C Rep. 303 (Karteien) Präsidium der Volkspolizei Berlin (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
C Rep. 303 (Karteien)
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> C Bestände (Ost-) Berliner Behörden bis 1990 >> C 4 Alliierte und Behörden der DDR mit regionaler Zuständigkeit >> C 4.2 Behörden der DDR >> C Rep. 303 Präsidium der Volkspolizei Berlin
Vorwort: Hinweis: Die Karteien der Republikflüchtigen und der Rückkehrer beginnen erst mit Buchstabe Dura und enden bei Buchstabe Z. Die Buchstaben A - Do wurden im Arbeitsbereich Einwohnermeldekartei des Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten irrtümlich in die dortigen Altkarteien eingeordnet. Dieser Vorgang kann auf Grund des Umfanges an Karteikarten nicht mehr rückgängig gemacht werden.
1. Behördengeschichte
Der am 30. November 1948 in Ost-Berlin eingesetzte Magistrat bestimmte Paul Markgraf wieder zum Polizeipräsidenten, der das Amt dann für ein weiteres Jahr innehatte.
Zum 01. Mai 1949 bestanden folgende Strukturen:
Polizeipräsident Chefinspektor bzw. Oberst Markgraf, Paul
Polizeivizepräsident (PK) Oberinspekteur Gyptner, Richard
Polizeivizepräsident (K) Oberinspekteur Schönherr, Alfred
Polizeivizepräsident (S, V Kfz.-Insp.) Oberinspekteur Eikemeier, Fritz
Leiter Sekretariat PP Pol.-Kommandeur Huth, Robert
Leiter Abt. Personal Inspekteur Marquardt, Heinz
ab 23.02.1950 VP-Inspekteur Jahnke, Paul
Leiter Abt. Intendantur Inspekteur Seidel, Hans
Leiter Abt. Gesundheitswesen Inspekteur Dr. Blankmeister, Otto
Leiter Abt. Schulung Inspekteur Wesolek, Hans
Leiter Abt. Bereitschaft Pol.-Kommandeur Siegmund, Walter
Leiter Abt. Schutzpolizei Inspekteur Pech, Ottomar
ab 23.02.1950 VP-Inspekteur Engelbrecht, Heinz
Leiter Abt. Verwaltung Inspekteur Großkopf, Richard
Leiter Kfz.-Inspektion Pol.-Kommandeur Löffler, Werner
Leiter Abt. Feuerwehr (ab 1950) Oberbranddirektor Feierabend, Karl
Dirigent des Orchesters VP-Kommandeur Kaufmann, Willi
Nach Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 kam die DVP in die Zuständigkeit des Ministeriums des Innern (MdI) der DDR, dessen Minister zugleich Chef aller Verbände wurde, die unter der Sammelbezeichnung "Deutsche Volkspolizei" existierten.
Für die Leitung der eigentlichen Polizeikräfte wurde innerhalb des Ministeriums nun eine Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HVDVP) eingerichtet, deren Chef Stellvertreter des Ministers war. Ihr unterstand auch die Polizei in Ost-Berlin, die zum Januar 1950 in "Berliner Volkspolizei" umbenannt wurde. Hauptsitz war der Gebäudekomplex Hans-Beimler-Straße 27 - Keibelstraße 29-36 - Wadzeckstraße 7-10 in der Nähe des Alexanderplatzes in Berlin-Mitte.
Bei Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 war die Deutsche Volkspolizei das einzige bewaffnete Organ, über das der neue Staat DDR verfügte. Deswegen wurde die VP in den folgenden Jahren zu einem wichtigen "Instrument zum Schutz der sozialistischen Ordnung", zur "Sicherung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus" und zur "Gewährleistung der sozialistischen Gesetzlichkeit" ausgebaut. Prägend für Struktur und Aufbau der Volkspolizei (VP) in Berlin in den Anfangsjahren der DDR war die besondere politische Situation in der geteilten Stadt. Schwerpunktaufgaben waren die Sicherung der Sektorengrenze bei offenem Grenzverkehr sowie der Einsatz gegen "Schieber", "Spekulanten" und "Saboteure".
