NL Familien Thaler und Körner (Bestand)
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E 10/204
Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik) >> Stadtarchiv Nürnberg >> Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz >> E 10 - Nachlässe >> E 10/204 - Nachlass / Familien Thaler und Körner
Umfangreiche und detaillierte Nachlassunterlagen von verschiedenen Familienmitgliedern aus den Familien Thaler und Körner (Zeugnisse, Pässe, Korrespondenz, Lebensbeschreibungen, Fotos), aufschlussreich v.a. zum 1. und 2. Weltkrieg, Militärgeschichte, Medizingeschichte.Der Bestand enthält historische Unterlagen (Chroniken, amtliche Dokumente, Lebenserinnerungen, postalische Sendungen, diverse Zeugnisse, Briefe, Fotografien, Zeitungsartikel u.a.) zu den Nürnberger Familien Thaler, Körner, Meier aus dem Zeitraum - im weitesten Sinne - vom Dreißigjährigen Krieg bis ins 21. Jahrhundert. Eine sechs Bände umfassende Familiengeschichte der Familie Thaler, in der diese Unterlagen verwendet wurden, befindet sich in der Bibliothek des Stadtarchivs.Die Familie Thaler wanderte mit großer Sicherheit im Dreißigjährigen Krieg aus dem Habsburger Reich kommend nach Franken ein und fand eine Heimstatt in der Nähe von Emskirchen, genauer in dem Dorf Pirkach. Wie viele andere "Österreicher" musste diese evangelische Familie wegen der Gegenreformation ihre Heimat verlassen. Ihre Familienmitglieder waren Kleinbauern, auch die familiäre Verbindung zu Hirtenfamilien ist belegt. Im 19. Jahrhundert übten die Industriestädte Fürth und Nürnberg eine starke Sogkraft auf die Landbevölkerung aus. Im Zuge dieser Entwicklung wanderten Angehörige der Familie Thaler nach Fürth und schließlich nach Nürnberg aus. Allerdings gehörten sie nicht der typischen Industriearbeiterschaft an, sondern der Handwerkerschaft, wohl schon in Manufakturen tätig. Der Urgroßvater Klaus Thalers, ein Johann Georg (1845-1895), war "Beindrechsler" in der Pfeifenherstellung, der Großvater Andreas Thaler (1871-1916) "Feingoldschläger", der Vater Ludwig Thaler (1904-1971) gelernter Mechaniker. In den Familien Thaler und Körner können wir also eine typische inter- und intragenerationelle Mobilität feststellen.Dokumentarisch genau belegbar ist der Lebensweg Andreas Thalers (1871-1916). Zu seiner Person liegen sowohl die Schulzeugnisse, Militärdokumente als auch die Dokumente für die Aufnahme in die Nürnberger Bürgerschaft vor. Interessant sind Briefe und Postkarten an seine Söhne und an die Familie gerichtet. Hierfür - für den Postverkehr - war eine andere Mobilität verantwortlich, einmal die "Walz" seiner Söhne, zum andern der Erste Weltkrieg. Andreasens Militärgrab liegt auf dem Südfriedhof. Über seine Ehefrau Franziska (1870-1951), geborene Kleber, aus Eslarn in der Oberpfalz sind nur spärlich Dokumente erhalten. Das gilt auch für alle anderen Frauen der Familie Thaler. Selbst Schulzeugnisse sucht man vergeblich.Einen großen Umfang innerhalb der Dokumentensammlung nimmt der schriftliche Nachlass seines ältesten Sohnes Matthias (1895-1977) ein. Es war im übrigen in der Familie Brauch, alles Schriftliche "für später" aufzuheben. Hervorzuheben sind seine ausführlichen Lebenserinnerungen. Ein besonderer Schatz sind die Dokumente über seine "Walz" als Bäcker mit den Gewerkschaftsbüchern, den Briefen, den Zeugnissen der diversen Bäckermeister. Der Erste Weltkrieg sollte sein Leben verändern, genauer war es die Schlacht vor Verdun, die ihn dem Tode ziemlich nahe brachte. Sein weiterer beruflicher Werdegang und sein Privatleben ist dank der Dokumente gut nachzuvollziehen.Das Leben des zweitältesten Sohnes Karl (1897-1941), der ebenfalls das Bäckergewerbe ausübte, ist in zweifacher Hinsicht "interessant". Er ging wohl auch auf die "Walz", heuerte aber dann als "Verpflegungsmaat" bei der Handelsmarine an und blieb Matrose bis zur Schlacht von Skagerrak, d.h. einschränkend eine ominöse Fahrt führte ihn noch in die Krim. Die Besatzung der "SMS Rostock" konnte gerettet werden. Meinte es das Schicksal im Ersten Weltkrieg noch gut mit Karl, die Zeit danach bis zu seinem Tod 1941 war wohl eine einzige Qual, denn Karl litt an der