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Nationalrat der Nationalen Front der DDR (Bestand)
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Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Deutsche Demokratische Republik mit sowjetischer Besatzungszone (1945-1990) >> Organisationen und Verbände >> Zusammenschlüsse von Parteien und Organisationen
(1933-1948); 1949-1990
Bestandsbeschreibung: Aufgaben und Organisation:
Die Nationale Front entstand aus der von der SED 1947 initiierten "Volkskongreßbewegung für Einheit und gerechten Frieden". Deren Ziele waren Ende 1949 gescheitert. Am 07.10.1949 konstituierte sich der vom 3. Volkskongreß gewählte Deutsche Volksrat als Provisorische Volkskammer der DDR. Ebenfalls auf dieser Tagung wurde die Bildung der Nationalen Front beschlossen. Grundlage war die Entschließung des PV der SED vom 04.10.1949 über "Die Nationale Front des demokratischen Deutschland und die Sozialistische Einheitspartei", in der zur Bildung einer gesamtdeutschen Nationalen Front aufgerufen wurde.
Die Nationale Front diente neben dem 1945 gebildeten Demokratischen Block zur Durchsetzung der Ziele der SED innerhalb der Bündnispolitik. Während im Demokratischen Block nur wenige Massenorganisationen vertreten waren, umfasste die Nationalen Front eine Vielzahl weiterer Organisationen, Vereinigungen, Gesellschaften, Verbände und auch einzelne Bürger. Die Mitarbeit in der Nationalen Front beruhte nicht auf Mitgliedschaft.
Anfang 1950 formierte sich die Nationale Front organisatorisch. Am 7. Jan. beschloss das Sekretariat der Deutschen Volkskongreßbewegung, sich als Sekretariat der Nationalen Front zu konstituieren. In den folgenden Wochen wurden die Ausschüsse der Volkskongreßbewegung in Ausschüsse der Nationalen Front umgewandelt. Am 3. Febr. konstituierte sich aus dem erweiterten Präsidium des Deutschen Volksrates der Nationalrat als zentrales Organ der Nationalen Front.
Höchstes Organ der Nationalen Front war der Kongress. Der erste Kongress fand im Aug. 1950 statt, die weiteren - bis auf den letzten - alle vier Jahre. Der Kongress wählte den Nationalrat, das Präsidium, den Präsidenten und den Vizepräsidenten. Zwischen den Kongressen leitete der Nationalrat die Arbeit durch das Präsidium und das Sekretariat. Im Präsidium waren die SED, die DBD, die CDU, die LDPD, die NDPD, der FDGB, die FDJ, der DFD, die Volkssolidarität, die Domowina und der Kulturbund der DDR vertreten. Nach 1969 gab es keinen Kongress mehr und der Nationalrat wirkte als höchstes Organ. Personelle Veränderungen wurden nicht mehr durch Wahl, sondern nach dem Prinzip der Delegierung vorgenommen. Präsidenten des Nationalrates waren Erich Correns (1950-1981) und Lothar Kolditz (1981-1989).
Bis 1962 hatte der Nationalrat der Nationalen Front einen eigenen Verlag, den Kongreß-Verlag.
Die Nationale Front war nach dem Territorialprinzip aufgebaut. In den Ländern bzw. Bezirken, in den Kreisen und Stadtbezirken wurde die Tätigkeit der Nationalen Front durch Landes- bzw. Bezirks-, durch Kreis- und Stadtbezirksausschüsse geleitet. In den Städten und Gemeinden bestanden Orts- und Wohnbezirksausschüsse.
Die Nationale Front war von Anfang an hauptverantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Wahlen zur Volkskammer, zu den Bezirkstagen, Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen, Stadtbezirksversammlungen und Gemeindevertretungen. Die gewählten Abgeordneten stützten sich bei ihrer Arbeit auf die Ausschüsse der Nationalen Front.
Die Aufgaben der Nationalen Front und des Nationalrates veränderten sich in den Jahrzehnten ihres Bestehens. Im "Programm der Nationalen Front des demokratischen Deutschland" vom 15.02.1950 war ein Hauptziel die Schaffung eines "einheitlichen, demokratischen, friedlichen und unabhängigen Deutschlands". In diesem Sinne beschäftigte sich die Nationale Front intensiv mit Ereignissen und Entwicklungen in ganz Deutschland. Organisatorisch stand ihr hierfür die Westkommission des Präsidiums des Nationalrates zur Verfügung, deren Instrument die Abt. für westdeutsche Angelegenheiten war. 1962 wurden Teile des 1954 gebildeten Ausschusses für Deutsche Einheit in diese Abteilung eingegliedert.
Etwa Mitte der 1950er Jahre begann sich die gesamtdeutsche Zielsetzung zugunsten des sozialistischen Aufbaus in der DDR zu verschieben. 1973 wurde die "Nationale Front des Demokratischen Deutschland" in "Nationale Front der DDR" umbenannt. Aus dem "Deutschen Nationalrat" wurde der "Nationalrat der Nationalen Front der DDR". Ende der 1970er und vor allem in den 1980er Jahren traten zunehmend Aufgaben mit regionalem Bezug in den Vordergrund. Das auf dem IX. Parteitag der SED 1976 beschlossen Parteiprogramm der SED beschreibt die Aufgaben der Nationalen Front: "Die Nationale Front als sozialistische Volksbewegung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Annäherung der Klassen und Schichten auf dem Boden der Ideale der Arbeiterklasse. Sie entwickelt enge Gemeinschaftsbeziehungen in den Wohngebieten der Städte und Gemeinden. Ihre massenpolitische Arbeit ist eine wichtige Bedingung für die ständige Entwicklung der sozialistischen Demokratie, für die planmäßige Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bürger und die Verschönerung der Städte und Gemeinden sowie für ein vielseitiges geistig-kulturelles Leben."
