ausrüstung der Mannschaft ist originell, jeder kommt daher wie er will, das Schloß vom Gewehr dicht mit Lumpen umwickelt, die Rolle mit der Gasmaske, die bei keinem fehlen darf, die Hosen häufig mit Sandsäcken umwickelt, weil alles Morast und Lehm ist, häufig auch mit Stecken, manchmal sieht man ein Schirm (?).
7. III.
Wetter bei Abmarsch sehr schlecht. Schnee und Sturm und früh 4 Uhr lassen den 1 1/2 Std. Marsch nicht angenehm erscheinen. Sonst wie vor.
8.III.
Wieder früh 4 Uhr Schneesturm. Bei unserer Arbeitsstätte schlägt dicht in der Nähe ein Schrapnell ein ohne Schaden anzurichten. Mittag beim Heimweg schönes, Frühlings-
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wetter. Am Granatenweg kommen wir auch gut vorrüber. In der Nähe einer Scheinbatterie erwischt uns aber das Unglück - Zwischen dem 1. und 2. Trupp meiner Mannschaft, welche immer zu 2 - 3 Mann mit größeren Abständen geht, schlägt eine Granate ein, ohne Schaden anzurichten. Kurz darauf folgen noch 7 Stück, hiervon 4 Blindgänger. Zum Glück hört man die Dinger kommen und hat noch Zeit sich in Dreck hinzulegen. Unser Heimweg erfolgte also mit großen Umwegen um von der Straße und dem Bahngeleis wegzukommen.
9.III.
Schönes Wetter. In aller Früh kommen schon die Flieger und Mittag, als wir heim gehen wollten, ein feindliches Flugzeuggeschwader, bestehend aus 2 Abt. zu 5 Fliegern.
Skizze der Formation
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Selbstverständlich große Kannonade nach ihnen, der 4. Flieger ging langsam herunter und landete bei Fournes. Nachmittags war ich an der Landungsstelle. Franz. Apparat mit 2 englischen Off., 2 Masch.Gew. Flieger waren verwundet.
Dann erhielt ich die Mitteilung, daß ich zur 10.bay. Res.,Pion. Kpi. versetzt bin, und deshalb morgen nicht mehr ausrücken brauche. Deshalb schleunigst in die Badeanstalt. Diese in einer Brauerei. In einem größeren Raum, 2 große eiserne Bottiche aufgestellt, das ist die ganze Herrlichkeit und erfüllt auch ihren Zweck.
10. III.
Nachmittag nach Teprez zur 10. Kpi. Quartier schlecht. Ich wieder im Uffz. Zimmer. Baracke, welche teilweise unter Terrain liegt, deshalb Grundwasser, welches immer aus einem Sammelschacht ausgepumpt wird.
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In der Früh Tornister auf dem Boden, Wasser steht 10 cm in dem Zimmer. Alles im Tornister hin. Rosige Laune (?) selbstverständlich.
11.III.
Soll für mich Rasttag sein. In aller Früh jedoch raus und per pedes nach Haubourdin. Alles mit Gewehr und Patronen, weil vollständig ungefährliche Gegend. Dort nicht weit entfernt sollen 2 Holzbrücken mit dem entsprechenden Verbindungsweg hergestellt werden.
Wetter nicht schön, Material etc. fehlt noch, herumstehen, allgemein miese Stimmung. Abends durch die Klein- bzw. Rollbahn zurück ins Quartier.
12.III.
Wie vor, nur daß wir nach Haubourdin per Rollbahn fuhren. Mittag wieder heim und Galopp-
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umzug nach Fourmes, unserem neuen Quartier und meinem früheren bei der 7.R.Kpi.
Zum Glück finde ich in einem Unteroffz. Zimmer noch eine Bettstatt. Hier ist Ortsquartier, also keine selbstgebauten Baracken. In einem Hofe finde ich dann noch eine Matratze einer Kinderbettstatt, die übrigen Zwischenräume werden mit Sandsäcken, gefüllt mit Holzspänen ausgefüllt. Dann geht's zur Reinigung und Herrichtung des Zimmers. Der Ofen zieht ganz gut, was eine Hauptsache ist. Die nötigen Heiligenbilder und Statuen zur Ausschmückung des Zimmers sind auch bald aufgetrieben, nur die Beleuchtung fehlt noch, eine Talgkerze genügt. Nur der Brunnen geht nicht, der Hof wird von allem möglichen gesäubert, Aborte hergestellt etc.
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15. III.
Trapp, Bauchschuß (+)
Weiterhin Brückenbau bei H.
14. III.
Dr. Reichert, Stabsarzt von Nbg. getroffen
16. III.
Brückenbau
17. III.
In einem alten Bauernhaus, Erdgeschoß, werden mehrere Wände herausgerissen und ein größerer Raum für eine Kantine geschaffen. Die Decke wird mit neuen Brettern verschalt und gestrichen, die Wände ebenfalls, dann die Fenster und die Türen, Einrichtung gemacht, Scheiben eingeglast, elekt. Beleuchtung eingerichtet, die äuß. Mauerfläche blauweiß gestrichen, Aborte gebaut etc. Das Geschäft geht glänzend, nur Mangel an Bier,
heute 21.III. 50 Faß wieder gekommen. Alles Münchner Bier. Pro Lt. 35 Pfg., die Flasche 55 Pf.
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19. III.
Seit 3 Wochen der 1. Ruhetag. Ausflug nach Sainghin. Preußen, andere Div., feines Cafe, Kino, Photographen
20. III.
Kantineneinrichtung. Flieger belästigen uns sehr, große Schießerei nach denselben, erfolglos.
21. III.
Mayer, Bauchschuß (+)
Chargen.... wegen Offz Ks. Abends Tarock mit Gitarrenbegleitung und Sing-Sang.
22. III. Preuß, Ellenbogenschuß. Kantineneinrichtung. Mittag Speck und Kaffee. Das ist noch etwas Abwechslung, gewöhnlich gibts nur das Büchsenfleisch = Corned-beef oder Käs. Sonst wenig Arbeit. Die Firma H.F. in Fürth läßt überhaupt nichts von sich hören. Eine Abwechslung in der Esserei wäre dringend erwünscht. Ebenso neue Wäsche, bzw. Wäsche von meinem
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früheren Haushalt, dann die bei Loos bestellten Pinsel, gute Radiergummi.
Die Zeitung geht auch immer noch an die 7. Kpg. statt an die 10. Bitte dieses zu berichten. Geschrieben habe ich deshalb schon einmal. 2 Wäschesäcke habe ich nach Fürth geschickt, sind dieselben angekommen. Vorsicht Läuse.
Von Karl habe ich noch keinen Ton gehört.
Gruß Louis.
NB Die Nr. 11 und 12 habe ich Leo geschickt.
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24. und 25. III. Ruhetag wegen Versetzung zu einer anderen Bgd.
25. III. Kleine Malerei für Kantine und Grabkreuze. Heute wieder ein Paket Nr: 1 erhalten. Vor 2 Tagen Nr. 6 und ? Dann habe ich noch die ca. 5 Pakete mit Wäsche und einer Rohwurst erhalten. Brauchen tue ich alle 8 Tage 1 Hemd und 1 Unterhose, sowie 1 Paar Strümpfe. Auch Taschentücher sind erwünscht. Z. Zeit sind aufgetrennte Sandsackteile meine Taschentücher. Dann brauche ich das Exercierreglement, in welchem die genauen Ausführungen der einzelnen Kommandos, sowie dieselben, aufgeführt sind. Eine gewisse Unkenntnis derselben hat mir bei einer persönlichen Prüfung für den Offz.ks.(?) nach München hier die Ausstellung eines Passes verscherzt. Deshalb für das nächste Mal noch vorher nachsehen. Es wäre auch etwas schnell gegangen, nachdem ich erst 3 Wochen im Feld bin und 4 Monate vorgeschrieben sind. Auch die kleinen Pinsel nicht vergessen und eine tadellose kl. Schere, die andere ist schon gestohlen. - Heute Mittag wieder lebhafte Artll. Thätigkeit mit Scharm. Jetzt ruhig. Unsere Kpg baut z.Zt. nachts Rollbahngleis nicht weit hinter der 1. Stellung.
Mit Gruß
Louis.
