Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 441-3
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Neuere Bestände (vornehmlich ab ca. 1800) >> Kultur >> Museen >> Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
1710-2008
Vorbemerkung: Der Bestand enthält Unterlagen zur Allgemeinen Verwaltung der Kunsthalle (u.a. Organisation, Haushalt, Gebäudeunterhalt), zur Bibliothek (Korrespondenzen und Bestellungen) und zum Kupferstichkabinett sowie die Dienstakten, wissenschaftliches Material und Korrespondenzen der Direktion und einzelner Mitarbeiter (u.a. Dr. Kurt Martin, Prof. Dr. Horst Vey). Weiterhin findet sich darin Schriftgut zur Presse und Öffentlichkeitsarbeit (u.a. Pressemitteilungen, Zeitungsausschnittsammlung), zu Ausstellungen zwischen 1921 und 1959 (mit Lücken), zu Kunstpflege und Restaurierung sowie Unterlagen über den Austausch mit anderen Museen, dem Kunsthandel und einzelnen Künstlern einschließlich der Ausleihen, Leihgaben, Stiftungen und die Erwerbung von Kunstwerken. Aktuell und überregional von erheblichem Interesse ist das im Bestand enthaltene Schriftgut aus der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es enthält Anhaltspunkte, um den historischen Eigentumsverhältnissen an möglicherweise NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstobjekten nachzugehen. Einschlägig erscheinen in diesem Zusammenhang Unterlagen, die sich entweder auf die Erwerbung von Kunstwerken oder auf die wissenschaftliche Expertise der Mitarbeiter der Kunsthalle beziehen. So ermöglichen die amtlichen Akten zu Angeboten aus dem Kunsthandel oder von Privatleuten Untersuchungen über den Verbleib von in Privathand befindlichen Gegenständen. Gleiches gilt für das Schriftgut über gutachterliche Tätigkeiten, die das wissenschaftliche Personal wahrnahm. Beispielsweise erfragten Kunsthändler und Eigentümer kulturhistorisch wertvoller Objekte Angaben über deren Wert, Qualität oder Echtheit. Solche Aussagen forderten manchmal auch Gerichte an. Weiterhin prüften die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Kunsthalle das Umzugsgut von Auswanderern und sprachen gegenüber der Devisenstelle Empfehlungen über die Ausfuhr oder den Verbleib von Kunstobjekten aus. Als Gutachter waren sie auch an Verfahren zur "Arisierung" gemäß der 'Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens' vom 3. Dezember 1938 (Reichsgesetzblatt I, S. 1709-1712) und an der Ausplünderung der Haushalte deportierter Juden beteiligt. Nach dem deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommen am 22. Juni 1940 wurde das Personal der Kunsthalle auch im Elsass eingesetzt. Es war zunächst zuständig für die Rückführung des in das Innere Frankreichs geflüchtete Kunstgut, am Ende des Krieges für dessen Bergung. Mit dem 1. April 1941 wurden badische und elsässische Einrichtungen in der "Generalverwaltung der oberrheinischen Museen" zusammengeführt. Demnach enthält der Bestand auch Unterlagen über die Dienstaufsicht über weitere museale Einrichtungen am Oberrhein. Die Generalverwaltung war auch zuständig für die Begutachtung des im Elsass beschlagnahmten 'volks- und reichsfeindlichen Vermögens'. Die einzelnen Vorgänge zur Erwerbung von Kunstgut und mehrere Korrespondenzserien aus der Nachkriegszeit enthalten auch Angaben zur Suche und zur Rückerstattung NS-verfolgungsbedingt entzogener Gegenstände. Ob der überregionalen Bedeutung des Bestands wurden im Rahmen eines von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts auch insgesamt 104 Akten auf die Nennung von Kunstwerken und deren Anbieter oder Eigentümer hin genauer erschlossen. Die Unterlagen der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe kamen in mehreren Ablieferungen in den Jahren 1936, 1981, 1982 und 2011 in das Generallandesarchiv Karlsruhe. Die Aktenführung der Kunsthalle bzw. deren einzelner Mitarbeiter ist sehr individuell. Insbesondere nach 1945 wurde offensichtlich eine vorher vorhandene Aktenplanführung zugunsten einer individuellen Mitarbeiterablage aufgegeben. Daher erwies sich die Zuordnung einzelner Akten zu den einzelnen Klassifikationspunkten als schwierig und nicht bis ins letzte Detail schlüssig. Dr. Jürgen Treffeisen Lutz Bannert (August 2016)
1343 Akten
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:03 MESZ