Familienarchiv Kämpf (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 3/59
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Nachlässe, Verbands- und Familienarchive >> Verbands- und Familienarchive
1865-2003
Überlieferungsgeschichte
Dem Bestand Q 3/59 wurde zunächst die bis Juli 2007 unter der Signatur J 50/333 verwahrte Sammlung Kämpf: Familienchronik, Reiseberichte, Lebenserinnerungen zugeordnet. Diese umfasst autobiographische Schriften des Chemikers und Pulverfabrikanten Adolf Kämpf (1879-1961) und seiner Eltern, des Pfarrerehepaars Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Die Sammlung Kämpf gelangte 1991 durch Vermittlung des Historikers, Professor Hartmut Kaelble (FU Berlin), dem eine Kopie der Lebenserinnerungen Adolf Kämpfs vorlag, in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Eine Tochter Adolf Kämpfs, Dr. Magdalena Kämpf (Reutlingen), ergänzte im selben Jahr die unvollständige Kopie der Lebenserinnerungen und übergab Kopien weiterer Unterlagen ihres Vaters und ihrer Großeltern.
Das Familienarchiv Kämpf, das zuletzt Erhard Kämpf verwahrte, wurde im Januar 2006 von Herrn Michael Kämpf (Schortens), einem Neffen von Frau Dr. Magdalena Kämpf, an das Hauptstaatsarchiv Stuttgart abgegeben (Az. 7511.3-S.1). Die Unterlagen betreffen nicht nur seine eigene Familie, sondern auch die seines Großonkels Karl Kämpf (1873-1945) und dessen Kinder (Genealogie ist in Bü 2 beigefügt).
Die Zusammenführung der 2006 abgegebenen Unterlagen mit dem Bestand J 50/333 erschien sinnvoll, da es sich auch bei Karl Kämpf um einen Sohn des benannten Pfarrerehepaares handelt. In den Jahren 2012 und 2014 wurden von Herrn Michael Kämpf (Schortens) weitere Familienunterlagen an das Hauptstaatsarchiv abgegeben, die den vorhandenen Bestand wertvoll ergänzen.
Inhalt und Bewertung
Der Bestand umfasst Unterlagen aus drei Generationen der Familie Kämpf.
Die erste Generation bilden der Pfarrer Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und seine Frau Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Johann Jacob Kämpf war zunächst in der Nähe von Heilbronn und später in Ditzingen Pfarrer. Erhalten sind aus dieser Generation persönliche Unterlagen des Pfarrers, ein Bericht über eine Palästinareise 1898 sowie eine Haus- und Familienchronik.
Aus der zweiten Generation sind Dokumente der Söhne Karl (1873-1945) und Adolf (1879-1961) vorhanden. Karl Kämpf war Kaufmann und mit seiner Familie Anfang des 20. Jahrhunderts in London ansässig, wobei der Grund für die Übersiedlung nach Großbritannien nicht überliefert ist. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt Korrespondenzen sowie Geschäftsunterlagen aus der Zeit in London und zum dortigen Aufenthalt der Familie.