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Also, nachdem die Geschichte wie es hier außen zugeht, euch doch interessiert, geht es im Text weiter
22. III.16 nachmittag kommt mein früherer Transportführer und Zimmergenosse Uffz. Beer plötzlich in mein Zimmer geschneit. Hatte außer anderen Sachen auch Liebesgabentransport zu unserer Kpg. Diese waren die letzte Nacht von Lille geholt worden, leider verschwand aus dem Fuhrwerk spurlos eine Kiste Zigaretten, Wert 72.-M. C'est la guerre. Also Beer sagt, er braucht für Lille einen tüchtigen Mann und das bin in alter Freundschaft ich. Mit der Zeit ist der Oblt. einverstanden, ich erhalte Passierschein nach Lille sowie für heute Nacht Fahrschein für die Eisenbahn Lille - Varvrin. Also mit unserer Feldbahn, welche jetzt schon 4 mal täglich von Haubourdin mit festem Fahrplan fährt, nach Haubourdin 3.45. Dauer ca. 30 Min. Wetter scheußlich, offene Wägen, bin froh, daß ich Mantel habe. Dann in Kantine v. Div. Pk. zur Wärmung ein Glas Münchner und vor zur nahen Haltestelle der Straßenbahn nach Lille.
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Die Straßenbahn ist elektrisch, wie unsere Wägen, ober- und unterirdische Leitung, I. und II. Klasse. Nur Civilisten zahlen, Militär frei. An der Stadtgrenze von Lille, der alten Walleinfassung, große Visitation der Erlaubniskarten und speziell der Civilbevölkerung. Jede Person muß 1 oder 2 Ausweise haben, welche mit der Photographie des betreffenden versehen ist, sowie eine Masse Stempel. Also dann geht's weiter. Der allgemeine Vorstadttypus verliert sich, bessere Bauten und Leute sieht man, große Avenuen und Boulevards, am Kriegerdenkmal 1871 geht's vorüber, Cafes mit deutschen Offizieren sieht man und nach einer ca. halben Stunde Straßenbahnfahrt halten wir am Börsenplatz, dem geschäftlichen Centrum der Stadt. Lille ist eine Stadt so groß ca. wie Nbg. Wenn nun auch viel Civilbevölkerung geflohen ist, so sind doch noch so viele da, daß man sich ein Bild einer franz. Stadt machen kann. Selbstverständlich ist das feldgraue Moment stark hervorhebend.
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Also mit meinem Uffz. geht's zum Quartier des Ortskommandanten, einem Bekannten von Beer, welcher uns für diese Nacht ein tadelloses Zimmer besorgt. Dann erledigen ich und Beer unsere dienstliche Angelegenheit, B. telefoniert an meine Kpg., daß wir diesen Abend nicht fertig werden und erwirkt mein Dableiben bis zum nächsten Tag. Dann in die Stadt. Die meisten Läden werden geöffnet. Aus den großen Auslagen der Juweliere, Kunstgegenstände etc. sieht man, daß L. eine reiche Stadt ist. Prächtige Bauten, gut ausgebautes Straßenbahnnetz, unterirdische Aborte, tadellose Straßen etc. lassen die Großstadt erkennen. Auch die viele Demimonde Welt deutet darauf hin. Auch große deutsche Geschäfte sieht man. Von der Beschießung der Stadt sieht man wenig, nur die Straße vom Theater zum Nordbahnhof ist 3/4 in Trümmer gelegt, alles große Bauten mit feinen Geschäften oder Cafes.
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Die Hauptzerstörung Lilles, welche durch die große Explosion vor ca. einem halben Jahr
stattfand, sieht der Besucher Lilles nicht. Ein Vorstadtteil wurde zerstört. 1600 Personen verloren ihr Leben. Die Hauptsache für mich war in Lille ein anständiges Essen. Leider sind hier aber alle Estaminer und Restaurants und Cafes wegen Gefahr der Typhusansteckung ??? für Militär verboten, unsere Lokale für Offz. sind geöffnet. Für die Mannschaften ist ein größeres Vergnügungsetablissement in der Nähe des Theaters geöffnet, mit dem Titel "Zum Feldgrauen". Ca. so groß wie der Geißmannssaal ist derselbe mit Fahnen, Girlanden etc. möglichst volksfestmäßig ausgestattet, eine abgesonderte Abteilung ist für Offz. Von abends 6h ab, jeden Tag großes Konzert. Das Leben dort ist originell, alles was nach Lille kommt, geht oder muß ins Feldgrau gehn. Deshalb stets immer besetzt, Maßkrüge, manchmal schwankende Gestalten, alle möglichen deutschen Dialekte, Waffen etc. Nur zum Essen leider nichts warmes, nur Käs und Speck. Deshalb treibt mich mein Magen trotz des deutschen Getriebes weiter und durch die Vorhalle, welche mit der schreienden Jugend Lilles gefüllt ist und sich mit dem Verkauf von Streichhölzern und Postkarten befassen. Sehr italienisch anmutend.
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Im Nordbahnhof soll es etwas warmes zu essen geben. Also dorthin und wir finden auch im Uffz. Zimmer noch einen Platz. Nach einer halben Stunde sehe ich schon ein kleines Stückchen Schmorbraten mit Gurke, Pr. 1.75 M., dann noch ein Braten etc. Schlußsumme 8.00 M. Gegenüber dem Nordbahnhof ist unser Hotel "Flandre et d' Angleterre". Entsprechend unserem eingeschriebenem Stand als Offz. erhalten wir auch ein fürstliches Quartier, was mir zur Abwechslung sehr wohl that. Der Hotelbesitzer muß mit süßsaurer Miene diese Einquartierungen ruhig einstecken, was und ob er etwas bezahlt bekommt, rührt uns weiter nicht. Nach Erledigung anderer Sachen und nach einem kleinen Bummel fahre ich mit zwei elektr. Osramlampen etc. wieder nach F.
Es war wenigstens etwas Abwechslung.
Am 27. III. ging ich vormittags nach Beaucamps. Die Kirche ist dort noch einigermaßen gut erhalten, durch die Fenster pfeift manchmal der Wind, der Turm mußte teilweise verschwinden. Protest. Gottesdienst. Predigt von Oberkonsistorialrat von Bezzel aus Ansbach. Kirche überfüllt mit Feldgrauen. Zwei Generäle. Predigt nichts weniger wie schön, dafür sehr lang.
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Zur Entschädigung sehr schönes Orgelspiel, dann Militärkapelle und am Schluß fraulicher Sologesang aus "Evangelimann", dies wird mir unter der allgemeinen Umgebung unvergeßlich bleiben
29. III. 16
Von Milla habe ich heute Paket 5 und 6 erhalten nebst dem ersten Brief. Von Frankfurt nichts erhalten. Die Pakete sind alle richtig angekommen laut dem Verzeichnis. Ich komme jetzt sehr gut mit dem Essen aus, nur alle 8 Tage ein Hemd, eine Unterhose, ein Paar Socken, Taschentücher; dann Generalstabskarte, kleine Pinsel, Briefcouverts fehlen noch. Zeitung kommt auch sehr pünktlich. Hier zur Zeit leichte Arbeit, nur Sturm und Regen gefallen mir nicht. Mit Grüßen an alle
Louis.
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31.III. 16
Unsere Kpg hatte den Bgd. Auftrag erhalten, die Gleisanlagen Gefechtsstelle A - Z der Förderbahn wieder in Ordnung zu bringen. Anfangs glaubten die meisten, diese Arbeit wäre mehr zur Erholung der Kpg., nach Einsicht des Geländes änderte sich jedoch die Ansicht. Es war wie üblich meistens Nachtarbeit vorgeschrieben. Die letzten stürmischen kalten und regnerischen Nächte stellten hohe Anforderungen an die Mannschaft. Zum Glück hatte ich während dieser Tage andere Beschäftigung. Letzte Nacht aber ging ich doch nolens volens mit.
