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Urlaubsreise in die Schweiz, Südfrankreich und Norditalien / Tagebucheintrag zum 24. Mai 1907
Enthält (Blatt 41 verso - 45 recto):
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Den 24. Mai, Trient.
Um 9 Uhr wollen wir abfahren. es war so unruhig heute Nacht, daß ich beinahe verschlafen hätte. Ich schrieb noch bis nach 12 Uhr u. als ich mich gegen 1 Uhr zur Ruhe begeben wollte, höre ich kurz noch einen der drei Schüsse fallen, - laute, durcheinander schwirrrende Stimmen u. kurz darauf wiederm das Knallen einer Pistole. Als ich kurz vorher das Licht auslöschte merkte ich erst, daß ich keine Zündhölzchen habe; rasch kleidete ich mich im Dunkeln wieder an, denn meiner
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Foto: Villafranca [Ortsansicht; Reisegruppe]
Meinung nach muß bald das ganze Hôtel rebellisch werden; nichts aber regt sich mehr.- - Nochmals versuche ich meine Thüre, die auf einen um die Etage laufenden Balkon führt, fester zu schließen, aber es gelingt mir dies ebenso wenig wie am Abend. - Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als mich wieder
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zu Bett zu legen u. bald darauf muß ich auch eingeschlafen sein.-
Groß ist nun mein Erstaunen heute Morgen zu erfahren, daß niemand von meiner Reisegesellschaft etwas von dieser nächtlichen Unruhe störte.-
Kurz vor unserer Abreise machen wir noch einen Spaziergang zum Dom u. fahren dann auf der sehr ebenen, mit Maulbeerbäumen bepflanzten Straße, vorüber an Reisfeldern über Bozzola nach Mantua, dieser alten Stadt am Lago superiose.-
Direct vor Villafranca müssen wir den zweiten Gleitschutzreifen abnehmen u. haben so Gelegenheit die interessante halbverfallene Burg genauer anzusehen. Wir gehen durch den Tor-
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bogen u. vor uns liegt in der glühend heißen Sonne, die Stadt wie ausgestorben da.- Nicht unlieb hören wir den Aufruf zur Weiterfahrt u. erfreuen uns bald der erquickenden Luftzuges im Auto.
Trotz dieses Aufenthaltes sind wir so flott gefahren, daß wir es vorziehen uns in Verona nur kurz aufzuhalten um heute noch bis Roveredo zu kommen.-
Immerhin nehmen wir uns Zeit nach dem Mittagessen einen Spaziergang durch Verona zu machen.- Ich sehe den Markt, Piazza Erbe, die alten engen Straßen u. Laubgänge u. kurz vor unserer Abreise besichtigen wir noch das Innere der großen Arena, deren zum Teil noch ziem-
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lich gut erhaltene Außenseite wir sofort nach der Ankunft bereits bewunderten.
Nicht unerwähnt möchte ich eine kleine Kirche lassen, die mir ganz besonders bei der Weiterfahrt auffällt. Sie mag wohl ein sehr altes Bauwerk sein u. trotzdem kommt sie mir vor, als ob sie überhaupt nie vollständig ausgebaut worden wäre.- Außerhalb von Verona sehen wir die Etsch u. bald tauchen die Berge in einer Beleuchtung auf, wie ich sie selten schöner gesehen habe. Blau in blau abgetönt geben sie ein schönes, harmonisches Bild mit dem tiefen Blau des Himmels.-
Wir kommen an der Veroneser-Klause vorbei u. erquicken uns
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in Peri, da es noch immer sehr heiß ist, durch einen frischen Trunk.-
Die kleinen, nun folgenden Ortschaften sehen zumeist recht vernachlässigt aus; man kommt nicht selten an verfallenen Häusern vorbei u. muß achtgeben, den verwahrlosten Kindern auszuweichen. Im grellen Gegensatz hierzu wird die Natur immer schöner, die Luft erquickender.- Überall wird Wein gebaut u. bildet den Mauern entlang, ganze Lauben. Eine große Strecke weit fahren wir einen nicht ungefährlichen Weg; die schmale Straße bildet beständig scharfe Curven und ist zudem noch vonn hohen Mauern eingefaßt. Alle Signale werden in Bewegung gesetzt
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und die dreifach schmetternden Töne werden im Echo von den Mauern wiedergegeben. Nervös darf man dabei nicht sein.-
Um 8 Uhr kommen wir nach Roveredo, müssen aber erfahren, daß in den besseren Hôtels kein Platz mehr ist, dadurch entschließen wir uns bis nach Trient zu Fahren.- Bald dunkelt es u. wir halten in einem Dorfe, unsere Laternen anzuzünden. Nur die eine aber gibt ein schwaches Licht, die andere aber läßt sich weder mit guten, noch mit bösen Worten bewegen ihre Schuldigkeit zu thun.-
Was bleibt uns anderes übrig als nachzugeben u. so weiterzufahren?
Wir haben Glück! Der Mond stellt sich als Er-
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satzmann ein, die ganze Gegend mit seinem weichen Silberlichte überflutend. Trotzdem wir so viel Schönes, Wunderbares auf unserer Reise gesehen haben, wird mir diese Nachtfahrt im Gebirge doch stets mit das Unvergeßlichste, in seiner erhabenen Großartigkeit bleiben.
Gegen 10 Uhr kommen wir im Hotel Trento, in Trient an.-
Umfang/Beschreibung: 4 Blatt
Archivale
Bemerkungen: In braunem Leder gebundene Kladde mit 136 handbeschriebenen Seiten und 47 teilweise zugeschnittenen eingeklebten Fotografien. Auf den Innenseiten des Buchdeckels Wappenmuster und zwei eingeklebte Verkaufsmarken: "C. Müller S.18 Nürnberg" sowie des Herstellers "Edler und Krische Hannover"
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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