Adolf Kämpf führte als Chemiker und Pulverfabrikant ein bewegtes Leben. Sein Studium der technischen Chemie an der Technischen Hochschule Stuttgart schloss er als erster Absolvent mit der Promotion zum Dr.-Ing. ab. Die Pulverfabriken Köln-Rottweil vermittelten ihn 1904 in die Türkei, wo er die Leitung einer Pulverfabrik bei Konstantinopel erhielt. Von hier aus unternahm er 1905/06 eine Reise nach Syrien und Palästina. 1910 nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er 1911 den Auftrag, die russische Pulverfabrik Schlüsselburg bei St. Petersburg zu reorganisieren. Nach dem Kriegsausbruch von 1914 wurde er verhaftet und in der Gegend des Onegasees, später beim Schimosero-See interniert. Erst 1916 konnte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Deutschland zurückkehren. Er erhielt die Leitung der im Bau befindlichen Pulverfabrik Premnitz in Brandenburg mit bis zu 6000 Beschäftigten. Nach dem Krieg vermochte er durch Umstellung auf Kunstfasern eine völlige Demontage des Werkes zu verhindern. 1931 übernahm er das Management der Kunstfaserfabrik Bobingen bei Augsburg, wo er gleichzeitig den Bau einer Arbeitersiedlung betrieb. 1941 übertrug man ihm die Oberleitung eines großen Rüstungsbetriebs in Bromberg in Polen. Mit Mühe konnte er sich Anfang 1945 vor den Russen zunächst nach Mecklenburg, dann in die Gegend von Friedrichshafen retten. Hier wurde er als "Wehrwirtschaftsführer", inzwischen fast 66-jährig, von den Franzosen verhaftet und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Sein Haus gaben die Franzosen erst 1952 frei. In Spaltenstein bei Friedrichshafen lebte Adolf Kämpf als Privatmann bis zu seinem Tod 1961. Die autobiographischen Aufzeichnungen Adolf Kämpfs geben die Stationen seines Lebens und seine großen Reisen wieder.
Die dritte Generation der hier überlieferten Unterlagen umfasst vier der acht Kinder von Karl Kämpf und seiner Frau Maria Martha, geb. Knapp (1881-1951): Irene Maria (1909-1995), Walter Adolf Karl (1912-1941), Erhard Wilfried (1915-2003) und Arnold Siegfried (1917-1944). Im Bestand befinden sich persönliche Berichte der drei Söhne vom ihren Ostfronteinsatz im Zweiten Weltkrieg. Bei den Korrespondenzen der Kinder sind teilweise nur deren Briefe vorhanden, die Gegenkorrespondenz der Empfänger fehlt zumeist.
Durch die beigefügten Lebensläufe ist eine gute Erschließung der einzelnen Personen möglich.
Der Bestand hat einen Umfang von 1,1 lfd m. und umfasst 33 Büschel.
Stuttgart im August 2007
Judith Matzke, Regina Keyler
Nachtrag:
In den Jahren 2008-2013 kamen weitere Unterlagen der Familie Kämpf in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart, so unter anderem das Fotoalbum zum Aufenthalt von Adolf Kämpf in Konstaninopel.
Herr Michael Kämpf aus Schortens übergab in den Jahren 2013 und 2014 weitere Unterlagen zum Bestand, so dass der Umfang sich inzwischen auf 1,8 lfd. m erhöhte und nun 54 Büschel umfasst, die neuen Einheiten wurden vom Unterzeichner erfasst.
Stuttgart im April 2014
Peter Bohl
Inhalt: Der Bestand umfasst Unterlagen aus drei Generationen der Familie Kämpf. Die erste Generation bilden der Pfarrer Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und seine Frau Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Johann Jacob Kämpf war zunächst in der Nähe von Heilbronn und später in Ditzingen Pfarrer. Erhalten sind aus dieser Generation persönliche Unterlagen des Pfarrers, ein Bericht über eine Palästinareise 1898 sowie eine Haus- und Familienchronik. Aus der zweiten Generation sind Dokumente der Söhne Karl (1873-1945) und Adolf (1879-1961) vorhanden. Karl Kämpf war Kaufmann und mit seiner Familie Anfang des 20. Jahrhunderts in London ansässig, wobei der Grund für die Übersiedlung nach Großbritannien nicht überliefert ist. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt Korrespondenzen sowie Geschäftsunterlagen aus der Zeit in London und zum dortigen Aufenthalt der Familie. Adolf Kämpf führte als Chemiker und Pulverfabrikant ein bewegtes Leben. Sein Studium der technischen Chemie an der Technischen Hochschule Stuttgart schloss er als erster Absolvent mit der Promotion zum Dr.-Ing. ab. Die Pulverfabriken Köln-Rottweil vermittelten ihn 1904 in die Türkei, wo er die Leitung einer Pulverfabrik bei Konstantinopel erhielt. Von hier aus unternahm er 1905/06 eine Reise nach Syrien und Palästina. 