Nachts 10h kommt der wachhabende Uffz. und rüttelt mich aus dem süßen Schlummer. Ungern steht man auf, holt sich aus der Feldküche Kaffee und frühstückt, richtet sich dann zum Abmarsch fertig, schnell die geschickte Schnapsflasche, etwas Schokolade, Gewehr, Patronen, Gasmaske, Maßstab und dann hinaus auf die Straße. Sternhelle Nacht trotzdem dunkel, daß man immer nur herumtastet. Inzwischen versammeln sich die eingehenden Trupps bei ihren Uffz., der Feldwebel verliest beim
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Schein einer Taschenlampe die einzelnen Namen (weil manche sich von Ausrücken gerne drücken möchten), mit der Zeit ist alles versammelt und mit rechts um gehts in Reihenkolonne den mir bekannten Weg nach F. hinunter. Das Auge hat sich auch an die Dunkelheit gewöhnt und so geht es ganz schön im gemütlichen Tempo der Stellung zu. Teils links oder rechts tauchen gespenstisch uns begegnende Soldaten oder Ruinen auf. Nach einer 3/4 Stunde Weges - die Straßen in Nordfrankreich sind meistens gepflastert - heißt es Halt und bei den traurigen Überresten einiger Häuser beginnt der Einstieg zu den Laufgräben.
Dieser Laufgraben ist so breit und hoch, daß ein Mann darin gehen kann und gegen Feuer gedeckt ist, die Wände sind wegen der Waffenverhältnisse über Terrain und meistens sog. Kisten. Der Boden ist entwässert und mit tadellosen Bodenrosten belegt. Dies ist auch sehr nötig, denn die Dunkelheit läßt den Boden schwer erkennen und die alle paar Minuten auf tauchenden Leuchtraketen vor uns blenden einen mehr, als daß sie für uns Beleuchtung schaffen.
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Endlos zieht sich der Weg im Kistengang hin, stumpfsinnig stolpert der eine dem anderen nach, bald links bald rechts um die Ecke rum, das Feuern in der Stellung läßt uns als altgewohnte Musik nicht aus der Ruhe bringen. Plötzlich bricht der vor mir gehende Feldwebel durch den Bodenrost und versinkt bis über das Knie im Wasser und Morast. Der erste der die Taufe erhielt. Endlich sind wir beim Depotplatz unseres Handwerkzuges sowie der Bahngeleise angelangt. Die Mannschaft legt ihr Gewehr etc. beiseite und sucht sich in der Dunkelheit die Geräte. Die einzelnen Trupps werden für ihre Arbeit unterwiesen. Wenn das verfluchte Pfeifen von den Kugeln nicht wäre, weiß der Teufel auf wen das gefährliche Flankenfeuer herkommt, das uns un....................(?) ist als die über uns wegpfeifenden Kugeln. Nun das fertige Bahngeleis vor bis zu unserer Arbeitsstelle. Alles Morast und Wasser. Das alte Geleis war ca. 50 cm unter Wasser gesunken, ein Teil war bereits mit Fußschienen etc. wieder unterbaut worden und in gutem Zustand. Wir sollten nun von einer
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tieferen Stelle der Trasse Pfahljoche schlagen worauf dann das Gleis kommt also eine Art Brücke auf 30 m Länge. Die Bahn liegt ca. 20 m hinter unserem vordersten Schützengraben. Der Feind muß aber unser Kommen schon gehört haben. (Entfernung ca. 60 m) Denn es fängt eine immer heftiger werdende Schießerei an. Die Kugeln pfeifen dicht über uns weg, speziell die feindlichen Maschinengewehre schießen bevorzugt auf uns los, was speziell der Umstand auch mit sich bringt, daß in unserem Graben direkt vor uns ein surrendes Maschinengewehr steht. Also vorläufig auf den Bauch gelegt, in dem Morast liegt man ja ganz weich, nur die Nähe der Latrine und die Jauche verekeln einem den Aufenthalt. Unterdessen habe ich Zeit beim Schein der Leuchtraketen mir die Umgebung näher anzusehen, auch muß ich aufpassen, daß mir keine Raketen Löcher in den Rock brennen, denn die Kerle schießen mit unheimlicher Sicherheit genau über
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unseren Graben.
Das Feuern hat etwas nachgelassen, der Trägertrupp hat Material gebracht und so fangen wir an bzw. ich mit 2 Mann - die anderen sind die Ablösung - unsere Pfähle abzustecken, die Richtung festzustellen und Bohlen über das Wasser zu legen. Die Kugeln pfeifen uns nur so um die Ohren, aufrecht stehen ist ausgeschlossen, alle Augenblicke streut das Maschinengewehr über uns, daß es uns immer nur so hinhaut im Dreck. Nette Aussichten für diese Nacht. Aber der Mensch gewöhnt sich an alles. Ein Pionier, einer der glaubt er bekommt keinen Schuß, fängt jetzt an die Pfähle in den Boden zu schlagen. Unbekümmert um die Kugeln macht er ruhig seine Arbeit, nur bei dem Aufblitzen der Raketen verschwindet er, auf das Maschinengewehr. Feuer flößt ihm Respekt ein. Nach einiger Zeit gehe ich zum Schützengraben vor und sehe die Ablösung, mir dabei diese Stellung ansehend. Etwas anders als wir sie in Ingolstadt bauten. Meistens Sandsack-
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verbauung, einzelne Posten auf ihren Trittbrettern, unter bzw. dahinter jedoch bedeutend tiefer der Verkehrsweg dicht hinter dem Graben die Unterstände (geheizt), Sanitäter, Schächte. etc. Tiefe des Grabens ca. 2.00 - 2.50 m. Die Wände mit Bretter oder Faschinen (?) verbaut, alle 5 - 6 m eine Brustwehr, links um die Ecke, rechts um die Ecke dann kommt einmal ein Minentrichter, der umbaut ist. Ich gehe wieder zurück und versuche zu meinem Trupp zu kommen, welcher sehr nah aber schwer zu erreichen ist. Bald links, bald rechts im Morast stecken bleibend stolpere ich alle Augenblicke über einen Draht oder bekomme einen elektrischen Schlag von einem nicht isolierten Draht durch die Stiefelschäfte, daß ich gerne zurückfahre. Denn hier sind die Leitungen für Telephon und Licht, außen Geleise entlang. Bei der Dunkelheit reizendes Vergnügen, mit den Füßen immer auf den Drähten zu laufen und sich dazwischen alle Augen-
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blicke hinzulegen. Wenn es nur etwas heller würde, stattdessen wird es sehr dunstig und das Feuer nimmt nur zu. Auch die ganze Zeit die Hock- und Grätschstellung ermüdet.
Beim Abstecken der Pfähle trete ich aus Versehen daneben, - man weiß nie, ist fester Boden oder Morast - und tauche bis über die Knie ins Wasser. Also schleunigst über die Drähte wieder weg hinter einen Sandsackhügel, hier aber verfluchtes Flankenfeuer von M.G., so daß ich mich manchmal während dem Stiefelausziehen auf den Rücken legen muß um das Wasser aus meinen Stiefeln heraus zu bringen. Dann wieder über die Hindernisse vor zu meinen Leuten. Unsere Arbeit schreitet rüstig vor, ich arbeite auch mit und die Sonne erbarmt sich endlich auch und läßt es etwas heller werden. Das feindliche Feuer läßt mit Zunehmen des Tages nach und erlischt fast vollständig bis
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Aufgang der Sonne. Der Ablösungstrupp von uns kommt und macht jetzt die angenehme Arbeit unserer Strecke weiter. Ich suche mein Gewehr und Gasmaske, sammle den Trupp und gehe bei einem herrlichen Morgen - ohne daß noch ein Schuß fällt - den Kistenweg nach F. wieder zurück. Unterwegs bewundere ich bei den Durchblicken das zerpflügte Terrain hinter unserer 1. Stellung, die wirklich grotesken Ruinen unserer Höfe und 2 Blindgänger von 25 cm Durchmesser, die mit Pfählen und Drahtnetz geschützt dicht am Wege liegen. Am Ende des Grabens bei F. stehen ein paar Wagen der Sanitäter und hier erfahre ich erst, daß von unserem Trägertrupp ein Mann todt (Gebhard), von einem unserer anderen Trupps einer schwer und einer leicht verletzt ist. Nachdem mein Uffz. nicht kommt führe ich bei einem wunderbaren
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Frühlingsmorgen meine 18 Mann ins Quartier. Nachmittags hole ich mir eine Maß Löwenbräu, finde in meinem schönen Garten unter einem herrlichen Apfelbaum einen stillen Platz und lass die nächtliche Begebenheit, die mir nur noch wie ein Traum vorkommt an mir vorüberziehen. Dazu herrlich warmer Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Nur die nahen Batterien, welche alle 5 - 10 Minuten schießen, erinnern mich noch, daß Krieg ist. - so nun weißt du wie ungefähr eine Nacht bei uns vorübergeht. Glücksache wer sie übersteht.