"Während des Aufbaus des Sozialismus zielte der immer wieder beschworene Kampf gegen die latente Kriminalität in erste Linie auf illegale wirtschaftliche Verhaltensweisen wie Unterschlagung, Betrug, Untreue und die gerade im Berliner Umland massenhaft begangene Schieberei und Spekulation im Grenzverkehr nach Westberlin. Die VP musste [die Kriminalität] daher aktiv, durch aggressive Erkundungsmaßnahmen, ausfindig machen." (vgl. Lindenberger)
"Die im Konzept des ABV-Systems vorgesehene Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei und ABV blieb bis 1955 auf ein klassisches Arbeitsfeld der K beschränkt: Die Überwachung von bekannten Straftätern. Die ABV sollten von der K registrierte "Rechtsbrecher und Tatverdächtige", die in ihrem Abschnitt wohnten (oder wohnen sollten), in ihrer alltäglichen Arbeit bezüglich ihres Lebenswandels und sozialen Verkehrs im Auge behalten, um der K im Bedarfsfall Hinweise bei der Aufklärung laufender Verfahren geben zu können. Das zielte, ganz in der Tradition der kriminalistischen "Berufsverbrecher"-Konzeption, auf die spezialisierten Eigentumsdelinquenten und Mehrfachtäter, aber auch auf Personen, die wegen politischer Delikte und "Sabotagehandlungen" registriert worden waren." (vgl. Lindenberger)
Karteikarten wurden zur besseren Aufgabenerledigung in den verschiedensten Bereichen angelegt. Im Bereich Personenkontrolle der Kriminalpolizei gabe es die verschiedensten Karteikarten-Systeme zur Überwachung von kriminell gefährdeten Bürger. Aber auch im Bereich Pass- und Meldewesen wurden Karteien geführt, wie z.B. die Einwohnermeldekarteien, die Karteien der "Republikflüchtigen" und der "Rückkehrer und Zuziehenden" (der sogenannten "Sperrkarteien"). Darüber hinaus gab es in den Bereichen Präsident und Stab die Informationskarteien zu den Befehlen und Weisungen.
2. Bestandsinformation
Ein Großteil der Aktenüberlieferung (bis 1976) wurde im damaligen Zentralen Verwaltungsarchiv des Ministeriums des Innern der DDR gebildet und 1991 dem Landesarchiv Berlin übergeben.
Zunächst wurden die im dortigen Archiv vergebenen Bestandssignaturen "26", "26.1" und "26.2" aufgenommen und als "C Rep. 303-26" (1948-1969), "C Rep. 303-26-01" (1961-1975) und "C Rep. 26-02" in die Tektonik des Landesarchivs Berlin übernommen. Auch die im damaligen Zentralen Verwaltungsarchiv des Ministeriums des Innern der DDR angefertigten Findbücher wurden unverändert weiter genutzt. Ein weiterer Teilbestand im Umfang von mehreren Hundert lfm wurde dann 1997 vom Landesarchiv Berlin aus dem ehemaligen Verwaltungsarchiv des Präsidiums der Volkspolizei Berlin übernommen; allerdings ohne Findmittel und ungeordnet.
2xxx wurden die "Sperrkartei der Republikflüchtigen" und die "Sperrkartei der Rückkehrer und Zuziehenden" vom LABo dem Landesarchiv Berlin übergeben. Die Karteien der Republikflüchtigen und der Rückkehrer beginnen erst mit Buchstabe Dura und enden bei Buchstabe Z. Die Buchstaben A - Do wurden im Arbeitsbereich Einwohnermeldekartei des Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten irrtümlich in die dortigen Altkarteien eingeordnet. Dieser Vorgang kann auf Grund des Umfanges an Karteikarten nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mit Hilfe einer studentischen Hilfskraft konnten diese beiden Karteien fachgerecht in Karteischränken eingelagert und mit der Siftware Augias.Archiv 8.3. erfasst werden.
Im Rahmen eines Verzeichnungsprojektes im Studien-Praxissemester wurde im Februar 2016 eine Überlieferung von Karteikarten (16,80 lfm) mit einer Laufzeit von 1948 bis 1990 mit der Software Augias-Archiv 8.3 verzeichnet. Die Karteien im A 5- Format wurden neu geordnet und säurefreie Archivkartons verpackt.