1910 nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er 1911 den Auftrag, die russische Pulverfabrik Schlüsselburg bei St. Petersburg zu reorganisieren. Nach dem Kriegsausbruch von 1914 wurde er verhaftet und in der Gegend des Onegasees, später beim Schimosero-See interniert. Erst 1916 konnte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Deutschland zurückkehren. Er erhielt die Leitung der im Bau befindlichen Pulverfabrik Premnitz in Brandenburg mit bis zu 6000 Beschäftigten. Nach dem Krieg vermochte er durch Umstellung auf Kunstfasern eine völlige Demontage des Werkes zu verhindern. 1931 übernahm er das Management der Kunstfaserfabrik Bobingen bei Augsburg, wo er gleichzeitig den Bau einer Arbeitersiedlung betrieb. 1941 übertrug man ihm die Oberleitung eines großen Rüstungsbetriebs in Bromberg in Polen. Mit Mühe konnte er sich Anfang 1945 vor den Russen zunächst nach Mecklenburg, dann in die Gegend von Friedrichshafen retten. Hier wurde er als "Wehrwirtschaftsführer", inzwischen fast 66-jährig, von den Franzosen verhaftet und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Sein Haus gaben die Franzosen erst 1952 frei. In Spaltenstein bei Friedrichshafen lebte Adolf Kämpf als Privatmann bis zu seinem Tod 1961. Die autobiographischen Aufzeichnungen Adolf Kämpfs geben die Stationen seines Lebens und seine großen Reisen wieder. Die dritte Generation der hier überlieferten Unterlagen umfasst vier der acht Kinder von Karl Kämpf und seiner Frau Maria Martha, geb. Knapp (1881-1951): Irene Maria (1909-1995), Walter Adolf Karl (1912-1941), Erhard Wilfried (1915-2003) und Arnold Siegfried (1917-1944). Im Bestand befinden sich persönliche Berichte der drei Söhne vom ihren Ostfronteinsatz im Zweiten Weltkrieg. Bei den Korrespondenzen der Kinder sind teilweise nur deren Briefe vorhanden, die Gegenkorrespondenz der Empfänger fehlt zumeist. Durch die beigefügten Lebensläufe ist eine gute Erschließung der einzelnen Personen möglich.
Überlieferung: Dem Bestand Q 3/59 wurde zunächst die bis Juli 2007 unter J 50/333 verwahrte Sammlung Kämpf: Familienchronik, Reiseberichte, Lebenserinnerungen zugeordnet. Diese umfasst autobiographische Schriften des Chemikers und Pulverfabrikanten Adolf Kämpf (1879-1961) und seiner Eltern, des Pfarrerehepaars Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Die Sammlung Kämpf gelangte 1991 durch Vermittlung des Historikers, Professor Hartmut Kaelble (FU Berlin), dem eine Kopie der Lebenserinnerungen Adolf Kämpfs vorlag, in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Eine Tochter Adolf Kämpfs, Dr. Magdalena Kämpf (Reutlingen), ergänzte im selben Jahr die unvollständige Kopie der Lebenserinnerungen und übergab Kopien weiterer Unterlagen ihres Vaters und ihrer Großeltern. Das Familienarchiv Kämpf, das zuletzt Erhard Kämpf verwahrte, wurde im Januar 2006 von Herrn Michael Kämpf (Schortens), einem Neffen von Frau Dr. Magdalena Kämpf, an das Hauptstaatsarchiv Stuttgart abgegeben (Az. 7511.3-S.1). Die Unterlagen betreffen nicht seine eigene Familie, sondern die seines Großonkels Karl Kämpf (1873-1945) und dessen Kinder (Genealogie ist in Bü 2 beigefügt). Die Zusammenführung der 2006 abgegebenen Unterlagen mit dem Bestand J 50/333 erschien sinnvoll, da es sich auch bei Karl Kämpf um einen Sohn des benannten Pfarrerehepaares handelt. Der Bestand hat einen Umfang von 1,1 lfd m. und umfasst 33 Büschel. Stuttgart im August 2007 Judith Matzke, Regina Keyler
Dem Bestand Q 3/59 wurde zunächst die bis Juli 2007 unter der Signatur J 50/333 verwahrte Sammlung Kämpf: Familienchronik, Reiseberichte, Lebenserinnerungen zugeordnet. Diese umfasst autobiographische Schriften des Chemikers und Pulverfabrikanten Adolf Kämpf (1879-1961) und seiner Eltern, des Pfarrerehepaars Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Die Sammlung Kämpf gelangte 1991 durch Vermittlung des Historikers, Professor Hartmut Kaelble (FU Berlin), dem eine Kopie der Lebenserinnerungen Adolf Kämpfs vorlag, in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Eine Tochter Adolf Kämpfs, Dr. Magdalena Kämpf (Reutlingen), ergänzte im selben Jahr die unvollständige Kopie der Lebenserinnerungen und übergab Kopien weiterer Unterlagen ihres Vaters und ihrer Großeltern.