Von Milla Paket Nr. 10 erhalten sowie von Loos Pkt 5. Dieselben strengen sich wirklich sehr an, was ich für die Dauer nicht wünsche. Virginias gibt's hier außen genug, also keine mehr, Butter ebenfalls nicht nötig, nur zur Abwechslung Süßigkeiten, welche ich mit in Stellung nehme erwünscht. Dann kleine Haarpinsel und Generalstabskarte.
Mit Gruß
Louis
1.
Also mal wieder ein anderes Bild.
9. IV. 16
Ich bin zum Materialtransport einer Förderbahn kommandiert, welche bis zum 1. Graben geht.
Also nachts auf der Dorfstraße sammeln, die Dunkelheit und auch die graue Bekleidung lassen fast nichts im Freien erkennen, so daß ich manchmal einen Kameraden anrenne. Gott sei Dank regnet es nicht; mit der Zeit ist unser Trupp komplett und so ziehen wir wieder in gemütlichem Schritt die Straße gegen den Feind zu, hinab (?). Ich muß nur immer aufpassen, daß ich meinen Vordermann noch einigermaßen sehe, sonst ist der Anschluß verpaßt und ich kann im Dunkeln herumtappen. Nach einer Stunde im Troddelgang - die Unterhaltung ist bald gänzlich eingeschlafen - kommen wir nach F. Eine vollständig zusammengeschossene, größere, nicht blühende Ortschaft, jetzt eine Ruinenstadt, welche bei klaren Nächten manch düstern interessante Bilder zeigt. Endlich ver-
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lassen wir die Trümmerstätten und kommen wieder auf die Landstraße. Diese liegt im Feuerbereich der Infanteriegeschosse, deshalb einzeln gehen. Auch diese Strecke ist glücklich überwunden und wir sind beim Christuskrug (?). Ein einzeln stehendes Haus, selbstverständlich eigentlich Ruine, leistet in der Nähe Deckung. Im Dunkel der Nacht ist plötzlich alles verschwunden und sucht Deckung, weniger vor den Kugeln als vor der horrenden Arbeit. Unterdessen gehe ich mit dem anderen Gefreiten zur nahen Förderbahn, suche die 4 Wägen zusammen und schiebe sie zur Straße vor, dann wieder zurück zur Mannschaft. Links und rechts der Straße liegen unsere Balken, Schwellen, Geleisstränge, Pfähle etc. Bei der vollständigen Dunkelheit ist diese Arbeit nicht leicht, hauptsächlich weil die Sachen zwischen alles mögliche fremde Zeug im Galopp schnell bei dem Abladen geworfen wurden, auch der Straßengraben manchmal damit gefüllt wird oder man manchmal 1/4 km weit hinten unser Baumaterial liegt. "Infolge zu großen Feuers mußte weiter hinten ab-
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geladen werden" heißt dann der Bericht, wir aber können im Feuer nachts jedes einzelne Stück zur Lohe vortragen. Dann wird die Mannschaft in Schwung gebracht das Material zu den Wägen zu tragen und diese richtig zu beladen. Ab und zu saust eine Kugel vorüber, denn der Feind hat seine Gewehre auf die Straße genauer eingespannt, kann deshalb diese auch nachts beschießen. Auch das M.G. setzt von der Flanke manchmal ein. Zum Glück für unsere Arbeit lassen alle 5 Minuten die Leuchtraketen ihr Licht erscheinen, so daß man doch nicht ganz im Dunkeln herumtappt. Damit keiner der Kameraden im Düstern verschwindet und den anderen die Arbeit überläßt, heißt es scharf aufpassen, immer auf dem Wege sein und manchmal abzählen. Endlich sind die Wägen vollgeladen und die Fahrt ins Dunkle kann beginnen. Damit der Wagen nicht zu oft aus dem
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Gleis springt, muß der Wagenführer vorne gehen, speziell bei den Kurven acht geben Hindernisse betasten etc. Ich gehe deshalb vorne weg. Zu sehen ist in der Dunkelheit nichts, also gehe ich als halber Seiltänzer auf der Gleisschiene. Vor der Abfahrt trete ich aber aus Versehen in einen Graben und genieße wieder einmal ein richtiges Fußbad. Zum Stiefelumkehren ist aber jetzt keine Zeit mehr also fort mit dem vollen Stiefel. Ich tappe also mit meinem Wagen und 3 Mann weiter, aber nicht lange dann springt auf einmal der Wagen aus dem Gleis und das Kraut ist fertig. Beim Schein der nächsten Leuchtrakete sehen wir, daß das Gleis eine größere Ausbuchtung hat und die Spurweite sich um 10 cm vergrößert hat. Mit vieler Mühe und noch mehr Fluchen kommen wir über die Stelle nach einiger Zeit weg und gondeln wieder ins Dunkel hinein. Aber die Freude
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dauert nicht lange, pumps sitzt der Karren schon wieder außen. Wieder gräuliches Fluchen, Suchen nach der Ursache, derselbe Grund wie vorher, folglich Wagen wird mit Inhalt auf der einen Schienen gefahren, auf der anderen Seite von uns getragen und schon ist das Hindernis überwunden. Dazwischen pfeifen die Kugeln sehr unbeachtet vorbei. Mit der Zeit kommen wir schon näher vor, manchmal fahren wir durch Wasser, also nicht daneben treten. Dann kommen wir zur Kurve. Dort ist meistens der Glanzpunkt der Fahrerei. Bei der 2. Kurve hat sich auch glücklich der Unterbau des Geleises auf der einen Seite im Morast zu sehr gesetzt und unser Wagen fliegt samt Bretter etc. in einen schönen breiten Wassergraben. Die Engländer sind so freundlich und schießen auch gleich eine Leuchtrakete herüber, so daß wir wenigstens unseren halbersoffenen Wagen wehmütig betrachten können. Ein Mann, welcher die Sache etwas näher untersuchen will, stellt aus Versehen auch gleich die Tiefe des
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Wassergrabens fest; reicht noch für Nichtschwimmer und geht das Wasser nur bis zur Brust. Der Urheber dieser Untersuchung scheint weniger entzückt zu sein, jedenfalls kann er mit dem anderen nassen Bruder, nachdem jetzt 2 Mann zusammengehen können, den Heimweg antreten. Wir trauernd Hinterbliebenen fischen unterdessen unseren Sohn aus dem Wasser, auch der Wagen wird herausgeholt und schon können wir unsere Reise ins Ungewissen fortsetzen. Die Gegend wird leider ungemütlicher. Wasser und Morast mischen (?) sich, es pfeifen mehr Kugeln, denn wir sind nur noch ca. 200 m vom Feind entfernt, also Geschmacksache auf offenem Feld hier herumzulaufen. Meine Kumpane ziehen hinter dem Wagen auch gehörig die Köpfe ein, ich bleibe aber lieber auf meinem Posten vorne, schon im Interesse einer baldigen Beendigung dieser Spazierfahrt. Jetzt nur noch über eine Drehscheibe, die Sache glückt, dann an einigen Ruinen vorüber, 2 Kurven überstehen wir
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auch noch glänzend und schon sind wir am Endpunkt unserer Fahrt - 60 m vom Feind entfernt - angelangt. Während des Abladens habe ich bei dem Schein der Leuchtraketen Zeit, mir wieder einmal die durch Handarbeit, Granaten und Minen stark zerpflügte Gegend hinter dem Graben anzusehen.
Während ich im Kistenweg und der Straße unserem Depotplatz zugondele fährt die Mannschaft wieder die Wagen hinauf, dieselben werden wieder beladen und die Fahrt beginnt aufs Neue nur mit dem Unterschiede, daß sich starker Regennebel eingestellt hat und ich die Schwächen der Geleise jetzt kenne.
Auch diese Fahrt ist überstanden. Zur Aufklärung: Morgens zu nimmt die Feuerthätigkeit auf beiden Seiten ständig zu und erlahmt mit eintretender Helligkeit, bis dann vormittags
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nur noch ab und zu ein Schuß fällt. Dafür treten dann die Minen und Art. mehr oder weniger in Thätigkeit.