Sie befassen sich mit den verschiedensten Personengruppen bzw. Themenaspekten.
So ist die größte Sammlung an Karteikarten eine Kartei zur Personenkontrolle von Straftätern, die aber auch politisch Verfolgte beinhaltet. Hier findet man Straftaten wie Diebstahl, Kindesmissbrauch, aber auch Antragsteller zur Übersiedlung in die DDR, sowie der illegale Übertritt in die BRD bzw. Westberlin.
Zur Überwachung der Lage bzw. besonderer Vorkommnisse gab es eine nach Themen aufgebaute Kartei. Hier findet man von A - "Anonyme Anrufe zur Androhung von Gewalttaten" bis W - "Witterungsbedingte Lage" alle möglichen Aspekte, die das öffentliche Leben betrafen. Hierbei ist der Wandel der Begrifflichkeiten mit der Zeit auffällig. So kann man von 1987 bis 1990 eine Veränderung in der Beschreibung der Lage bemerken, die der Wiedervereinigung geschuldet ist.
Eine weitaus kleinere Einheit umfasst alle Straftaten bzw. Vorkommnisse zum Nachteil von Personen mit diplomatischer Immunität. Hier findet man Vorfälle wie Verkehrsunfälle oder Vergehen von Kindern von Botschaftern und vieles mehr. Diese Kartei ist nach den Ländern alphabetisch geordnet.
Die kleinste Einheit besteht aus einer unvollständigen Kartei aus dem Bereich Pass- und Meldewesen, die zur Beobachtung von Zuzüglern aus der BRD und Westberlin diente. Hier gab es vereinzelt aber auch andere Nationen wie Polen oder Italien.
Die Personenkontroll-Karteikarten über jugendliche Straftäter im Stadtbezirk Friedrichshain im A4-Format wurden dagegen wegen ihrer Größe dem Aktenbestand Präsidium der Volkspolizei Berlin (C Rep. 303) zugeordnet.
3. Korrespondierende Stellen
LAB B Rep. 020 Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 101 Magistrat von Berlin, Der Oberbürgermeister von Berlin
LAB C Rep. 102 Magistrat von Berlin, Abteilung Verwaltung und Personalpolitik
LAB C Rep. 104 Magistrat von Berlin, Bereich Inneres
LAB C Rep. 303-09 (Karteien) Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 303-09 Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 901 Landesleitung Berlin der SED 1946-1952
LAB C Rep. 902 Bezirksleitung Berlin der SED
LAB C Rep. 375 ff. Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Abteilung IX/11, NS-Sondersammlung
BStU MfS, BV Berlin, Abteilung VII Ministerium des Innern, Deutsche Volkspolizei
Bundesarchiv DO 1 Ministerium des Innern (MdI)
4. Literatur
Berliner Polizei von 1945 bis zur Gegenwart, hrsg. von der Von-Hinckeldey-Stiftung, Berlin 1998.
Die Volkspolizei. 1948-1952.
Die Volkspolizei - Zeitschrift für das gesamte Polizeiwesen. 1952-1990.
Geschichte der Deutschen Volkspolizei, hrsg. vom Ministerium des Innern, Kommission zur Erforschung und Ausarbeitung der Geschichte der Deutschen Volkspolizei, Berlin 1987.
Unser Signal - Organ der Parteiorganisation der SED in der Volkspolizei. (bis 1952)
Bergmann/Malitz : Der Aufbau der demokratischen Polizei in Berlin 1945. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 3/65, Berlin 1965.
Hoffmann, Hartmut P.: Drei Phasen der Transformation der Volkspolizei. Berlin 1989 bis 1991, Berlin 2009.
Lindenberger, Thomas: Volkspolizei. Herrschaftspraxis und öffentliche Ordnung im SED-Staat 1952-1968, Köln/Weimar/Wien 2003 (= Zeithistorische Studien, hrsg vom Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam, Bd. 23).
Lüers, Hartwig: Das Polizeirecht in der DDR. Aufgaben, Befugnisse und Organisation der Deutschen Volkspolizei, Berlin 1974.
