Konkurrenzstreit unter den Chirurgen; Verstoß gegen Privilegierung
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GerKer, 646
GerKer Schöffengericht Kerpen
Schöffengericht Kerpen >> 1 Zivilsachen >> 1.3 Arbeitsrechtsklagen
1743 (1723-1732)
Enthält: Nicht zum ersten Mal beschwert sich der Chirurg Heinrich Dreesen beim Landesherrn, dem Reichsgrafen von Schaesberg, wegen Verletzung seines Privilegs, die im Bereich staatlicher Ermittlungsverfahren liegenden Behandlungen ("in die fiscalia einschlagende Curen") durchzuführen und zu liquidieren ("privative zu adhibieren"), durch seine Kollegen Stephan und Michael Gysen. Dem reichsgräflichen Befehl an das Kerpener Gericht, dem Kläger zu seinem Recht zu verhelfen, werden noch einmal das am 25.8.1732 erteilte Patent (und das entsprechende Ausführungsdekret vom 12.9.1732), an das sich Schultheiß und Schöffen halten sollen, in Kopie mitgeteilt. Darin wurden den Beklagten schon einmal bei Verlust ihres Arztlohns und einer angemessenen ("willkürlichen") Brüchtenstrafe solche Kuren verboten. Beigefügt ist auch das Mandat des Reichsgrafen Johann Wilhelm von Schaesberg vom 2.9.1723, mit dem er die Erlaubnis für den Chirurgen Stephan Gysen, den Vater der Beklagten, in Kerpen als Barbier und Chirurg zu praktizieren, wieder zurückzog. Ihm war zu Ohren gekommen, dass Gysen "nicht allein die abdreckerey, sonderen mehr andere ohnerbahre verrichtungen betrieben". Daher sollte durch den Drosten, Lt. Mahss, Gysen bei Strafe angehalten werden, das Becken, das er [wie es allgemein üblich war] zum Zeichen seiner Approbation und Praxis vor seinen Laden hatte hängen dürfen, wieder abzunehmen und sich "der Chirurgie und Barbierkunst hinfuro zu enthalten". Auf der Seite der Beklagten steht ein Empfehlungsschreiben von Schultheiß und Schöffen zu Kerpen an den Reichsgrafen, Stephan Gysen (Sohn) als Wundarzt in Kerpen zuzulassen. Sie antworten damit auf ein Mandat des Drosten vom 5.11. Sie heben darin hervor, dass Stephan Gysen in Kerpen geboren sei und, wie schon sein +Vater, als Wundarzt praktiziert und Arme fast unentgeltlich behandelt habe. Er hätte immer viele, auch auswärtige Patienten gehabt, wodurch er Kerpen "guthe Nahrung zugebracht" habe. An seiner Ehrbarkeit und Friedsamkeit sei, obgleich eines Wasenmeisters Sohn, kein Zweifel. Auch sein leiblicher Bruder Johann Wilhelm aus Kenten in der Herrschaft Frens genieße in kurkölnischen und kurpfälzischen Landen und Städten und den dortigen Zünften einen guten Ruf. Von den genannten Beilagen ist jedoch nur die Konzession vom 24.5.1728 (N. 4) vorhanden, mit der Stephan Gysen zur Ausübung seiner Chirurgiekunst "gegen billigmäßige belohnung" zugelassen wird. Die reichsgräflichen Beamten und jederman werden angewiesen, ihn dabei nicht zu "turbiren" [stören], sondern ihn vielmehr zu schützen und zu handhaben.
Schriftstücke: 5
Archivale
Dreesen, Heinrich, Chirurg 1732, 1743
Gysen, Stephan (Vater), Chirurg 1723
Gysen, Stephan und Michael, Chirurgen 1728, 1743
Hopstein - Johann Peter, Notar
Mahs, Lt., <
Schaesberg, Johann Wilhelm
Patent
Barbierkunst
Chirurgie
Fiscalia
Konkurrenzstreit
Medizinalwesen
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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09.01.2026, 12:16 PM CET