Wir treten den Rückzug durch den Kistenweg wieder an. Zufällig bin ich der Erste. Im Laufgraben sieht man keine 3 Schritte weit. Öfters renne ich bei einer Biegung des Grabens direkt gegen die Wand an oder trete vom Laufrost ab und ins Wasser. Auf der Straße dann gondelt man von einer Telegraphenstange zur anderen. Von Überblick über die Straße keine Spur. Der Nebel wird nur noch stärker als schwächer. Mit der Zeit erreicht man aber auch die Ortsunterkunft, holt sich früh 1/2 4 Uhr Kaffee, ißt Keks dazu, liest bei glänzender elektr. Beleuchtung seine Zeitung, freut sich, daß das Zimmer so schön geheizt ist und wickelt sich dann in seine 3 wollenen Decken. Dann schläft man bis Mittag, ißt sein Menü, bestehend aus einem Stück Käse oder Wurst
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und erfährt bei dem Appell, daß die Kpg den nächsten Tag nach Lille fährt. Also schnell wieder sein heim und alles geputzt; das Wetter heitert sich auch mehr und mehr auf und verspricht für morgen einen schönen Tag. Aber das verfluchte Putzen. Ihr habt keine Ahnung, wie man aussieht, wenn man aus der Stellung zurückkommt. Die Stiefel bis oben Lehmklumpen, die Hosen bis über die Knie mit Lehm, der Mantel ebenfalls 3/4 beschmutzt. Des öfteren hinlegen und ins Wasser fallen trägt auch sehr zur Verschönerung der Uniform bei. Das Gewehr hat auch seinen Tag ab. Wenn nun, wie die letzte Woche jeder Tag Regenschauer und Sturm bringt, so werden Mantel, Hose und Stiefel überhaupt nicht mehr trocken, von Putzen überhaupt keine Spur, das kommt erst bei einem Ruhetag ca. alle Woche einmal-
23. IV. 16
Ostersonntag. Nach langer Regen und Sturmzeit ein selten schöner Tag. Unwillkürlich atmet man wieder einmal froh tief auf und dehnt und streckt sich wie nach einem langen Schlaf. Der nasse Mantel und die Lehmstiefel endlich auf die Seite stellen zu können, trägt auch zu einer fröhlichen Stimmung bei und so wandere ich gemütlich durch meine zerschossene Ortschaft, streife nach alter Gewohnheit durch verschiedene verlassene, halbzerstörte Häuser und freue mich über die schönen Hausgärten, welche jetzt im Blütenschmuck prangen. Das Gras ist noch schön taufrisch und zeigt sein leuchtendes frisches Grün so recht im goldenen Sonnenschein, die ersten Zierblumen blühen, ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich, wie aus diesen halbverwilderten, teilweise mit Trümmern übersäten von Ruinen umgebenen Gärten
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wieder neues Leben erblüht und die Schatten des Schreckens und des Todes durch die Natur verwischt werden.
Mein Weg führt mich in die Nähe der teilweise zerstörten, zum Gottesdienst nicht mehr brauchbaren Kirche. Bei einer großen Schule in der Nähe weiß (ich) einen ruhigen, windgeschützten Platz mit blühenden Obstbäumen, grünendem Rasen und Blick über die Felder zum Schloß und Park. Dort hoffe ich mich recht schön ausruhen zu können. Aber heute ist Sonntag und Gottesdienst im Erdgeschoßsaal der Schule. Dichtgedrängt stehen unsere Feldgrauen noch in Massen vor dem Eingang des überfüllten Betsaales, gebeugten Hauptes, in stille Andacht versunken. In der Nähe lasse ich mich nieder, rauche gemütlich meine Zigarre, betrachte mir das eigenartige Kirchgang-
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bild und höre der Regimentskapelle zu, welche im Betsaal zum Gottesdienst spielt.
Hoch in den Wolken über uns aber sehe ich zwei feindliche Flieger und einen sie verfolgenden deutschen. Der eine Engländer flieht, der andere aber nimmt den Kampf auf. Mit großem Geschick werden die einzelnen Wolken zur Verschleierung der Richtung verwendet und so sieht man bald den einen oder den anderen Flieger. Nun fangen auch die Abwehrgeschütze an den fliehenden Engländer zu beschießen.
Während aus der Luft eben das Maschinengewehrfeuer der Flieger herunterknallt, ertönt jetzt aus der Kirche mit mächtigem Klange: "Ehre sei Gott in der Höhe".
Ich aber sitze mit Zigarre gemütlich dabei, betrachte mir beide Bilder und mache mir meine Gedanken.
Gruß
Louis.
15. 7. 16
Liebe Milla!
Zur Zeit sitze ich wieder an der Front, Kohlengebiet; zum Glück war ich Quartiermacher und habe dementsprechend ein anständiges Privatquartier. Aber die anderen. Ortschaft halb zusammengeschossen.
Sehr vermisse ich meine Zeitung, welche jetzt schon seit 3 bis 4 Wochen ausbleibt. Ich hatte deshalb schon geschrieben. Bitte kümmere dich um diese Sache baldigst, denn ich bin hier von der Welt sehr abgeschnitten. Wenn Urlaub weiter geht, komme ich Ende August heim.
Mit Gruß
Louis.
(Rückseite: Bleistiftzeichnung Kirche oder Schloß)
30.10. 16
Liebe Klara!
Besten Dank für deine so wohlgelungenen Kochkunstpräsente. So etwas erfrischt doppelt so gut als gewöhnlich, denn hier außen ist die Devise für das, was man zu kaufen bekommt "teuer und schlecht". Deshalb sind Ausgaben von 3 - 5 M. hier keine Seltenheit, ohne daß man etwas halbwegs gutes bekommt oder satt würde. Zum Dank werde ich dir auch erzählen, wie ein Tag und eine Nacht bei uns vorübergeht.
Durch die Versetzung zu einer anderen Division - die 5. innerhalb 4 Wochen - erhielten wir den Befehl, die Ortsbefestigung eines kleinen Nestes zu übernehmen. Also Karten her. Der Ort liegt ca. 1,5 km von der ersten Kampflinie entfernt, selbstverständlich dort, wo die Hauptangriffe der Engländer zur Zeit stattfinden. Nette Aussichten für die Kompanie. Da können wir uns auf so und soviel Mann Verlust pro Tag gefasst machen.
Aber viele Zeit ist nicht mehr zu verlieren. Die Säbeldienstgrade und ich sollen die beste Anmarschlinie für die Kompanie, sowie die auszuführenden Arbeiten und Anlagen erkunden. Also schnell etwas Essen hineingewürgt und abends um 5 Uhr geht's mit dem Landauer dahin,
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Das Wetter ist etwas regnerisch, also für uns günstig. In einem kleinen Hohlweg schmeißt unser Kutscher fast um, 1m tiefe Löcher in den Straßen bieten hier keine Seltenheit und in dem allgemeinen Schlamm und Morast sind dieselben auch nicht zu sehen. Nach einer ¾ Stunde kommen wir in die Gefahrenzone der Feldartillerie. Wir lassen halten, steigen aus und beratschlagen. Der kürzeste Weg für uns zu unserer Ortschaft zu kommen führt durch Villers au Flos. Aber da stehen von uns die empfindlichsten Batt. drin und die Engländer funken die ganze Zeit hinein. Überhaupt steht jetzt vor uns eine Batt. und ein Geschütz nebeneinander, alle aber wohl verborgen unter Baumgruppen, oder Strohhaufen oder unter der Erde. Mein Vorschlag, eine kurze Umgehung des Ortes vorzunehmen und weiterzusteuern wird von den führenden Leutnants nicht angenommen etc. Kurz und gut, wir wollen von weiter rechts vorwärtskommen. Mittlerweile ist es etwas dunkel geworden. Die Engländer scheinen einen Hauptangriff vorzubereiten. Unaufhörlich kommt eine Lage Granaten etc. auf die ca. 200m vor uns liegende Batterie.
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Dazwischen Schrapnell mit fallenden Leuchtkugeln und Großgranaten. Letztere sind daran erkenntlich, daß an ihrer Aufschlagstelle weiße Wolken aufsteigen, welche sich lange Zeit an der Erdoberfläche halten. Zuerst stehen wir etwas ratlos da, denn was wir hier erleben ist das richtige Sperrfeuer für die zweite Linie. Soweit wir sehen können, nichts als einschlagende Granaten und in der Luft krepierende Schrappnells.