Schlehuber, Heinz: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1945-1961, Selbstverlag, Berlin 1985.
Ders.: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1945-1962, hrsg. vom Präsidium der Volkspolizei Berlin, Geschichtskommission, Berlin 1985.
Ders.: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1962-1975, Hrsg. vom Präsidium der Volkspolizei, Berlin 1988.
Berlin, Februar Anja Ludwig
1. Behördengeschichte
Der am 30. November 1948 in Ost-Berlin eingesetzte Magistrat bestimmte Paul Markgraf wieder zum Polizeipräsidenten, der das Amt dann für ein weiteres Jahr innehatte.
Zum 01. Mai 1949 bestanden folgende Strukturen:
Polizeipräsident Chefinspektor bzw. Oberst Markgraf, Paul
Polizeivizepräsident (PK) Oberinspekteur Gyptner, Richard
Polizeivizepräsident (K) Oberinspekteur Schönherr, Alfred
Polizeivizepräsident (S, V Kfz.-Insp.) Oberinspekteur Eikemeier, Fritz
Leiter Sekretariat PP Pol.-Kommandeur Huth, Robert
Leiter Abt. Personal Inspekteur Marquardt, Heinz
ab 23.02.1950 VP-Inspekteur Jahnke, Paul
Leiter Abt. Intendantur Inspekteur Seidel, Hans
Leiter Abt. Gesundheitswesen Inspekteur Dr. Blankmeister, Otto
Leiter Abt. Schulung Inspekteur Wesolek, Hans
Leiter Abt. Bereitschaft Pol.-Kommandeur Siegmund, Walter
Leiter Abt. Schutzpolizei Inspekteur Pech, Ottomar
ab 23.02.1950 VP-Inspekteur Engelbrecht, Heinz
Leiter Abt. Verwaltung Inspekteur Großkopf, Richard
Leiter Kfz.-Inspektion Pol.-Kommandeur Löffler, Werner
Leiter Abt. Feuerwehr (ab 1950) Oberbranddirektor Feierabend, Karl
Dirigent des Orchesters VP-Kommandeur Kaufmann, Willi
Nach Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 kam die DVP in die Zuständigkeit des Ministeriums des Innern (MdI) der DDR, dessen Minister zugleich Chef aller Verbände wurde, die unter der Sammelbezeichnung "Deutsche Volkspolizei" existierten.
Für die Leitung der eigentlichen Polizeikräfte wurde innerhalb des Ministeriums nun eine Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HVDVP) eingerichtet, deren Chef Stellvertreter des Ministers war. Ihr unterstand auch die Polizei in Ost-Berlin, die zum Januar 1950 in "Berliner Volkspolizei" umbenannt wurde. Hauptsitz war der Gebäudekomplex Hans-Beimler-Straße 27 - Keibelstraße 29-36 - Wadzeckstraße 7-10 in der Nähe des Alexanderplatzes in Berlin-Mitte.
Bei Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 war die Deutsche Volkspolizei das einzige bewaffnete Organ, über das der neue Staat DDR verfügte. Deswegen wurde die VP in den folgenden Jahren zu einem wichtigen "Instrument zum Schutz der sozialistischen Ordnung", zur "Sicherung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus" und zur "Gewährleistung der sozialistischen Gesetzlichkeit" ausgebaut. Prägend für Struktur und Aufbau der Volkspolizei (VP) in Berlin in den Anfangsjahren der DDR war die besondere politische Situation in der geteilten Stadt. Schwerpunktaufgaben waren die Sicherung der Sektorengrenze bei offenem Grenzverkehr sowie der Einsatz gegen "Schieber", "Spekulanten" und "Saboteure".