Das Familienarchiv Kämpf, das zuletzt Erhard Kämpf verwahrte, wurde im Januar 2006 von Herrn Michael Kämpf (Schortens), einem Neffen von Frau Dr. Magdalena Kämpf, an das Hauptstaatsarchiv Stuttgart abgegeben (Az. 7511.3-S.1). Die Unterlagen betreffen nicht nur seine eigene Familie, sondern auch die seines Großonkels Karl Kämpf (1873-1945) und dessen Kinder (Genealogie ist in Bü 2 beigefügt).
Die Zusammenführung der 2006 abgegebenen Unterlagen mit dem Bestand J 50/333 erschien sinnvoll, da es sich auch bei Karl Kämpf um einen Sohn des benannten Pfarrerehepaares handelt. In den Jahren 2012 und 2014 wurden von Herrn Michael Kämpf (Schortens) weitere Familienunterlagen an das Hauptstaatsarchiv abgegeben, die den vorhandenen Bestand wertvoll ergänzen.
Inhalt und Bewertung
Der Bestand umfasst Unterlagen aus drei Generationen der Familie Kämpf.
Die erste Generation bilden der Pfarrer Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und seine Frau Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Johann Jacob Kämpf war zunächst in der Nähe von Heilbronn und später in Ditzingen Pfarrer. Erhalten sind aus dieser Generation persönliche Unterlagen des Pfarrers, ein Bericht über eine Palästinareise 1898 sowie eine Haus- und Familienchronik.
Aus der zweiten Generation sind Dokumente der Söhne Karl (1873-1945) und Adolf (1879-1961) vorhanden. Karl Kämpf war Kaufmann und mit seiner Familie Anfang des 20. Jahrhunderts in London ansässig, wobei der Grund für die Übersiedlung nach Großbritannien nicht überliefert ist. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt Korrespondenzen sowie Geschäftsunterlagen aus der Zeit in London und zum dortigen Aufenthalt der Familie.
Adolf Kämpf führte als Chemiker und Pulverfabrikant ein bewegtes Leben. Sein Studium der technischen Chemie an der Technischen Hochschule Stuttgart schloss er als erster Absolvent mit der Promotion zum Dr.-Ing. ab. Die Pulverfabriken Köln-Rottweil vermittelten ihn 1904 in die Türkei, wo er die Leitung einer Pulverfabrik bei Konstantinopel erhielt. Von hier aus unternahm er 1905/06 eine Reise nach Syrien und Palästina. 1910 nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er 1911 den Auftrag, die russische Pulverfabrik Schlüsselburg bei St. Petersburg zu reorganisieren. Nach dem Kriegsausbruch von 1914 wurde er verhaftet und in der Gegend des Onegasees, später beim Schimosero-See interniert. Erst 1916 konnte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Deutschland zurückkehren. Er erhielt die Leitung der im Bau befindlichen Pulverfabrik Premnitz in Brandenburg mit bis zu 6000 Beschäftigten. Nach dem Krieg vermochte er durch Umstellung auf Kunstfasern eine völlige Demontage des Werkes zu verhindern. 1931 übernahm er das Management der Kunstfaserfabrik Bobingen bei Augsburg, wo er gleichzeitig den Bau einer Arbeitersiedlung betrieb. 1941 übertrug man ihm die Oberleitung eines großen Rüstungsbetriebs in Bromberg in Polen. Mit Mühe konnte er sich Anfang 1945 vor den Russen zunächst nach Mecklenburg, dann in die Gegend von Friedrichshafen retten. Hier wurde er als "Wehrwirtschaftsführer", inzwischen fast 66-jährig, von den Franzosen verhaftet und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Sein Haus gaben die Franzosen erst 1952 frei. In Spaltenstein bei Friedrichshafen lebte Adolf Kämpf als Privatmann bis zu seinem Tod 1961. Die autobiographischen Aufzeichnungen Adolf Kämpfs geben die Stationen seines Lebens und seine großen Reisen wieder.