Aber bald geht's weiter. Irgendein Loch zum durchschlupfen werden wir schon finden. Wieder in vorsichtiger Entfernung hinter den, rasendes Schnellfeuer abgebenden Batterien entlang. Dichter Pulverdampf liegt jetzt über der Gegend und erschwert das Atmen. Zum Glück begegnen uns nach einer halben Stunde Verwundete, welche uns den Rat geben, bei der vor uns liegenden Ortschaft Riencourt rechts vorbeizugehen und dann die Peronner Straße bis zu unserem gesuchten Dorf vorzugehen. Der Vorschlag wird befolgt, Drahthindernisse und Gräben mit den verschiedensten Schwierigkeiten in der Dunkelheit genommen und schon sind wir auf der Hauptstraße Bapaume - Peronne. Die Engländer schicken verflucht schwere Dinger in die soeben umgangene Ortschaft. Der Boden zittert beständig
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durch die kolossalen Einschläge.
Jetzt die Hauptstraße entlang eine gewagte Geschichte, denn die werden die Engländer doch alle 5 M mit Schrappnell abstreuen. Aber wir wissen jetzt auch keinen anderen Weg mehr. Also in Gottes Namen weiter. Alle Augenblicke selbstverständlich ein anderes Hindernis. Massen von Telefondrähten bilden Fallstricke, umgestürzte Bäume müssen überklettert werden, ab und zu fällt man in ein Granatloch, woran hier kein Mangel ist, über uns kreuzen sich die höher oder tiefer gehenden Granaten, dazu pfeift jetzt ein ganz kräftiger Wind mit Regen untermischt. So steuern wir still der Straße entlang, alle Augenblick auf eine Granate gefaßt, sofort zum Hinlegen bereit. Aber nichts passiert uns, der Feind ist zu sehr mit seinem Angriff beschäftigt. Von der Straße aus haben wir gute Aussicht auf das Schlachtfeld, welches sich vor uns in einer großen Talmulde befindet. Daneben ist die Hölle los. Unaufhörlich steigen die Leuchtraketen auf, ab und zu eine rote oder grüne, manchmal kolossal. Roter Feuerschein, herrührend von dem flüssígen Feuer oder Flammenwerfern
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dazwischen die ständigen, mit einem blendenden Feuerschein verbundenen Aufschläge der Geschoße und der in der Luft platzenden Schrappnells das ständig knatternde Maschinengewehr, alles begleitet von einem ständigen Rollen und Donnern der Geschütze. Unwillkürlich geht der Schritt langsamer, trotz der Gefahren, in der man sich befindet, haftet das Auge länger auf diesen Bildern, trotzdem man es schon so oft gesehen hat. Jeder denkt voll innigem Mitleid der Mannschaft im ersten Graben.
Aber ein toter Gaul über den ich hinwegfalle, ruft mich in die Wirklichkeit zurück. Also weiter und aufpassen. Nach einer halben Stunde sind wir glücklich in unserem Nest angelangt. Ob es Baulencourt ist, wissen wir gerade nicht, Mannschaft ist uns seit einer Stunde auch nicht begegnet, die uns Auskunft geben könnte, also wird es schon die richtige Ortschaft sein.
Mit der Zeit ist es so dunkel geworden, daß man die Hand nicht mehr vor den Augen sieht, nur die vor uns aufleuchtenden Raketen lassen uns schnell die Umgebung etwas erkennen. Mein nach der Generalstabskarte vergrößerter Plan der Ortschaft scheint nicht ganz zu stimmen, hier müssen Häuser gestanden sein am Ortsrand, denn die Einfriedung mit Hecken ist noch
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vorhanden. Aber hier, hallo, fühlt der Fuß Mauerwerk bzw. Schutt und Backsteine, also es stimmt schon. Tastend und mit den Füßen suchend bewegen wir uns den Ortsrand entlang, verschwundene Befestigungsanlagen vielleicht zu finden. Eine Batterie hatte sich hier einmal fürstlich niedergelassen, aber ein paar Volltreffer von Kalibern, deren Granattrichter ca. 2,50m tief ist, hatte sie zum schnellsten Verlassen der Stellung veranlaßt. So machen wir im tiefsten Dunkel die ganze Ortschaft durch, welche nur noch ein großer Trümmerhaufen längs der großen Rue de Peronne ist. Nur die Vegetation hält sich und Büsche oder Bäume strecken ihre Arme aus um das häßliche Bild der christlichen Nächstenliebe zu verdecken.
Material zum Bau von Hindernissen, Schaffung von bombensicheren Unterständen, Gräben etc. ist genügend vorhanden und so können wir getrost die Ankunft der Kompanie erwarten.
Dicht hinter der Ortschaft feuert ständig eine Batterie, worüber wir gar nicht entzückt sind; denn hierdurch wird das feindliche Artilleriefeuer nur auf unsere Ortschaft gelenkt. Aber hiergegen ist nichts zu machen. Was mit dem englischen Angriff ist, wissen wir nicht mehr. Das Beurteilungs-
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vermögen über die Stärke des Artilleriekampfes ist für uns unmöglich, wir sitzen zwischen zwei Feuern, hören immer nur Abschuß und Einschlag oder umgekehrt, sehen die Feuer aufblitzen etc. aber ob das jetzt nur noch in unserem Abschnitt ist oder sich das links und rechts auch anschließt, das können wir nicht mehr beurteilen, ebenso ob das Feuer vor einer Stunde stärker oder schwächer war.
Unsere Kompanie scheint den Weg durch das Sperrfeuer noch nicht gefunden zu haben. Wir bummeln deshalb etwas im Ort herum. Die mehr oder weniger in der Nähe einschlagenden Granaten haben ihren Reiz für uns bereits verloren, trotz der größten Donnerschläge bleibt selten das Wort der Unterhaltung stecken bzw. das Wort auf der Zunge im Hals.
Vor mir sehe ich im Raketenlicht eine Gestalt, ich rufe sie an, es ist ein Verwundeter "Wo das nächste Lazarett ist" fragt er mich. Oh je, denke ich, bist du dahin findest ist es Tag oder du hast einen Granatsplitter. Das nächste Lazarett (Verbandsplatz) ist zwei Stunden von hier und das zu finden ist bei dieser Dunkelheit für einen Wegkundigen ein Kunststück. Ich tröste ihn also etwas, die und die Strecke, Sanitäter und am Schluß noch ein Stück Schokolade.
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"Ja, sie wären mehrere, davon kann einer schlecht laufen, er hat einen Beinschuß", sagt mir dann der Sachse. In der Dunkelheit sehe ich dann die Verbände am anderen Kameraden schimmern, aber helfen kann ich ihm auch nicht. Den Weg zu den nächsten Kameraden kann ich ihm sagen, die werden ihm schon weiterhelfen, das übrige ist Glücksache, mehr kann ich für ihn nicht tun. "Jede Granate trifft nicht ", dieser Trost ist hier die Allgemeinregel und mit der Zeit stumpft man hier ab und wird gegen das Schrecklichste und Menschliche vollständig abgestumpft.
Jetzt höre ich auf der Dorfstraße eine bekannte Stimme, rufe sie an, es ist ein Uffz von uns mit seiner Gruppe, die andere Mannschaft kommt links und rechts auch zum Vorschein, der Leutnant teilt nach unserem vorbesprochenen Plan die Mannschaft zur Arbeit ein, ich gebe überall noch Aufklärungen, die übrigen Säbeldienstgrade können abrücken, das Fuhrwerk wartet ja seit drei Stunden auf sie, ich soll bei dem Leutnant, welcher die Führung hat, noch bleiben, bis
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es Tag wird und wir das Schußfeld überblicken können.
Nette Aussichten für mich. Ich dachte, ich fahre mit den anderen heim und stattdessen soll ich mich hier im Regen die ganze Nacht ohne Mantel bei Sturm und Kälte herumtreiben! Diese Bedenken werden durch meinen Leutnant etwas beseitigt, dort, der und der Unterstand, schlafen, etc.
Ich kenne die Gründe, warum ich bleiben soll, füge mich in mein Schicksal, gondle noch paar mal die Strecke ab, wie ein Pendel, das seinem Sinn folgt, und begebe mich dann mit meinem Leutnant ins Quartier. Dort, wo einer der größten Granattrichter bei der oben bezeichneten Batterie ist, befindet sich ein Erdloch, halben Meter in den Boden versenkt. Hierin befindet sich etwas naßes Stroh und darüber mehrere, aus den Trümmern der umstehenden Häuser requirierte Türen. Diese dienen jetzt als provisorischer Schutz gegen Regen. Etwas mangelhaft, aber es geht. Jetzt kann ich auch endlich meine Taschenlampe in Gebrauch setzen, finde einen 2cm langen Kerzenstumpen und schon ist das schönste Kriegsquartier fertig.
