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Nathan der Weisen
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Weimarische Zeitung, Nr. 97, 26.04.1872, S. 2: „Ein dreimaliges Auftreten des Herrn Varena aus Kassel als: Schiller [in: Die Karlsschüler], Tempelherr [in: Nathan der Weise] und Ferdinand v. Drang in „Er muß aufs Land“, war von so wenig günstiger Aufnahme begleitet, daß wir sein Erscheinen auf hiesiger Bühne wohl nur als vorübergehend zu betrachten haben. Herr Varena verfügt über recht vortheilhafte Mittel, aber in ihrer Anwendung ist die künstlerische Harmonie zu vermissen. Ebenso ist der intellektuelle Theil seiner Darstellung wohl durchdacht, aber nicht warm genug empfunden, um natürlich und ergreifend zu wirken. Ein starkes Pathos tritt oft scharf kontrastirend gegen die übrige, etwas matt gehaltene Charakteristik hervor und läßt uns weit weniger an die Intensivität des künstlerischen Gefühls glauben, als an die Absicht, damit Effekt machen zu wollen. Am deutlichsten trat dieser Mangel der innersten Gestaltungskraft im Tempelherrn hervor, während der Schiller in den „Karlsschülern“ durch manche Züge, die dem sehr gewandten Schauspieler eigen sind, noch bestechen konnte. Die abgerundetste unter seinen Leistungen: der Ferdinand v. Drang war für uns nach anderer Seite hin ungenießbar. Hr. Varena repräsentirte in dieser Darstellung durchaus diejenige Auffassung des Lustspiels, welche sich von der Posse die Berechtigung entlehnt, um jeden Preis komisch zu sein, gleichviel, ob Haltung und Ton dem Charakter des Ganzen entsprechen. Hier entsprachen sie demselben durchaus nicht, was zur Ehre unserer einheimischen Repräsentanten des feineren Lustspiels gesagt sei und Herr Varena darf nicht allzu stolz auf den lauten Beifall sein, welchen ihn z. B. sein outrirter Schluß des ersten Aktes eintrug. Somit wäre die Frage eines jugendlichen Helden und Liebhabers abermals nicht erledigt und wir beneiden unsere Bühnenleitung nicht um die Verpflichtung, diese Spezies suchen zu müssen, welche auf der deutschen Bühne bedenklich zu degeneriren scheint.“