Die dritte Generation der hier überlieferten Unterlagen umfasst vier der acht Kinder von Karl Kämpf und seiner Frau Maria Martha, geb. Knapp (1881-1951): Irene Maria (1909-1995), Walter Adolf Karl (1912-1941), Erhard Wilfried (1915-2003) und Arnold Siegfried (1917-1944). Im Bestand befinden sich persönliche Berichte der drei Söhne vom ihren Ostfronteinsatz im Zweiten Weltkrieg. Bei den Korrespondenzen der Kinder sind teilweise nur deren Briefe vorhanden, die Gegenkorrespondenz der Empfänger fehlt zumeist.
Durch die beigefügten Lebensläufe ist eine gute Erschließung der einzelnen Personen möglich.
Der Bestand hat einen Umfang von 1,1 lfd m. und umfasst 33 Büschel.
Stuttgart im August 2007
Judith Matzke, Regina Keyler
Nachtrag:
In den Jahren 2008-2013 kamen weitere Unterlagen der Familie Kämpf in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart, so unter anderem das Fotoalbum zum Aufenthalt von Adolf Kämpf in Konstaninopel.
Herr Michael Kämpf aus Schortens übergab in den Jahren 2013 und 2014 weitere Unterlagen zum Bestand, so dass der Umfang sich inzwischen auf 1,8 lfd. m erhöhte und nun 54 Büschel umfasst, die neuen Einheiten wurden vom Unterzeichner erfasst.
Stuttgart im April 2014
Peter Bohl
Inhalt: Der Bestand umfasst Unterlagen aus drei Generationen der Familie Kämpf. Die erste Generation bilden der Pfarrer Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und seine Frau Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Johann Jacob Kämpf war zunächst in der Nähe von Heilbronn und später in Ditzingen Pfarrer. Erhalten sind aus dieser Generation persönliche Unterlagen des Pfarrers, ein Bericht über eine Palästinareise 1898 sowie eine Haus- und Familienchronik. Aus der zweiten Generation sind Dokumente der Söhne Karl (1873-1945) und Adolf (1879-1961) vorhanden. Karl Kämpf war Kaufmann und mit seiner Familie Anfang des 20. Jahrhunderts in London ansässig, wobei der Grund für die Übersiedlung nach Großbritannien nicht überliefert ist. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt Korrespondenzen sowie Geschäftsunterlagen aus der Zeit in London und zum dortigen Aufenthalt der Familie. Adolf Kämpf führte als Chemiker und Pulverfabrikant ein bewegtes Leben. Sein Studium der technischen Chemie an der Technischen Hochschule Stuttgart schloss er als erster Absolvent mit der Promotion zum Dr.-Ing. ab. Die Pulverfabriken Köln-Rottweil vermittelten ihn 1904 in die Türkei, wo er die Leitung einer Pulverfabrik bei Konstantinopel erhielt. Von hier aus unternahm er 1905/06 eine Reise nach Syrien und Palästina. 1910 nach Deutschland zurückgekehrt, erhielt er 1911 den Auftrag, die russische Pulverfabrik Schlüsselburg bei St. Petersburg zu reorganisieren. Nach dem Kriegsausbruch von 1914 wurde er verhaftet und in der Gegend des Onegasees, später beim Schimosero-See interniert. Erst 1916 konnte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Deutschland zurückkehren. Er erhielt die Leitung der im Bau befindlichen Pulverfabrik Premnitz in Brandenburg mit bis zu 6000 Beschäftigten. Nach dem Krieg vermochte er durch Umstellung auf Kunstfasern eine völlige Demontage des Werkes zu verhindern. 