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Mit der Zeit wird die Geschichte etwas kalt, das nasse Stroh wärmt etwas, wenn ich mich auf den Rücken lege, nur die Feuchtigkeit dringt immer mehr durch meinen Waffenrock. Aber eingeschlafen bin ich doch; selbstverständlich nicht lange, die Kälte weckt mich wieder auf, ich gehe oder vielmehr krieche aus meiner Villa, außen stockfinstere Nacht, Regenschauer, Sturm etc. die Granaten pfeifen jetzt weniger, nur das Maschinengewehr hört man jetzt öfters. Ich laufe etwas herum, selbstverständlich sehr vorsichtig, denn alle Augenblick kann man sich Hals und Bein brechen und verschwinde dann wieder in meinem Unterstand.
Endlich wird es Zeit zum Heimgehen. Es ist selbstverständlich noch dunkel, aber bei Tageslicht dürfen wir uns hier überhaupt nicht sehen lassen. Wir probieren wieder unseren, zuerst gegangenen Weg, Peronne - Bapaume zu gehen, weichen dann aber, um den Weg zu kürzen, nach rechts aus, kommen bis über die Knie in Morast, dann zwischen Stacheldraht und wieder Draht,
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Gräben, wieder Morast; in der Dunkelheit ist die Sache ekelig. Jeder sucht einen Ausweg und am Schluß bin ich mit einem Bekannten zusammen. Wir schlagen uns wieder bis zur Peronner Straße durch. Die pfeifenden Granaten gehen alle einen anderen Weg wie wir, die alte Lebenslust wacht wieder auf und wir beabsichtigen über Bapaume heimzugehen. Die ekelige Strecke bei den Windmühlen, die mir mehrere Tage vorher fast das Leben gekostet hätte, überstehen wir auch glücklich, der Tag bricht an und die ersten Häuser von Bapaume nehmen uns auf.
Jetzt bei Tageslicht sehen wir erst, in was für einem feinen Zustand wir uns befinden. Stiefel, Hose und der untere Rock nur eine Lehmmasse, Dreckspritzer im Gesicht und am ganzen Rock, die Ärmel voller Lehm, von dem verschiedenen Hinfallen, zum Anbeißen. Das ist so unser gewöhnliches Aussehen; mit Kleider reinigen oder gar Stiefel putzen geben wir uns seit Wochen nicht mehr ab. Höchstens, daß man sich alle drei Tage mal wäscht. Am Anfang bei unserem Hiersein war es noch sehr heiß und kolossaler
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Wassermangel. Die Brunnen waren versiegt, weil die Einwohner nur Regenwasser sammeln (nur Ziehbrunnen) und die wenigen tieferen Brunnen sind immer von einer großen Anzahl Wartenden umlagert, dann dauert es immer eine Viertelstunde, bis der Eimer hinunter und wieder heraufgeholt ist. Dann kommen doch auch die Unmasse Pferde zuerst und im übrigen reizt diese Brühe nicht recht zum Trinken.
Das nur nebenbei.
Bei dem schnellen Fortschritt der englischen Offensive am Anfang hatten die Bewohner Bapaumes die Stadt schleunigst verlassen müssen. Als wir vor B. noch arbeiten ließen war es uns auf unserem Heimweg nicht entgehen, kleine Streifzüge durch die Häuser zu machen und für unsere sehr dürftige Quartiere in L. Hausrat zu requirieren. Am Anfang ging dies auch noch ganz gut, aber dann fingen die Engländer an, mit allen Kalibern die Stadt zusammenzupulvern. Jetzt findet man kein Haus mehr, das nicht mehr oder weniger gelitten hätte. Keine ganze Fensterscheibe, die Dächer durch den Winddruck oder Splitter von Granaten
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demoliert. Der Regen und das Wasser wirkt auch noch zur Zerstörung mit. Durch die überstürzte Flucht hatten die Einwohner fast nichts mitnehmen können und so finden wir in den Häusern alles noch vor, was uns interessiert. Der Regen haut zwar zu den Fenstern herein, das ficht uns aber wenig an. Wir lassen uns auf die schönen Plüschsessel nieder, räumen den heruntergefallenen Schutt vom Tisch weg und essen erst etwas. Dann holt man sich aus der Bibliothek Bücher und studiert etwas, geht in Keller und schaut nach Wein, leider immer vergeblich, stöbert da und dort herum, schaut sich das Familienfotographie- und das Postkartenalbum an (diese fehlen mir), stöbert dann dem gnädigen Fräulein ihre Wäsche durch, ob man passende Taschen- oder Handtücher oder Hemden findet und kennt nach einiger Zeit die ganze Familie N.N. Das Haus können wir mit der Zeit, es ist auch etwas ungemütlich hier, das Wasser tropft immer von der Decke, die Vorhänge flattern von dem Sturm zum Fenster hinaus und ich suche einen schönen Schirm vom Fräulein N.N. Und schiebe wieder ab.
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Bapaume, das ungefähr so ein gemütliches Städtchen für Rentner wie Erlangen war, bietet jetzt einen trostlosen Eindruck. Überall sieht man den Einschlag der Granaten in den Häusern, Straßen, Gärten, Bäumen etc. Die Trümmer liegen auf den Straßen, daß man öfters darüber klettern muß, große Granattrichter, mit Lehm ... gefüllt, sperren einem den Weg, ebenso die Unmassen herumliegenden und flatternden Telephondrähte.
Die Engländer glauben, jetzt sind die nächtlichen Ablösungen von uns auf dieser Straße unterwegs und funken herein, daß die Fetzen fliegen. Aber das ist Kinderspiel gegen heute Nacht. Wir schleichen an der schützenden Häuserwand entlang, immer das nächste Kellerloch im Auge, denn die heunterfallenden Trümmer können einen leicht zu einem gebrochenen Kreuz verhelfen.
Noch einmal kehren wir ein und holen uns Vorhänge, bewundern noch schnell den aufgesprengten
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Kassenschrank - ich habe bis jetzt keine verschlossenen gefunden - und gondele auf den früher so schönen grünen Platz los. Jetzt bietet derselbe einen trostlosen Anblick.
Gestürzte Bäume, Drahthindernisse, umgestürzte Telegraphenstangen etc bieten ein wüstes Bild - umlagert (?) von halbzerschossenen Häusern.
In der Nähe liegt die schöne gotische Hauptkirche, die jetzt auch stark zerschossen ist. Die Trümmer liegen im weiten Umkreis, die schönen Glasfenster kann man sich stückchenweise auf dem Kirchenboden sammeln, in der Sakristei im wüsten Durcheinander schwere, goldbestickte Stolas, über welche die Lehmstiefel achtlos schreiten, Altargeräte, alles echtes Messing, aber schön glänzend, liegt herum, Altardecken, die Kirchenbücher, Urkunden mit großen Siegel, ein Harmonium, leider durch einen Granatsplitter teilweise zerlegt und der nie fehlende geöffnete Kassaschrank bieten ein Bild echter Kriegszerstörung. Ich nehme mir eine schöne leinerne Altardecke, zwei m lang, passend für zwei Handtücher
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mit und schaue mich noch im Kirchenschiff nach einer büßenden Magdalena um, das beste Gemälde der Kirche. Sie hat leider auch einen Brustschuß bekommen. Schade um die schöne Brust. Sie war vor ca. 150 Jahren hergestellt und hatte doch noch ihre Reize. Ich verlasse die ungastliche Stätte, die ich schon öfters, als sie noch in besserem Zustand war genau durchstudiert hatte. Hierbei hatte ich bei der Suche nach den unterirdischen Gängen, (damals eine interessante Aufgabe) durch ein Granatloch Zugang zum Keller der Kirche gefunden und die wertvollen Kirchengeräte, in Kisten gepackt, vorgefunden und bei der Ortskommandantur abgeliefert. Finderlohn steht noch aus. Wir gehen durch die Hauptstraße wieder zurück, an zwei- und dreistöckigen Häusern vorüber, die eine Granate zu einem Trümmerhaufen gemacht hatte und kommen zum Ausgang der Stadt. Dort sind in einem Anwesen riesige alte Kelleranlagen gefunden worden, welche, als die Geschichte noch nicht so brenzlig war,
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Verbandsplatz war. Jetzt ist es für Unterkunft von Militär sehr nützlich. Ein oder zwei Battalions haben Platz. Auch eine gute Kantine ist vorhanden, welche für uns den Haupt... unseres Besuches bildet. Alles kann man dort haben, was der Soldat wenigstens unter "alles" versteht. Die Hauptsache ist doch immer zur Abwechslung der eintönigen und geschmacklosen Mensa etwas pikantes zu finden bzw. auch zur Aufbesserung der Kost. Also Keks, Schokolade, Marmelade, Rollmöpse, Schnäpse etc. sind gesuchte Artikel. Bei Kerzenschein walten die zwei alten Landsturmleute unermüdlich ihres Dienstes. Ich trinke gemütlich meinen Schnaps, bzw. zwei, esse meine Schokolade und dazu eine Büchse Aal, Summa 3,50 M, studiere mit meinem Genossen, erfahrener Professor der Mathematik in London eine französische Lektion und besehe mir dann mit Künstleraugen die malerischen Bilder in den Seitenkellern. Hier sitzen bei einem lausigen Kerzenstumpf drei Kartenbrüder, dort tut einer
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beim Schein der Taschenlampe Läuse suchen, dort schreibt einer, usw. Der eine hat eine Matratze erobert, der andere hat nur Stroh und jener nur Lumpen, alles umrahmt von Mengen Militärausrüstungen. Dazwischen auch wieder Kisten mit Handgranaten etc.
