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E Rep. 400-63 Familiennachlass Richter/Peters (Bestand)
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> E Nachlässe und personengeschichtliche Sammlungen >> E 1 Nachlässe und Personenfonds
Vorwort: Der Bestand dokumentiert die Familie des Berliner Bauunternehmers Wilhelm Peters und seiner Nachfahren. Das Bauunternehmen Peters errichtete in Berlin Wohn- und Geschäftsbauten vor dem Ersten Weltkrieg und zwischen den beiden Weltkriegen. Mathias Richter, Darmstadt (Enkel des Bauunternehmers) ist Autor der Familienchronik Peters-Richter. Seine Frau und Witwe Ursula Richter, Darmstadt, bot mit ihrem Sohn, Dr. Fabian Richter, das Familienarchiv auf Vermittlung von Frau Dr. Ruth Dalinghaus im Frühjahr 2017 dem Landesarchiv Berlin als Schenkung an. Das vorliegende Findbuch basiert auf einer ersten einfachen Verzeichnung durch den Unterzeichner.
Käthi Peters, geb. Katzmann (* 04.12.1878 in Hannover, † 24.06.1960 in Berlin) und Wilhelm Peters (*26.03.1877, †06.05.1953) heirateten am 5. April 1900 in Holzminden an der Weser und waren die Eltern von Günter Peters und Martina Richter, geb. Peters. Sie wohnten seit 1921 in ihrem eigenen Haus in Berlin-Dahlem, Schorlemerallee 26. Wilhelm war Bauunternehmer seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts und hatte sein Baugeschäft über zweit Kriege retten können. Nach 1945 erhielt vor allem Aufträge zur Instandsetzung und zum Wiederaufbau zerstörter Häuser in Berlin. Käthi Peters war Eigentümerin einer Reihe der von Peters erbauten Mietshäuser, die regelmäßige Mieteinnahmen und einen ansehnlichen Wohlstand absicherten.
Kurt Richter (*24.02.1898 in Dresden, †08.12.1965 in Berlin) ), der in beiden Weltkriegen als Soldat eingezogen wurde und im ersten Weltkrieg ein noch erhaltenes Tagebuch führte, war verheiratet mit Martina Richter, geboren am 10.2.1904 als Martina Käti Meta Peters in der Treptower Chaussee 9 (heute Puschkinallee 9) als Tochter des Baumeisters Wilhelm Peters und seiner Ehefrau Käthi Peters. 1905 zog die Familie in das neue Haus Treptower Chaussee 48, die "Villa Peters". 1910 wurde sie in die Victoriaschule in Treptow eingeschult. 1916 Verkauf der Villa Peters und Umzug in die Homburger Straße 12 (seit 1934 Nr. 26) in Berlin-Wilmersdorf. Martina Peters ging bis zur Mittleren Reife in das IV. Städtische Lyzeum, Weimarische Straße 21-24. 1917/18 zog die Familie an den Rüdesheimer Platz 6 in Berlin-Wilmersdorf. 1920 kaufte Wilhelm Peters ein großes Grundstück in Dahlem und baute 1921 eine Villa im Landhausstil in der Schorlemerallee 26 für seine Familie. 1923, nach Abschluss der Schule, begann Martina Peters eine Ausbildung in der Baugewerkschule in Berlin, Kurfürstenstraße 141. 1925 lernte sie den Handelskaufmann Kurt Richter beim Tennissport kennen. Am 20. 5.1926 heirateten beide in Berlin und wohnten Breitenbachplatz 4 (seit 1929 Nr. 11). 1926 bis 1934 gründete und betrieb Johannes Itten seine Ittenschule (zunächst "Moderne Kunstschule") in Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Straße 16, ab 25.10.1927 in der Potsdamer Straße 75. Der enge Kontakt von Johannes Itten mit der Familie Peters entstand über die sog. Mazdaznan-Sekte (amerikanische lebensreformerische Sekte). 1926 Beginn des Architekturstudiums von Martina Richter und ihrem Bruder Günter in der Ittenschule in Berlin-Wilmersdorf. 