1931 übernahm er das Management der Kunstfaserfabrik Bobingen bei Augsburg, wo er gleichzeitig den Bau einer Arbeitersiedlung betrieb. 1941 übertrug man ihm die Oberleitung eines großen Rüstungsbetriebs in Bromberg in Polen. Mit Mühe konnte er sich Anfang 1945 vor den Russen zunächst nach Mecklenburg, dann in die Gegend von Friedrichshafen retten. Hier wurde er als "Wehrwirtschaftsführer", inzwischen fast 66-jährig, von den Franzosen verhaftet und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Sein Haus gaben die Franzosen erst 1952 frei. In Spaltenstein bei Friedrichshafen lebte Adolf Kämpf als Privatmann bis zu seinem Tod 1961. Die autobiographischen Aufzeichnungen Adolf Kämpfs geben die Stationen seines Lebens und seine großen Reisen wieder. Die dritte Generation der hier überlieferten Unterlagen umfasst vier der acht Kinder von Karl Kämpf und seiner Frau Maria Martha, geb. Knapp (1881-1951): Irene Maria (1909-1995), Walter Adolf Karl (1912-1941), Erhard Wilfried (1915-2003) und Arnold Siegfried (1917-1944). Im Bestand befinden sich persönliche Berichte der drei Söhne vom ihren Ostfronteinsatz im Zweiten Weltkrieg. Bei den Korrespondenzen der Kinder sind teilweise nur deren Briefe vorhanden, die Gegenkorrespondenz der Empfänger fehlt zumeist. Durch die beigefügten Lebensläufe ist eine gute Erschließung der einzelnen Personen möglich.
Überlieferung: Dem Bestand Q 3/59 wurde zunächst die bis Juli 2007 unter J 50/333 verwahrte Sammlung Kämpf: Familienchronik, Reiseberichte, Lebenserinnerungen zugeordnet. Diese umfasst autobiographische Schriften des Chemikers und Pulverfabrikanten Adolf Kämpf (1879-1961) und seiner Eltern, des Pfarrerehepaars Johann Jacob Kämpf (1832-1914) und Maria Gottlobin, geb. Wegmann (1844-1908). Die Sammlung Kämpf gelangte 1991 durch Vermittlung des Historikers, Professor Hartmut Kaelble (FU Berlin), dem eine Kopie der Lebenserinnerungen Adolf Kämpfs vorlag, in das Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Eine Tochter Adolf Kämpfs, Dr. Magdalena Kämpf (Reutlingen), ergänzte im selben Jahr die unvollständige Kopie der Lebenserinnerungen und übergab Kopien weiterer Unterlagen ihres Vaters und ihrer Großeltern. Das Familienarchiv Kämpf, das zuletzt Erhard Kämpf verwahrte, wurde im Januar 2006 von Herrn Michael Kämpf (Schortens), einem Neffen von Frau Dr. Magdalena Kämpf, an das Hauptstaatsarchiv Stuttgart abgegeben (Az. 7511.3-S.1). Die Unterlagen betreffen nicht seine eigene Familie, sondern die seines Großonkels Karl Kämpf (1873-1945) und dessen Kinder (Genealogie ist in Bü 2 beigefügt). Die Zusammenführung der 2006 abgegebenen Unterlagen mit dem Bestand J 50/333 erschien sinnvoll, da es sich auch bei Karl Kämpf um einen Sohn des benannten Pfarrerehepaares handelt. Der Bestand hat einen Umfang von 1,1 lfd m. und umfasst 33 Büschel. Stuttgart im August 2007 Judith Matzke, Regina Keyler
54 Büschel (1,80 lfd. m)
Bestand
Kämpf; Familie
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