Ich bin jetzt tatsächlich etwas müde: Der Heimweg, 2 Stunden, ist bei dem Dreckwetter nicht verlockend. Wir steigen wieder ans Tageslicht, latschen durch den Morast zur Hauptstraße, ich spanne meinen schönen Sonnenschirm auf, mein Professor hat sich mit Telephondrähten ein Paket Bücher zusammengemacht und dieselben über den Rücken gehängt und so staken wir die menschenleere Allee hinab. Noch dreckiger und nasser können wir nicht mehr werden, also ist uns alles wurscht.
Endlich hören wir hinter uns ein Fuhrwerk, lassen anhalten, verkriechen uns unter das Plantuch und kommen halb erstarrt
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glücklich in unserem Biwak an.
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Dieses reizende Spiel wiederholt sich fast täglich, nur daß wir zur Zeit unter Tags ausrücken. Aber die 5 Wochen, die ich bis jetzt an der Somme bin, habe ich trotzdem glücklich überstanden.
Bitte diese Blätter auch den anderen Verwandten zum Studium zu geben, denn ich habe sehr wenig Zeit.
Heute einer der größten Schlachttage an der Somme. Die Engländer haben wieder eine Sendung Dummer aus Australien bekommen.
Mit Gruß
Euer
Louis.
3. Nov. 1916
Stadtplan von Lille, Plan de la Ville et reproduction des Monuments, herausgegeben von Maison Robert, 13 et 15, rue des Manneliers, Lille, gedruckt von Imprimerie L. Malot, 23, rue Ferrer, Thumesnil
Programmblatt einer Aufführung im Deutschen Theater Lille vom 10. April 1916 der Operette "Die Fledermaus" mit Besetzung
Karte schwarz-weiß von Frankreich mit Einzeichnung der in OKW-Berichten genannten Orte und Schlachtfelder
Paasches Spezialkarte der Westfront (Belgien und Frankreich) im Maßstab 1:105.000, Blatt 3: Bapaume-Péronne, fünffarbiger Druck mit Eintrag der mutmaßlichen Frontlinie und Textbeilage, gedruckt von Paasche und Lutz, Stuttgart, mit persönlicher Ergänzung durch Louis Fiedler Frontverlauf vom 19.2.17 in blau
Darin:
2 Briefe vom Pfingstsonntag 1915 und 15.9.1915, geschrieben von Hermann Franz, stationiert an der Westfront, an Edith Leißler, Äußere Bayreutherstr. 103 (später Ehefrau von Louis Fiedler)
Ehrenurkunde des Louis Fiedler für 40jährige Mitgleidschaft bei der Pionierkameradschaft Nürnberg-Fürth, vom 30. März 1964, unterschrieben vom 1. Vorstand Schmidts und 1. Schriftführer H. Richter
Hektografierter Brief des Lehrers Heinlein vom 29. November 1914, geschrieben aus Avion b. Lons an seine Schülerinnen, darunter Edith Leißler (spätere Ehefrau von Louis Fiedler) mit ausführlichem Bericht des Lebens eines Frontsoldaten, Quartiere, Kriegerische Auseinandersetzungen an der Front mit Schützengräben, Gefühle, Appelle
Darin:
135/1: Foto von Louis Fiedler in Uniform, aufgenommen vom Atelier E. Sommer, früher Gieseler, Ingolstadt, Milchstr. 14, sowie Ausschnitt in Passbildgröße mit Stempel
135/2: Foto in Postkartengröße, beschriftet am 26.3.1918:
Anbei eine Innenaufnahme unserer Bude. Im Hintergrund die technische Kanzlei, habe einen großen Raum zum Arbeiten, aber keine Arbeit. Bei der Schreibmaschine jetzt Backofen, kennst Du wohl auch.
135/3: Postkarte mit Fotografie eines Mannes in Uniform, der einen Dackel dressiert, beschriftet Herr von Arnim (?), vom 16.3.1918 an Louis Fiedler, gestempelt Bayer. Rs. Pionierkom.10, Deutsche Feldpost
135/4: Foto eines Uniformierten, am Schreibtisch sitzend, wohl Louis Fiedler
135/5: Foto in Postkartengröße der Pioniere, darunter Louis Fiedler,erste Reihe von rechts der zweite, vertrieben von Photohaus Joh. Krehn, Fürth, Nürnbergerstr. 12
135/6: 6 Stück von Foto in Postkartengröße mit 12 Pionieren, darunter Louis Fiedler letzte Reihe, zweiter von rechts, mit Schild, darauf: Weltkrieg 1914/15, Wer weiss ob wir uns wiedersehn, vertrieben von Phographischem Atelier B. Wendsche, früher Gieseler, Ingolstadt, Milchstr. 14
135/7: 2 Stück von Foto in Postkartengröße mit 3 Pionieren mit Schürze beim Essen, darunter Louis Fiedler (li)
135/8: Foto in Postkartengröße einer zerstörten Stadt, beschriftet Lille 1916
135/9: Foto in Postkartengröße von einem Lazarett, darauf Louis Fiedler, auf der Bettkante sitzend mit Kopfverband
135/10: Foto von Uniformierten vor einem Unterstand, mit Nr. 6.1., Rückseite Fiedler
Darin:
Einladung zu einem Öffentlichen Vortrag der Vereinigung zur Berufsberatung der Frauen und Mädchen aller Stände am 26.5.1916 von Dr. Elisabeth Altmann-Gottheiner zum Thema "Die Lehren des Krieges für die Frauenberufsbildung", veranstaltet von der Vereinigung zur Berufsberatung der Frauen und Mädchen aller Stände, Lehrerinnenheim, Winklerstr. 35
Indexbegriff Person: Altmann-Gottheiner, Elisabeth Dr.
Indexbegriff Person: Arnim, N von
Indexbegriff Person: Fiedler, Louis
Indexbegriff Person: Fiedler, Milla
Indexbegriff Person: Heinlein, N (Lehrer).
Indexbegriff Person: Richter, H.
Indexbegriff Person: Schmidts, N
Indexbegriff Sache: Klassifikation E 10-Bestände: Privates mit Reisen
Avion
Bad Godesberg
Frankreich
Frankreich, Aubin
Frankreich, Bapaume
Frankreich, Beaucamps
Frankreich, Cambrai
Frankreich, Desprez
Frankreich, Flesquieres
Frankreich, Fournes
Frankreich, Haubourdin
Frankreich, Le Mesnil
Frankreich, Lille
Frankreich, Peronne
Frankreich, Schloss Havrincourt
Frankreich, Tournai
Ingolstadt
Lons
Winklerstr. 35
Erster Weltkrieg
Briefe
Notizbuch
Landkarten
Programmheft
Stadtplan
Pionierbataillon
3. Pionier Ers. Batallion
7. Res. Kompagnie
10. Res. Pionier Kompagnie
Brückenbau
14. Brigade
Lazarett
Vortrag
Berufsberatung der Frauen und Mädchen
Vortrag "Die Lehren des Krieges für die Frauenberufsbildung"
Fotos
Information on confiscated assets
Further information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.