1928 entwarf Martina Richter das Einfamilienhaus Berlin-Dahlem, Schorlemerallee 28 (Grundsteinlegung 17.6.1928). Im gleichen Jahr baute Wilhelm Peters das Mietshaus Konstanzer Straße 14, Berlin-Wilmersdorf, in das am 1.12.1928 die Ittenschule einzog. 1929 zogen Martina und Kurt Richter in die Schorlemerallee 28. Am 13.1.1931 wurde der erste Sohn, Klaus Richter, in der Schorlemerallee 28 geboren. Am 1. 9.1934 zog die Familie in eine Etagenwohnung im Mietshaus Homburger Straße 12 (seit 1934 Nr. 26) in Berlin-Wilmersdorf. Das Haus Schorlemerallee 28 wurde an die Deutschen Kraftverkehr GmbH vermietet. Am 22.4.1935 Geburt des zweiten Sohnes, Joachim Richter, in der Homburger Straße 26. 1939 wurde das Haus Schorlemerallee 28 an die Deutschen Kraftverkehr GmbH verkauft. 1943 evakuierten Martina, Klaus und Joachim Richter aus Berlin nach Annaberg/Erzgebirge zum Onkel von Kurt Richter. Am 29.1.1944 wurde der dritte Sohn, Mathias Richter, in Annaberg/Erzgebirge geboren. 1945 kehrte die Familie aus Annaberg nach Berlin-Wilmersdorf, Binger Straße 6 zurück.
Die Häuser Binger Straße 6, 6a und 7 (sog. Binger-Block) waren Eigentum von Martina Richters Mutter, Käthi Peters. Im ausgebauten Dachgeschoss der Wohnhäuser befand sich seit 1937 das Baubüro von Wilhelm Peters (vorher in der Schorlemerallee 26).
1949 zog die Familie nach Minden/Westfalen und kehrte von dort am 2.1.1953 nach Berlin
in die Brandenburgische Straße 20 zurück. Am 6.5.1953 starben Wilhelm Peters in Berlin
und am 24.6.1960 Käthi Peters in Berlin. Am 15.12. 1962 zog die Familie nach Berlin-
Grunewald, Kissinger Straße 67. Kurt Richter starb am 8.12.1965. Im Mai 1989 zog
Martina Richter nach Düsseldorf in ein Altersheim und im gleichen Jahr, am 27.10.1989,
starb sie dort. Klaus Richter verstarben am 06.07.1994 in Düsseldorf und Joachim Richter
am 25.07.1997 in Neuss. Der dritte Sohn und Autor der Familienchronik, Dr. Mathias
Richter verstarb am 1.3.2013 in Darmstadt.
Fa. Cornelius & Richter
Kurt Richter war von Beruf Textilkaufmann. Im März 1938 arisierte, d. h. kaufte Kurt Richter gemeinsam mit Friedrich Cornelius und Oswald Koch die am 10. April 1912 gegründete Konfektionsfirma "Neustadt und Blumenthal OHG für Damenmäntel und -kostüme" in der Kronenstraße 29 (Mitte) für 23.000,00 RM von den Inhabern Leopold Schneider und Siegmund Neustadt. Friedrich Cornelius war zuvor Verkaufsleiter in der Firma. Sie wurde zur Firma "Cornelius & Richter OHG" (C&R) und die Firma "Neustadt und Blumenthal OHG" am 5. Januar 1939 aus dem Handelsregister Berlin gelöscht. Leopold Schneider arbeitete nach dem Verkauf bis zum 31. Dezember 1938 als Konfektionär bei C&R und starb etwa 1940. Oswald Koch schied aus und Kurt Richter führte die Firma als alleiniger Gesellschafter fort. Am 23. November 1943 wurde die Firma C&R in der Kronenstraße 29 vollständig ausgebombt. Sie zog danach in die Geschäftsräume von Bernhard Kiene, dem Schwager von Kurt Richter, Kronenstraße 12-13. Auch dieses Haus wurde am 26. Februar 1944 ausgebombt. C&R zog daraufhin in das Haus von Paul Dörr, Kronenstraße 38-40. Paul Dörr war der Bruder einer Schulkameradin von Marie Kiene, der Schwester von Kurt Richter, Margarete "Greta" Frick, geb. Dörr. Sie war die Frau des Reichsinnenministers Wilhelm Frick. Schließlich musste C&R wegen erneuter Bombenschäden am 4. Februar 1945 in das Haus Kronenstraße 30-31 umziehen. Dort blieb die Firma zunächst pro forma weiter gemeldet, obwohl alle Ware, Einrichtung und Unterlagen zerstört waren.