Volkskrankheit Tuberkulose. Daran litt und starb auch Hans Körner, Matthias war zeitweise von der Lungenkrankheit befallen. Immer wieder Sanatoriumsaufenthalte, immer wieder die Hoffnung, die Krankheit besiegt zu haben. Wahrscheinlich hat Karl auch Babette, seine Frau, angesteckt. Sie verstarb kurz nach ihm.Der jüngste Sohn Ludwig (1904-1971) hatte es leichter als seine Brüder. Er fand Anschluss an den Arbeitersport, dem er seine ganze Jugend widmete und dem er auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg treu blieb. Er war es auch, der einen Industrieberuf, Mechaniker, erlernte und in der Bleistiftindustrie ein Leben lang ausübte. Seine eher unfreiwilligen Reisen zwischen 1942 und 1945 führten ihn nach Nordnorwegen, worüber auch seine Briefe aus dem hohen Norden Auskunft geben.Hier könnte sich die Geschichte der Familie Meier anschließen. Anna Meier (1911-2000), Ludwigs Frau, stammt aus einer vielköpfigen Familie, die aus der Oberpfalz kam. Sie und ihre Schwestern sind die ersten Frauen in der erweiterten Familie, die einem Beruf nachgingen. Sie wurden Stepperinnen, ein Anlernberuf, in der Fränkischen Schuhfabrik. Während der Wirtschaftskrise 1929 waren es die drei Schwestern, die ihre Brüder und die Familie ernährten. Auch Anna war sportlich und lernte so beim Reichbahnsportverein ihren Mann Ludwig kennen.Emma Thaler (1900-1979), die einzige Tochter aus der Familie Thaler, heiratete Hans Körner (1889-1947). Er stammte aus einer Kleinbauernfamilie, die wegen des Todes der Eltern in Armut fiel. Ein Ausweg war für Hans die Fabrikarbeit in Nürnberg, der er nur kurze Zeit nachging. Als Bauernbursche waren ihm Pferde sicherlich vertraut, so dass er sich auf 12 Jahre bei der Bayerischen Leichten Reiterei, den bayerischen Chevaulegers, verpflichtete. Der Staat hielt sein Versprechen und so wurde Hans nach dem Ersten Weltkrieg in den Justizdienst übernommen. Hier haben wir es mit einer sehr erfolgreichen intragenerationellen Mobilität zu tun. Enthüllend für eine wohl etwas allzu nationalistische Einstellung sind seine Briefe aus Kielce im Zweiten Weltkrieg. Auch er starb kurz nach 1945 an Lungentuberkulose.Einen reichen Dokumentenschatz haben wir aus dem Nachlass der Tochter Hildegard (1926-2009) vorliegen. Vom Poesiealbum bis zur letzten dienstlichen Beurteilung durch die Stadt Nürnberg liegt alles vor. Bei Kriegsende war sie 18 Jahre alt. Sie ist Vertreterin des Teils ihrer Generation, dessen Wunsch nach einer eigenen Familie durch den Krieg zerstört wurde. In der Endphase des Krieges ersetzten junge Frauen die Männer, so Hildegard in einer Verwaltungsstelle am Hauptbahnhof. Danach wurde sie - die Männer kehrten zurück - entlassen. Sie konnte dann aber in der - grob gesprochen - Stunde Null bei der Städtischen Verwaltung beginnen. Bis zum Ende ihrer beruflichen Tätigkeit war sie am Personalamt tätig. Das Leben des Sohnes Klaus (geboren 1943) der Anna Thaler und des Ludwig Thaler war wohl in den ersten Jahren etwas eingeschränkt, er ist jedoch der erste Vertreter seiner Familie, der nicht von Krieg, Hungersnot und tödlichen Krankheiten bedroht ist. Die Dokumente geben darüber Auskunft, dass er seinen Bildungsweg zügig beschritt und einen Beruf erwählte, der nicht von den Mühen der Fabrikarbeit geprägt ist. Auch hier wieder - wie so oft in der Generation - eine intergenerationelle Mobilität. Die größere Durchlässigkeit des Bildungssystems in den 1960er Jahren ermöglichte es ihm, zu studieren, d.h. erst auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur zu machen, um dann in Erlangen und Marburg für das Höhere Lehramt sich zu engagieren. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2007 übte er den Beruf des Gymnasiallehrers aus. Die Dokumentenlage ist lückenlos. Das gesellschaftliche und politische Engagement ist gut belegt. Der Familiennachlass gelangte durch Klaus Thaler 2019 - 2020 ins Stadtarchiv und wurde 2020 - 2021 verzeichnet.
lfd. Meter: 1,00; Einheiten: 107
Bestand
Deutsch
Erster Weltkrieg
Lebenserinnerungen
Thaler und Körner, Familien (Einzelbestand)
Tuberkulose
Zweiter Weltkrieg
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 11:18 MESZ