"Während des Aufbaus des Sozialismus zielte der immer wieder beschworene Kampf gegen die latente Kriminalität in erste Linie auf illegale wirtschaftliche Verhaltensweisen wie Unterschlagung, Betrug, Untreue und die gerade im Berliner Umland massenhaft begangene Schieberei und Spekulation im Grenzverkehr nach Westberlin. Die VP musste [die Kriminalität] daher aktiv, durch aggressive Erkundungsmaßnahmen, ausfindig machen." (vgl. Lindenberger)
"Die im Konzept des ABV-Systems vorgesehene Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei und ABV blieb bis 1955 auf ein klassisches Arbeitsfeld der K beschränkt: Die Überwachung von bekannten Straftätern. Die ABV sollten von der K registrierte "Rechtsbrecher und Tatverdächtige", die in ihrem Abschnitt wohnten (oder wohnen sollten), in ihrer alltäglichen Arbeit bezüglich ihres Lebenswandels und sozialen Verkehrs im Auge behalten, um der K im Bedarfsfall Hinweise bei der Aufklärung laufender Verfahren geben zu können. Das zielte, ganz in der Tradition der kriminalistischen "Berufsverbrecher"-Konzeption, auf die spezialisierten Eigentumsdelinquenten und Mehrfachtäter, aber auch auf Personen, die wegen politischer Delikte und "Sabotagehandlungen" registriert worden waren." (vgl. Lindenberger)
Karteikarten wurden zur besseren Aufgabenerledigung in den verschiedensten Bereichen angelegt. Im Bereich Personenkontrolle der Kriminalpolizei gabe es die verschiedensten Karteikarten-Systeme zur Überwachung von kriminell gefährdeten Bürger. Aber auch im Bereich Pass- und Meldewesen wurden Karteien geführt, wie z.B. die Einwohnermeldekarteien, die Karteien der "Republikflüchtigen" und der "Rückkehrer und Zuziehenden" (der sogenannten "Sperrkarteien"). Darüber hinaus gab es in den Bereichen Präsident und Stab die Informationskarteien zu den Befehlen und Weisungen.
2. Bestandsinformation
Ein Großteil der Aktenüberlieferung (bis 1976) wurde im damaligen Zentralen Verwaltungsarchiv des Ministeriums des Innern der DDR gebildet und 1991 dem Landesarchiv Berlin übergeben.
Zunächst wurden die im dortigen Archiv vergebenen Bestandssignaturen "26", "26.1" und "26.2" aufgenommen und als "C Rep. 303-26" (1948-1969), "C Rep. 303-26-01" (1961-1975) und "C Rep. 26-02" in die Tektonik des Landesarchivs Berlin übernommen. Auch die im damaligen Zentralen Verwaltungsarchiv des Ministeriums des Innern der DDR angefertigten Findbücher wurden unverändert weiter genutzt. Ein weiterer Teilbestand im Umfang von mehreren Hundert lfm wurde dann 1997 vom Landesarchiv Berlin aus dem ehemaligen Verwaltungsarchiv des Präsidiums der Volkspolizei Berlin übernommen; allerdings ohne Findmittel und ungeordnet.
2xxx wurden die "Sperrkartei der Republikflüchtigen" und die "Sperrkartei der Rückkehrer und Zuziehenden" vom LABo dem Landesarchiv Berlin übergeben. Die Karteien der Republikflüchtigen und der Rückkehrer beginnen erst mit Buchstabe Dura und enden bei Buchstabe Z. Die Buchstaben A - Do wurden im Arbeitsbereich Einwohnermeldekartei des Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten irrtümlich in die dortigen Altkarteien eingeordnet. Dieser Vorgang kann auf Grund des Umfanges an Karteikarten nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mit Hilfe einer studentischen Hilfskraft konnten diese beiden Karteien fachgerecht in Karteischränken eingelagert und mit der Siftware Augias.Archiv 8.3. erfasst werden.
Im Rahmen eines Verzeichnungsprojektes im Studien-Praxissemester wurde im Februar 2016 eine Überlieferung von Karteikarten (16,80 lfm) mit einer Laufzeit von 1948 bis 1990 mit der Software Augias-Archiv 8.3 verzeichnet. Die Karteien im A 5- Format wurden neu geordnet und säurefreie Archivkartons verpackt.
Sie befassen sich mit den verschiedensten Personengruppen bzw. Themenaspekten.
So ist die größte Sammlung an Karteikarten eine Kartei zur Personenkontrolle von Straftätern, die aber auch politisch Verfolgte beinhaltet. Hier findet man Straftaten wie Diebstahl, Kindesmissbrauch, aber auch Antragsteller zur Übersiedlung in die DDR, sowie der illegale Übertritt in die BRD bzw. Westberlin.