Schon während des Krieges waren die Bedingungen zur Fortführung der Firma Cornelius & Richter (C&R), die Damenmäntel und -kostüme sowie zunächst auch Damenkleider herstellte und als Großhändler an den Einzelhandel verkaufte, denkbar schlecht. Kurt Richter wurde eingezogen und hatte daher zunächst seinen Schwager, Bernhard Kiene, als Geschäftsführer eingesetzt, da dieser wegen seines Alters nicht eingezogen worden war.
Um den Kriegswirren zu entgehen, wurde am 03. März 1944 eine Zweigstelle von C&R bei dem Onkel mütterlicherseits von Kurt Richter, Willy Müller, in Annaberg/Erzgebirge, König-Albert-Straße 3 eingerichtet. Willy Müller besaß die Strick- und Wirkwaren Fabrik Awema in Annaberg. Er hatte Martina Richter mit Klaus und Joachim sowie seine Schwester, Anna Richter während der Evakuierung Berlins aufgenommen.
Erst am 14. Januar 1946 hatte Kurt Richter die Rechte an seiner Firma wiedererlangt. De facto wurde C&R nun in der Notwohnung der Richters, in Berlin-Wilmersdorf, Binger Straße 6, weitergeführt. Im Frühjahr 1947 zog C&R als Mieter in das von seinem Schwiegervater, Wilhelm Peters, vollständig renovierte Gebäude Hohenzollerndamm 174-177 nahe dem Fehrbelliner Platz, das den Namen "Hadeko" (Haus der Konfektion) erhielt. Daneben wurde ein Zweigbetrieb in Minden/Westfalen gegründet, an dem neben Kurt und Hans Felix Richter auch die Herren Hermann Kneer und Dr. Ludwig Göcke Teilhaber der Firma wurden. Dr. Ludwig Göcke war der Inhaber der Großstoffdruckerei Göcke & Sohn, Hohenlimburg, und Hermann Kneer sein Geschäftsführer. Beide waren Kriegskameraden von Kurt Richter aus dem Feldwirtschaftsstab des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW). Kurt Richter wurde am 01. April 1950 Vertreter der Firma Göcke & Sohn für den Bezirk Bielefeld, um wenigstens etwas Geld zu verdienen. Aber die Konjunktur lief nicht richtig an, so dass es dramatische Einbrüche bei den Aufträgen für Stoffe gab. Der sehr langsame Verkauf der Restbestände von C&R, der stagnierende Verkauf bei Göcke & Sohn und Konkurse von zahlreiche Lieferfirmen von C&R brachten Kurt Richter an den Rand des eigenen Konkurses. Nach der Abwicklung von Cornelius & Richter in Minden konzentrierte sich Kurt Richter auf seine Berliner Zweigfirma, die weiterhin existierte. Die Geschäftsräume waren im Hadeko (Haus der Konfektion) am Hohenzollerndamm 174-177. Um einen Neustart zu finanzieren, nahm er einen Kompagnon zu 50% in seine Firma auf, Herrn Emil Brüne. Emil Brüne aus Bielefeld war verheiratet mit Hilde Brüne, geb. Meyer. Emil Brüne hatte eine Schwester, die in Kassel ein Konfektionsgeschäft besaß und die zu den regelmäßigen Kunden der Firma Cornelius & Richter (C&R) gehörte. Er wurde am 17. September 1953 50 % Mitgesellschafter der Firma Cornelius & Richter (C&R) in Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Str. 20 (Eröffnung nach vollständiger Rekonstruktion zu Wohn- und Geschäftsräumen am 20. November 1952). 1960 zahlte er Kurt Richter aus und übernahm damit C&R als alleiniger Inhaber. Die Firma erlosch am 28.02.1971.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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