Der Nationalrat und die Ausschüsse der Nationalen Front bemühten sich um den Kontakt zu den verschiedenen Gruppen und sozialen Schichten der Bevölkerung unabhängig von einer Parteizugehörigkeit. Im Vordergrund stand die Arbeit mit Handwerkern und mit Christen. So wurde der Bund Evangelischer Pfarrer, eine Vereinigung von Pfarrern, die der DDR positiv gegenüberstanden. materiell und ideell unterstützt.
Die Nationale Front initiierte eine Vielzahl von Aktivitäten, die der Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität der Menschen, aber auch der Erfüllung volkswirtschaftlicher Aufgaben dienten. Eine der bedeutendsten Aktionen in den 1950er Jahren war das Nationale Aufbauwerk, mit dem vor allem durch die Masseninitiative der Bevölkerung volkswirtschaftliche Werte geschaffen werden sollten. Eine weitere Initiative, Ende der 1960er Jahre aus der Torgauer Initiative entstanden, war der Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!". Innerhalb dieses Wettbewerbs wurde in den Städten und Dörfern die Wohn- und Lebensqualität verbessert, wie z. B. Wohnhäuser modernisiert, Kultur- und Sportstätten geschaffen, Grünanlagen gepflegt. Die Nationale Front initiierte kulturelle und sportliche Aktivitäten, wie z. B. die Arbeiterfestspiele und war Mitgestalter des Lebens in den Wohngebieten und Hausgemeinschaften. Im Mittelpunkt der Arbeit der Nationalen Front auf dem Lande standen die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Förderung des individuellen Wohnungsbaus.
Auf außenpolitischem Gebiet pflegte der Nationalrat Kontakte zu einer Vielzahl von Staaten unterschiedlicher politischer Ausrichtung. Einen großen Stellenwert besaß die Solidarität mit Völkern, die eine demokratische Entwicklung im Sinne der sozialistischen Staatengemeinschaft erwarten ließen. Es wurden Hilfsausschüsse bzw. -komitees eingerichtet, wie zum Beispiel 1950 ein Korea-Hilfsausschuss (ab 1954 Solidaritätsausschuss für Korea und Vietnam).
Im Okt./Nov. 1989 diskutierten Vertreter von Parteien und Organisationen über Inhalt und Fortbestand der Nationalen Front. Am 5. Dez. erklärte Lothar Kolditz seinen Rücktritt als Präsident des Nationalrates. Eine aus Funktionären verschiedener Parteien und Organisationen bestehende Initiativgruppe trat am 13. Dez. mit einem "Aktionsprogramm zur Erneuerung der Arbeit der Ausschüsse der Nationalen Front und ihre Umwandlung in eine Nationale Bürgerbewegung" an die Öffentlichkeit. Am 10.03.1990 fand ein Kongress statt, der für diese Bürgerbewegung als Ausgangspunkt dienen sollte. Auf dem Kongress wurde Annekathrin Bürger zur Präsidentin der zu bildenden Bürgerbewegung gewählt. Der Kongress brachte nicht die erhofften Ergebnisse. Bürgerbewegungen, Parteien und Organisationen waren nicht bereit, eine solche Nachfolgeorganisation der Nationalen Front zu akzeptieren. Im April 1990 löste sich das Sekretariat der Nationalen Front endgültig auf.
Es liegt ein Findbuch vor, in dem nur der endgültig bearbeitete Teil der Überlieferung des Nationalrates der Nationalen Front der DDR beschrieben ist. Neben der hier beschriebenen Überlieferung existiert Schriftgut, das noch nicht endgültig bearbeitet ist. Alle Akten können jedoch bestellt (über Fachreferat), recherchiert und eingesehen werden.
Inhaltliche Charakterisierung: Im Bestand enthalten sind v. a.:
- Materialien der Kongresse und Tagungen des Nationalrates der Nationalen Front, seines Präsidiums sowie von Sitzungen des Sekretariats des Nationalrates
- Materialien über Volkskammerwahlen, Wahlen zu den Bezirks-/Kreistagen und Kommunalwahlen
- Informationsberichte aus Ländern, Bezirken und Kreisen der DDR
- Dokumente über die Tätigkeit der Abteilungen des Nationalrates, v. a. der Abteilungen Agitation, Christliche Kreise, Handwerker und Gewerbetreibende, Internationale Verbindungen, Kultur, Volkswirtschaftliche Masseninitiative und der Westabteilung (Abteilung für westdeutsche Angelegenheiten) .
- Dokumente über die Arbeit des Ausschusses für Deutsche Einheit, die Volkskongreßbewegung und den Deutschen Volksrat.
Erschließungszustand: vorl. Findbuch Teil 1 und 2, Teil-Onlinefindbuch, Teile unerschlossen
Zitierweise: BArch DY 6/...
Nationalrat der Nationalen Front der DDR, 1949-1989
4020 Aufbewahrungseinheiten; 385,0 laufende Meter
Bestand
deutsch
Besondere Benutzungsbedingungen: Für Bestellungen wird Rücksprache mit dem zuständigen Fachreferat empfohlen.