Zur Überwachung der Lage bzw. besonderer Vorkommnisse gab es eine nach Themen aufgebaute Kartei. Hier findet man von A - "Anonyme Anrufe zur Androhung von Gewalttaten" bis W - "Witterungsbedingte Lage" alle möglichen Aspekte, die das öffentliche Leben betrafen. Hierbei ist der Wandel der Begrifflichkeiten mit der Zeit auffällig. So kann man von 1987 bis 1990 eine Veränderung in der Beschreibung der Lage bemerken, die der Wiedervereinigung geschuldet ist.
Eine weitaus kleinere Einheit umfasst alle Straftaten bzw. Vorkommnisse zum Nachteil von Personen mit diplomatischer Immunität. Hier findet man Vorfälle wie Verkehrsunfälle oder Vergehen von Kindern von Botschaftern und vieles mehr. Diese Kartei ist nach den Ländern alphabetisch geordnet.
Die kleinste Einheit besteht aus einer unvollständigen Kartei aus dem Bereich Pass- und Meldewesen, die zur Beobachtung von Zuzüglern aus der BRD und Westberlin diente. Hier gab es vereinzelt aber auch andere Nationen wie Polen oder Italien.
Die Personenkontroll-Karteikarten über jugendliche Straftäter im Stadtbezirk Friedrichshain im A4-Format wurden dagegen wegen ihrer Größe dem Aktenbestand Präsidium der Volkspolizei Berlin (C Rep. 303) zugeordnet.
3. Korrespondierende Stellen
LAB B Rep. 020 Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 101 Magistrat von Berlin, Der Oberbürgermeister von Berlin
LAB C Rep. 102 Magistrat von Berlin, Abteilung Verwaltung und Personalpolitik
LAB C Rep. 104 Magistrat von Berlin, Bereich Inneres
LAB C Rep. 303-09 (Karteien) Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 303-09 Der Polizeipräsident in Berlin
LAB C Rep. 901 Landesleitung Berlin der SED 1946-1952
LAB C Rep. 902 Bezirksleitung Berlin der SED
LAB C Rep. 375 ff. Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Abteilung IX/11, NS-Sondersammlung
BStU MfS, BV Berlin, Abteilung VII Ministerium des Innern, Deutsche Volkspolizei
Bundesarchiv DO 1 Ministerium des Innern (MdI)
4. Literatur
Berliner Polizei von 1945 bis zur Gegenwart, hrsg. von der Von-Hinckeldey-Stiftung, Berlin 1998.
Die Volkspolizei. 1948-1952.
Die Volkspolizei - Zeitschrift für das gesamte Polizeiwesen. 1952-1990.
Geschichte der Deutschen Volkspolizei, hrsg. vom Ministerium des Innern, Kommission zur Erforschung und Ausarbeitung der Geschichte der Deutschen Volkspolizei, Berlin 1987.
Unser Signal - Organ der Parteiorganisation der SED in der Volkspolizei. (bis 1952)
Bergmann/Malitz : Der Aufbau der demokratischen Polizei in Berlin 1945. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 3/65, Berlin 1965.
Hoffmann, Hartmut P.: Drei Phasen der Transformation der Volkspolizei. Berlin 1989 bis 1991, Berlin 2009.
Lindenberger, Thomas: Volkspolizei. Herrschaftspraxis und öffentliche Ordnung im SED-Staat 1952-1968, Köln/Weimar/Wien 2003 (= Zeithistorische Studien, hrsg vom Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam, Bd. 23).
Lüers, Hartwig: Das Polizeirecht in der DDR. Aufgaben, Befugnisse und Organisation der Deutschen Volkspolizei, Berlin 1974.
Schlehuber, Heinz: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1945-1961, Selbstverlag, Berlin 1985.
Ders.: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1945-1962, hrsg. vom Präsidium der Volkspolizei Berlin, Geschichtskommission, Berlin 1985.
Ders.: Zeittafel zur Geschichte der Volkspolizei Berlin 1962-1975, Hrsg. vom Präsidium der Volkspolizei, Berlin 1988.
Berlin, Februar Anja Ludwig
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 MESZ